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Warum übertreibe ich so in meinen Träumen?

Der Weg zu Brigitte K. war zwar auch in Wirklichkeit ziemlich langwierig, denn das in Luftlinie kurze Weg-Stückchen musste kreuz und quer durch Gartengässchen gegangen werden, aber in meinen Träumen, die sich immer wieder einstellen, wird der Weg zu ihr immer hoffnungloser.

Zuerst habe ich geträumt, dass sie etwa am anderen Ende des Bezirkes wohnt und ich musste mich zu ihr durchmarschieren und durchfragen.

Später sind Wiesen zwischen ihr und mir gelegen, die plötzlich in einen Abhang enden, über den ich nicht hinunterspringen kann. Ein anderes Mal habe ich geträumt, dass ich schon in ihrer Gasse gehe, mit Wohnhäusern und Geschäften, aber um zu ihr zu kommen, muss ich zwischen zwei endlosen grauen Häuserreihen hindurch, die arkadenartig durchbrochen sind. In allen diesen Träumen fühle ich, dass ich nicht ankommen werde oder dass ich die rechte Zeit versäumen werde.

Heute habe ich genauer gesehen, welches Industrieviertel ich durchqueren muss, um zu ihr zu gelangen: es war das Eisengebiet des Bezirkes /das es in Wirklichkeit nicht gibt/. Ich verfing mich gleich zum Beginn in das Netz von Röhren und Hochöfen und musste an den Hochöfen, umgeben von wilden Feuern, arbeiten. Einen Hochofen /sie waren am Schluss des Traums nur 2 1/2-3 Meter hoch/ musste ich stützen, damit er beim Brennen die Mauer nicht beschädige.

Eigentümlich ist, dass sich diese Träume nicht etwa dann einstellen, wenn ich abends an Brigitte K. gedacht habe, sondern dass sie anscheinend ohne Veranlassung kommen. Gestern am Abend habe ich an Friederike Mayröcker gedacht /nächsten Tags kam übrigens ein Brief von ihr/, aber geträumt habe ich vom Weg zu Brigitte K.

Abends, Do 14 1 54, Wels.

Do 14 1 54:

Gestern abends genossen,x)Rohscheiben und Salami, die ich von zuhause bekommen hatte, im Bett gegessen, dazu "geträumt". dann unruhige Nacht.

Ich lege mich in der letzten Zeit sehr zeitig nieder. Ich schlafe in Portionen, wache auf, schaue auf die Uhr, trinke einen Schluck Zitronenwasser und schlafe im Augenblick danach wieder ein. Um halb sechs erwache ich endgültig und warte auf den Wecker. Mein Schlaf ist gut, meine Träume sind etwas wirr; dieser Eindruck entsteht aber sicher durch die "Portionierung" der Nächte, da mehr Fragmente als in der normal durchschlafenen Nacht im Bewusstsein zurückbleiben.

Tags die "zweite Inventur" fertiggeschrieben. Post von zu Haus und von Friederike Mayröcker. Vormittags etwas krank. Mittags gute Laune ins Büro gebracht. Wir sprachen von meiner Heimfahrt und vom Papiersaal. Abends in der Packerei gesessen und die Packbretter, die im Dezember verbraucht worden sind, erfasst. Nebenan hörte ich die Mädchen arbeiten und sah eine, die ihr Garderobekästchen offenstehen hatte und sich zum Nachhausegehen anzog.

Freue mich schon auf die Heimfahrt nach Wien.


Fr 15 1 54:

Letzter langer Tag. Es taute. Ich erzählte am Nachmittag viel von mir und vom jungen wiener kultu-rellen Leben. Mir zum Abschied spie abends die Kokerei knapp neben meinem Weg.


Sa 16 1 54:

Die letzten Arbeiten getan. Früh erreichte mich hier noch ein Brief des Südwestfunks. Man schickte mir freundlicherweise den Abzug der Radiosendung, in der auch ich besprochen wurde.

Abschied von den Welser Leuten. Mittags noch kurz auf meinem Zimmer, den Radioauszug gelesen.

Jetzt wird die Wiese vor dem Haus langsam blank.

15,51 D-Zug nach Wien. Aufenthalt nur in Linz.


Auch zu meiner grossen Freude ist die Zimmerstellage, auf der alle meine Bücher und Schriften ihren Platz haben werden, während meiner Abwesenheit geliefert worden. Auch der Vorhang ist schon an ihr angebracht worden. Tagsüber räumte ich die Stellage ein und machte auch sonst viele Ordnungen. Schuf mir eine Uebersicht über die Post-Rückstände, die sich, während ich , bei mir angehäuft hatten. Las verschiedene Zuschriften und las in , die mir nicht nach Wels geschickt worden waren. Auch Geld-Ordnung. Bestellte Bücher um 120.-- Schilling bei Herzog. Es taute.


Beginn meiner Arbeit in der Schönborngasse.

Guter Strassenbahnanschluss. Man lässt mich dort ganz von vorn in der Buchhaltung beginnen. Zunächst Arbeit an der Additionsmaschine; ich muss Konten aufaddieren. Man wird mir verschiedene kleine Arbeiten geben, die in der Buchhaltung anfallen. Mit der Zeit soll ich dann buchen lernen. Ausserdem soll ich einen uchhaltung-Kurs besuchen, der mich theoretisch festi-gen soll. Wenn ich ganz ehrlich sein will, muss ich sagen, dass ich mir die Geschwindigkeit meines Vorstosses in die neue Stellung grösser vorgestellt habe als sie mir jetzt in Aussicht gestellt wird. Aber die Arbeitsbedingungen im Büro der Welser sind sehr angenehm, ganz andere als in der Oepex.

Früh, vor dem Büro, Stellage weiter eingerichtet, abends die wichtigste Korrespndenz. Aus der Biblio-thek holte ich mir Aichingers "Die grössere Hoffnung".


Wie gestern gearbeitet. Abends Taebuch nachgetragen. Seit Sonntag Vormittag, da ich die , fast nur von aussen, angeschaut habe, bin ich über-haupt nicht dazugekommen, mich mit ihnen zu beschäfti-gen. Nicht einmal zuhause gründlich zu reden hatte ich seit Samstag Abend Zeit.

Zwischen Aufstehen, Arbeit und Niederlegen bleibt so wenig Zeit, dass man täglich nur eine Kleinigkeit erledigen kann. Und die Nacht kann ich nicht weiter ausnützen, da ich mindestens so viel Schlaf brauche, wie ich mir jetzt vergönne.


sahen wir uns den Film "Das war Rommel" an. Schön an diesem Film war, dass Deutsche und Engländer ihn gemeinsam gemacht hatten.

Von Nepp zwei der Buchhaltung bekommen. Viel Post abends.

Sturm über Wien.

Immer ein bisschen an der Stellage weitergespielt.


abends hulat und Korrespondenz.


sagte mir Nepp, dass ich vier bis fünf Jahre brauchen werde, um in die Stellung hineinzu-wachsen, für die ich bestimmt worden war.

Nachmittag kam Tante zu uns, ich sah sie erstmals, nach meinem Welser Aufenthalt, wieder. Viel geplau-dert und besprochen. Abends begann ich die zer-fetzten unter meinen Büchern einzubinden; eine Arbeit, die ich mir vorgenommen hatte, und bei der ich auch Gelegenheit fand, ein bisschen zu reden und auszuruhen.


Heute, Sonntag, , spät aufgestanden. Die , die ich zuhause liegen hatte, im Bett gelesen.

Ein chemischer Betrieb in Wien schreibt eine Stelle aus. Ich bot mich an, trotz meinen günstigen Aussichten in der Welser Papierfabrik. Auch die fällige Karte an Dr. Kirchhoff in Freiburg geschrie-ben. . Seit gestern ist es sehr kalt. /-9 Grad./ Gestern war der Himmel winterlich blau, heute ist es düster.

Stellage fertig eingerichtet.

Abends auf Tivoli mit Jirgal, Cysarz, Häussler, Schreiber. Um tiefer ineinander einzudringen, fehlte natürlich die Zeit. So fingen wir nicht einmal fragmentarisch an sondern hörten haupt-sächlich Cysarz zu, der bezaubernd vehement nebensächliche Dinge erzählte.

Ich sehne mich nach Zusammenkünften, die mehrere Tage und Nächte ausfüllen: zum Beispiel danach, bei jemand Interessantem auf dem Lande eingeladen zu sein.


Nachmittags im Büro nur Ablage. Dann zum Zahnarzt, drei Plomben, gleich erledigt und bezahlt. Abends Tante und Paul besucht, unerwartetes kleines hulat.


Früh etwas später auf, zur Oepex gefahren, dort eine Zahlung aus einem alten Kopplungs-geschäft diskutiert und bereinigt. Man war sehr freundlich und achtungsvoll zu mir. Schwerer Frost dieser Tage. Minus 20 Grad.


Nach dem Büro zu Friederike Mayröcker. Wir sassen in einer kleinen Küche, zusammen mit ihren Eltern, unterhielten uns aber trotzdem anregend. Mit Friederike Mayröcker verstehe ich mich gut und hätte ich mich gut verstehen können


Fieberte, so dass ich vom Büro nach Hause geschickt wurde. Fühlte mich im Bett wohl. Nur unruhig.

Die bestellten Bücher kamen. Ich las ein wenig.

Wermut getrunken.


Im Bett geblieben. Am Artikel für und gegen die "Neuen Wege" zu schrei-ben begonnen. Nachmittags kam Tante, wir unterhielten uns über die beiden Büros.

Las in Rugels Buch "Rebell wider die Unnatur", das ich mir bestellt und das ich gestern bekommen hatte. Es ist ein sehr gutes Buch; das Buch, das mich von allen Ethikbüchern bisher am meisten befriedigt. /Wie stimmt es mit "meiner" Natürlchkeit-Idee überein, die ich früher zu predigen versucht und heute, durch alle Ablen-kungen hindurch, zu realisieren ver-suche./



ich sagte Friederike Mayröcker am , dass ihre kleinen lyrischen Bilder, die sie von einzelnen Stimmungen gibt, stark gewinnen würden, wenn sie die Perspektive in sie einführte; wenn sie nicht nur den Wind beschriebe sondern die zwei Türen mitzeichnete, durch die er hindurchweht.


Vormittags noch im Bett geblieben, dann Artikel weitergeschrieben, zu Jandl gefahren. das Programm unserer Lesung im Volksheim. Kalt.


Blieb heute noch vom Büro fort. Brachte den Ofen aus dem Keller, kaufte die Nebengeräte und stellte ihn in der Küche auf. Wir bestellten gleich Kohle und heizten das erstema1 die Wohnung gründlich. Den Artikel fertiggeschrieben.


Ich werde DM 30.-- für die Krolowsendung bekommen. Wieder Büro. Frost hält an. Schnee. Abends Artikel reinzuschreiben begonnen. Noch schlecht.


Nepp warnte mich vor dem Tratschen und lobte mich abends das erste Mal für eine geleistete Arbeit.

Abends provisorische Reinschrift des Artikels weiter.


Morgens Tante da. /Aus Unruhe wegen der gestrigen Tratsch-warnung./ Im Büro: Rohbilanz auszuarbeiten begonnen. Ersten Fehler aufgefunden.

Grosser Postwirbel abends.


Früh Artikel verbessert.


Bei schönem blauem Winterwetter nachmittags zu Kein gefahren. Wir sprachen sehr gut miteinander und einigten uns rasch auf ein Programm für die Volks-heimlesung. Das Programm ist besonders gut zusammen-gestellt.


Vormittags Artikel fertig, gut.

15 Uhr bei Polakovics. Dort sass ein neuer Autor der NW, Meier, ein ästhetisch wirkender Katholik. Ich finde ihn dem Wolfgang Fischer ähnlich, was Polakovics abstreitet. Im Gespräch verwendet Polakovics viele der Hakelschen Prägungen. Mit Traude trotz dem Artikelwechsel freundschaftliche Atmosphäre. Sie sagt: Im Grunde meinen wir ja dasselbe.

Abends Flockenfall. Es war die erste Fahrt mit den Strassenbahnen 46 und 47 wieder /nach unserer Ueber-siedlung vom Steinhof/, es war der erste Besuch bei Polakovics wieder seit meinem Welser Aufenthalt; nein, sogar seit unserer Uebersiedlung im !


Im Kino abends "Schlagerparade". Kein besonders sprühender, aber doch ein überdurchschnittlicher Film für die Unterhaltung.


Noch Frost. Für heute Tauwetter angesagt.

Betrachtete gestern nachmittags im Büro das Fleckchen grellblauen Himmels, das man aus unserem Fenster sehen konnte. Schaute immer wieder hin und dachte an den Himmel zu den verschiedenen Stunden des Nachmittags über den Gassen.

Mamas Geburtstag. Abends Holz, Photo, Rohscheiben.


Abends wieder Holz /die altdeutsche Kredenz weiter zerschlagen; endgültige Niederlage des alten Möbelstils/. Weigelbrief konzipiert. Noch kein Tauwetter.


Nachmittags photographierte uns Herr Nepp. Mir erklärte er viel von der Betriebsbuchhaltung.

Abends keine Arbeit. Bald habe ich meine Rückstände zuhaus aufgeholt.


Neuer Schneefall statt dem Tauwetter. Früh im "Monat" gelesen.

Am Tag begann es zu tauen.


Nachmittags: Mayröcker-Brief kam.

2 Zimmerstellagen konstruiert. Keller, Holz, künftige Küche geplant.


Wintereinsendung erledigt. Tante da, viel mit ihr besprochen.

Möcki-Brief geschrieben. Seit gestern Tauwetter, trüb.


Post aufgegeben. Stellagen in Auftrag.

Nachmittags drei Groschen in der Buchhaltung gesucht. Abends Alpenlandeinsendung hergerichtet. Die Arbeit lichtet sich.

0°, trüb, glatt.


Wirbel: Urlaub festgesetzt und Welser Aufenthalt entschieden. Abends mich mit Photos beschäftigt.


Erstmals bei Kalkulation mitgeholfen.Ebnerpost. Abends ausgeruht. Kälte bricht wieder ein.


Früh im "Monat" über Fitzgerald gelesen. Vorhang nichts, Staatsvertrag nichts. Bilanz, PM IV.


Früh Magistratisches Bezirksamt: Mittellosigkeitszeugnis für Mama.

Abends Lesung im Volksheim Margareten. Der Anfang war armselig. Insgesamt kamen dann doch über zwanzig Leute. Das Programm hatten wir sehr gut zusammengestellt. Gelesen haben wir mässig schlecht.

Gingen noch ein Stückchen mit Möcki und Jandl. Wenig bedeutsames Gespräch. Ein bisschen traurig über den nicht genützten Abend. Wunsch, er möchte noch schön enden. Als wir Abschied voneinander nahmen, wollte ich Möcki, etwas länger als anständig, die Hand drücken. Sie kam mir um ein winziges Teilchen einer Sekunde damit zuvor und sah mich dabei mit einem grünen eindeutigen Blick an, den ich "mit vollem Einverständnis meiner Seele" erwiderte; dann verschwammen unsere Blicke gleich ineinander. Ich fühlte, beglückt, dass Möcki meine geheimsten Erwartungen erfüllte, und wie sie mit mir übereinstimmte.


Nachmittags neue Korrespondenzen erledigt, Haarschneider, Hulat.


Vormittags Tagebuch nachgetragen.

14 Uhr bei arger Kälte zu Tante gefahren, missglückter Faschingsnachmittag. Trotzdem gut ausgeruht.

Schon die zweite Nacht träume ich von Möcki.


Die heutige Nacht teilte ich mir - wie seinerzeit in Wels - in viele kleine Portionen, damit ich nach jedem Traum Gelegenheit haben sollte, ihn in mein Bewusstsein aufzunehmen und gegebenenfalls zu geniessen.

Wie ich es abends vorausgewusst hatte, träumte ich heute mehrere Male von ihr. Der Traum, der mich war der: Möcki wohnte in einem Keller, in einem Kaninchenverschlag. Heute wollte ich sie dort wieder besuchen, aber der Verschlag war leer. Nur ein paar Ueberbleibsel, etwa Kartoffelschalen und Rübenreste, erinnerten an ihr Leben.


Früh Tagebuch viel weiter.

Büro interessant.

Abends unseren Einrichtungsplan neu durchgerechnet.


Ich fuhr spät abends mit der Bahn in eine wilde bergige Gegend. Ich fand mich in einem Wald, auf steilem Boden, der vor mir ohne Ende nterverlief und hinter mir ohne Ende höher und höher anstieg. Der Boden war grau-braun, unbewachsen, Nadel Reisig lag auf ihm. Die Baumstämme waren grau und trugen erst viele Menschenhöhen Zweige. Das einzige, was hier lebte, waren Millionen von Spinnen, mherliefen und den Boden bis an den Horizont bekrochen.


Schmerzender Frost morgens. Steuergesuch geschrieben. Gemütlicher Abend. Schon mehrere Tage keine Post. Mama kaufte einen Vorhan für die Küchenstellage.


Im Traum zeigte ich Cysarz bunte Malereien Geisteskranker, die Papa gesammelt hatte.


Früh endlich weiter. Die Küche war schon früh geheizt.

Die "Neuen Wege" nehmen meinen Artikel nicht.

Abends schrieb ich Häussler einen Abschiedsbrief. Mama hat den Küchenvorhang schon genht.


Im Büro heute ohne Nepp gearbeitet. Viel geleistet. Sehnsucht nach freier Zeit.

Schöner Abend, ein bisschen freundliche Post, Tagebuch fertig nachgetragen.

Fini hatte Mama nach langer Zeit besucht.


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Warum übertreibe ich so in meinen Träumen?

Der Weg zu Brigitte K. war zwar auch in Wirklichkeit ziemlich langwierig, denn das in Luftlinie kurze Weg-Stückchen musste kreuz und quer durch Gartengässchen gegangen werden, aber in meinen Träumen, die sich immer wieder einstellen, wird der Weg zu ihr immer hoffnungloser.

Zuerst habe ich geträumt, dass sie etwa am anderen Ende des Bezirkes wohnt und ich musste mich zu ihr durchmarschieren und durchfragen.

Später sind Wiesen zwischen ihr und mir gelegen, die plötzlich in einen Abhang enden, über den ich nicht hinunterspringen kann. Ein anderes Mal habe ich geträumt, dass ich schon in ihrer Gasse gehe, mit Wohnhäusern und Geschäften, aber um zu ihr zu kommen, muss ich zwischen zwei endlosen grauen Häuserreihen hindurch, die arkadenartig durchbrochen sind. In allen diesen Träumen fühle ich, dass ich nicht ankommen werde oder dass ich die rechte Zeit versäumen werde.

Heute habe ich genauer gesehen, welches Industrieviertel ich durchqueren muss, um zu ihr zu gelangen: es war das Eisengebiet des Bezirkes /das es in Wirklichkeit nicht gibt/. Ich verfing mich gleich zum Beginn in das Netz von Röhren und Hochöfen und musste an den Hochöfen, umgeben von wilden Feuern, arbeiten. Einen Hochofen /sie waren am Schluss des Traums nur 2 1/2-3 Meter hoch/ musste ich stützen, damit er beim Brennen die Mauer nicht beschädige.

Eigentümlich ist, dass sich diese Träume nicht etwa dann einstellen, wenn ich abends an Brigitte K. gedacht habe, sondern dass sie anscheinend ohne Veranlassung kommen. Gestern am Abend habe ich an Friederike Mayröcker gedacht /nächsten Tags kam übrigens ein Brief von ihr/, aber geträumt habe ich vom Weg zu Brigitte K.

Abends, Do 14 1 54, Wels.

Do 14 1 54:

Gestern abends genossen,x)Rohscheiben und Salami, die ich von zuhause bekommen hatte, im Bett gegessen, dazu "geträumt". dann unruhige Nacht.

Ich lege mich in der letzten Zeit sehr zeitig nieder. Ich schlafe in Portionen, wache auf, schaue auf die Uhr, trinke einen Schluck Zitronenwasser und schlafe im Augenblick danach wieder ein. Um halb sechs erwache ich endgültig und warte auf den Wecker. Mein Schlaf ist gut, meine Träume sind etwas wirr; dieser Eindruck entsteht aber sicher durch die "Portionierung" der Nächte, da mehr Fragmente als in der normal durchschlafenen Nacht im Bewusstsein zurückbleiben.

Tags die "zweite Inventur" fertiggeschrieben. Post von zu Haus und von Friederike Mayröcker. Vormittags etwas krank. Mittags gute Laune ins Büro gebracht. Wir sprachen von meiner Heimfahrt und vom Papiersaal. Abends in der Packerei gesessen und die Packbretter, die im Dezember verbraucht worden sind, erfasst. Nebenan hörte ich die Mädchen arbeiten und sah eine, die ihr Garderobekästchen offenstehen hatte und sich zum Nachhausegehen anzog.

Freue mich schon auf die Heimfahrt nach Wien.


Fr 15 1 54:

Letzter langer Tag. Es taute. Ich erzählte am Nachmittag viel von mir und vom jungen wiener kultu-rellen Leben. Mir zum Abschied spie abends die Kokerei knapp neben meinem Weg.


Sa 16 1 54:

Die letzten Arbeiten getan. Früh erreichte mich hier noch ein Brief des Südwestfunks. Man schickte mir freundlicherweise den Abzug der Radiosendung, in der auch ich besprochen wurde.

Abschied von den Welser Leuten. Mittags noch kurz auf meinem Zimmer, den Radioauszug gelesen.

Jetzt wird die Wiese vor dem Haus langsam blank.

15,51 D-Zug nach Wien. Aufenthalt nur in Linz.


Auch zu meiner grossen Freude ist die Zimmerstellage, auf der alle meine Bücher und Schriften ihren Platz haben werden, während meiner Abwesenheit geliefert worden. Auch der Vorhang ist schon an ihr angebracht worden. Tagsüber räumte ich die Stellage ein und machte auch sonst viele Ordnungen. Schuf mir eine Uebersicht über die Post-Rückstände, die sich, während ich , bei mir angehäuft hatten. Las verschiedene Zuschriften und las in , die mir nicht nach Wels geschickt worden waren. Auch Geld-Ordnung. Bestellte Bücher um 120.-- Schilling bei Herzog. Es taute.


Beginn meiner Arbeit in der Schönborngasse.

Guter Strassenbahnanschluss. Man lässt mich dort ganz von vorn in der Buchhaltung beginnen. Zunächst Arbeit an der Additionsmaschine; ich muss Konten aufaddieren. Man wird mir verschiedene kleine Arbeiten geben, die in der Buchhaltung anfallen. Mit der Zeit soll ich dann buchen lernen. Ausserdem soll ich einen uchhaltung-Kurs besuchen, der mich theoretisch festi-gen soll. Wenn ich ganz ehrlich sein will, muss ich sagen, dass ich mir die Geschwindigkeit meines Vorstosses in die neue Stellung grösser vorgestellt habe als sie mir jetzt in Aussicht gestellt wird. Aber die Arbeitsbedingungen im Büro der Welser sind sehr angenehm, ganz andere als in der Oepex.

Früh, vor dem Büro, Stellage weiter eingerichtet, abends die wichtigste Korrespndenz. Aus der Biblio-thek holte ich mir Aichingers "Die grössere Hoffnung".


Wie gestern gearbeitet. Abends Taebuch nachgetragen. Seit Sonntag Vormittag, da ich die , fast nur von aussen, angeschaut habe, bin ich über-haupt nicht dazugekommen, mich mit ihnen zu beschäfti-gen. Nicht einmal zuhause gründlich zu reden hatte ich seit Samstag Abend Zeit.

Zwischen Aufstehen, Arbeit und Niederlegen bleibt so wenig Zeit, dass man täglich nur eine Kleinigkeit erledigen kann. Und die Nacht kann ich nicht weiter ausnützen, da ich mindestens so viel Schlaf brauche, wie ich mir jetzt vergönne.


sahen wir uns den Film "Das war Rommel" an. Schön an diesem Film war, dass Deutsche und Engländer ihn gemeinsam gemacht hatten.

Von Nepp zwei der Buchhaltung bekommen. Viel Post abends.

Sturm über Wien.

Immer ein bisschen an der Stellage weitergespielt.


abends hulat und Korrespondenz.


sagte mir Nepp, dass ich vier bis fünf Jahre brauchen werde, um in die Stellung hineinzu-wachsen, für die ich bestimmt worden war.

Nachmittag kam Tante zu uns, ich sah sie erstmals, nach meinem Welser Aufenthalt, wieder. Viel geplau-dert und besprochen. Abends begann ich die zer-fetzten unter meinen Büchern einzubinden; eine Arbeit, die ich mir vorgenommen hatte, und bei der ich auch Gelegenheit fand, ein bisschen zu reden und auszuruhen.


Heute, Sonntag, , spät aufgestanden. Die , die ich zuhause liegen hatte, im Bett gelesen.

Ein chemischer Betrieb in Wien schreibt eine Stelle aus. Ich bot mich an, trotz meinen günstigen Aussichten in der Welser Papierfabrik. Auch die fällige Karte an Dr. Kirchhoff in Freiburg geschrie-ben. . Seit gestern ist es sehr kalt. /-9 Grad./ Gestern war der Himmel winterlich blau, heute ist es düster.

Stellage fertig eingerichtet.

Abends auf Tivoli mit Jirgal, Cysarz, Häussler, Schreiber. Um tiefer ineinander einzudringen, fehlte natürlich die Zeit. So fingen wir nicht einmal fragmentarisch an sondern hörten haupt-sächlich Cysarz zu, der bezaubernd vehement nebensächliche Dinge erzählte.

Ich sehne mich nach Zusammenkünften, die mehrere Tage und Nächte ausfüllen: zum Beispiel danach, bei jemand Interessantem auf dem Lande eingeladen zu sein.


Nachmittags im Büro nur Ablage. Dann zum Zahnarzt, drei Plomben, gleich erledigt und bezahlt. Abends Tante und Paul besucht, unerwartetes kleines hulat.


Früh etwas später auf, zur Oepex gefahren, dort eine Zahlung aus einem alten Kopplungs-geschäft diskutiert und bereinigt. Man war sehr freundlich und achtungsvoll zu mir. Schwerer Frost dieser Tage. Minus 20 Grad.


Nach dem Büro zu Friederike Mayröcker. Wir sassen in einer kleinen Küche, zusammen mit ihren Eltern, unterhielten uns aber trotzdem anregend. Mit Friederike Mayröcker verstehe ich mich gut und hätte ich mich gut verstehen können


Fieberte, so dass ich vom Büro nach Hause geschickt wurde. Fühlte mich im Bett wohl. Nur unruhig.

Die bestellten Bücher kamen. Ich las ein wenig.

Wermut getrunken.


Im Bett geblieben. Am Artikel für und gegen die "Neuen Wege" zu schrei-ben begonnen. Nachmittags kam Tante, wir unterhielten uns über die beiden Büros.

Las in Rugels Buch "Rebell wider die Unnatur", das ich mir bestellt und das ich gestern bekommen hatte. Es ist ein sehr gutes Buch; das Buch, das mich von allen Ethikbüchern bisher am meisten befriedigt. /Wie stimmt es mit "meiner" Natürlchkeit-Idee überein, die ich früher zu predigen versucht und heute, durch alle Ablen-kungen hindurch, zu realisieren ver-suche./



ich sagte Friederike Mayröcker am , dass ihre kleinen lyrischen Bilder, die sie von einzelnen Stimmungen gibt, stark gewinnen würden, wenn sie die Perspektive in sie einführte; wenn sie nicht nur den Wind beschriebe sondern die zwei Türen mitzeichnete, durch die er hindurchweht.


Vormittags noch im Bett geblieben, dann Artikel weitergeschrieben, zu Jandl gefahren. das Programm unserer Lesung im Volksheim. Kalt.


Blieb heute noch vom Büro fort. Brachte den Ofen aus dem Keller, kaufte die Nebengeräte und stellte ihn in der Küche auf. Wir bestellten gleich Kohle und heizten das erstema1 die Wohnung gründlich. Den Artikel fertiggeschrieben.


Ich werde DM 30.-- für die Krolowsendung bekommen. Wieder Büro. Frost hält an. Schnee. Abends Artikel reinzuschreiben begonnen. Noch schlecht.


Nepp warnte mich vor dem Tratschen und lobte mich abends das erste Mal für eine geleistete Arbeit.

Abends provisorische Reinschrift des Artikels weiter.


Morgens Tante da. /Aus Unruhe wegen der gestrigen Tratsch-warnung./ Im Büro: Rohbilanz auszuarbeiten begonnen. Ersten Fehler aufgefunden.

Grosser Postwirbel abends.


Früh Artikel verbessert.


Bei schönem blauem Winterwetter nachmittags zu Kein gefahren. Wir sprachen sehr gut miteinander und einigten uns rasch auf ein Programm für die Volks-heimlesung. Das Programm ist besonders gut zusammen-gestellt.


Vormittags Artikel fertig, gut.

15 Uhr bei Polakovics. Dort sass ein neuer Autor der NW, Meier, ein ästhetisch wirkender Katholik. Ich finde ihn dem Wolfgang Fischer ähnlich, was Polakovics abstreitet. Im Gespräch verwendet Polakovics viele der Hakelschen Prägungen. Mit Traude trotz dem Artikelwechsel freundschaftliche Atmosphäre. Sie sagt: Im Grunde meinen wir ja dasselbe.

Abends Flockenfall. Es war die erste Fahrt mit den Strassenbahnen 46 und 47 wieder /nach unserer Ueber-siedlung vom Steinhof/, es war der erste Besuch bei Polakovics wieder seit meinem Welser Aufenthalt; nein, sogar seit unserer Uebersiedlung im !


Im Kino abends "Schlagerparade". Kein besonders sprühender, aber doch ein überdurchschnittlicher Film für die Unterhaltung.


Noch Frost. Für heute Tauwetter angesagt.

Betrachtete gestern nachmittags im Büro das Fleckchen grellblauen Himmels, das man aus unserem Fenster sehen konnte. Schaute immer wieder hin und dachte an den Himmel zu den verschiedenen Stunden des Nachmittags über den Gassen.

Mamas Geburtstag. Abends Holz, Photo, Rohscheiben.


Abends wieder Holz /die altdeutsche Kredenz weiter zerschlagen; endgültige Niederlage des alten Möbelstils/. Weigelbrief konzipiert. Noch kein Tauwetter.


Nachmittags photographierte uns Herr Nepp. Mir erklärte er viel von der Betriebsbuchhaltung.

Abends keine Arbeit. Bald habe ich meine Rückstände zuhaus aufgeholt.


Neuer Schneefall statt dem Tauwetter. Früh im "Monat" gelesen.

Am Tag begann es zu tauen.


Nachmittags: Mayröcker-Brief kam.

2 Zimmerstellagen konstruiert. Keller, Holz, künftige Küche geplant.


Wintereinsendung erledigt. Tante da, viel mit ihr besprochen.

Möcki-Brief geschrieben. Seit gestern Tauwetter, trüb.


Post aufgegeben. Stellagen in Auftrag.

Nachmittags drei Groschen in der Buchhaltung gesucht. Abends Alpenlandeinsendung hergerichtet. Die Arbeit lichtet sich.

0°, trüb, glatt.


Wirbel: Urlaub festgesetzt und Welser Aufenthalt entschieden. Abends mich mit Photos beschäftigt.


Erstmals bei Kalkulation mitgeholfen.Ebnerpost. Abends ausgeruht. Kälte bricht wieder ein.


Früh im "Monat" über Fitzgerald gelesen. Vorhang nichts, Staatsvertrag nichts. Bilanz, PM IV.


Früh Magistratisches Bezirksamt: Mittellosigkeitszeugnis für Mama.

Abends Lesung im Volksheim Margareten. Der Anfang war armselig. Insgesamt kamen dann doch über zwanzig Leute. Das Programm hatten wir sehr gut zusammengestellt. Gelesen haben wir mässig schlecht.

Gingen noch ein Stückchen mit Möcki und Jandl. Wenig bedeutsames Gespräch. Ein bisschen traurig über den nicht genützten Abend. Wunsch, er möchte noch schön enden. Als wir Abschied voneinander nahmen, wollte ich Möcki, etwas länger als anständig, die Hand drücken. Sie kam mir um ein winziges Teilchen einer Sekunde damit zuvor und sah mich dabei mit einem grünen eindeutigen Blick an, den ich "mit vollem Einverständnis meiner Seele" erwiderte; dann verschwammen unsere Blicke gleich ineinander. Ich fühlte, beglückt, dass Möcki meine geheimsten Erwartungen erfüllte, und wie sie mit mir übereinstimmte.


Nachmittags neue Korrespondenzen erledigt, Haarschneider, Hulat.


Vormittags Tagebuch nachgetragen.

14 Uhr bei arger Kälte zu Tante gefahren, missglückter Faschingsnachmittag. Trotzdem gut ausgeruht.

Schon die zweite Nacht träume ich von Möcki.


Die heutige Nacht teilte ich mir - wie seinerzeit in Wels - in viele kleine Portionen, damit ich nach jedem Traum Gelegenheit haben sollte, ihn in mein Bewusstsein aufzunehmen und gegebenenfalls zu geniessen.

Wie ich es abends vorausgewusst hatte, träumte ich heute mehrere Male von ihr. Der Traum, der mich war der: Möcki wohnte in einem Keller, in einem Kaninchenverschlag. Heute wollte ich sie dort wieder besuchen, aber der Verschlag war leer. Nur ein paar Ueberbleibsel, etwa Kartoffelschalen und Rübenreste, erinnerten an ihr Leben.


Früh Tagebuch viel weiter.

Büro interessant.

Abends unseren Einrichtungsplan neu durchgerechnet.


Ich fuhr spät abends mit der Bahn in eine wilde bergige Gegend. Ich fand mich in einem Wald, auf steilem Boden, der vor mir ohne Ende nterverlief und hinter mir ohne Ende höher und höher anstieg. Der Boden war grau-braun, unbewachsen, Nadel Reisig lag auf ihm. Die Baumstämme waren grau und trugen erst viele Menschenhöhen Zweige. Das einzige, was hier lebte, waren Millionen von Spinnen, mherliefen und den Boden bis an den Horizont bekrochen.


Schmerzender Frost morgens. Steuergesuch geschrieben. Gemütlicher Abend. Schon mehrere Tage keine Post. Mama kaufte einen Vorhan für die Küchenstellage.


Im Traum zeigte ich Cysarz bunte Malereien Geisteskranker, die Papa gesammelt hatte.


Früh endlich weiter. Die Küche war schon früh geheizt.

Die "Neuen Wege" nehmen meinen Artikel nicht.

Abends schrieb ich Häussler einen Abschiedsbrief. Mama hat den Küchenvorhang schon genht.


Im Büro heute ohne Nepp gearbeitet. Viel geleistet. Sehnsucht nach freier Zeit.

Schöner Abend, ein bisschen freundliche Post, Tagebuch fertig nachgetragen.

Fini hatte Mama nach langer Zeit besucht.


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Zitiervorschlag

Okopenko, Andreas: Tagebuch 14.01.1954–26.02.1954. Digitale Edition, hrsg. von Roland Innerhofer, Bernhard Fetz, Christian Zolles, Laura Tezarek, Arno Herberth, Desiree Hebenstreit, Holger Englerth, Österreichische Nationalbibliothek und Universität Wien. Wien: Version 1.1, 15.1.2019. URL: https://edition.onb.ac.at/okopenko/o:oko.tb-19540114-19540226/methods/sdef:TEI/get?mode=p_1

Lizenzhinweis

Die Transkriptionen der Tagebücher sind unter CC BY-SA 4.0 verfügbar. Weitere Informationen entnehmen Sie den Lizenzangaben.

LinksInformation

Jegliche Nutzung der Digitalisate muss mit dem Rechtsnachfolger von Andreas Okopenko, August Bisinger, individuell abgeklärt werden.