Laden...

Früh wieder etwas neblig, tags trüb, sehr schwül. Sehr zeitig auf, wieder vergebliche Telephonanrufe. Mama ging mit Fini auf die Linzerstraße, ich machte die letzten Reinschriften für den Almanach. Schrieb mir einige aus dem "Plan" heraus.

Zu Tante ins Rudolf-Spital gefahren. Es war besser, als wir angenommen hatten. Vielleicht kommt sie noch diese Woche heraus. Frau Stowitschek getroffen, ziemlich fad mit der. Pfirsiche gekauft fr Tante. Mama fuhr heim, ich ging durch die Stadt in die "Neuen Wege".

Nachmittag: furchtbar heiß, klar. Großer Durst. Unterwegs traf ich den "Syphilis-Portier" aus der Reitschulgasse. NW: Häußler schlägt Zusammenarbeit mit dem Österreichischen College vor, Eisenreich kam nicht. Altmann, Artmann, Hauer, Kein, Polakovics. Hauer hatte erstmals rotlackierte Nägel. Neueingereichte rezensiert, viel geblödelt, heimspaziert.

Einer "Schinko Hilde" imponieren die Polakovics- und meine Gedichte, wie sie im Begleitbrief zu ihrer Einsendung schreibt.

Daheim noch Bier getrunken, hoch angenehm, Schnitzl. Ich ruhe mich gut aus, dieser Tage.


Um 5 Uhr auf, um Paul anzurufen. Noch nichts über Tantes Operation entschieden.

Wahrscheinlich assoziativ (wegen des Augusts und gewisser Erinnerungen an frühe Morgenstunden) fühlte ich erstmals irgendwie herbstlich. Zeitig mit Mama die Wientalstraße entlang spaziert. Übers Büro PHG geplau-dert, gegrübelt bis zum Existentialismus. Nachher das Grübeln auf Papier weitergetrieben. Tiefpunkt. Teils gegrübelt am Nachmittag, teils philosophisch geplaudert, teils im "Plan" gelesen. Ich las Mama böhmische vor, die ihr besser als manches andere gefielen. Von Tante erfahren: Von morgen an habe ich Dienst in ihrer Firma! Kein gutes Vorgefühl.


AlArHaKeOkPo
Anders----ja?anderes einsenden, bitte maschin-geschrieben.
Wenn du nicht-JA--jaanderes einsenden, bitte maschin-geschrieben.
Gespräch-JA--jaanderes einsenden, bitte maschin-geschrieben.
Das hast du ...-JA--jaanderes einsenden, bitte maschin-geschrieben.
SCHINKO: Ihre Art beibehalten, nicht v. vorn anfangen!! nicht entmutigen i. Gegenteil! AOkPol

Prosa einschicken, aber maschinenschrift. weiter , echter werden nicht AOK und Pol kopieren kürzer u. gehalts-reicher werden

"Käsheymer" (Altmanns Bezeichnung für einen spießerischen Beamten).

Mit den Grübeleien, die lästig und oft wieder un-wichtig scheinen, in Konflikt wie im des vorigen Jahres.

9 Uhr: Dienstantritt in der PHG. Es war sehr harmlos, der Dienst sehr angenehm, die Behandlung gut.

Es regnete.

Nach Büroschluß die Post.

Zuhaus eigentümlich. Tante und Onkel waren da, übernachteten jedoch nicht. Das Mädel von vis--vis hat den ganzen Sonntag aus dem Fenster geschaut.

Mich wohler gefühlt. Schnitzel und Bier. Fast kalt am Abend.


Das Gegrübel, über Beibehaltung des Revolutionären oder Eingang in die "Lebens-weisheit", zugunsten de Revolution abklingen lassen. PHG. Handelskammer-Weg.

Wieder ein angenehmer, beschäftigungsreicher Tag. Ich stelle mich, scheint es, sehr gut an.

Für Steger 9 Seiten Gutachten geschrieben.

Post: Erlagscheine.

Die Arbeit im Büro macht mir keine Schwierigkeiten. Ich habe keine Angst wie oft im Chemischen.

9 Bestätigungen geschrieben, aus war es erst später ...

Tante war wieder zuhause bei uns. Schnitzel.

Diese Woche keine Adamsgasse ... Wieder übernachtete Tante nicht.

Wärmerer Tag. Schöner.


Zeitig auf. Konsum. Vormittag PHG. Tante kam. Im "Plan" gelesen. Abend über die Existenz der Liebe (mit positivem Ergebnis) nach-gedacht. Einiges dazu notiert.


Nach der Kirche "Das Lied vom Papst" geschrieben.

Sonst den Vormittag hindurch ausgeruht. Tante und Polakovics kamen. Sprach mich über die Grübeleien der letzten Zeit aus. Man soll nicht grübeln, sondern schreiben. Das gibt schon den richtigen Weg. Über das "Zwischen den Zeilen" (auch bei Eliot) als Reiz des Gedichtes. Der Sonntag verging ziemlich rasch und angenehm.


Es wurde heiß. Idee für eine Art "Kritik der Poesie" (Stadtbahn). PHG. Tante war nun wieder im Büro. Weg zur AHK in Dr. Glogers Auto. Aufs Magistratische Amt um Benzin für Steger.


Wieder ein heißer Tag. PHG. Rechenmaschine kennengelernt. Weg zur Leykam. Ordnung u.a. Längere Mittagspause. Nachmittag sehr wenig zu tun.

Abend: Neue Wege. Eisenreich die Sachen übergeben. H. Loew kam nicht, Lore Hübel, die Sokol und Gerhard Fritsch kamen. Diskussion: Häußlers ewier Vorschlag der "Technisierung"; ist die Kunst Lebens-funktion oder Handwerk? U.a.

Mit Polakovics und Artmann ein Stück auf dem Heimweg gegangen.


Tantes Geburtstag. Im Büro große Desinfektion, denn Frl. Huber hat Krätze. Mit Tante zu uns heimgefahren. Auch Onkel Paul kam. Wir machten ein Paprika-Essen. Nachher noch Bier geholt.


PHG.


PHG. Abend im Bett an L. K. gedacht () ... eigen ...


Nachmittag besuchte ich Eisenreich im Tivoliheim, wo er durch Jirgals Vermittlung einen Pförtnerposten bekommen hatte. Ich las, im Gras neben liegend, dessen Prosa, einen längeren Abschnitt aus "Tage und Träume", mit der Anrufung Elses. Hervorragend gute und offene Dichtung! Ein wenig diskutiert, Dr. Schmeller vom ArtClub kam und Ilse Perl. (Eisenreichs Geliebte.)

Ich bin nach wie vor in einem Schwebezustand.

Mit viel Leuten im 47-er heimgefahren.

Mich drängt es sehr, ein Mädchen zu haben.

Abend Wermut getrunken.


Wieder ein heißer Tag. Nach der Kirche zu Artmann gefahren. Über geplaudert. Sehr anregend.

Daheim war Tante. Onkel Paul war schon wieder ortgefahren.

Tante machte Büroarbeiten, ging dann mit Mama spazieren. Ich schrieb, in angeregtem Zustand, verschiedenes ins reine, dann tagebuchähnliche Notizen. Als Tante vom Spaziergang zurückkam, gab ich ihr die Spottschrift "Das kulturelle Tagebuch" zum Lesen mit.


Frei. Später aufgestanden. Wenig interessante "Welt am Montag". Frauenmorde. Mama ging mit ihrer Freundin Fini auf die Linzer-straße einkaufen. Ich schrieb ein politisches Gedicht "Die surreali-stischen Künste ..." (Das Lied von der Kunst). Dann wollte es fade werden. Aber ich las im Tagebuch (auch nachmittag, als Mama zu Fini ging,) und wurde zufrieden. Entschloß mich, das neue Tagebuch doch wieder weiter zu schreiben. Etwa zwei Stunden damit beschäftigt. Schnitzel. Ich bemühte mich um eine ängstliche Erzählung, die nur experimenthaft gelang. In Schreckstimmung und teils in Erinnerungen eingeschlafen.


Frei. Kirche. Drückende Hitze.

Nachmittag zu Artmann gefhren. Die "Neue Wege"-Sitzung entfiel. Regen. Auch von Artmann wenig geholt. Daheim immer noch Frau Stoviek und Tante. Die waren fad.


Wieder PHG.


Nach dem Büro mit Tante in die Adamsgasse gefahren. Zwetschken übernommen, Paul kam, Schnaps getrunken, das Mädchen sehr klein gesehen. Sie verschwand, ich sah sie dann nicht mehr. Sie hält aber sehr nach mir Ausschau, sagt Paul.


Büro.


Bis 14h im Büro. Steger kam, zahlte nicht. Darüber waren wir enttäuscht. Von Bernklau Wermut gekauft.

Papierordnung gemacht. Der Tag wurde noch angenehm. Abend Schnitzel, aber in schlechtem Öl.

Große Sehnsucht nach dem Mädchen.


Es war sehr heiß. Nach der Kirche zu Artmann. Zu ihm kam Besuch: Kriesch und Carlo. Zuerst debattiert, dann über SartresEkel gesprochen, der mich sehr optimistisch machte. Zum Schluß über Freud und Frankl.

Nachmittag ging Tante mit Mama spazieren. Ich trieb CHemie, versuchte auch zu schreiben, aber mir fiel nichts ein. Das Grübeln und die folgende Ruhepause haben meine Dichtungsperiode, die mit den "Neuen Wegen" begonnen hatte, abgeschlossen.

Großer Wunsch nach dem Mädchen.


Frei. Das Totospiel beginnt wieder

Ziemlich zeitig auf. Fini kam. Auhof-Saziergang. Es augustelt, trotz der drückenden Hitze. Wieder gegrübelt (Kriegschuld).

Nachmittag "Einer führt Krieg" geschrieben. Prosa, Mischstil Rilke, Kein, Eisenreich. Thema: Eisenreichs (mündliche) Erzählung, vom Soldaten, der von seinem Kameraden zum Hurenbesuch gezwungen worden war und sich aus Leibeskräften dagegen gewehrt hatte.

MamaFini.


Tante las im Büro mein "K.T." fertig, das Paul sehr gefallen hatte. - In den "NW" nur Altmann. Dennoch im 13-er Zimmer anregenden Abend gemacht. Diskutierten einige meiner Gedichte, Eliot, verschiedene Dichter unseres Kreises usw.


Früh netter (Romeo). Im Büro viel gearbeitet. Nach dem Dienst holte ich mir den "Ekel" von Artmann. Daheim begann ich den Roman zu lesen.


Im "Ekel" gelesen. Anregende Stadtbahn immer. Vor dem Büro manchmal rationalistische Eintrübungen, die aber zum positiven Ende durchgekämpft werden. Wieder viel gearbeitet.

Artmann hatte mich zu erreichen versucht. Paprika, Bier.


Ekel. PHG. Weniger zeitfüllend zu tun. Von Wassilewsky kam ein Brief.


Ekel. Letzter Bürotag! Netter Abschied. S 400.-- ausbezahlt bekommen, zu meiner Überraschung. Nach Konditorei-Einkauf mit Tanteheim-gefahren. Spät gegessen, Mama war erfreut. Im "Ekel" ein Stückchen gelesen, als ich Tante daraus vorlesen wollte, kam Artmann. Ihm gefiel sehr mein Gruselstück "Heute besuche ich ...", die andere Erzählung las ich ihm nicht vor. Proben aus meinem "Magopiontas", dem uralten Theaterstück, waren ihm peinlich. Über Sonderbares geplaudert. Den Narren simuliert.


Gewitter. Dann ging er.

Bei Bernklau Wermut gekauft. Ich blödelte toll und wünschte mir das Mädchen ...


Heiß. Kirche. Dann zu Artmann gefahren. Er hat seine vier bisher besten Sachen geschrieben! Altmann kam. erhalten, in "Golem" etwas gelesen (J).

Immer noch in jenem unregelmäßigen Zustand, der seit Wochen anhält. Während Tante da war, las ich den "Ekel" zu Ende. Diskussion mit Tante, zuerst unlieb, dann gut.

Artmann war draußen, ich gab ihm den "Ekel" zurück. Sehr netter Nach-mittag und Abend. Vielleicht beginnt bald eine neue Periode für mich.

Mit dem Adamsgasse-Mädel ist's aus ... Ich bin so leer, weil ich kein Mädchen kenne jetzt.


Zum ersten Mal wieder Ordnungen. Mit Mama auf die Linzer-straße. Bier! Wieder drückt die Hitze. Reinschriften.

Nachmittag besuchte Mama die Fini, ich erfüllte meine Lektorpflicht. Heute hat etwas begonnen. Ich bin wieder wie im Frühling dieses Jahres. Habe jetzt lange Zeit nichts geschrieben, nur Prosa versucht und Tomangedichte, die ich zu den Nebenprodukten zähle. - Gedichte von Eliot übersetzt. Eliot ist so etwas wie in Onkel.


Wieder sehr heiß, windig. Mit Mama den Auhofspziergang gemacht. Holler geerntet. Ich grüble nicht mehr. Der Frühling wieder-holt sich in mir, wenn auch der Herbst draußen sich anmeldet. Aber der Herbst gehört mir vielleicht wie der Frühling. Bier unterwegs bei Westermayer.

Nachmittag zu Artmann gefahren. Kriesch kam auch hin. Diskussion über den Surrealismus. en Wortsalat ausprobiert.

Zu den "Neuen Wegen" kamen außer uns nur Kein und Altmann (der aber bald wieder ging). Wenig interessant. Man merkte nicht, daß in einer Woche Autorentagung ist. Über Hübel etwas geblödelt, aber dennoch nicht viel dran ... Zeitig heim.


Nach dem Konsum schrieb ich vier Seiten Wortsalat. Mama ging allein mit Fini auf die Linzerstraße, ich machte während-dessen Zeitungs- und andere Ordnungen. Mama kaufte der Tante Fini um wenig Geld ein Service ab.

Nachmittag Reinschrift von P-Artikeln. Neuartige metaphysische Gedichte geschrieben, in die Grübelwelle geraten, mit Mama Jenseitiges diskutiert. Kein Wissen kann da helfen, man muß leben und nah dem Sinn.

Alles in sonderbarem Licht gesehen ...


Zu Tante in der Früh. Sie fährt morgen aufs Land. -

Heiß, nur in unbewachten Momenten kühl (30, 31) ...

Ich habe jetzt eigentlich gar kein Mädel.

Nachmittag in meinen Gedichten gelesen. Las Mama viel Abgelegtes und Neues daraus vor. Zufrieden damit. Nach dem, (was längere Zeit in Anspruch nahm,) Kastenordnung gemacht. Nach dem Abendessen nichts mehr.

Wir sprechen oft über Mausi jetzt wieder und über mein Begehren nach der "Himbeerroten".


Laden...

Früh wieder etwas neblig, tags trüb, sehr schwül. Sehr zeitig auf, wieder vergebliche Telephonanrufe. Mama ging mit Fini auf die Linzerstraße, ich machte die letzten Reinschriften für den Almanach. Schrieb mir einige aus dem "Plan" heraus.

Zu Tante ins Rudolf-Spital gefahren. Es war besser, als wir angenommen hatten. Vielleicht kommt sie noch diese Woche heraus. Frau Stowitschek getroffen, ziemlich fad mit der. Pfirsiche gekauft fr Tante. Mama fuhr heim, ich ging durch die Stadt in die "Neuen Wege".

Nachmittag: furchtbar heiß, klar. Großer Durst. Unterwegs traf ich den "Syphilis-Portier" aus der Reitschulgasse. NW: Häußler schlägt Zusammenarbeit mit dem Österreichischen College vor, Eisenreich kam nicht. Altmann, Artmann, Hauer, Kein, Polakovics. Hauer hatte erstmals rotlackierte Nägel. Neueingereichte rezensiert, viel geblödelt, heimspaziert.

Einer "Schinko Hilde" imponieren die Polakovics- und meine Gedichte, wie sie im Begleitbrief zu ihrer Einsendung schreibt.

Daheim noch Bier getrunken, hoch angenehm, Schnitzl. Ich ruhe mich gut aus, dieser Tage.


Um 5 Uhr auf, um Paul anzurufen. Noch nichts über Tantes Operation entschieden.

Wahrscheinlich assoziativ (wegen des Augusts und gewisser Erinnerungen an frühe Morgenstunden) fühlte ich erstmals irgendwie herbstlich. Zeitig mit Mama die Wientalstraße entlang spaziert. Übers Büro PHG geplau-dert, gegrübelt bis zum Existentialismus. Nachher das Grübeln auf Papier weitergetrieben. Tiefpunkt. Teils gegrübelt am Nachmittag, teils philosophisch geplaudert, teils im "Plan" gelesen. Ich las Mama böhmische vor, die ihr besser als manches andere gefielen. Von Tante erfahren: Von morgen an habe ich Dienst in ihrer Firma! Kein gutes Vorgefühl.


AlArHaKeOkPo
Anders----ja?anderes einsenden, bitte maschin-geschrieben.
Wenn du nicht-JA--jaanderes einsenden, bitte maschin-geschrieben.
Gespräch-JA--jaanderes einsenden, bitte maschin-geschrieben.
Das hast du ...-JA--jaanderes einsenden, bitte maschin-geschrieben.
SCHINKO: Ihre Art beibehalten, nicht v. vorn anfangen!! nicht entmutigen i. Gegenteil! AOkPol

Prosa einschicken, aber maschinenschrift. weiter , echter werden nicht AOK und Pol kopieren kürzer u. gehalts-reicher werden

"Käsheymer" (Altmanns Bezeichnung für einen spießerischen Beamten).

Mit den Grübeleien, die lästig und oft wieder un-wichtig scheinen, in Konflikt wie im des vorigen Jahres.

9 Uhr: Dienstantritt in der PHG. Es war sehr harmlos, der Dienst sehr angenehm, die Behandlung gut.

Es regnete.

Nach Büroschluß die Post.

Zuhaus eigentümlich. Tante und Onkel waren da, übernachteten jedoch nicht. Das Mädel von vis--vis hat den ganzen Sonntag aus dem Fenster geschaut.

Mich wohler gefühlt. Schnitzel und Bier. Fast kalt am Abend.


Das Gegrübel, über Beibehaltung des Revolutionären oder Eingang in die "Lebens-weisheit", zugunsten de Revolution abklingen lassen. PHG. Handelskammer-Weg.

Wieder ein angenehmer, beschäftigungsreicher Tag. Ich stelle mich, scheint es, sehr gut an.

Für Steger 9 Seiten Gutachten geschrieben.

Post: Erlagscheine.

Die Arbeit im Büro macht mir keine Schwierigkeiten. Ich habe keine Angst wie oft im Chemischen.

9 Bestätigungen geschrieben, aus war es erst später ...

Tante war wieder zuhause bei uns. Schnitzel.

Diese Woche keine Adamsgasse ... Wieder übernachtete Tante nicht.

Wärmerer Tag. Schöner.


Zeitig auf. Konsum. Vormittag PHG. Tante kam. Im "Plan" gelesen. Abend über die Existenz der Liebe (mit positivem Ergebnis) nach-gedacht. Einiges dazu notiert.


Nach der Kirche "Das Lied vom Papst" geschrieben.

Sonst den Vormittag hindurch ausgeruht. Tante und Polakovics kamen. Sprach mich über die Grübeleien der letzten Zeit aus. Man soll nicht grübeln, sondern schreiben. Das gibt schon den richtigen Weg. Über das "Zwischen den Zeilen" (auch bei Eliot) als Reiz des Gedichtes. Der Sonntag verging ziemlich rasch und angenehm.


Es wurde heiß. Idee für eine Art "Kritik der Poesie" (Stadtbahn). PHG. Tante war nun wieder im Büro. Weg zur AHK in Dr. Glogers Auto. Aufs Magistratische Amt um Benzin für Steger.


Wieder ein heißer Tag. PHG. Rechenmaschine kennengelernt. Weg zur Leykam. Ordnung u.a. Längere Mittagspause. Nachmittag sehr wenig zu tun.

Abend: Neue Wege. Eisenreich die Sachen übergeben. H. Loew kam nicht, Lore Hübel, die Sokol und Gerhard Fritsch kamen. Diskussion: Häußlers ewier Vorschlag der "Technisierung"; ist die Kunst Lebens-funktion oder Handwerk? U.a.

Mit Polakovics und Artmann ein Stück auf dem Heimweg gegangen.


Tantes Geburtstag. Im Büro große Desinfektion, denn Frl. Huber hat Krätze. Mit Tante zu uns heimgefahren. Auch Onkel Paul kam. Wir machten ein Paprika-Essen. Nachher noch Bier geholt.


PHG.


PHG. Abend im Bett an L. K. gedacht () ... eigen ...


Nachmittag besuchte ich Eisenreich im Tivoliheim, wo er durch Jirgals Vermittlung einen Pförtnerposten bekommen hatte. Ich las, im Gras neben liegend, dessen Prosa, einen längeren Abschnitt aus "Tage und Träume", mit der Anrufung Elses. Hervorragend gute und offene Dichtung! Ein wenig diskutiert, Dr. Schmeller vom ArtClub kam und Ilse Perl. (Eisenreichs Geliebte.)

Ich bin nach wie vor in einem Schwebezustand.

Mit viel Leuten im 47-er heimgefahren.

Mich drängt es sehr, ein Mädchen zu haben.

Abend Wermut getrunken.


Wieder ein heißer Tag. Nach der Kirche zu Artmann gefahren. Über geplaudert. Sehr anregend.

Daheim war Tante. Onkel Paul war schon wieder ortgefahren.

Tante machte Büroarbeiten, ging dann mit Mama spazieren. Ich schrieb, in angeregtem Zustand, verschiedenes ins reine, dann tagebuchähnliche Notizen. Als Tante vom Spaziergang zurückkam, gab ich ihr die Spottschrift "Das kulturelle Tagebuch" zum Lesen mit.


Frei. Später aufgestanden. Wenig interessante "Welt am Montag". Frauenmorde. Mama ging mit ihrer Freundin Fini auf die Linzer-straße einkaufen. Ich schrieb ein politisches Gedicht "Die surreali-stischen Künste ..." (Das Lied von der Kunst). Dann wollte es fade werden. Aber ich las im Tagebuch (auch nachmittag, als Mama zu Fini ging,) und wurde zufrieden. Entschloß mich, das neue Tagebuch doch wieder weiter zu schreiben. Etwa zwei Stunden damit beschäftigt. Schnitzel. Ich bemühte mich um eine ängstliche Erzählung, die nur experimenthaft gelang. In Schreckstimmung und teils in Erinnerungen eingeschlafen.


Frei. Kirche. Drückende Hitze.

Nachmittag zu Artmann gefhren. Die "Neue Wege"-Sitzung entfiel. Regen. Auch von Artmann wenig geholt. Daheim immer noch Frau Stoviek und Tante. Die waren fad.


Wieder PHG.


Nach dem Büro mit Tante in die Adamsgasse gefahren. Zwetschken übernommen, Paul kam, Schnaps getrunken, das Mädchen sehr klein gesehen. Sie verschwand, ich sah sie dann nicht mehr. Sie hält aber sehr nach mir Ausschau, sagt Paul.


Büro.


Bis 14h im Büro. Steger kam, zahlte nicht. Darüber waren wir enttäuscht. Von Bernklau Wermut gekauft.

Papierordnung gemacht. Der Tag wurde noch angenehm. Abend Schnitzel, aber in schlechtem Öl.

Große Sehnsucht nach dem Mädchen.


Es war sehr heiß. Nach der Kirche zu Artmann. Zu ihm kam Besuch: Kriesch und Carlo. Zuerst debattiert, dann über SartresEkel gesprochen, der mich sehr optimistisch machte. Zum Schluß über Freud und Frankl.

Nachmittag ging Tante mit Mama spazieren. Ich trieb CHemie, versuchte auch zu schreiben, aber mir fiel nichts ein. Das Grübeln und die folgende Ruhepause haben meine Dichtungsperiode, die mit den "Neuen Wegen" begonnen hatte, abgeschlossen.

Großer Wunsch nach dem Mädchen.


Frei. Das Totospiel beginnt wieder

Ziemlich zeitig auf. Fini kam. Auhof-Saziergang. Es augustelt, trotz der drückenden Hitze. Wieder gegrübelt (Kriegschuld).

Nachmittag "Einer führt Krieg" geschrieben. Prosa, Mischstil Rilke, Kein, Eisenreich. Thema: Eisenreichs (mündliche) Erzählung, vom Soldaten, der von seinem Kameraden zum Hurenbesuch gezwungen worden war und sich aus Leibeskräften dagegen gewehrt hatte.

MamaFini.


Tante las im Büro mein "K.T." fertig, das Paul sehr gefallen hatte. - In den "NW" nur Altmann. Dennoch im 13-er Zimmer anregenden Abend gemacht. Diskutierten einige meiner Gedichte, Eliot, verschiedene Dichter unseres Kreises usw.


Früh netter (Romeo). Im Büro viel gearbeitet. Nach dem Dienst holte ich mir den "Ekel" von Artmann. Daheim begann ich den Roman zu lesen.


Im "Ekel" gelesen. Anregende Stadtbahn immer. Vor dem Büro manchmal rationalistische Eintrübungen, die aber zum positiven Ende durchgekämpft werden. Wieder viel gearbeitet.

Artmann hatte mich zu erreichen versucht. Paprika, Bier.


Ekel. PHG. Weniger zeitfüllend zu tun. Von Wassilewsky kam ein Brief.


Ekel. Letzter Bürotag! Netter Abschied. S 400.-- ausbezahlt bekommen, zu meiner Überraschung. Nach Konditorei-Einkauf mit Tanteheim-gefahren. Spät gegessen, Mama war erfreut. Im "Ekel" ein Stückchen gelesen, als ich Tante daraus vorlesen wollte, kam Artmann. Ihm gefiel sehr mein Gruselstück "Heute besuche ich ...", die andere Erzählung las ich ihm nicht vor. Proben aus meinem "Magopiontas", dem uralten Theaterstück, waren ihm peinlich. Über Sonderbares geplaudert. Den Narren simuliert.


Gewitter. Dann ging er.

Bei Bernklau Wermut gekauft. Ich blödelte toll und wünschte mir das Mädchen ...


Heiß. Kirche. Dann zu Artmann gefahren. Er hat seine vier bisher besten Sachen geschrieben! Altmann kam. erhalten, in "Golem" etwas gelesen (J).

Immer noch in jenem unregelmäßigen Zustand, der seit Wochen anhält. Während Tante da war, las ich den "Ekel" zu Ende. Diskussion mit Tante, zuerst unlieb, dann gut.

Artmann war draußen, ich gab ihm den "Ekel" zurück. Sehr netter Nach-mittag und Abend. Vielleicht beginnt bald eine neue Periode für mich.

Mit dem Adamsgasse-Mädel ist's aus ... Ich bin so leer, weil ich kein Mädchen kenne jetzt.


Zum ersten Mal wieder Ordnungen. Mit Mama auf die Linzer-straße. Bier! Wieder drückt die Hitze. Reinschriften.

Nachmittag besuchte Mama die Fini, ich erfüllte meine Lektorpflicht. Heute hat etwas begonnen. Ich bin wieder wie im Frühling dieses Jahres. Habe jetzt lange Zeit nichts geschrieben, nur Prosa versucht und Tomangedichte, die ich zu den Nebenprodukten zähle. - Gedichte von Eliot übersetzt. Eliot ist so etwas wie in Onkel.


Wieder sehr heiß, windig. Mit Mama den Auhofspziergang gemacht. Holler geerntet. Ich grüble nicht mehr. Der Frühling wieder-holt sich in mir, wenn auch der Herbst draußen sich anmeldet. Aber der Herbst gehört mir vielleicht wie der Frühling. Bier unterwegs bei Westermayer.

Nachmittag zu Artmann gefahren. Kriesch kam auch hin. Diskussion über den Surrealismus. en Wortsalat ausprobiert.

Zu den "Neuen Wegen" kamen außer uns nur Kein und Altmann (der aber bald wieder ging). Wenig interessant. Man merkte nicht, daß in einer Woche Autorentagung ist. Über Hübel etwas geblödelt, aber dennoch nicht viel dran ... Zeitig heim.


Nach dem Konsum schrieb ich vier Seiten Wortsalat. Mama ging allein mit Fini auf die Linzerstraße, ich machte während-dessen Zeitungs- und andere Ordnungen. Mama kaufte der Tante Fini um wenig Geld ein Service ab.

Nachmittag Reinschrift von P-Artikeln. Neuartige metaphysische Gedichte geschrieben, in die Grübelwelle geraten, mit Mama Jenseitiges diskutiert. Kein Wissen kann da helfen, man muß leben und nah dem Sinn.

Alles in sonderbarem Licht gesehen ...


Zu Tante in der Früh. Sie fährt morgen aufs Land. -

Heiß, nur in unbewachten Momenten kühl (30, 31) ...

Ich habe jetzt eigentlich gar kein Mädel.

Nachmittag in meinen Gedichten gelesen. Las Mama viel Abgelegtes und Neues daraus vor. Zufrieden damit. Nach dem, (was längere Zeit in Anspruch nahm,) Kastenordnung gemacht. Nach dem Abendessen nichts mehr.

Wir sprechen oft über Mausi jetzt wieder und über mein Begehren nach der "Himbeerroten".


Zitiervorschlag

Okopenko, Andreas: Tagebuch 01.08.1950–31.08.1950. Digitale Edition, hrsg. von Roland Innerhofer, Bernhard Fetz, Christian Zolles, Laura Tezarek, Arno Herberth, Desiree Hebenstreit, Holger Englerth, Österreichische Nationalbibliothek und Universität Wien. Wien: Version 1.1, 15.1.2019. URL: https://edition.onb.ac.at/okopenko/o:oko.tb-19500801-19500831/methods/sdef:TEI/get?mode=p_3

Lizenzhinweis

Die Transkriptionen der Tagebücher sind unter CC BY-SA 4.0 verfügbar. Weitere Informationen entnehmen Sie den Lizenzangaben.

LinksInformation

Jegliche Nutzung der Digitalisate muss mit dem Rechtsnachfolger von Andreas Okopenko, August Bisinger, individuell abgeklärt werden.