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Mai 1950

Montag, 1. Mai 1950:

Zeitiger auf, zum Fenster.

Draussen Mai-Lastautos und Abmärsche.

Zu Artmann gegangen. Herrlicher Frühling draussen.

Blüte usw.

Mit Artmann und seinem Freund ausgegangen, durch Breitensee spaziert. Mit Artmann zu ihm heim. Ein Mädchen des Artmann-Kreises namens Inge kennengelernt.

Der zweite Teil dieses Vormittags wurde fader. Steinbruchstrasse heim.

Artmann hatte meinen "Herakles und Dejaneira", die drei Brettl-Szenen, "unser Friedensmanifest" genannt. Auch Carlo war begeistert.

Daheim "Lyrik seit Liliencron" gelesen. Nachmittag kam Polakovics. Auch mit ihm ziemlich ausgequatscht.

Nach dem Besprechen gingen wir noch spazieren. Nicht ein so angeregter Tag wie sonst.

Bei Artmann hatte ich Charakteristika "Breitenseel. Mai" geschrieben.


Dienstag, 2. Mai:

Da Gali entfiel, später auf, Konsum, ganz interessante "Welt am Montag". Versuche mit farbgetränkten Kreiden. Nur in die Vorlesungen Ehrenhaft und Ebert gegangen.

Wieder heimgefahren.

Groll über gewisse Seichtheiten notiert.

"Neue Wege" Redaktionszimmer. "Regisseur-Stimmung" an Wirbel. Stenzl, Diem kamen!

Diem hat, wie ich höre, die Gewohnheit, kein Komma mehr in einem Gedicht zu verändern, das sie schreibt.

Auch Eisenreich, Hauer anwesend.

Resolution der Redaktion übergeben.

Um 20,15 in die Eisenreich-Lesungim Studio d. Kolingasse gegangen. Kei, Art, Pol, Di, Ok. Jirgal leitete.

Halb 24 Uhr nach Hause.

Es ist interessant, wie zu Beginn unserer Plauderei mit Frl. Diem der Ausdruck für unser schwieriges Thema noch relativ schwer fiel. Dann aber glättete sich die Sprache und mit fortschreitendem Verstehen könnten wir auch das Schwierigste fliessend, hemmungslos ausdrücken.

Ich gab ihr Aufgaben aus einem viel radikaleren Surrealismus. Unterbewusstes und Reflexives sorglos gereiht; Aufgeben aller Hemmungen und Sperren; breiteste Bahn dem gerichteten Surr.


Mittwoch, 3. Mai:

Konsum.

Zu schreiben begonnen: "Wer das Mädchen nicht aufsucht ..."

Ins Institut

Apparate vorbereitet, Ehr, Eb.

NII wieder gemacht. Fertig geworden. Fast eingesperrt.

Herrlicher Frühling draussen, Blüte.

Gegen Abend


Donnerstag, 4. Mai:

Gali. Pechsträhne: Abgegeben, falsch, das Rohr zerbrochen! Ehr, Eb. Heimgefahren.

Den Nachmittag über ausgeruht und vorbereitet.

Halb sieben abends Probe zur morgigen Lesung. Ich finde die Arbeit vertan. Das ist alles nicht das Richtige.

Die Autoren selbst müssten lesen.


Freitag, 5. Mai:

Meist ganz schön. Kuff. Rohr gekauft, Apparat vorbereitet. Eb. Den Apparat mit Mühe und Not reduziert usw.

Zuber und Urban ganz nett.

Heimgefahren. Zur Lesung dann gefahren.

Um halb acht. Hans Weigel soll anwesend gewesen sein. /Kammersaal/. Diem gab mir etwas zu lesen. Ganz gute Stimmung. Ich sass neben Weissenborn und der Kaipr. Das war angenehm.

Heimgefahren mit Polakovics, Artmann. Wir schlagen eine Lesung in einem Wirtshaus vor; die jungen Autoren selbst; hinter verschlossenen Türen.


Samstag, 6. Mai:

Wieder eingetrübt.

Spät auf, Samstagsverrichtungen.

Konsum, verschiedene Ordnungen. Und ausgeruht und gesammelt. Nachmittags kam Tante.

Einen Artikel geschrieben: "Kalte Lyrik und Kaltes von Menschen" Abends "Deutsche Lyrik seit Liliencron" weiter gelesen. Abendessen, gute Stimmung, Schnaps.

Abend guter Regen bei offenem Fenster.


Sonntag, 7. Mai:

Regenwetter.

Reinschriften, und viel aus den "Selected Poems" /Eliot/ herausgeschrieben.

Ein Gedicht geschrieben.

Noch ein Gedicht.

Nachmittags kam Tante wieder.

Noch ein Gedicht /Edith/.

Bazata kam, nur kurz.

Abends zum Bernklau.

Noch Gedichte /Sechs Viergedichte/.

Angenehme Stimmung, frühlinghaftes Wetter nm. und vor allem gegen Abend. Im Toto 9,9.


Montag, 8. Mai:

Früh wieder Regenwetter. In der WaM nichts.

Konsum. Ziemlich abgefallene Stimmung.

Kuff. Vorbereitet. Ehr - Eb.

Nm. wieder NII.

Daheim angenehm noch. Trübes Wetter.


Dienstag, 9. Mai:

Gali. Stickstoff bestätigt!

Schöneres Wetter.

Ehr, Eb. Nachmittag aber zu Artmann.

Gründung "Der Keller" usw.

Es regnete.

Neue Wege. Eisenreich, Diem kamen. Kritiken sind in den Zeitungen über unsere Lesung.

Pol Aerger um die Keller-Gründung. Eisenreich beschwichtigte. Vorher mit Diem über den einseitigen Aesthetizismus gesprochen.


Mittwoch, 10. Mai:

Etwas später auf.

Im Institut Schmelzpunkt vorbereitet. Kritiken wurden von Springer und den anderen im Quant. gelesen. Viel Aufhebens. Vor allem die "Presse", die mich hervorhob, allerdings als unter Elioteinfluss stehend, und "nicht so gut wie der".

Nachmittags nach den Vorlesungen den Schmelzpunkt bestimmt. Gutes Ergebnis. Schönes erwärmtes Wetter. Die Kastanienkerzen blühen so schön. Morgen hoffe ich mit dem HM fertig zu werden.


Donnerstag, 11. Mai:

Schön, blau, blühend.

Zeisel /letzte Analyse/ gemacht.

Probe abgegeben. Sie stimmt.

Platz gezahlt und übergeben.

Halbmikropraktikum aus.

Froh heimgefahren. Montag bekomme ich einen Platz im Praeparativen.


Freitag, 12. Mai:

Frühlinghaft schön. Vielfache Blüte.

Konsum, Totoschein.

Institut: Kuffner. In der Vorlesung notierte ich für die Phil-Mappe: "Man kann mir selbst in Gedichten wie der Blauen Dissertation keinen Symbolismus vorwerfen. /Ein Blatt, hellgrün .../ Das Blatt selbst ist erlebt von mir, nicht erst ein Symbol oder Beispiel für eine vorhergegangene etwaige Abstraktion des Erlebens.”

Mit Springer und mit einem Spaziergang allein die Institutzeit verbracht. Nach Ebert mittags heimgefahren.

Gegen Nachmittag Eintrübung. Ordnungen, Tagebuch

Abends das Gedicht Garten und "Draussen wenn das ...” geschrieben, spät niedergelegt.


Samstag, 13. Mai:

Zum Teil noch bedeckt. Ganz warm, blau ...

Gedicht "Früheres Bild” noch im Bett geschrieben.

Samstagsverrichtungen, Konsum, Friseur.

Reinschriften. Ueberlegungen zu meinem gestrigen Gedicht.

Nm. meine Lyrik durchgesehen, in letzter Zeit ziemlich wenig aufregend. Gedichte durchgegangen und manches aufzufrisieren versucht. /Später warf ich solche Versuche wieder weg./

Nm. Schönwetter. In bissiger Stimmung gegen das Regime.


Sonntag, 14. Mai:

Blühendes Maiwetter. Spaziergang /M./ Steinhofer Mauer. Die Natur betrachtet und mich mit meiner Lyrik befasst.

Zu Polakovics gegangen. Mit ihm, für mich überraschend, zu Weissenborn gefahren. Wir lasen dessen Gedichte, dann las Polakovics seine vor, endlich las ich. Anregungsreicher Nachmittag. Ich muss wieder zu mir finden und ablassen, von mir selbst abzuschreiben.


Montag, 15. Mai:

Gute Kritik in der Welt am Montag. Mein Name wurde unter dreien von Weigel genannt.

Konsum. Geräte genommen, ins Institut, Kuffner, morgen bekomme ich den Platz.

Nach den Mittagsvorlesungen umsonst zu Artmann, dann heim. Heisses Maiwetter!

Ich versuchte ein Gedicht zu schreiben /In zehn Monaten ist wieder Frühlingsbeginn .../

Nur mehr geplaudert.


Dienstag, 16. Mai:

Gali. Morgen bekomme ich den Arbeitsplatz.

Vergeblich zu Weissenborn. In der Zwischenzeit zu den Mittagsvorlesungen schrieb ich das gestrige Gedicht tatsächlich.

Zu Artmann, dort ein 18-jähriger Bekehrer, der strikt leugnet, Farbassoziationen zu kennen. Ueber Diem Unheimliches erzählen gehört.

NW. Kritiken unserer Lesung: "Wiener Zeitung", "Oest. Tagebuch", "Wiener Tageszeitung".

Eine Direktorin /der Gewerbeschule Herbststrasse/ forderte von uns Sachen an, vor allem von mir /Zeitkrankheit und Ergo sum gefielen ihr sehr gut/.

Einladung des Bundes demokratischer Schriftsteller erging an uns. Zeitig aufgehört. Park /Volksgarten/. Dann mit Pol, Alt, Art Heimweg angetreten.


Mittwoch, 17. Mai:

Etwas später auf.

Institut: Auf den organischen Platz gewartet.

Zwei Uhr erste Chemikalienausgabe.

Platz 21 übernommen. Ordnung dort gemacht. Slabihoud nett. Geräte auch gekauft. Zeitig heim.

Fini kam. CHemie.

Surr. Gedicht geschrieben.


Donnerstag, 18. Mai:

Freier Tag /Christi Himmelfahrt/. Herrlicher Mai.

Meine Lyrik sortiert, für die Lesung in der "Gewerbeschule" Material hergerichtet.


Do, 18 Mai 1950: /Fortsetzung/

Vormittag Aesthetengedicht versucht.

Nm.: Pol. kam. Reinschriften seiner Gedichte mit ihm gemacht. Pause: NW ältere Nummern mit ihm gelesen. Weitergeschrieben. Ueber meine letzten Gedichte uns besprochen. Meine Richtung der Synthese zwischen Impression und Problematik.

Er ging.

Viel noch daheim über Literatur gesprochen.


Fr, 19 Mai:

Kuffner. 1. Präparat begonnen.

Bis sechs Uhr gearbeitet.

Heimgefahren. Es regnete.


Sa, 20 Mai:

Vormittag zwei Gedichte.

Nachm. kam Tante. Unangenehme Gespräche über die derzeitige Lage.

Drei Experiment-Gedichte geschrieben.

Die "Sommer-Impression" umgedichtet.

Wermut getrunken; konnte nichts mehr schreiben.

Noch geredet ...


Sonntag, 21. Mai:

Tante und Paul kamen.

Mich besuchte Polakovics; seine Sachen fertig reingeschrieben.

Meine letzten Arbeiten gefielen ihm. Das Gedicht "Endlos duftet ..." fertig-gemacht /Umstellung/. Noch ein schöner Abend im Hochfrühling.

Bernklau-Weg.


Montag, 22. Mai:

Etwas später auf. Fade "W.a.M."

Kuffner. 1. Präparat fertig.

2. Präparat begonnen, erstes bestätigt.

Heimgefahren; herrliches Maiwetter.

Sehr gute Stimmung. Abends noch zum Fenster hinausgeschaut. Gedichte.


Dienstag, 23. Mai:

Gali entfiel.

2. Präparat ging weiter.

Nachmittag bei heissem Maiwetter /14 Uhr/ zu Artmann.

Dort nicht allzu interessant. Ich las ihm einiges vor. Er mir auch.

NW: Maiheft war erschienen.

Pol. fehlte. Diskussion Kein-Artmann über amerikanische Schundfilme. Diem ganz auf Artmanns Seite ... Mit Kein noch lange geredet, Spaziergang, spät heim.


Mittwoch, 24. Mai:

Im Institut Bilek-Prüfung. Benzil fertiggemacht. Butyraldehyd /3. Präparat/ begonnen. Sehr angenehmes Arbeiten im Labor .

Teils bewölkt, teils klarer Himmel. Schwül.

Daheim froh geplaudert.


Donnerstag, 25. Mai:

Zeitiger auf:

Gali-Vorlesung. 3. Präparat beendet.

Nachmittags 4. Präparat begonnen, schon 15 Uhr heim.

Reinschriften zuhause.


Freitag, 26. Mai:

9 Uhr Kuffner. 4. Präparat weiter, im Laufe des Tages fast fertig. 16 Uhr heim. Reinschriften. Tante war unerwartet da.

Später als sonst niedergelegt. Gedicht spätabends .


Samstag, 27. Mai:

Ich arbeitete für mich und für daheim.

Aeltere Gedichte durchgesehen. Ich habe viele Brücken inzwischen wieder abgebrochen.

Nachmittags: Wermut getrunken.

"Lyrik der Weltliteratur" gelesen.

Interessantes, meist politisches, Radio gehört. Versuchte zu schreiben, es wurde nichts.

Abends kühler als gewohnt, aber schön.

Spät noch gelesen.


Sonntag, 28. Mai: Pfingsten

Ich versuchte vergebens etwas zu schreiben.

In meinen Schriften Ordnungen.

Nachmittag kam Pol. Er diktierte mir einen Schimpfartikel.

Angeregt.

Es sind jetzt schöne Tage für mich.


Montag, 29. Mai: Pfingsten

9 Uhr überlegteich, was ich tun sollte.

Ich ging zu Artmann. Dort war erst einer seiner früheren Freunde, dann kam Carlo, endlich Polakovics. Angenehm unterhalten. Artmann ist viel eingeladen worden /V. Ferra, Fr. Mayröcker .../.

Nachmittags zu Polakovics. Er brütete über seinem Artikel. Ich las bei ihm verschiedenes Anregendes: Toman, Enrique Beck, Gütersloh usw. Er lieh mir ein Bändchen mit Rilkes Mädchengedichten.


Dienstag, 30. Mai:

Zu meiner sehr angenehmen Ueberraschung stellte ich fest, dass heute noch keine Uni war. Zu Weissenborn; dort zwar ein nettes Mäderl, aber er nicht daheim. Zu Eisenreich über die Alserstrasse. Ueber die grosse Synthese und die verrückten Kunstrichtungen angenehm gesprochen.


Heisser Maitag.

Daheim. Wieder abgefahren zu Artmann. Er hatte den Eliot-Band nicht bei sich. Ueber seine Kunst, meine letzten Gedichte. Er viel von dem letzten /"In zehn Monaten ..."/

Ueber den Begriff des Fluidums, auf den ich ihn draufkommen liess. Ueber Thema und Form.

Carlo. Ueber meine Mentalität wurde diskutiert.

Daheim ein Expressbrief wegen einer Analyse für Lachnit.


Mittwoch, 31. Mai:

Erster Arbeitstag wieder.

Lachnit.

4. Präparat fertig. Azetessigester-Synthese bekommen!

Essigester nachmittags zu reinigen begonnen. Lachnit-Analyse abgelehnt.

Heimgefahren.

Schwül wie diese Tage immer, aber nicht strahlend.


Mai 1950.
mAi 50

tagebuch

neu

Mai
1950

Montag, 1. Mai 1950:

Zeitiger auf, zum Fenster.

Draussen Mai-Lastautos und Abmärsche.

Zu Artmann gegangen. Herrlicher Frühling draussen.

Blüte usw.

Mit Artmann und seinem Freund ausgegangen, durch
Breitensee spaziert. Mit Artmann zu ihm heim. Ein
Mädchen des Artmann-Kreises namens Inge kennengelernt.

Der zweite Teil diseses Vormittags wurde fader. Steinbruch-
strasse
heim.

Artmann hatte meinen "Herakles und Dejaneira", die drei
Brettl-Szenen, "unser Friedensmanifest" genannt. Auch
Carlo war begeistert.

Daheim "Lyrik seit Liliencron" gelesen. Nachmittag
kam Polakovics. Auch mit ihm ziemlich ausgequatscht.

Nach dem Besprechen gingen wir noch spazieren. Nicht
ein so angeregter Tag wie sonst.

Bei Artmann hatte ich Charakteristika "Breitenseel. Mai"
geschrieben.


Dienstag, 2. Mai:

Da Gali entfiel, später auf, Konsum, ganz interessante
"Welt am Montag". Versuche mit farbgetränkten Kreiden.
Nur in die Vorlesungen Ehrenhaft und Ebert gegangen.

Wieder heimgefahren.

Groll über gewisse Seichtheiten notiert.

"Neue Wege" Redaktionszimmer. "Regisseur-Stimmung" an Wirbel.
Stenzl, Diem kamen!

Diem hat, wie ich höre, die Gewohnheit, kein Komma mehr
in einem Gedicht zu verändern, das sie schreibt.

Auch Eisenreich, Hauer anwesend.

Resoliution der Redaktion übergeben,.

Um 20,15 in die Eisenreich-Lesungim Studio d. Kolingasse
gegangen. Kei, Art, Pol, Di, Ok. Jirgal leitete.

Halb 24 Uhr nach Hause.

Es ist interessant, wie zu Beginn unserer Plauderei mit
Frl. Diem der Ausdruck für unser schwieeriges Thema noch
relativ schwer fiel. Dann aber glättete sich die Sprache
und mit fortschreitendem Verstehen könnten wir auch das
Schwierigste fliessend, hemmungslos ausdrücken.

Ich gab ihr Aufgaben aus einem viel radikaleren Surrealismus.
Unterbewusstes und Reflexives sorglos gereiht; Aufgeben aller
Hemmungen und Sperren; breiteste Bahn dem gerichteten Surr.


Mittwoch, 3. Mai:

Konsum.

Zu schreiben begonnen: "Wer das Mädchen nicht aufsucht ..."

Ins Institut

Apparate vorbereitet, Ehr, Eb.

NII wieder gemacht. Fertig geworden. Fast eingesperrt.

Herrlicher Frühling draussen, Blüte.

Gegen Abend


Donnerstag, 4. Mai:

Gali. Pechsträhne: Abgegeben, falsch, das Rohr zerbrochen!
Ehr, Eb. Heimgefahren.

Den Nachmittag über ausgeruht und vorbereitet.

Halb sieben abends Probe zur morgigen Lesung. Ich finde
die Arbeit vertan. Das ist alles nicht das Richtige.

Die Autoren selbst müssten lesen.


Freitag, 5. Mai:

Meist ganz schön. Kuff. Rohr gekauft, Apparat vorbereitet.
Eb. Den Apparat mit Mühe und Not reduziert usw.

Zuber und Urban ganz nett.

Heimgefahren. Zur Lesung dann gefahren.

Um halb acht. Hans Weigel soll anwesend gewesen sein.
/Kammersaal/. Diem gab mir etwas zu l  esen. Ganz gute
Stimmung. Ich sass neben Weissenborn und der Kaipr. Das
war angenehm.

Heimgefahren mit Polakovics, Artmann. Wir schlagen eine
Lesung in einem Wirtshaus vor; die jungen Autoren selbst;
hinter verschlossenen Türen.


Samstag, 6. Mai:

Wieder eingetrübt.

Spät auf, Samstagsverrichtungen.

Konsum, verschiedene Ordnungen. Und ausgeruht und gesammelt.
Nachmittags kam Tante.

Einen Artikel geschrieben: "Kalte Lyrik und Kaltes von Menschen"
Abends "Deutsche Lyrik seit Liliencron" weiter gelesen.
Abendessen, gute Stimmung, Schnaps.

Abend guter Regen bei offenem Fenster.


Sonntag, 7. Mai:

Regenwetter.

Reinschriften, und viel aus demn "Selected Poems" /Eliot/
herausgeschrieben.

Ein Gedicht geschrieben.

Noch ein Gedicht.

Nachmittags kam Tante wieder.

Noch ein Gedicht /Edith/.

Bazata kam, nur kurz.

Abends zum Bernklau.

Noch Gedichte /Sechs Viergedichte/.

Angenehme Stimmung, frühlinghaftes Wetter nm. und vor allem
gegen Abend. Im Toto 9,9.


Montag, 8. Mai:

Früh wieder Regenwetter. In der WaM nichts.

Konsum. Ziemlich abgefallene Stimmung.

Kuff. Vorbereitet. Ehr - Eb.

Nm. wieder NII.

Daheim angenehm noch. Trübes Wetter.


Dienstag, 9. Mai:

Gali. Stickstoff bestätigt!

Schöneres Wetter.

Ehr, Eb. Nachmittag aber zu Artmann.

Gründung "Der Keller" usw.

Es regnete.

Neue Wege. Eisenreich, Diem kamen. Kritiken sind in den
Zeitungen über unsere Lesung.

Pol Aerger um die Keller-Gründung. Eisenreich beschwichtigte.
Vorher mit Diem über den einseitigen Aesthetizismus gesprochen.


Mittwoch, 10. Mai:

Etwas später auf.

Im Institut Schmelzpunkt vorbereitet. Kritiken wurden
vlon Springer und den anderen im Quant. gelesen. Viel
Aufhebens. Vor allem die "Presse", die mich hervorhob,
allerdings als unter Elioteinfluss stehend, und "nicht so
gut wie der".

Nachmittags nach den Vorlesungen den Schmelzpunkt bestimmt.
Gutes Ergebnis. Schönes erwärmtes Wetter. Die Kastanienkerzen
blühen so schön. Morgen hoffe ich mit dem HM feertig zu werden.


Donnerstag, 11. Mai:

Schön, blau, blühend.

Zeisel /letzte Analyse/ gemacht.

Probe abgegeben. Sie stimmt.

Platz gezahlt und übergeben.

Halbmikropraktikum aus.

Froh heimgefahren. Montag bekomme ich einen Platz im
        Praeparativen.


Freitag, 12. Mai:

Frühlinghaft schön. Vielfache Blüte.

Konsum, Totoschein.

Institut: Kuffner. In der Vorlesung notierte ich für
die Phil-Mappe: "Man kann mir selbst in Gedichten wie
der Blauen Dissertation keinen Symbolismus vorwerfen.
/Ein Blatt, hellgrün .../ Das Blatt selbst ist erlebt
von mir, nicht erst ein Symbol oder Beispiel für eine
vorhergegangene etwaige Abstraktion des Erlebens.”

Mit Springer und mit einem Spaziergang allein die
Institutzeit verbracht. Nach Ebert mittags heimgefahren.

Gegen Nachmittag Eintrübung. Ordnungen, Tagebuch

Abends das Gedicht Garten und Y"Draussen wenn das ...”
geschrieben, spät niedergelegt.


Samstag, 13. Mai:

Zum Teil noch bedeckt. Ganz warm, blau ...

Gedicht "Früheres Bild” noch im Bett geschrieben.

Samstagsverrichtungen, Konsum, Friseur.

Reinschriften. Ueberlegungen zu meinem gestrigen Gedicht.

Nm. meine Lyrik durchgesehen, in letzter Zeit ziemlich
wenig aufregend. Gedichte durchgegangen und manches
aufzufrisieren versucht. /Später warf ich solche Versuche
wieder weg./

Nm. Schönwetter. In Bbissiger Stimmung gegen das Regime.


Sonntag, 14. Mai:

Blühendes Maiwetter. Spaziergang /M./ Steinhofer Mauer.
Die Natur betrachtet und mich mit meiner Layrik befasst.

Zu Polakovics gegangen. Mit ihm, für mich überraschend,
zu Weissenborn gefahren. Wir lasen dessen Gedichte, dann
las Polakovics seine vor, endlich las ich. Anregungsreicher
Nachmittag. Ich muss wieder zu mir finden und ablassen, von
mir selbst abzuschreiben.


Montag, 15. Mai:

Gute Kritik in der Welt am Montag. Mein Name wurde unter
dreien von Wekigel genannt.

Konsum. Geräte genommen, ins Institut, Kuffner,
morgen bekomme ich den Platz.

Nach den Mittagsvorlesungen umsonst zu Artmann, dann heim.
Heisses Maiwetter!

Ich versuchte ein Gedicht zu schreiben /In zehn Monaten
ist wieder Frühlingsbeginn ...
/

Nur mehr geplaudert.


Dienstag, 16. Mai:

Gali. Morgen bekomme ich den Arbeitsplatz.

Vergeblich zu Weissenborn. In der Zwischenzeit zu den
Mittagsvorlesungen schrieb ich das gestrige Gedicht
tatsächlich.

Zu Artmann, dort ein 18-jähriger Bekehrer, der strikt leugnet,
Farbassoziationen zu kennen. Ueber Diem Unheimliches
erzählen gehört.

NW. Kritiken unserer Lesung: "Wiener Zeitung", "Oest. Tagebuch",
"Wiener Tageszeitung".

Eine Direktorin /der Gewerbeschule Herbststrasse/ forderte
von uns Sachen an, vor allem von mir /Zeitkrankheit und
Ergo sum gefielen ihr sehr gut/.

Einladung des Bundes demokratischer Schriftsteller erging
an uns. Zeitig aufgehört. Park /Volksgarten/. Dann mit
Pol, Alt, Art Heimweg angetreten.


Mittwoch, 17. Mai:

Etwas später auf.

Institut: Auf den organischen Platz gewartet.

Zwei Uhr erste Chemikalienausgabe.

Platz 21 übernommen. Ordnung dort gemacht. Slabihpoud nett.
Geräte auch gekauft. Zeitig heim.

Fini kam. CHemie.

Surr. Gedicht geschrieben.


Donnerstag, 18. Mai:

Freier Tag /Christi Himmelfahrt/. Herrlicher Mai.

Meine Lyrik sortiert, für die Lesung in der "Gewerbeschule"
Material hergerichtet.


Do, 18 Mai 1950: /Fortsetzung/

Vormittag Aesthetengedicht versucht.

Nm.: Pol. kam. Reinschriften seiner Gedichte
mit ihm gemacht. Pause: NW ältere Nummern mit
ihm gelesen. Weitergeschrieben. Ueber meine
letzten Gedichte uns besprochen. Meine Richtung
der Synthese zwischen Impression und Problematik.

Er ging.

Viel noch daheim über Literatur gesprochen.


Fr, 19 Mai:

Kuffner. 1. Präparat begonnen.

Bis sechs Uhr gearbeitet.

Heimgefahren. Es regnete.


Sa, 20 Mai:

Vormittag zwei Gedichte.

Nachm. kam Tante. Unangenehme Gespräche über die
derzeitige Lage.

Drei Experiment-Gedichte geschrieben.

Die "Sommer-Impression" umgedichtet.

Wermut getrunken; konnte nichts mehr schreiben.

Noch geredet ...


Sonntag, 21. Mai:

Tante und Paul kamen.

Mich besuchte Polakovics; seine Sachen fertig
reingeschrieben.

Meine letzten Arbeiten gefielen ihm. Das Gedicht
"Endlos duftet ..." fertig-gemacht /Umstellung/.
Noch ein schöner Abend im Hochfrühling.

Bernklau-Weg.


Montag, 22. Mai:

Etwas später auf. Fade "W.a.M."

Kuffner. 1. Präparat fertig.

2. Präparat begonnen, erstes bestätigt.

Heimgefahren; herrliches Maiwetter.

Sehr gute Stimmung. Abends noch zum Fenster
hinausgeschaut. Gedichte.


Dienstag, 23. Mai:

Gali entfiel.

2. Präparat ging weiter.

Nachmittag bei heissem Maiwetter /14 Uhr/
zu Artmann.

Dort nicht allzu interessant. Ich las ihm
einiges vor. Er mir auch.

NW: Maiheft war erschienen.

Pol. fehlte. Diskussion Kein-Artmann über
amerikanische Schundfilme. Diem ganz auf
Artmanns Seite ... Mit Kein noch lange
geredet, Spaziergang, spät heim.


Mittwoch, 24. Mai:

Im Institut Bilek-Prüfung. Benzil fertiggemacht.
Butyraldehyd /3. Präparat/ begonnen. Sehr
angenehmes Arbeiten im Labor -.

Teils bewölkt, teils klarer Himmel. Schwül.

Daheim froh geplaudert.


Donnerstag, 25. Mai:

Zeitiger auf:

Gali-Vorlesung. 3. Präparat beendet.

Nachmittags 4. Präparat begonnen, schon 15 Uhr
heim.

Reinschriften zuhause.


Freitag, 26. Mai:

9 Uhr Kuffner. 4. Präparat weiter,
im Laufe des Tages fast fertig. 16 Uhr heim.
Reinschriften. Tante war unerwartete da.

Später als sonst niedergelegt. Gedicht spät-
abends .


Samstag, 27. Mai:

Ich arbeitete für mich und für daheim.

Aeltere Gedichte durchgesehen. Ich habe
viele Brücken inzwischen wieder abgebrochen.

Nachmittags: Wermut getrunken.

"Lyrik der Weltliteratur" gelesen.

Interessantes, meist politisches, Radio, gehört.
Versuchte zu schreiben, es wurde nichts.

Abends kühler als gewohnt, aber schön.

Spät noch gelesen.


Sonntag, 28. Mai:
Pfingsten

Ich versuchte vergebens etwas zu schreiben.

In meinen Schriften Ordnungen.

Nachmittag kam Pol. Er diktierte mir einen
Schimpfartikel.

Angeregt.

Es sind jetzt schöne Tage für mich.


Montag, 29. Mai:
Pfingsten

9 Uhr überlegteich, was ich tun sollte.

Ich ging zu Artmann. Dort war erst einer
seiner früheren Freunde, dann kam Carlo,
endlich Polakovics. Angenehm unterhalten.
Artmann ist viel eingeladen worxden /V. Ferra,
Fr. Mayröcker .../.

Nachmittags zu Polakovics. Er brütete über
seinem Artikel. Ich las bei ihm verschiedenes
Anregendes: Toman, Enrique Beck, tersloh usw.
Er lieh mir ein Bändchen mit Rilkes Mädchen-
gedichten
.


Dienstag, 30. Mai:

Zu meiner sehr angenehmen Ueberraschung
stellte ich fest, dass heute noch keine Uni war.
Zu Weissenborn; dort zwar ein nettes Mäderl, aber
er nicht daheim. Zu Eisenreich über die Alser-
strasse
. Ueber die grosse Synthese und die
verrückten Kunstrichtungen angenehm gesprochen.


Heisser Maitag.

Daheim. Wieder abgefahren zu Artmann. Er hatte
den Eliot-Band nicht bei sich. Ueber seine Kunst,
meine letzten Gedichte. Er viel von dem
letzten /"In zehn Monaten ..."/

Ueber den Begriff des Fluidums, auf den ich ihn
draufkommen liess. Ueber Thema und Form.

Carlo. Ueber meine Mentalität wurde diskutiert.

Daheim ein Expressbrief wegen einer Analyse
für Lachnit.


Mittwoch, 31. Mai:

Erster Arbeitstag wieder.

Lachnit.

4. Präparat fertig. Azetessigester-Synthese
bekommen!

Essigester nachmittags zu reinigen begonnen.
Lachnit-Analyse abgelehnt.

Heimgefahren.

Schwül wie diese Tage immer, aber nicht strahlend.


Mai 1950.
mAi 50
Laden...

tagebuch

neu

Mai 1950

Montag, 1. Mai 1950:

Zeitiger auf, zum Fenster.

Draussen Mai-Lastautos und Abmärsche.

Zu Artmann gegangen. Herrlicher Frühling draussen.

Blüte usw.

Mit Artmann und seinem Freund ausgegangen, durch Breitensee spaziert. Mit Artmann zu ihm heim. Ein Mädchen des Artmann-Kreises namens Inge kennengelernt.

Der zweite Teil dieses Vormittags wurde fader. Steinbruchstrasse heim.

Artmann hatte meinen "Herakles und Dejaneira", die drei Brettl-Szenen, "unser Friedensmanifest" genannt. Auch Carlo war begeistert.

Daheim "Lyrik seit Liliencron" gelesen. Nachmittag kam Polakovics. Auch mit ihm ziemlich ausgequatscht.

Nach dem Besprechen gingen wir noch spazieren. Nicht ein so angeregter Tag wie sonst.

Bei Artmann hatte ich Charakteristika "Breitenseel. Mai" geschrieben.


Dienstag, 2. Mai:

Da Gali entfiel, später auf, Konsum, ganz interessante "Welt am Montag". Versuche mit farbgetränkten Kreiden. Nur in die Vorlesungen Ehrenhaft und Ebert gegangen.

Wieder heimgefahren.

Groll über gewisse Seichtheiten notiert.

"Neue Wege" Redaktionszimmer. "Regisseur-Stimmung" an Wirbel. Stenzl, Diem kamen!

Diem hat, wie ich höre, die Gewohnheit, kein Komma mehr in einem Gedicht zu verändern, das sie schreibt.

Auch Eisenreich, Hauer anwesend.

Resolution der Redaktion übergeben.

Um 20,15 in die Eisenreich-Lesungim Studio d. Kolingasse gegangen. Kei, Art, Pol, Di, Ok. Jirgal leitete.

Halb 24 Uhr nach Hause.

Es ist interessant, wie zu Beginn unserer Plauderei mit Frl. Diem der Ausdruck für unser schwieriges Thema noch relativ schwer fiel. Dann aber glättete sich die Sprache und mit fortschreitendem Verstehen könnten wir auch das Schwierigste fliessend, hemmungslos ausdrücken.

Ich gab ihr Aufgaben aus einem viel radikaleren Surrealismus. Unterbewusstes und Reflexives sorglos gereiht; Aufgeben aller Hemmungen und Sperren; breiteste Bahn dem gerichteten Surr.


Mittwoch, 3. Mai:

Konsum.

Zu schreiben begonnen: "Wer das Mädchen nicht aufsucht ..."

Ins Institut

Apparate vorbereitet, Ehr, Eb.

NII wieder gemacht. Fertig geworden. Fast eingesperrt.

Herrlicher Frühling draussen, Blüte.

Gegen Abend


Donnerstag, 4. Mai:

Gali. Pechsträhne: Abgegeben, falsch, das Rohr zerbrochen! Ehr, Eb. Heimgefahren.

Den Nachmittag über ausgeruht und vorbereitet.

Halb sieben abends Probe zur morgigen Lesung. Ich finde die Arbeit vertan. Das ist alles nicht das Richtige.

Die Autoren selbst müssten lesen.


Freitag, 5. Mai:

Meist ganz schön. Kuff. Rohr gekauft, Apparat vorbereitet. Eb. Den Apparat mit Mühe und Not reduziert usw.

Zuber und Urban ganz nett.

Heimgefahren. Zur Lesung dann gefahren.

Um halb acht. Hans Weigel soll anwesend gewesen sein. /Kammersaal/. Diem gab mir etwas zu lesen. Ganz gute Stimmung. Ich sass neben Weissenborn und der Kaipr. Das war angenehm.

Heimgefahren mit Polakovics, Artmann. Wir schlagen eine Lesung in einem Wirtshaus vor; die jungen Autoren selbst; hinter verschlossenen Türen.


Samstag, 6. Mai:

Wieder eingetrübt.

Spät auf, Samstagsverrichtungen.

Konsum, verschiedene Ordnungen. Und ausgeruht und gesammelt. Nachmittags kam Tante.

Einen Artikel geschrieben: "Kalte Lyrik und Kaltes von Menschen" Abends "Deutsche Lyrik seit Liliencron" weiter gelesen. Abendessen, gute Stimmung, Schnaps.

Abend guter Regen bei offenem Fenster.


Sonntag, 7. Mai:

Regenwetter.

Reinschriften, und viel aus den "Selected Poems" /Eliot/ herausgeschrieben.

Ein Gedicht geschrieben.

Noch ein Gedicht.

Nachmittags kam Tante wieder.

Noch ein Gedicht /Edith/.

Bazata kam, nur kurz.

Abends zum Bernklau.

Noch Gedichte /Sechs Viergedichte/.

Angenehme Stimmung, frühlinghaftes Wetter nm. und vor allem gegen Abend. Im Toto 9,9.


Montag, 8. Mai:

Früh wieder Regenwetter. In der WaM nichts.

Konsum. Ziemlich abgefallene Stimmung.

Kuff. Vorbereitet. Ehr - Eb.

Nm. wieder NII.

Daheim angenehm noch. Trübes Wetter.


Dienstag, 9. Mai:

Gali. Stickstoff bestätigt!

Schöneres Wetter.

Ehr, Eb. Nachmittag aber zu Artmann.

Gründung "Der Keller" usw.

Es regnete.

Neue Wege. Eisenreich, Diem kamen. Kritiken sind in den Zeitungen über unsere Lesung.

Pol Aerger um die Keller-Gründung. Eisenreich beschwichtigte. Vorher mit Diem über den einseitigen Aesthetizismus gesprochen.


Mittwoch, 10. Mai:

Etwas später auf.

Im Institut Schmelzpunkt vorbereitet. Kritiken wurden von Springer und den anderen im Quant. gelesen. Viel Aufhebens. Vor allem die "Presse", die mich hervorhob, allerdings als unter Elioteinfluss stehend, und "nicht so gut wie der".

Nachmittags nach den Vorlesungen den Schmelzpunkt bestimmt. Gutes Ergebnis. Schönes erwärmtes Wetter. Die Kastanienkerzen blühen so schön. Morgen hoffe ich mit dem HM fertig zu werden.


Donnerstag, 11. Mai:

Schön, blau, blühend.

Zeisel /letzte Analyse/ gemacht.

Probe abgegeben. Sie stimmt.

Platz gezahlt und übergeben.

Halbmikropraktikum aus.

Froh heimgefahren. Montag bekomme ich einen Platz im Praeparativen.


Freitag, 12. Mai:

Frühlinghaft schön. Vielfache Blüte.

Konsum, Totoschein.

Institut: Kuffner. In der Vorlesung notierte ich für die Phil-Mappe: "Man kann mir selbst in Gedichten wie der Blauen Dissertation keinen Symbolismus vorwerfen. /Ein Blatt, hellgrün .../ Das Blatt selbst ist erlebt von mir, nicht erst ein Symbol oder Beispiel für eine vorhergegangene etwaige Abstraktion des Erlebens.”

Mit Springer und mit einem Spaziergang allein die Institutzeit verbracht. Nach Ebert mittags heimgefahren.

Gegen Nachmittag Eintrübung. Ordnungen, Tagebuch

Abends das Gedicht Garten und "Draussen wenn das ...” geschrieben, spät niedergelegt.


Samstag, 13. Mai:

Zum Teil noch bedeckt. Ganz warm, blau ...

Gedicht "Früheres Bild” noch im Bett geschrieben.

Samstagsverrichtungen, Konsum, Friseur.

Reinschriften. Ueberlegungen zu meinem gestrigen Gedicht.

Nm. meine Lyrik durchgesehen, in letzter Zeit ziemlich wenig aufregend. Gedichte durchgegangen und manches aufzufrisieren versucht. /Später warf ich solche Versuche wieder weg./

Nm. Schönwetter. In bissiger Stimmung gegen das Regime.


Sonntag, 14. Mai:

Blühendes Maiwetter. Spaziergang /M./ Steinhofer Mauer. Die Natur betrachtet und mich mit meiner Lyrik befasst.

Zu Polakovics gegangen. Mit ihm, für mich überraschend, zu Weissenborn gefahren. Wir lasen dessen Gedichte, dann las Polakovics seine vor, endlich las ich. Anregungsreicher Nachmittag. Ich muss wieder zu mir finden und ablassen, von mir selbst abzuschreiben.


Montag, 15. Mai:

Gute Kritik in der Welt am Montag. Mein Name wurde unter dreien von Weigel genannt.

Konsum. Geräte genommen, ins Institut, Kuffner, morgen bekomme ich den Platz.

Nach den Mittagsvorlesungen umsonst zu Artmann, dann heim. Heisses Maiwetter!

Ich versuchte ein Gedicht zu schreiben /In zehn Monaten ist wieder Frühlingsbeginn .../

Nur mehr geplaudert.


Dienstag, 16. Mai:

Gali. Morgen bekomme ich den Arbeitsplatz.

Vergeblich zu Weissenborn. In der Zwischenzeit zu den Mittagsvorlesungen schrieb ich das gestrige Gedicht tatsächlich.

Zu Artmann, dort ein 18-jähriger Bekehrer, der strikt leugnet, Farbassoziationen zu kennen. Ueber Diem Unheimliches erzählen gehört.

NW. Kritiken unserer Lesung: "Wiener Zeitung", "Oest. Tagebuch", "Wiener Tageszeitung".

Eine Direktorin /der Gewerbeschule Herbststrasse/ forderte von uns Sachen an, vor allem von mir /Zeitkrankheit und Ergo sum gefielen ihr sehr gut/.

Einladung des Bundes demokratischer Schriftsteller erging an uns. Zeitig aufgehört. Park /Volksgarten/. Dann mit Pol, Alt, Art Heimweg angetreten.


Mittwoch, 17. Mai:

Etwas später auf.

Institut: Auf den organischen Platz gewartet.

Zwei Uhr erste Chemikalienausgabe.

Platz 21 übernommen. Ordnung dort gemacht. Slabihoud nett. Geräte auch gekauft. Zeitig heim.

Fini kam. CHemie.

Surr. Gedicht geschrieben.


Donnerstag, 18. Mai:

Freier Tag /Christi Himmelfahrt/. Herrlicher Mai.

Meine Lyrik sortiert, für die Lesung in der "Gewerbeschule" Material hergerichtet.


Do, 18 Mai 1950: /Fortsetzung/

Vormittag Aesthetengedicht versucht.

Nm.: Pol. kam. Reinschriften seiner Gedichte mit ihm gemacht. Pause: NW ältere Nummern mit ihm gelesen. Weitergeschrieben. Ueber meine letzten Gedichte uns besprochen. Meine Richtung der Synthese zwischen Impression und Problematik.

Er ging.

Viel noch daheim über Literatur gesprochen.


Fr, 19 Mai:

Kuffner. 1. Präparat begonnen.

Bis sechs Uhr gearbeitet.

Heimgefahren. Es regnete.


Sa, 20 Mai:

Vormittag zwei Gedichte.

Nachm. kam Tante. Unangenehme Gespräche über die derzeitige Lage.

Drei Experiment-Gedichte geschrieben.

Die "Sommer-Impression" umgedichtet.

Wermut getrunken; konnte nichts mehr schreiben.

Noch geredet ...


Sonntag, 21. Mai:

Tante und Paul kamen.

Mich besuchte Polakovics; seine Sachen fertig reingeschrieben.

Meine letzten Arbeiten gefielen ihm. Das Gedicht "Endlos duftet ..." fertig-gemacht /Umstellung/. Noch ein schöner Abend im Hochfrühling.

Bernklau-Weg.


Montag, 22. Mai:

Etwas später auf. Fade "W.a.M."

Kuffner. 1. Präparat fertig.

2. Präparat begonnen, erstes bestätigt.

Heimgefahren; herrliches Maiwetter.

Sehr gute Stimmung. Abends noch zum Fenster hinausgeschaut. Gedichte.


Dienstag, 23. Mai:

Gali entfiel.

2. Präparat ging weiter.

Nachmittag bei heissem Maiwetter /14 Uhr/ zu Artmann.

Dort nicht allzu interessant. Ich las ihm einiges vor. Er mir auch.

NW: Maiheft war erschienen.

Pol. fehlte. Diskussion Kein-Artmann über amerikanische Schundfilme. Diem ganz auf Artmanns Seite ... Mit Kein noch lange geredet, Spaziergang, spät heim.


Mittwoch, 24. Mai:

Im Institut Bilek-Prüfung. Benzil fertiggemacht. Butyraldehyd /3. Präparat/ begonnen. Sehr angenehmes Arbeiten im Labor .

Teils bewölkt, teils klarer Himmel. Schwül.

Daheim froh geplaudert.


Donnerstag, 25. Mai:

Zeitiger auf:

Gali-Vorlesung. 3. Präparat beendet.

Nachmittags 4. Präparat begonnen, schon 15 Uhr heim.

Reinschriften zuhause.


Freitag, 26. Mai:

9 Uhr Kuffner. 4. Präparat weiter, im Laufe des Tages fast fertig. 16 Uhr heim. Reinschriften. Tante war unerwartet da.

Später als sonst niedergelegt. Gedicht spätabends .


Samstag, 27. Mai:

Ich arbeitete für mich und für daheim.

Aeltere Gedichte durchgesehen. Ich habe viele Brücken inzwischen wieder abgebrochen.

Nachmittags: Wermut getrunken.

"Lyrik der Weltliteratur" gelesen.

Interessantes, meist politisches, Radio gehört. Versuchte zu schreiben, es wurde nichts.

Abends kühler als gewohnt, aber schön.

Spät noch gelesen.


Sonntag, 28. Mai: Pfingsten

Ich versuchte vergebens etwas zu schreiben.

In meinen Schriften Ordnungen.

Nachmittag kam Pol. Er diktierte mir einen Schimpfartikel.

Angeregt.

Es sind jetzt schöne Tage für mich.


Montag, 29. Mai: Pfingsten

9 Uhr überlegteich, was ich tun sollte.

Ich ging zu Artmann. Dort war erst einer seiner früheren Freunde, dann kam Carlo, endlich Polakovics. Angenehm unterhalten. Artmann ist viel eingeladen worden /V. Ferra, Fr. Mayröcker .../.

Nachmittags zu Polakovics. Er brütete über seinem Artikel. Ich las bei ihm verschiedenes Anregendes: Toman, Enrique Beck, Gütersloh usw. Er lieh mir ein Bändchen mit Rilkes Mädchengedichten.


Dienstag, 30. Mai:

Zu meiner sehr angenehmen Ueberraschung stellte ich fest, dass heute noch keine Uni war. Zu Weissenborn; dort zwar ein nettes Mäderl, aber er nicht daheim. Zu Eisenreich über die Alserstrasse. Ueber die grosse Synthese und die verrückten Kunstrichtungen angenehm gesprochen.


Heisser Maitag.

Daheim. Wieder abgefahren zu Artmann. Er hatte den Eliot-Band nicht bei sich. Ueber seine Kunst, meine letzten Gedichte. Er viel von dem letzten /"In zehn Monaten ..."/

Ueber den Begriff des Fluidums, auf den ich ihn draufkommen liess. Ueber Thema und Form.

Carlo. Ueber meine Mentalität wurde diskutiert.

Daheim ein Expressbrief wegen einer Analyse für Lachnit.


Mittwoch, 31. Mai:

Erster Arbeitstag wieder.

Lachnit.

4. Präparat fertig. Azetessigester-Synthese bekommen!

Essigester nachmittags zu reinigen begonnen. Lachnit-Analyse abgelehnt.

Heimgefahren.

Schwül wie diese Tage immer, aber nicht strahlend.


Mai 1950.
mAi 50

tagebuch

neu

Mai
1950

Montag, 1. Mai 1950:

Zeitiger auf, zum Fenster.

Draussen Mai-Lastautos und Abmärsche.

Zu Artmann gegangen. Herrlicher Frühling draussen.

Blüte usw.

Mit Artmann und seinem Freund ausgegangen, durch
Breitensee spaziert. Mit Artmann zu ihm heim. Ein
Mädchen des Artmann-Kreises namens Inge kennengelernt.

Der zweite Teil diseses Vormittags wurde fader. Steinbruch-
strasse
heim.

Artmann hatte meinen "Herakles und Dejaneira", die drei
Brettl-Szenen, "unser Friedensmanifest" genannt. Auch
Carlo war begeistert.

Daheim "Lyrik seit Liliencron" gelesen. Nachmittag
kam Polakovics. Auch mit ihm ziemlich ausgequatscht.

Nach dem Besprechen gingen wir noch spazieren. Nicht
ein so angeregter Tag wie sonst.

Bei Artmann hatte ich Charakteristika "Breitenseel. Mai"
geschrieben.


Dienstag, 2. Mai:

Da Gali entfiel, später auf, Konsum, ganz interessante
"Welt am Montag". Versuche mit farbgetränkten Kreiden.
Nur in die Vorlesungen Ehrenhaft und Ebert gegangen.

Wieder heimgefahren.

Groll über gewisse Seichtheiten notiert.

"Neue Wege" Redaktionszimmer. "Regisseur-Stimmung" an Wirbel.
Stenzl, Diem kamen!

Diem hat, wie ich höre, die Gewohnheit, kein Komma mehr
in einem Gedicht zu verändern, das sie schreibt.

Auch Eisenreich, Hauer anwesend.

Resoliution der Redaktion übergeben,.

Um 20,15 in die Eisenreich-Lesungim Studio d. Kolingasse
gegangen. Kei, Art, Pol, Di, Ok. Jirgal leitete.

Halb 24 Uhr nach Hause.

Es ist interessant, wie zu Beginn unserer Plauderei mit
Frl. Diem der Ausdruck für unser schwieeriges Thema noch
relativ schwer fiel. Dann aber glättete sich die Sprache
und mit fortschreitendem Verstehen könnten wir auch das
Schwierigste fliessend, hemmungslos ausdrücken.

Ich gab ihr Aufgaben aus einem viel radikaleren Surrealismus.
Unterbewusstes und Reflexives sorglos gereiht; Aufgeben aller
Hemmungen und Sperren; breiteste Bahn dem gerichteten Surr.


Mittwoch, 3. Mai:

Konsum.

Zu schreiben begonnen: "Wer das Mädchen nicht aufsucht ..."

Ins Institut

Apparate vorbereitet, Ehr, Eb.

NII wieder gemacht. Fertig geworden. Fast eingesperrt.

Herrlicher Frühling draussen, Blüte.

Gegen Abend


Donnerstag, 4. Mai:

Gali. Pechsträhne: Abgegeben, falsch, das Rohr zerbrochen!
Ehr, Eb. Heimgefahren.

Den Nachmittag über ausgeruht und vorbereitet.

Halb sieben abends Probe zur morgigen Lesung. Ich finde
die Arbeit vertan. Das ist alles nicht das Richtige.

Die Autoren selbst müssten lesen.


Freitag, 5. Mai:

Meist ganz schön. Kuff. Rohr gekauft, Apparat vorbereitet.
Eb. Den Apparat mit Mühe und Not reduziert usw.

Zuber und Urban ganz nett.

Heimgefahren. Zur Lesung dann gefahren.

Um halb acht. Hans Weigel soll anwesend gewesen sein.
/Kammersaal/. Diem gab mir etwas zu l  esen. Ganz gute
Stimmung. Ich sass neben Weissenborn und der Kaipr. Das
war angenehm.

Heimgefahren mit Polakovics, Artmann. Wir schlagen eine
Lesung in einem Wirtshaus vor; die jungen Autoren selbst;
hinter verschlossenen Türen.


Samstag, 6. Mai:

Wieder eingetrübt.

Spät auf, Samstagsverrichtungen.

Konsum, verschiedene Ordnungen. Und ausgeruht und gesammelt.
Nachmittags kam Tante.

Einen Artikel geschrieben: "Kalte Lyrik und Kaltes von Menschen"
Abends "Deutsche Lyrik seit Liliencron" weiter gelesen.
Abendessen, gute Stimmung, Schnaps.

Abend guter Regen bei offenem Fenster.


Sonntag, 7. Mai:

Regenwetter.

Reinschriften, und viel aus demn "Selected Poems" /Eliot/
herausgeschrieben.

Ein Gedicht geschrieben.

Noch ein Gedicht.

Nachmittags kam Tante wieder.

Noch ein Gedicht /Edith/.

Bazata kam, nur kurz.

Abends zum Bernklau.

Noch Gedichte /Sechs Viergedichte/.

Angenehme Stimmung, frühlinghaftes Wetter nm. und vor allem
gegen Abend. Im Toto 9,9.


Montag, 8. Mai:

Früh wieder Regenwetter. In der WaM nichts.

Konsum. Ziemlich abgefallene Stimmung.

Kuff. Vorbereitet. Ehr - Eb.

Nm. wieder NII.

Daheim angenehm noch. Trübes Wetter.


Dienstag, 9. Mai:

Gali. Stickstoff bestätigt!

Schöneres Wetter.

Ehr, Eb. Nachmittag aber zu Artmann.

Gründung "Der Keller" usw.

Es regnete.

Neue Wege. Eisenreich, Diem kamen. Kritiken sind in den
Zeitungen über unsere Lesung.

Pol Aerger um die Keller-Gründung. Eisenreich beschwichtigte.
Vorher mit Diem über den einseitigen Aesthetizismus gesprochen.


Mittwoch, 10. Mai:

Etwas später auf.

Im Institut Schmelzpunkt vorbereitet. Kritiken wurden
vlon Springer und den anderen im Quant. gelesen. Viel
Aufhebens. Vor allem die "Presse", die mich hervorhob,
allerdings als unter Elioteinfluss stehend, und "nicht so
gut wie der".

Nachmittags nach den Vorlesungen den Schmelzpunkt bestimmt.
Gutes Ergebnis. Schönes erwärmtes Wetter. Die Kastanienkerzen
blühen so schön. Morgen hoffe ich mit dem HM feertig zu werden.


Donnerstag, 11. Mai:

Schön, blau, blühend.

Zeisel /letzte Analyse/ gemacht.

Probe abgegeben. Sie stimmt.

Platz gezahlt und übergeben.

Halbmikropraktikum aus.

Froh heimgefahren. Montag bekomme ich einen Platz im
        Praeparativen.


Freitag, 12. Mai:

Frühlinghaft schön. Vielfache Blüte.

Konsum, Totoschein.

Institut: Kuffner. In der Vorlesung notierte ich für
die Phil-Mappe: "Man kann mir selbst in Gedichten wie
der Blauen Dissertation keinen Symbolismus vorwerfen.
/Ein Blatt, hellgrün .../ Das Blatt selbst ist erlebt
von mir, nicht erst ein Symbol oder Beispiel für eine
vorhergegangene etwaige Abstraktion des Erlebens.”

Mit Springer und mit einem Spaziergang allein die
Institutzeit verbracht. Nach Ebert mittags heimgefahren.

Gegen Nachmittag Eintrübung. Ordnungen, Tagebuch

Abends das Gedicht Garten und Y"Draussen wenn das ...”
geschrieben, spät niedergelegt.


Samstag, 13. Mai:

Zum Teil noch bedeckt. Ganz warm, blau ...

Gedicht "Früheres Bild” noch im Bett geschrieben.

Samstagsverrichtungen, Konsum, Friseur.

Reinschriften. Ueberlegungen zu meinem gestrigen Gedicht.

Nm. meine Lyrik durchgesehen, in letzter Zeit ziemlich
wenig aufregend. Gedichte durchgegangen und manches
aufzufrisieren versucht. /Später warf ich solche Versuche
wieder weg./

Nm. Schönwetter. In Bbissiger Stimmung gegen das Regime.


Sonntag, 14. Mai:

Blühendes Maiwetter. Spaziergang /M./ Steinhofer Mauer.
Die Natur betrachtet und mich mit meiner Layrik befasst.

Zu Polakovics gegangen. Mit ihm, für mich überraschend,
zu Weissenborn gefahren. Wir lasen dessen Gedichte, dann
las Polakovics seine vor, endlich las ich. Anregungsreicher
Nachmittag. Ich muss wieder zu mir finden und ablassen, von
mir selbst abzuschreiben.


Montag, 15. Mai:

Gute Kritik in der Welt am Montag. Mein Name wurde unter
dreien von Wekigel genannt.

Konsum. Geräte genommen, ins Institut, Kuffner,
morgen bekomme ich den Platz.

Nach den Mittagsvorlesungen umsonst zu Artmann, dann heim.
Heisses Maiwetter!

Ich versuchte ein Gedicht zu schreiben /In zehn Monaten
ist wieder Frühlingsbeginn ...
/

Nur mehr geplaudert.


Dienstag, 16. Mai:

Gali. Morgen bekomme ich den Arbeitsplatz.

Vergeblich zu Weissenborn. In der Zwischenzeit zu den
Mittagsvorlesungen schrieb ich das gestrige Gedicht
tatsächlich.

Zu Artmann, dort ein 18-jähriger Bekehrer, der strikt leugnet,
Farbassoziationen zu kennen. Ueber Diem Unheimliches
erzählen gehört.

NW. Kritiken unserer Lesung: "Wiener Zeitung", "Oest. Tagebuch",
"Wiener Tageszeitung".

Eine Direktorin /der Gewerbeschule Herbststrasse/ forderte
von uns Sachen an, vor allem von mir /Zeitkrankheit und
Ergo sum gefielen ihr sehr gut/.

Einladung des Bundes demokratischer Schriftsteller erging
an uns. Zeitig aufgehört. Park /Volksgarten/. Dann mit
Pol, Alt, Art Heimweg angetreten.


Mittwoch, 17. Mai:

Etwas später auf.

Institut: Auf den organischen Platz gewartet.

Zwei Uhr erste Chemikalienausgabe.

Platz 21 übernommen. Ordnung dort gemacht. Slabihpoud nett.
Geräte auch gekauft. Zeitig heim.

Fini kam. CHemie.

Surr. Gedicht geschrieben.


Donnerstag, 18. Mai:

Freier Tag /Christi Himmelfahrt/. Herrlicher Mai.

Meine Lyrik sortiert, für die Lesung in der "Gewerbeschule"
Material hergerichtet.


Do, 18 Mai 1950: /Fortsetzung/

Vormittag Aesthetengedicht versucht.

Nm.: Pol. kam. Reinschriften seiner Gedichte
mit ihm gemacht. Pause: NW ältere Nummern mit
ihm gelesen. Weitergeschrieben. Ueber meine
letzten Gedichte uns besprochen. Meine Richtung
der Synthese zwischen Impression und Problematik.

Er ging.

Viel noch daheim über Literatur gesprochen.


Fr, 19 Mai:

Kuffner. 1. Präparat begonnen.

Bis sechs Uhr gearbeitet.

Heimgefahren. Es regnete.


Sa, 20 Mai:

Vormittag zwei Gedichte.

Nachm. kam Tante. Unangenehme Gespräche über die
derzeitige Lage.

Drei Experiment-Gedichte geschrieben.

Die "Sommer-Impression" umgedichtet.

Wermut getrunken; konnte nichts mehr schreiben.

Noch geredet ...


Sonntag, 21. Mai:

Tante und Paul kamen.

Mich besuchte Polakovics; seine Sachen fertig
reingeschrieben.

Meine letzten Arbeiten gefielen ihm. Das Gedicht
"Endlos duftet ..." fertig-gemacht /Umstellung/.
Noch ein schöner Abend im Hochfrühling.

Bernklau-Weg.


Montag, 22. Mai:

Etwas später auf. Fade "W.a.M."

Kuffner. 1. Präparat fertig.

2. Präparat begonnen, erstes bestätigt.

Heimgefahren; herrliches Maiwetter.

Sehr gute Stimmung. Abends noch zum Fenster
hinausgeschaut. Gedichte.


Dienstag, 23. Mai:

Gali entfiel.

2. Präparat ging weiter.

Nachmittag bei heissem Maiwetter /14 Uhr/
zu Artmann.

Dort nicht allzu interessant. Ich las ihm
einiges vor. Er mir auch.

NW: Maiheft war erschienen.

Pol. fehlte. Diskussion Kein-Artmann über
amerikanische Schundfilme. Diem ganz auf
Artmanns Seite ... Mit Kein noch lange
geredet, Spaziergang, spät heim.


Mittwoch, 24. Mai:

Im Institut Bilek-Prüfung. Benzil fertiggemacht.
Butyraldehyd /3. Präparat/ begonnen. Sehr
angenehmes Arbeiten im Labor -.

Teils bewölkt, teils klarer Himmel. Schwül.

Daheim froh geplaudert.


Donnerstag, 25. Mai:

Zeitiger auf:

Gali-Vorlesung. 3. Präparat beendet.

Nachmittags 4. Präparat begonnen, schon 15 Uhr
heim.

Reinschriften zuhause.


Freitag, 26. Mai:

9 Uhr Kuffner. 4. Präparat weiter,
im Laufe des Tages fast fertig. 16 Uhr heim.
Reinschriften. Tante war unerwartete da.

Später als sonst niedergelegt. Gedicht spät-
abends .


Samstag, 27. Mai:

Ich arbeitete für mich und für daheim.

Aeltere Gedichte durchgesehen. Ich habe
viele Brücken inzwischen wieder abgebrochen.

Nachmittags: Wermut getrunken.

"Lyrik der Weltliteratur" gelesen.

Interessantes, meist politisches, Radio, gehört.
Versuchte zu schreiben, es wurde nichts.

Abends kühler als gewohnt, aber schön.

Spät noch gelesen.


Sonntag, 28. Mai:
Pfingsten

Ich versuchte vergebens etwas zu schreiben.

In meinen Schriften Ordnungen.

Nachmittag kam Pol. Er diktierte mir einen
Schimpfartikel.

Angeregt.

Es sind jetzt schöne Tage für mich.


Montag, 29. Mai:
Pfingsten

9 Uhr überlegteich, was ich tun sollte.

Ich ging zu Artmann. Dort war erst einer
seiner früheren Freunde, dann kam Carlo,
endlich Polakovics. Angenehm unterhalten.
Artmann ist viel eingeladen worxden /V. Ferra,
Fr. Mayröcker .../.

Nachmittags zu Polakovics. Er brütete über
seinem Artikel. Ich las bei ihm verschiedenes
Anregendes: Toman, Enrique Beck, tersloh usw.
Er lieh mir ein Bändchen mit Rilkes Mädchen-
gedichten
.


Dienstag, 30. Mai:

Zu meiner sehr angenehmen Ueberraschung
stellte ich fest, dass heute noch keine Uni war.
Zu Weissenborn; dort zwar ein nettes Mäderl, aber
er nicht daheim. Zu Eisenreich über die Alser-
strasse
. Ueber die grosse Synthese und die
verrückten Kunstrichtungen angenehm gesprochen.


Heisser Maitag.

Daheim. Wieder abgefahren zu Artmann. Er hatte
den Eliot-Band nicht bei sich. Ueber seine Kunst,
meine letzten Gedichte. Er viel von dem
letzten /"In zehn Monaten ..."/

Ueber den Begriff des Fluidums, auf den ich ihn
draufkommen liess. Ueber Thema und Form.

Carlo. Ueber meine Mentalität wurde diskutiert.

Daheim ein Expressbrief wegen einer Analyse
für Lachnit.


Mittwoch, 31. Mai:

Erster Arbeitstag wieder.

Lachnit.

4. Präparat fertig. Azetessigester-Synthese
bekommen!

Essigester nachmittags zu reinigen begonnen.
Lachnit-Analyse abgelehnt.

Heimgefahren.

Schwül wie diese Tage immer, aber nicht strahlend.


Mai 1950.
mAi 50
Zitiervorschlag

Okopenko, Andreas: Tagebuch 01.05.1950–31.05.1950. Digitale Edition, hrsg. von Roland Innerhofer, Bernhard Fetz, Christian Zolles, Laura Tezarek, Arno Herberth, Desiree Hebenstreit, Holger Englerth, Österreichische Nationalbibliothek und Universität Wien. Wien: Version 1.1, 15.1.2019. URL: https://edition.onb.ac.at/okopenko/o:oko.tb-19500501-19500531/methods/sdef:TEI/get?mode=p_15

Lizenzhinweis

Die Transkriptionen der Tagebücher sind unter CC BY-SA 4.0 verfügbar. Weitere Informationen entnehmen Sie den Lizenzangaben.

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Jegliche Nutzung der Digitalisate muss mit dem Rechtsnachfolger von Andreas Okopenko, August Bisinger, individuell abgeklärt werden.