Laden...

Trüb. Gali. Essigester getrocknet.

Red. NW: eingereicht, herauserbeten und "Ergo sum" korrigiert.

Weiter im Institut gearbeitet.

Zeitig heim. Hier noch Rilke frühe Gedichte gelesen, geplaudert. Selbst nichts geschrieben. Abends noch eine Satire.

Recht kühl für einen Junitag.


Heute früh noch Wetter wie die letzten Tage. Früh unangenehm: Kriegsangst.

Kuffner. Acetessigester hergestellt.

Ich kam achtzehn Uhr heim. Mama war mit Fini fort.


Etwas später auf. Bei heissem Wetter um Pobischs Schuhe auf die Linzerstrasse mit Mama gegangen.

Nun ist richtiges Juniwetter.

"Alt Wiener Erinnerungen", ein Hinrichtungsgedicht, geschrieben.

Nachmittag kam Tante.

Ich fasste das "phil. Material" der letzten Zeit wieder zu einem Bilderbogen zusammen. Angenehme Stimmung.

Abends fand in Steinhof wo ein Fest statt. "Junifest" geschrieben. Lange noch zum Fenster hinausgesehen.


Strahlender blauer Junitag!

Mittags kam Polakovics. Ich ging zu ihm hinüber. Er erzählte mir von verschiedenen Ablehnungen bei den "Neuen Wegen". Nadine hat sich über mein "Gedicht in Prosa" beschwert. Eisenreich kam zu mir wegen seines Artikels "Kritik und Selbst-kritik" unserer Lesung. Nach der Arbeit las ich ihm einige Sachen vor.

Abends Gedanken, wohin weiter ...


Uninteressante W.a.M.Kuffner. Zu Weissenborn gegangen:

Apparate von Weiser geholt.

Essigester abdestilliert. Ich kann nicht weiter-arbeiten /Manometerflasche/.

Heimgefahren. Heisser Tag. Fini war da.

Edithgedicht /Reise .../ I. Teil gemacht.

Angenehmer Tag.


Ein unangeregter Zustand. Aus dem "Vorrat" schreibt man, wenn man Lust zum Schreiben überhaupt hat, irgend etwas nieder. Man bemüht sich womöglich, mittels bewährter Reizvorstellungen" /zu Aerger, Freude, Begehren od. dgl./ Gefühlchen hervorzukitzeln, um ja doch noch etwas verfasst zu haben, namentlich wenn die äussere Gelegenheit günstig ist /ein freier Tag o.ä./. Freilich treffen immer wieder Stimmungen ein, die wirklich zum Schreiben berechtigten, allein: schon während der Formulierung vergehen sie, man wird im nächsten Augenblick schon zum Unbeteiligten. Das sind diese fruchtlosen Perioden.

Und man erkennt, dass man so viel und so tief schreiben könnte, wenn die innere Sperrung nicht wäre, und so versucht man. Zu versuchen ist gut, und zumindest fällt der Vorwurf der Unaufrichtig-keit, in ungeeigneter Stimmung etwas schreiben zu wollen, so fort.

Man t sich verpflichtet zu schreiben, die Grundstimmung in sich, die nie tot ist, auszudrücken. Die Grundstimmun ist nie tot, das sieht man an jeder Reaktion. Nur wenn das Reizbringende fehlt, gibt es keine Reaktion, und das Latente kann manchmal auch ohne den Erfolg: , zum Ausdruck zu finden, bleiben.

Damit ich mir die Stimmung vertreibe, i der nichts geschieht, schreibe ich sinnlose Wörter und Sätze hin, ohne damit zu bezwecken, ein surreles Wrk etwa zu schaffen. Denn dazu ist die Stimmung, jene besser gesagt Stimmungslosigkeit nicht geeignet, in der ich bestenfalls Aerger, aber auch nur einen um sich selbst kreisenden und keinen Aerger auf ein Obekt, empfinde. Ich weiss noch immer nicht, was ich schreiben soll.

Ich weiss nur, ich wäre fähig, vieles auszudrücken. Aber momentan ist die Stimmung, wie gesagt, nicht danach.

unsinniger Zeitvertreib obwohl die Zeit nicht vertrieen, sondern genützt werden müsste. Sind doch die vier freien Tage, auf die ich ich so gefreut habe, nicht zum Vertandeln da. Auch ich bin vielleicht zu schade um dahinzudämmern wie einer, der nichts zu sagen hat. Man würde sich grenzenlos wundern, wenn man mich so vorfände! Wenn ich seichte anderer lese, zum Beispiel, finde ich mich weiter als den betreffen-den Autor. Aber ich bin jetzt nicht imstande, zu reagieren.

An so einem Tag erscheint einem auch alles Draussige, und sei es Schönes, inhomogen, zerflatternd, als wäre es - nicht visuell, nur symbolisch gesprochen - grau . An anderen Tagen hingegen liegt man in der Welt drinnen wie in einem Bad, tief, als wäre man selbst "blau" durchtränkt. Dabei habe ich keine negative Stimmung heute, keine schlechte, sondern: überhaupt keine. Wenn, so - wie bereits gesagt - rgerliche, aber auch dies nur sekundär, der Aerger ist nicht gefährlich, und nicht produktiv, es ist nur der Aerger über die Leerheit und Unbeteiligtheit, und wenn der verfliegt, was sehr schnell geschieht, bleibt überhaupt kein Affekt zurück. Es ist dies ein Zustand ohne jede Gemütsbewegung.


Frei gemacht.

Später auf. Spaziergang mit Mama: Auhof.

Heiss. Strahlende Junisonne.

Zu Artmann gegangen. r erzählte von Möstl usw. Experimente dort getrieben /Zeichnungen, Wortsalat/. Ueber Langeweile interessant gesprochen.

NW. 2 demokr. Schriftsteller dort, luden uns ein. Besprechungen, dann privat die Zeit vertrieben. Kein war unzufrieden, mit ihm lange noch danach spaziert und diskutiert. Hauer auch wieder da.


Früh nichts Wesentliches.

Institut. Um Chemikalien eingereicht.

Diphensäure gemacht. Sehr angenehm.

Abends kam die Kohle.


Bemühte mich um Gedichte, um die Freizeit auszufüllen ...

Schrieb bis vor Abend viel Nörgelndes /"Pädagogik ..." .../

Aends schrieb ich in die Maschine das "Elegische Protokoll".


Rektortag, frei.

Vormittag Linzerstrasse.

Schönwetter, juniheiss.

Sehr angenehme Stimmung!

Aus der PHG von Tante das Papier abgeholt.

Nettes Mädchen auf dem Hinweg im Zehner gesehen. Zu Artmann gegangen. Gewitter war. Versuche mit "biblischen" Zeichnungen. Meine Sachen gefielen. René Altmann kam hin.

Daheim Schnitzel.

Im "Plan" Interessantes gelsen: Erich Fried, surr. ...


Schönwetter, schwül.

Vormittags wieder nichts Wesentliches geschrieben. Den Tag an den "Plan" u.a. verstreut.

Nach Mittag schrieb ich die "Grüne Melodie".

Gewitter, dann kühlte es ab.

Ein Gewittergedicht geschrieben.

Ein Gedicht "Der Sechzehnjährige" verpatzt.

WB kam. Er erzählte von der Klassenzusammenkunft. Pribik ist bereits verlobt.

Gute Totoergebnisse bisher für uns.

Fenster geschaut noch.


Es begann wieder mit Schönwetter, erst etwas kühler noch, dann heisser Junitag.

Etwas später auf. Zu Pol. gefahren. Er war bei Frau Fischer. Spaziergang mit metaphysischer Diskussion. Wenig angenehm.

Ausflugwetter!

Zu Polakovics gefahren wieder. Verschiedenes gelesen, durchbesprochen, über die Hokku-Sucht ...

Meine Gedichte gefielen ihm zumeist.

Abends schrieb ich zuhause noch ein kurzes Gedicht.


Welt am Montag, "gegen die Verlobung". /Diskussion./ Früh zu Kuffner. Probe 6 weiter.

Nachmittags Probe 7 begonnen. Etwas zeitiger heim.


Zeitig auf. Gali. Probe 7 Wasserdampfdestillaton. Probe 6 nur mehr FP.

Nm. Probe 6 abgegeben. Zu Artmann.

NWieder interessanter. Erst 21,30 heim.


Aeusserst schwül.

Ins Institut gefahren. Bilek Schimpf. Probe 7 gemacht.

Nm. 6,7 abgegeben. Im oberen Labor geplaudert. Weissenborn besucht. Eisenreich besucht.

Verband demokr. Schriftsteller im Café Parkring.

Um 23,30 heimgekommen.

/H. Schreiber gratulierte mir, wie Eisenreich sagte, zum "Eleg. Protokoll"./


Zeitig auf. Schwüles Juniwetter. Gali. Miesere Stimmg. 6,7 wurden bestätigt. 8 begonnen. Verpatzt?

15 Uhr schon heimgekommen. Antwortbrief an Mader geschrieben /ich lehnte seine Einladung ab, wie einstmals die Nestroy-Couplets zu aktualisieren/. Artmann brachte "rezensier"-Arbeit. Ich begann gleich mit dieser. Angenehmer Abend. Bernklau. Gusti abge-fahren.


Rez., Kuff., 8. noch einmal gemacht.

Daheim zu Ende rez.

Unruhige Nacht.


Vormittags "Melek" geschrieben.

Nachm. Charakteristika geschrieben. Auf das Treffen gewartet. 15,30 bei Frl. HauerHietzinger Kai 199.

Art, Ke, Ok, Pol. Sehr angenehm dort. Vorher während des Wartens humor. Ideen. /Pik-As/ ...

Zwei Gedichte von mir kommen in die September-nummer, die wir zusammenstellten.

Sehr angenehm geplaudert. Abends erregend.


Heute kommt niemand von meinen Freunden.

Dr. Grinse-Gedichte geschrieben.

Nachmittag kamen Tante und Paul.

Am "Vithu"-Gedicht geschrieben.


Interessante W..M.

Kuff. Mit Probe 8 beschäftigt. Abends abgegeben. Mama war das erste Mal bei Fini Pobisch.


Ich machte mir frei. Mit MamaWientalstrasse spazieren gegangen.

Schwüler, heisser Junitag! "Vithu" geschrieben. Brief an Mader aufgegeben. Artikel für die "W.a.M." geschrieben.

Zu Artmann gefahren.

NW, äusserst interessant. Strobachs Forderung der "Stille". Grosse Pläne /Freilichtlesungen .../. 45.-- eingenommen.


Vm. NW gelesen. Endlich Vakuumdestillation gemacht.

Nm. Präparat 9 begonnen.

Ueberraschend war Tante bei uns, als ich heimkam. Wein, Westermaier, gemütlicher Abend.

Ich schrieb den Antwortbrief an die Redaktion wegen , auf den ich mich gefreut hatte. Gegen Abend wude es windig und schwarz.

Nachts regte es.


Sommer ist es geworden.

Gali. Probe 9 weitergemacht.

16 Uhr: Eisenreich war nicht zu Hause. Heimgefahren.


Kuffner. Probe 9 fertig. Zu Eisenreich.

Dort gelesen. Ueber Sexualproblem gesprochen ... Ueber unsere Literatur ... Sehr angeregt.

Schwüle Tage. Für kurze Zeit regnete es.


Ich bin gänzlich ausgeleert, habe mich verausgabt. Artmannsch, fantasmagorisch, gregueresk. Das soll nicht weitergehen, und ich werde beginnen wohinzufinden. Ich muß mich aussprechen. Ich habe keine Krise zu befürchten. Mein Potentielles sehe ich in jeder Diskussion, in jedem Fluidumgedicht, in jedem Fluidum das ich mitmache überhaupt.


Ausgeruht und mich gesammelt.

Ordnungen gemacht.

"Impression der Regentage" zu ändern versucht. Ich blieb Nachmittag daheim.

WB kam. Er hat mit "Susi" erbindung aufgenommen.


Zu Polakovics gefahren. Mein N.P.-Brief gefiel. Ich nahm aus den "NW" heraus. Ueber Strobach geredet. Polakovics' Pädagogik-Prüfung steht bevor. Die ist sehr dumm aufgezäunt. Zu Artmann gegangen. Er wurde von einer Bekannten belagert, darum sassn wir hinter verhängten Türen und Fenstern.

DaheimWate land I. übersetzt.

Abends versuchte ich etwas zu schreiben.

Sonderbares Experiment: Das Reh.


Krieg in Asien /Korea/.

Letztmals Kuffner. Platz übergeben, auch schon gezahlt.

Nm. Weissenborn aufgesucht. Schwül. Auf die Ferien gefreut.


Letzte Galivorlesung. Liquidation.

Nach einem schwülen Morgen trübt es ein.

Heimgekommen. Kellerartikel. Zu Artmann gefahren. Bei ihm wurde gepfändet. Helene Diem verbreitete Gerüchte über ihn.

NW. -Brief übergeben. Wir gelten, hört man, als "Schmutz und Schund".

Massnahmen überdacht und geblödelt. Revoltiert.


Semesterabschluss. Ich hatte nichts mehr auf der Uni zu tun.

USA greifen in den Koreakrieg ein.

Linzerstrasse.

Eliot zu übersetzen versucht.

In Kipling gelesen. Polakovics kam. Setzten gemeinsam den Brief wegen der "Nachtwache" auf. Ueber die Verpicktheit von Artmann, Altmann, Weissenborn gesprochen. /Vom "Reh" ausgehend./ Abends versuchte ich zu schreiben, am Fenster beobachtend.


Ferienbeginn. Später auf.

England greift ein. US-Infanterie in Korea! Schwül, meist blauer Himmel. Savoyenstrasse, M. "Späten Juni" geschrieben. Sommerlich angezogen schon.

16 Uhr Eisenreich. Bei ihm war Frl. Perl.

Ueber den "Keller" u.a. geredet. Netter Eindruck.

Surr. Maler aufgesucht. Interessant über Surr. diskutiert. Der Ruf nach dem umfassenden Realismus.

Abends Idee "Reklameröhre".


Heissester Tag seit 100 Jahren. 52 Grad in der Sonne, 37 im Schatten. Strahlend blau.

Gedichtet. Auf die Uni - Studienbuch geholt. Recht angenehm. Weiter gedichtet.

Es fand statt: Lesung einer Mädchenschule, gelesen wurden von uns. /Ich ging nicht hin./

Ich weiss nicht, was von meinem Gedicht zu halten ist.

Zu Bernklau in den Garten. Ganz gemütlich.

Ich habe den Wunsch nach dem Mädchen.


Laden...

Trüb. Gali. Essigester getrocknet.

Red. NW: eingereicht, herauserbeten und "Ergo sum" korrigiert.

Weiter im Institut gearbeitet.

Zeitig heim. Hier noch Rilke frühe Gedichte gelesen, geplaudert. Selbst nichts geschrieben. Abends noch eine Satire.

Recht kühl für einen Junitag.


Heute früh noch Wetter wie die letzten Tage. Früh unangenehm: Kriegsangst.

Kuffner. Acetessigester hergestellt.

Ich kam achtzehn Uhr heim. Mama war mit Fini fort.


Etwas später auf. Bei heissem Wetter um Pobischs Schuhe auf die Linzerstrasse mit Mama gegangen.

Nun ist richtiges Juniwetter.

"Alt Wiener Erinnerungen", ein Hinrichtungsgedicht, geschrieben.

Nachmittag kam Tante.

Ich fasste das "phil. Material" der letzten Zeit wieder zu einem Bilderbogen zusammen. Angenehme Stimmung.

Abends fand in Steinhof wo ein Fest statt. "Junifest" geschrieben. Lange noch zum Fenster hinausgesehen.


Strahlender blauer Junitag!

Mittags kam Polakovics. Ich ging zu ihm hinüber. Er erzählte mir von verschiedenen Ablehnungen bei den "Neuen Wegen". Nadine hat sich über mein "Gedicht in Prosa" beschwert. Eisenreich kam zu mir wegen seines Artikels "Kritik und Selbst-kritik" unserer Lesung. Nach der Arbeit las ich ihm einige Sachen vor.

Abends Gedanken, wohin weiter ...


Uninteressante W.a.M.Kuffner. Zu Weissenborn gegangen:

Apparate von Weiser geholt.

Essigester abdestilliert. Ich kann nicht weiter-arbeiten /Manometerflasche/.

Heimgefahren. Heisser Tag. Fini war da.

Edithgedicht /Reise .../ I. Teil gemacht.

Angenehmer Tag.


Ein unangeregter Zustand. Aus dem "Vorrat" schreibt man, wenn man Lust zum Schreiben überhaupt hat, irgend etwas nieder. Man bemüht sich womöglich, mittels bewährter Reizvorstellungen" /zu Aerger, Freude, Begehren od. dgl./ Gefühlchen hervorzukitzeln, um ja doch noch etwas verfasst zu haben, namentlich wenn die äussere Gelegenheit günstig ist /ein freier Tag o.ä./. Freilich treffen immer wieder Stimmungen ein, die wirklich zum Schreiben berechtigten, allein: schon während der Formulierung vergehen sie, man wird im nächsten Augenblick schon zum Unbeteiligten. Das sind diese fruchtlosen Perioden.

Und man erkennt, dass man so viel und so tief schreiben könnte, wenn die innere Sperrung nicht wäre, und so versucht man. Zu versuchen ist gut, und zumindest fällt der Vorwurf der Unaufrichtig-keit, in ungeeigneter Stimmung etwas schreiben zu wollen, so fort.

Man t sich verpflichtet zu schreiben, die Grundstimmung in sich, die nie tot ist, auszudrücken. Die Grundstimmun ist nie tot, das sieht man an jeder Reaktion. Nur wenn das Reizbringende fehlt, gibt es keine Reaktion, und das Latente kann manchmal auch ohne den Erfolg: , zum Ausdruck zu finden, bleiben.

Damit ich mir die Stimmung vertreibe, i der nichts geschieht, schreibe ich sinnlose Wörter und Sätze hin, ohne damit zu bezwecken, ein surreles Wrk etwa zu schaffen. Denn dazu ist die Stimmung, jene besser gesagt Stimmungslosigkeit nicht geeignet, in der ich bestenfalls Aerger, aber auch nur einen um sich selbst kreisenden und keinen Aerger auf ein Obekt, empfinde. Ich weiss noch immer nicht, was ich schreiben soll.

Ich weiss nur, ich wäre fähig, vieles auszudrücken. Aber momentan ist die Stimmung, wie gesagt, nicht danach.

unsinniger Zeitvertreib obwohl die Zeit nicht vertrieen, sondern genützt werden müsste. Sind doch die vier freien Tage, auf die ich ich so gefreut habe, nicht zum Vertandeln da. Auch ich bin vielleicht zu schade um dahinzudämmern wie einer, der nichts zu sagen hat. Man würde sich grenzenlos wundern, wenn man mich so vorfände! Wenn ich seichte anderer lese, zum Beispiel, finde ich mich weiter als den betreffen-den Autor. Aber ich bin jetzt nicht imstande, zu reagieren.

An so einem Tag erscheint einem auch alles Draussige, und sei es Schönes, inhomogen, zerflatternd, als wäre es - nicht visuell, nur symbolisch gesprochen - grau . An anderen Tagen hingegen liegt man in der Welt drinnen wie in einem Bad, tief, als wäre man selbst "blau" durchtränkt. Dabei habe ich keine negative Stimmung heute, keine schlechte, sondern: überhaupt keine. Wenn, so - wie bereits gesagt - rgerliche, aber auch dies nur sekundär, der Aerger ist nicht gefährlich, und nicht produktiv, es ist nur der Aerger über die Leerheit und Unbeteiligtheit, und wenn der verfliegt, was sehr schnell geschieht, bleibt überhaupt kein Affekt zurück. Es ist dies ein Zustand ohne jede Gemütsbewegung.


Frei gemacht.

Später auf. Spaziergang mit Mama: Auhof.

Heiss. Strahlende Junisonne.

Zu Artmann gegangen. r erzählte von Möstl usw. Experimente dort getrieben /Zeichnungen, Wortsalat/. Ueber Langeweile interessant gesprochen.

NW. 2 demokr. Schriftsteller dort, luden uns ein. Besprechungen, dann privat die Zeit vertrieben. Kein war unzufrieden, mit ihm lange noch danach spaziert und diskutiert. Hauer auch wieder da.


Früh nichts Wesentliches.

Institut. Um Chemikalien eingereicht.

Diphensäure gemacht. Sehr angenehm.

Abends kam die Kohle.


Bemühte mich um Gedichte, um die Freizeit auszufüllen ...

Schrieb bis vor Abend viel Nörgelndes /"Pädagogik ..." .../

Aends schrieb ich in die Maschine das "Elegische Protokoll".


Rektortag, frei.

Vormittag Linzerstrasse.

Schönwetter, juniheiss.

Sehr angenehme Stimmung!

Aus der PHG von Tante das Papier abgeholt.

Nettes Mädchen auf dem Hinweg im Zehner gesehen. Zu Artmann gegangen. Gewitter war. Versuche mit "biblischen" Zeichnungen. Meine Sachen gefielen. René Altmann kam hin.

Daheim Schnitzel.

Im "Plan" Interessantes gelsen: Erich Fried, surr. ...


Schönwetter, schwül.

Vormittags wieder nichts Wesentliches geschrieben. Den Tag an den "Plan" u.a. verstreut.

Nach Mittag schrieb ich die "Grüne Melodie".

Gewitter, dann kühlte es ab.

Ein Gewittergedicht geschrieben.

Ein Gedicht "Der Sechzehnjährige" verpatzt.

WB kam. Er erzählte von der Klassenzusammenkunft. Pribik ist bereits verlobt.

Gute Totoergebnisse bisher für uns.

Fenster geschaut noch.


Es begann wieder mit Schönwetter, erst etwas kühler noch, dann heisser Junitag.

Etwas später auf. Zu Pol. gefahren. Er war bei Frau Fischer. Spaziergang mit metaphysischer Diskussion. Wenig angenehm.

Ausflugwetter!

Zu Polakovics gefahren wieder. Verschiedenes gelesen, durchbesprochen, über die Hokku-Sucht ...

Meine Gedichte gefielen ihm zumeist.

Abends schrieb ich zuhause noch ein kurzes Gedicht.


Welt am Montag, "gegen die Verlobung". /Diskussion./ Früh zu Kuffner. Probe 6 weiter.

Nachmittags Probe 7 begonnen. Etwas zeitiger heim.


Zeitig auf. Gali. Probe 7 Wasserdampfdestillaton. Probe 6 nur mehr FP.

Nm. Probe 6 abgegeben. Zu Artmann.

NWieder interessanter. Erst 21,30 heim.


Aeusserst schwül.

Ins Institut gefahren. Bilek Schimpf. Probe 7 gemacht.

Nm. 6,7 abgegeben. Im oberen Labor geplaudert. Weissenborn besucht. Eisenreich besucht.

Verband demokr. Schriftsteller im Café Parkring.

Um 23,30 heimgekommen.

/H. Schreiber gratulierte mir, wie Eisenreich sagte, zum "Eleg. Protokoll"./


Zeitig auf. Schwüles Juniwetter. Gali. Miesere Stimmg. 6,7 wurden bestätigt. 8 begonnen. Verpatzt?

15 Uhr schon heimgekommen. Antwortbrief an Mader geschrieben /ich lehnte seine Einladung ab, wie einstmals die Nestroy-Couplets zu aktualisieren/. Artmann brachte "rezensier"-Arbeit. Ich begann gleich mit dieser. Angenehmer Abend. Bernklau. Gusti abge-fahren.


Rez., Kuff., 8. noch einmal gemacht.

Daheim zu Ende rez.

Unruhige Nacht.


Vormittags "Melek" geschrieben.

Nachm. Charakteristika geschrieben. Auf das Treffen gewartet. 15,30 bei Frl. HauerHietzinger Kai 199.

Art, Ke, Ok, Pol. Sehr angenehm dort. Vorher während des Wartens humor. Ideen. /Pik-As/ ...

Zwei Gedichte von mir kommen in die September-nummer, die wir zusammenstellten.

Sehr angenehm geplaudert. Abends erregend.


Heute kommt niemand von meinen Freunden.

Dr. Grinse-Gedichte geschrieben.

Nachmittag kamen Tante und Paul.

Am "Vithu"-Gedicht geschrieben.


Interessante W..M.

Kuff. Mit Probe 8 beschäftigt. Abends abgegeben. Mama war das erste Mal bei Fini Pobisch.


Ich machte mir frei. Mit MamaWientalstrasse spazieren gegangen.

Schwüler, heisser Junitag! "Vithu" geschrieben. Brief an Mader aufgegeben. Artikel für die "W.a.M." geschrieben.

Zu Artmann gefahren.

NW, äusserst interessant. Strobachs Forderung der "Stille". Grosse Pläne /Freilichtlesungen .../. 45.-- eingenommen.


Vm. NW gelesen. Endlich Vakuumdestillation gemacht.

Nm. Präparat 9 begonnen.

Ueberraschend war Tante bei uns, als ich heimkam. Wein, Westermaier, gemütlicher Abend.

Ich schrieb den Antwortbrief an die Redaktion wegen , auf den ich mich gefreut hatte. Gegen Abend wude es windig und schwarz.

Nachts regte es.


Sommer ist es geworden.

Gali. Probe 9 weitergemacht.

16 Uhr: Eisenreich war nicht zu Hause. Heimgefahren.


Kuffner. Probe 9 fertig. Zu Eisenreich.

Dort gelesen. Ueber Sexualproblem gesprochen ... Ueber unsere Literatur ... Sehr angeregt.

Schwüle Tage. Für kurze Zeit regnete es.


Ich bin gänzlich ausgeleert, habe mich verausgabt. Artmannsch, fantasmagorisch, gregueresk. Das soll nicht weitergehen, und ich werde beginnen wohinzufinden. Ich muß mich aussprechen. Ich habe keine Krise zu befürchten. Mein Potentielles sehe ich in jeder Diskussion, in jedem Fluidumgedicht, in jedem Fluidum das ich mitmache überhaupt.


Ausgeruht und mich gesammelt.

Ordnungen gemacht.

"Impression der Regentage" zu ändern versucht. Ich blieb Nachmittag daheim.

WB kam. Er hat mit "Susi" erbindung aufgenommen.


Zu Polakovics gefahren. Mein N.P.-Brief gefiel. Ich nahm aus den "NW" heraus. Ueber Strobach geredet. Polakovics' Pädagogik-Prüfung steht bevor. Die ist sehr dumm aufgezäunt. Zu Artmann gegangen. Er wurde von einer Bekannten belagert, darum sassn wir hinter verhängten Türen und Fenstern.

DaheimWate land I. übersetzt.

Abends versuchte ich etwas zu schreiben.

Sonderbares Experiment: Das Reh.


Krieg in Asien /Korea/.

Letztmals Kuffner. Platz übergeben, auch schon gezahlt.

Nm. Weissenborn aufgesucht. Schwül. Auf die Ferien gefreut.


Letzte Galivorlesung. Liquidation.

Nach einem schwülen Morgen trübt es ein.

Heimgekommen. Kellerartikel. Zu Artmann gefahren. Bei ihm wurde gepfändet. Helene Diem verbreitete Gerüchte über ihn.

NW. -Brief übergeben. Wir gelten, hört man, als "Schmutz und Schund".

Massnahmen überdacht und geblödelt. Revoltiert.


Semesterabschluss. Ich hatte nichts mehr auf der Uni zu tun.

USA greifen in den Koreakrieg ein.

Linzerstrasse.

Eliot zu übersetzen versucht.

In Kipling gelesen. Polakovics kam. Setzten gemeinsam den Brief wegen der "Nachtwache" auf. Ueber die Verpicktheit von Artmann, Altmann, Weissenborn gesprochen. /Vom "Reh" ausgehend./ Abends versuchte ich zu schreiben, am Fenster beobachtend.


Ferienbeginn. Später auf.

England greift ein. US-Infanterie in Korea! Schwül, meist blauer Himmel. Savoyenstrasse, M. "Späten Juni" geschrieben. Sommerlich angezogen schon.

16 Uhr Eisenreich. Bei ihm war Frl. Perl.

Ueber den "Keller" u.a. geredet. Netter Eindruck.

Surr. Maler aufgesucht. Interessant über Surr. diskutiert. Der Ruf nach dem umfassenden Realismus.

Abends Idee "Reklameröhre".


Heissester Tag seit 100 Jahren. 52 Grad in der Sonne, 37 im Schatten. Strahlend blau.

Gedichtet. Auf die Uni - Studienbuch geholt. Recht angenehm. Weiter gedichtet.

Es fand statt: Lesung einer Mädchenschule, gelesen wurden von uns. /Ich ging nicht hin./

Ich weiss nicht, was von meinem Gedicht zu halten ist.

Zu Bernklau in den Garten. Ganz gemütlich.

Ich habe den Wunsch nach dem Mädchen.


Zitiervorschlag

Okopenko, Andreas: Tagebuch 01.06.1950–30.06.1950. Digitale Edition, hrsg. von Roland Innerhofer, Bernhard Fetz, Christian Zolles, Laura Tezarek, Arno Herberth, Desiree Hebenstreit, Holger Englerth, Österreichische Nationalbibliothek und Universität Wien. Wien: Version 1.1, 15.1.2019. URL: https://edition.onb.ac.at/okopenko/o:oko.tb-19500601-19500630/methods/sdef:TEI/get?mode=p_2

Lizenzhinweis

Die Transkriptionen der Tagebücher sind unter CC BY-SA 4.0 verfügbar. Weitere Informationen entnehmen Sie den Lizenzangaben.

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