Prag 1/5 06
Smichow 586

Lieber Freund! Bei meiner Rückkehr [fi]nde ich u. a. beiliegende Sendung des entsetzlichen A. Pick. Es wird Ihnen hoffentlich keine grosse Mühe machen festzustellen, ob das Gedicht wirklich ungedruckt ist. Sie haben vielleicht auch die grosse Güte mir zu sagen, ob ich es drucken soll oder nicht. Vielen Dank dafür.
Ich hörte in Berlin, dass sie den Göttinger Ruf ausgeschlagen haben. So sehr es mich freut, dass sie Österreich erhalten bleiben, so kann ich Ihr Vorgehen doch nicht recht begreifen. Sie gehören dorthin. Nun soll Walzel der Erkorene sein, kein ebenbürtiger Ersatz für Sie.
Ich habe Houben die Namen der beiden von Ihnen vorgeschlag[en]en Herren angegeben u. es wird von Berlin aus, an sie geschrieben werden. Fragt einer der beiden Sie um Rat, so machen Sie die Herren darauf aufmerksam, dass sie sich genaue Kontrakte vorliegen lassen, damit ihne[n] das Honorar gesichert wird. Die Gesellschaft steht nemlich nicht gut. Herr Houben bezieht Gehalt 1) als Sekretär, 2) als Redakteur, den Rest verrechnet er als Bureauspesen, seinen Mitarbeitern bleibt er alles schuldig, so z.B. hat Walzel noch eine For[de]rung an die Gesellschaft vom ersten Repertoriumband her. Nun werde ich freilich Sorge dafür tragen, dass die Ministerialsubvention nicht in Houbens Hände fällt, werde auch trachten, die Geschäftsordnung innerhalb der Gesellschaft zu regeln, so dass Houben ohne Gegenzeichnung des Vorsitzenden kein Geld beheben kann. Im Augenblick ist er nemlich alles in einer Person, der Kassier eine vorgeschobene Puppe, der Kassensensor unzuverlässig, der Verleger nur für seinen Beutel besorgt. Gelingt mir die Sanierung der Gesellschaft nicht, so trete ich aus dem Ausschuss aus, warne das Ministerium und redigiere auch den öst. Band, de[r 19]08 erscheinen sollte, nicht. Sie behandeln diese Mitteilungen als vertrauliche, richten aber ihre ev. Ratschläge an Rommel u. Schiessl darnach ein. Ich halte Sie auf dem Laufenden, sende Ihnen auch meinen Vortrag, der in der Voss. Ztg. gedruckt wird. Möglich ist es übrigens auch, dass mir die S[ac]he von Gegnern Houbes zu schwarz gemalt wurde. Sonst war es in Berlin sehr angenehm, nur der Kreis um Geiger mir höchst widerlich. Fast bereu ich es, den Herrn zu Diensten gewesen zu sein.
Herzlichst Ihr treu erg. AS.

Prag 1/5 06
Smichow 586

Lieber Freund! Bei meiner Rückkehr [fi]nde ich u. a. beiliegende Sendung des entsetzlichen A. Pick. Es wird Ihnen hoffentlich keine grosse Mühe machen festzustellen, ob das Gedicht wirklich ungedruckt ist. Sie haben vielleicht auch die grosse Güte mir zu sagen, ob ich es drucken soll oder nicht. Vielen Dank dafür.
Ich hörte in Berlin, dass sie den Göttinger Ruf ausgeschlagen haben. So sehr es mich freut, dass sie Österreich erhalten bleiben, so kann ich Ihr Vorgehen doch nicht recht begreifen. Sie gehören dorthin. Nun soll Walzel der Erkorene sein, kein ebenbürtiger Ersatz für Sie.
Ich habe Houben die Namen der beiden von Ihnen vorgeschlag[en]en Herren angegeben u. es wird von Berlin aus, an sie geschrieben werden. Fragt einer der beiden Sie um Rat, so machen Sie die Herren darauf aufmerksam, dass sie sich genaue Kontrakte vorliegen lassen, damit ihne[n] das Honorar gesichert wird. Die Gesellschaft steht nemlich nicht gut. Herr Houben bezieht Gehalt 1) als Sekretär, 2) als Redakteur, den Rest verrechnet er als Bureauspesen, seinen Mitarbeitern bleibt er alles schuldig, so z.B. hat Walzel noch eine For[de]rung an die Gesellschaft vom ersten Repertoriumband her. Nun werde ich freilich Sorge dafür tragen, dass die Ministerialsubvention nicht in Houbens Hände fällt, werde auch trachten, die Geschäftsordnung innerhalb der Gesellschaft zu regeln, so dass Houben ohne Gegenzeichnung des Vorsitzenden kein Geld beheben kann. Im Augenblick ist er nemlich alles in einer Person, der Kassier eine vorgeschobene Puppe, der Kassensensor unzuverlässig, der Verleger nur für seinen Beutel besorgt. Gelingt mir die Sanierung der Gesellschaft nicht, so trete ich aus dem Ausschuss aus, warne das Ministerium und redigiere auch den öst. Band, de[r 19]08 erscheinen sollte, nicht. Sie behandeln diese Mitteilungen als vertrauliche, richten aber ihre ev. Ratschläge an Rommel u. Schiessl darnach ein. Ich halte Sie auf dem Laufenden, sende Ihnen auch meinen Vortrag, der in der Voss. Ztg. gedruckt wird. Möglich ist es übrigens auch, dass mir die S[ac]he von Gegnern Houbes zu schwarz gemalt wurde. Sonst war es in Berlin sehr angenehm, nur der Kreis um Geiger mir höchst widerlich. Fast bereu ich es, den Herrn zu Diensten gewesen zu sein.
Herzlichst Ihr treu erg. AS.

Briefdaten

Schreibort: Prag
Empfangsort: Graz
Archiv: Österreichische Nationalbibliothek
Zustand: archivarisch einwandfreier Zustand, allerdings kleinräumige Textverluste durch nachträgliche Lochung
Signatur: Autogr. 423/1-510
Umfang: 4 Seite(n)

Status

Transkription mehrfach geprüft, Text teilweise getaggt

Zitiervorschlag

Brief ID-9179 [Druckausgabe Nr. 233]. In: Der Briefwechsel zwischen August Sauer und Bernhard Seuffert 1880 bis 1926. Digitale Edition. Hrsg. von Bernhard Fetz, Hans-Harald Müller, Marcel Illetschko, Mirko Nottscheid und Desiree Hebenstreit. Wien: Österreichische Nationalbibliothek, Version 2.0, 2.7.2020. URL: https://edition.onb.ac.at/sauer-seuffert/o:bss.9179/methods/sdef:TEI/get

Lizenzhinweis

Die Transkriptionen der Tagebücher sind unter CC BY-SA 4.0 verfügbar. Weitere Informationen entnehmen Sie den Lizenzangaben.

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