Kirche, Ordnungen. Zu Artmann gefahren, der nicht daheim.
Polakovics besucht. Der ist schon am Gesundwerden. Er hatte die
Beiträge, die den "Neuen Wegen" verbleiben, in einen Ordner geheftet.
Alles andere war zurückgegangen. Wir stellten meinen Bericht vom Verband
demokr. Schriftsteller für die NW zurecht, wo er wahrscheinlich im
Dezember veröffentlicht wird. Ich erzählte ihm von meiner jetzigen
Krise. In den Ferien und vorher die Monate bin ich immer am besten
beisammen.
Polakovics fand, daß mein letztes Gedicht (Kommende Jahreszeit)
etwas Bedrückendes hat; wie er sagt, ist es die Ouverture zu meiner
Laboratoriumspraxis. Ich sagte ihm, ich werde nun länger nichts
schreiben, denn seit dem Gassen-Gang habe ich nichts mehr wirklich
Gutes geschrieben, keine solchen Bekenntnisgedichte mehr, sondern
nur (wenn auch vielleicht ganz gute) Beschreibungen. Es ist eine
ultraviolette, gespenstische Lyrik. Und allerletztlich will ich
jetzt nicht auch noch meine privaten Sorgen - und das letzte Gedicht
wäre der Ansatz dazu gewesen - in egoistischer Weise verewigen.
Der Tante gefiel dieses Gedicht nachmittag übrigens ausgezeichnet.
Nach der Aussprache vor Polakovics in besserer Laune. Ich möchte nur
etwas anderes sein als Chemiker!
Länderspiel 7:2 gegen Jugoslawien. Maulkorb. Herrliche Abendstimmung
mit Oktobernebel und grünem Gaslicht (Westermayer).
Nach der Auffrischung bei Polakovics bin ich überzeugt davon, daß
es nun bald eine Schwenkung von der Chemie weg daheim energischer
anzudeuten gilt. Der erste Schritt heute nachmittag in einem längeren
Gespräch mit Mama. Ich gab verschiedenes zu bedenken. Freilich sprach
ich noch nichts von einem Ausspringen aus dem Studium. Aber die
Gesamtstimmung änderte ich, und ich werde vom neuen Kurs nicht mehr
lassen. - Tantes Besuch begünstigte die Dinge ebenfalls sehr:
Ich forcierte alle Gespräche, die auf mein literarisches Weiterkommen
sowie auf meine Geschicklichkeit im Büro hinweisen konnten, und setzte
ihren Bemerkungen über die "fürchterliche" Chemie nicht so großen
Widerstand wie sonst entgegen. Zwar braucht alles seine Vorbereitungszeit, selbst was meine eigene Verfassung anbelangt. Aber ich fühle,
daß etwas geschieht, um die "Katastrophe", von der Pailer sprach,
zu beschleunigen. Wir alle werden aus einem unhaltbar gewordenen
Zustand befreit werden.
Wetter sehr anregend, Nebel ..., warm. Ich habe den großen Wunsch nach einem
geliebten Mädchen, nach der gemeinsamen Hingabe.