Graz 24.5.6.

Lieber freund, Mit beschämung schicke ich Ihnen hier die – erste! hälfte von Rommels arbeit. Sie ist innerlich besser als ihr äusserliches, entsetzliches aussehen. Aber sie leidet auch an stilistischen schwächen und ist viel zu umständlich. Wie oft hab ich den mann von allem anfang an während der arbeit gebeten, verpflichtet, bestürmt, nicht erschöpfen zu wollen; das trage dies thema nicht. Nun hoffte ich, er werde die umarbeitung entsprechend kürzen (die diss. war anders, auch anständig geschrieben, kein blatt hat er daraus genommen). Und er behauptet ja auch gekürzt zu haben. Es ist ja richtig, dass die bühnenzusammenfassung Waldbergs in seinen 2 lyrikbüchern beim nachprüfen oft u. oft versagen. Und das schreckte Rommel, drum wollte er den letzten halm sammeln.
In der bibliographie hat er mir bei der diss. zu wenig getan, jetzt macht ers zu umständlich. Bl. 59a ff. gehört nicht zu den kritiken, sondern vor die geschichte des WA. Ich würde am liebsten das werk zurücksenden (was noch folgt, lehrt Sie das inhaltsverzeichnis). Aber wird ers besser machen? Er u. sein werk sind nun einmal so organisiert. U. die zeit drängt, wenn die subvention nicht verfallen soll. Lehrreich ist ja das ganze, dünkt mich, über den WM hinaus, für andere almanache, für die lyrik überhaupt, deren behandlung mir wenigstens immer am schwersten fällt.
Nun geb ich Ihnen anheim, was Sie ihm auferlegen sollen. Er wird gewiss alles freundlich aufnehmen. Den umfang vermag ich bei dieser art von ungleicher schrift gar nicht zu schätzen.
Und ich bitte mit aufgehobenen händen, mir nicht zu zürnen, dass ich Ihnen diesen gargantuaschen erstling zur taufe zuführe. Ich habe so sehr in den herrn gedrungen, ein normales kind daraus zu formen. Aber: er schreibt ein grosses buch, weil er nicht zeit hat, ein kleines zu schreiben; das gilt auch für ihn. U. von einem druckfertigen mscpt. hat er keine ahnung.
Grüssend und schuldbewusst – der rest folgt sobald als ich ihn durchfliegen kann –
Ihr
BSfft.

Graz 24.5.6.

Lieber freund, Mit beschämung schicke ich Ihnen hier die – erste! hälfte von Rommels arbeit. Sie ist innerlich besser als ihr äusserliches, entsetzliches aussehen. Aber sie leidet auch an stilistischen schwächen und ist viel zu umständlich. Wie oft hab ich den mann von allem anfang an während der arbeit gebeten, verpflichtet, bestürmt, nicht erschöpfen zu wollen; das trage dies thema nicht. Nun hoffte ich, er werde die umarbeitung entsprechend kürzen (die diss. war anders, auch anständig geschrieben, kein blatt hat er daraus genommen). Und er behauptet ja auch gekürzt zu haben. Es ist ja richtig, dass die bühnenzusammenfassung Waldbergs in seinen 2 lyrikbüchern beim nachprüfen oft u. oft versagen. Und das schreckte Rommel, drum wollte er den letzten halm sammeln.
In der bibliographie hat er mir bei der diss. zu wenig getan, jetzt macht ers zu umständlich. Bl. 59a ff. gehört nicht zu den kritiken, sondern vor die geschichte des WA. Ich würde am liebsten das werk zurücksenden (was noch folgt, lehrt Sie das inhaltsverzeichnis). Aber wird ers besser machen? Er u. sein werk sind nun einmal so organisiert. U. die zeit drängt, wenn die subvention nicht verfallen soll. Lehrreich ist ja das ganze, dünkt mich, über den WM hinaus, für andere almanache, für die lyrik überhaupt, deren behandlung mir wenigstens immer am schwersten fällt.
Nun geb ich Ihnen anheim, was Sie ihm auferlegen sollen. Er wird gewiss alles freundlich aufnehmen. Den umfang vermag ich bei dieser art von ungleicher schrift gar nicht zu schätzen.
Und ich bitte mit aufgehobenen händen, mir nicht zu zürnen, dass ich Ihnen diesen gargantuaschen erstling zur taufe zuführe. Ich habe so sehr in den herrn gedrungen, ein normales kind daraus zu formen. Aber: er schreibt ein grosses buch, weil er nicht zeit hat, ein kleines zu schreiben; das gilt auch für ihn. U. von einem druckfertigen mscpt. hat er keine ahnung.
Grüssend und schuldbewusst – der rest folgt sobald als ich ihn durchfliegen kann –
Ihr
BSfft.

Briefdaten

Schreibort: Graz
Empfangsort: Prag
Archiv: Staatsarchiv Würzburg
Zustand: archivarisch einwandfreier Zustand
Umfang: 3 Seite(n)

Status

Rohtranskription, Text teilweise getaggt

Zitiervorschlag

Brief ID-9189. In: Der Briefwechsel zwischen August Sauer und Bernhard Seuffert 1880 bis 1926. Digitale Edition. Hrsg. von Bernhard Fetz, Hans-Harald Müller, Marcel Illetschko, Mirko Nottscheid und Desiree Hebenstreit. Wien: Österreichische Nationalbibliothek, Version 2.0, 2.7.2020. URL: https://edition.onb.ac.at/sauer-seuffert/o:bss.9189/methods/sdef:TEI/get

Lizenzhinweis

Die Transkriptionen der Tagebücher sind unter CC BY-SA 4.0 verfügbar. Weitere Informationen entnehmen Sie den Lizenzangaben.

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