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Früh wieder Briggi getroffen, aber mit Fritz, was meine Unterhaltung mit beiden verhinderte.

Früh war der Himmel mit Wolken bedeckt, aber später scheinte warm die Sonne.

Gegen Mittag wurde es wieder trüb.

Letzte Tage vor der Hinrichtung der Rosenbergs. Es besteht noch die Möglichkeit ihrer Begnadigung.

Abends kleine Korrespondenz erledigt.


Offener Aufruhr in Ost-Berlin. Früh mit Schik-Karli gefahren, die Lage diskutiert.

Heißer Tag.

Abends Eisenreich-Brief.

Bier. Garten.


Früh: Aufstand in Ost-Berlinniedergeschlagen. Belagerungs-zustand. Alle Macht in den Händen der russischen Militär-Regierung.

Kleine Korrespondenzen.

Fast unerträglich viel Arbeit im Büro.

Abends bezogen wir das Kabinett, das nunmehr uns zur Verfügung gestellt wurde, zunächst als Rumpelkammer. Begannen mit der Bücherordnung für die Übersiedlung.

Hinrichtung der Rosenbergs aufgeschoben.


Vergeltung in Ost-Berlin. Erstes Todesurteil nach dem Standrecht.

Briggi und einen bisher mir unbekannten Musiker vom Spiegelgrund getroffen. Über die carmina burana gesprochen.

Werner Bažata in der Stadt getroffen.

Für den zweiten Versuch, den Rommel-Film in Wien aufzuführen, ist eine Menge Polizei - zum Schutz der Aufführung - vorbereitet.

Im Büro wieder viel gearbeitet. neben meinen gewohnten Arbeiten; die Hitze vormittags , wenn ich eine Banane esse; hastig, unter dem Tisch versteckt, aber mit kon-zentriertem Genuß.)

Abends einige Koffer in das Rumpelkabinett getragen und Schlösser repariert.

Erinnerte mich, der Begegnung mit Bažata zur Folge, an Susi, die jetzt schon lang ver-heiratet ist. Wie deutlich hab ich noch das Jahr

"Ich kenn mich nicht aus."

Es ist allerdings nicht gesagt, daß sie sich jetzt universal auskennt.


Früh Karte an Eisenreich geschrieben. Tagebuch.

Rosenberg sind hingerichtet worden.

Über die Ost-Berliner Aufständischen und die Rosenbergs sind die Wellen hinweggegangen.

Vormittags auf die Linzerstraße gegangen. Jandl-Brief geschrieben.

Kein kam nachmittags. Im Garten geplaudert.

Abends las ich in slovakischen .

Morgen ist Sonnenwende. In den Gärten werden Feste vorbereitet.


Vormittags auf der Wiese gelegen, einen Mann kennengelernt, der von vielen Reisen erzählte. Zuvor hatte ich ein kleines Gedicht

Nachmittags Reduktion und Bestand-Aufnahme der ältesten P-Mappe.


Früh in der gelesen: 65 Uranschächte zerstört. 100.000 Streikende in Ostdeutschland. 12 neue Erschiessungen.

Abends Manuskript-Kopie von Polakovics zurück-geholt. Keine Misstimmung mehr.

Seine Frau erwartet in den nächsten Tagen das Kind. erden in die Starchantsiedlung ziehen.

Weitergefahren zu Roček in die Schanzstrasse /gleich hinter Artmann/. ček ist ein pathetischer Jüngling. Aber man darf gegen die Ergebnisse dieses Lebensalters nicht ungerecht sein. Man darf sich von de Uebergewicht an abstrakten Wrtern und von der natürlichen Rhetorik und Klangsuche nicht ab-schrecken lassen und muss die potentielle Gestalt des künftigen Dichters aufspüren.

Ich bin froh darüber, dass mir olakovics und Maja nicht mehr bös sind.


Abends zu Fritsch. Ich brachte Bier mit, von unterwegs. Seine Frau wurde von ihrer Hauptmietin ins Theater gezwungen, so musste Fritsch allein für den kleinen Michael sorgen an diesem Abend. Die Fütterung gelang schlecht. Regen und Gewitter. Das Bier war nicht besonders kühl.

Fritsch plant jetzt auch eine Auslese unter seinen Gedichten und die Zusammenstellung eines Bändchens. Ich riet ihm sehr zur Chronologie. Ich hörte mit Freude manche seiner früheren Gedichte. Auf das Bändchen, oder auch die Zwischensumme schon, freue ich mich.

Fritsch fühlt sich verlockt, ein Gedicht zu schreiben, weit ausholend, in dem er möglichst viel von dem mitteilen kann, was er seit langer Zeit aufgenommen hat.

Mein "Medea"-Fragment mag er sehr.


Abends kam der von Eisenreich angekünigte Brief vom Rowohlt-Verlag. e Sache sehr rasch antreiben.

Andauernd unruhiges Wetter. Blauer Himmel mit scharf abgegrenzten schwarzen Wolken. Scheint die Sonne, so ist es schwül, knapp nach den Gewittern ist es kalt.


Das Büro ist mir zuwider. Obwohl ich keine Schwierigkeiten vor mir habe, obwohl ich nichts befürchte. Aber dieses Totschlagen der Zeit, diese Verschwendung der Kräfte.


Wir merkten im Büro nichts vom Hagel, der nieder-gegangen sein soll. Vielleicht hat es auch nur in der Vorstadt gehagelt. Dort griff man jedenfalls Händevoll Eis von den Fensterbrettern.

Neulich wieder Sonja getroffen. Also ist der Spruch ungültig: Sonja trifft man nur zweimal.

Abends die Sendung für den Verlag fertiggemacht. Gestern um die Steinhofer Mauer gegangen. Der erste Sommer in meinem Leben, in dem ich Leuchtkäfer sehe. Gleich habe ich auch einen zu mir genommen und mit mir getragen. Wir tranken bei Westermayer Bier, der Leuchtkäfer sass auf unserem Tisch und strahlte sein grünes starkes Licht aus. Der Abend war kühl.

Freitag früh hatte ich Briggi getroffen. Ich hatte ihr die Sache mit dem Rowohlt-Verlag erzählt. Ich hatte ihr auch gesagt: es scheint so, als komme mir alles ins Haus. Sie hatte darauf gesagt: passiven Leuten geht es oft so.

Abends zwei Bücher gekauft /Stimmen der Gegenwart , Perspektiven, Heft 3/.


Vormittags Büro. Weniger Arbeit.

Versuchsweise einen Paprikaschnaps gekauft. Aber auch sein Geschmack ist mit einem Fremdgeschmack verunreinigt. Wir müssen einen Paprikaschnaps selbst ansetzen. /Es muss unbedingt Paprikaschnaps da sein für den Empfang von Jandl./

Heute vormittags ging mein Manuskript an den Rowohlt-Verlag ab.

Zwei Episoden, berichtet aus Ostdeutschland: Beim Sturm von 50.000 Arbeitern auf ein Gefängnis wurden Sowjetsoldaten mit kochendem Teer begossen. Eine Volkspolizistn schoss zwei Kinder nieder und wurde daraufhin von der Menschenmenge zertrampelt.

Nachmittags Ribiselernte bei Weltsch.

Ich blieb zuhaus und machte Ordnungen.

Dann ging ich, nur für eine Stunde, in den Garten.

Den Bestand der P-Mappen weiter aufgenommen.

Bei trübem Wetter kamen Tante und Paul.

Vormittags hätte ich Gelegenheit gehabt, mich an ein kleines aber durchtriebenes Mädchen heranzu-machen. Sie blieb sehr in meiner Nähe und lenkte meine Aufmerksamkeit auf sich. Weil ich den Eindruck hatte, dass sie mir kaum ein liebes Mädchen werden könnte, verzichtete ich darauf, die seltene Gelegenheit zu nützen.


Es ist traurig, dass das Wetter so hässlich bleibt. Sonst wäre ich fortgegangen, so blieb ich zuhaus, arbeitete ein wenig für die Uebersiedlung, schrieb Tagebuch und stellte mir vor, es sei wirklich Sommer, wenn die Sonne manchmal durch die Wolken scheinte. - Mit einem Heimkehrertransport kommt am Josef Baumruck aus Russland zurück.

Er wird uns von Papa erzählen, da er lang mit ihm in Borowsk war.


Nachmittag Vorarbeiten für die Uebersiedlung. /Gern gearbeitet./


Endlich blauer Himmel. Heiss. Früh konnte ich ein bisschen lesen. Konsum.

Es würde mir sehr viel bedeuten, wenn Rowohlt meine Gedichte brächte.

Ungern ins Büro gegangen. Karl Schik getroffen.

ämpfe mit den Behörden und private Reibereien im Büro. /Huber ist auf Marchsteiner eifersüchtig, weil Dr. MachwitzMarchsteiner wniger Arbeit gibt./

Abends ruhige Stunden zuhause und beim Spaziergang u die Steinhofer Mauer.


Letzter Junitag ...

Früh länger im Bett geblieben. Ich begann, Gides "Falsch-münzer" zu lesen.

Im Bro die Nachricht: wenn Dr. Lindner Direktor Steger auffordert, gemeinsam mit ihm die Verantwortung für die rechtswidrig durchgeführten Gechäfte zu tragen, wird Steger aus der Firma austreten. Tante sagt, dass das dann auch ihr Ende sein wird, da sie gegen die Intrigen von Machwitz und Witzmann nur durch die Sympathie von Steger gestützt wird.


Ich dachte nach über das schrecklich Peinliche der Dichterlesungen. Zwanzig Leute, in wurstiger Stimmung, dem Autor so fern wie nur möglich, hören an, was er auf dem Podium ihnen vor-tobt.

Gedichte müssen entweder in ein abstraktes Publikum gebracht werden /durch das Radio, durch das Buch/, sodass kein Zuhörer dadurch gestört wird, dass er die lächerliche Zusammen-setzung der Gesamthörerschaft erkennt, oder sie müssen von einem Vertreter des Autors gelesen werden, sodass nicht der Eindruck entsteht, der Autor selbst lege seine ganze Hoffnung in das Ver-ständnis seitens dieses Pensionisten oder jener schöngeistigen älteren Dame in der zweiten Reihe /seine Augen funkeln sie, weil sie irgend jemanden anfunkeln müssen, an/;

Gedichte dürfen nur in Ausnahmefällen vo Autor vorgelesen werden, in denen der Augenblick dazu einlädt.

Vielleicht ist es auch gut, Gedichte während eines gemeinsamen Spazierganges zu sagen.


Solche Nachrichten werden gleich wieder unaktuell. Nachmittags schon ist alles wieder in Frieden, die Leute vom Amt waren höflich, und Dr. Lindner wie Steger zeigen sich in guter Laune.

Wieder trübes Wetter. Am Nachmittag geschwitzt vor Hitze und rbeit.

Daheim aber angenehm. Zur guten Stimmung hinzu noch gebackene Leber, eine Flasche kaltes Bier und etwas Wein.

Ich dachte nach über das schrecklich Peinliche der Dichterlesungen.

Konkrete Formulierungen zu diesem Thema misslangen /obwohl ich mich mehrere Tage lang e/.


Morgens 5 Uhr aufgestanden; so konnte ich noch eine Stunde André Gide lesen.

Auf der Strassenbahn Briggi getroffen, hätte Lust gehabt, mit ihr wesentlich zu sprechen, solche Gespräche sind aber auf der Strassenbahn schwer zu machen.

Büro: das Neueste: Dr. Machwitz ärgert sich darüber, dass ich über 17 Uhr hinaus abends im Büro bleibe. /Als ob ich es zum Vergnügen täte./ Vormittags nahm mich Machwitz nicht dran; ich konnte also Rückstände von gestern aufarbeiten.


früh wieder die Falschmünzer weitergelesen. Büro: Dr. Machwitz sagt, er deckt uns nicht, wenn wir pünklich um 17 Uhr nachhause gehen, wie er es gestern vorgeschlagen hat.

Dr. L. sagt, wir haben so wenig zu tun, dass er ruhig zwei Leute entbehren könnte.

Abends mit Tanteheimgekommen, Paul kam auch; wenig los.


Früh, obwohl wenig Zeit, noch etwas weiter gelesen.

Meine Art, nämlich: ruhig zu bleiben angesichts der Reibereien im Büro, ist die ökonomischeste. Die Aufstand-stimmung der anderen fand wieder einmal keine Verwendung; Dr. L. war, ohne dass wir es wussten, nachdem er sein Kuckucksei gelegt hatte, nach Wels gefahren. In vierzehn Tagen, wenn er zurückekommen sein wird, wird der Plan, bei ihm gegen seine Bemerkungen zu protestieren, vielleicht vergessen sein, vielleicht ausgeführt werden aber unaktuell geworden sein. An iner Art gleitet alles ab. Wenn nicht in der Mitte spiesst, sondern am Rand angreift, entwinden sie sich.

Solange man sich nicht gegen eine tatsächliche Bedrohung zu wehren hat, und vor allem, solange man nicht die Möglichkeit hat, seine Anstellung aufzu-geben, sind Diskussionen mit den Unter-nehmern, diesem Getier, nutzlos und nur zermürbend.

Ja, gäbe es ein Mittel, ihrem Regime und dem grösseren Regime, das sie stützt, ein Ende zu machen. Aber die Parteien sind längst arbeiterfremd geworden, und die Arbeiter sind einsam.

Kopplungsgeschäfte jetzt fast erledigt. Heisser Tag.

Abends wieder Bier.


Früh aufgestanden. André Gide weiter gelesen. Heisser Tag.

Nachmittags Kein. Er gab mir vier seiner Prosastücke zu lesen; sie gefallen mir sehr gut, sie sind sehr rein.

Ich zeigte ihm Notizen zur Psychologie des Surrealismus, las ihm Niederschriften mehrerer Träume aus dem vor, und wir kamen in angeregte Unter-haltung. Wenn ich mit ihm arbeiten könnte.


während der Gespräche mit Kein die folgenden Notizen in die Maschine geschrieben, teils nach seinem Diktat, teils mit eigenen Formulierungen, wie man es aus den einzelnen Abschnitten erkennen kann.

Kein erzählt, als Knabe habe er manchmal im Halbschlaf einen Hund bellen gehört, oder ihm ist vorgekommen, er sei auf einem Randstein ausgeglitten. Das habe ihn erschreckt.

hat ganz ähnlich im Halbschlaf geträumt, dass ich über eine Wiese gehe und plötzlich ist eine Vertiefung im Boden und ich stolpere. Dann bin ich jedesmal sofort erwacht, habe noch gespürt, dass ich die Bewegung auch in Wirklichkeit ausgeführt habe, und habe mich dann erschreckt und gleichzeitig gergert gefühlt.

Die meisten Menschen, sagt Kein, fühlen sich in bestimmten Zeiträumen, die sie gar nicht erlt haben können, vertraut. Keins Zeitraum ist zwischen und in New York oder in einer grossen amerikanischen Stadt.

Ein anderer hat Kein erzählt, dass er sich im Wien um die Jahrhundertwende uhause fühlt.

Mir kommt das Literatenr vergangener Zeiten Wiens ähnlich vertraut vor, habe zum Beispiel gerne in GrillparzersAufzeichnungen über solche Dinge nachgelesen, habe auch gerne von de KaffeehausWiens um die Zeit Altenbergs, Bahrs gehört.

Vergleichet aber auch mein Fragment "Was will der Knabe am Schaltbrett sehn ...?"

Man kann im Traum oft beobachten, dass man gleichzeitig Zuschau- an der Handlung beteiligt ist.

Ein alpenländischer Literaturkritiker, im wachen Leben wenig witzig veranlagt, träumte folgenden surrealistischen Witz:

"Ein Mann ohne Kopf kommt zu einem Friseur und der Friseur sagt ganz entsetzt: Ja wie soll ich Ihnen denn da die Haare schneiden? - Und drauf sagt der Mann: Aber regen Sie sich nicht auf, ich möcht mich doch nur rasieren lassen."

u meine seinerzeitigen Halbschlafwahrnehmung: "so schneckenschwer" habe ich folgende Erklärung: Es gab ein Gedicht der sehr konservativen H. F. Horst in den "Neuen Wegen", mit einer Stelle darin: "... so lerchenleicht ..." /übrigens durch einen Druckfehler entstellt: /. Wahrscheinlich ist eine Verspottung der Horst in meine Traumwahrnehmung mit eingebaut: "so schneckenschwer ist in Wahrheit die 'Leichtigkeit' einer solchen durch formale Gezwungenheit eingengten Autorin."

Es ist anzunehmen, dass nicht eine Kontinuität des Gedankenflusses besteht, sondern dass verschiedene Gruppierungen im Denkbarkeitsbereich liegen, von denen die eine oder die andere gelegentlich genug gewichtig werden, um ans Bewusstsein durchzubrechen und auch einen bestehenden Gedankenfluss zu unterbrechen.


Aufstand in Polen.

Ueber das Eintreffen des Heimkehrer-transportes, der vorigen Sonntag für den angekündigt worden war, ist noch immer nichts bekannt.

Rakosi ist nicht mehr Ministerpräsident Ungarns.

Gestern abends und heute früh Gides "Falschmünzer" fertig gelesen.

Dann Vorarbeiten für die Uebersiedlung fortgesetzt. Das schöne Wetter ist unbeständig. Schon gestern nachmittags trübte es ein. Heute ist der Himmel ganz bedeckt. Je nach dem Wind, dem Wohnraum und der subjektiven Verfassung scheint es kühl oder schwül zu sein.

Ordnungen in meinen Sachen gemacht.

Roček meldete sich für kommenden Sonntag an. Dann wird er für mehrere Wochen nach Rom fahren.

Mit Mama spazieren: Steinhofer Mauer, Gartenwege am Satzberg, das Wetter wurde gleich sehr schön und hielt so an.

Das Sonnenlicht steigert Landschaft und Leben: den gelben Steinbruch, den Laubwald mit seinem Gelb und Hellgrün, die Sommerblumen in den Gärten /wie mittaglich die ganzen Tage sind!/, Menschengruppen in Gärten: in Liegestühlen und auf Hockern um einen Tisch gelagert, einer geht im nassen Gras und giesst Blumen, ein Mädchen muss die Stiegen auf-waschen, viele Hunde laufen in den Gärten umher und Nachbarhunde bellen einander an.

In einer Baumkrone über dem Weg sägt ein Mann; ein anderer auf dem Boden ordnet die abgesägten Stücke.

Setzten uns zu Westermayer und tranken je ein Krügel Bier. Westermayer hat seinen "Vorgarten" erweitert, das heisst, n Buffet noch mehr Tischchen und Hocker gestellt; umzäunt ist dieser Vorgarten nicht; er Strasse, die um die Steinofer Mauer führt; vormittags gehen viele Ausflügler diese Strasse, mittags nur einzelne Menschen aus den Schrebergärten.

Von den aus sehen wir das südliche Panorama von Wien; blassblau die Ebenen und die kaum dringenden Berge hinter den Fabriken von Meidling, dann die Gehege und die weiss-lila Häuser des Südwestens von Wien über St. Veit bis nach Hütteldorf und in den Wiener Wald.

Um Zeit , nahm ich mir versuchsweise vor:

Die "Falschmünzer" sind ein grossartiges Buch. Ich ziehe Gide dem Hemingway vor. Gide ist vielfältiger und durch seine psychologische Polyphonie wahrer. Kein Vergleich auch mit dem , armen Sartre. Ich habe die "Falschmünzer" nicht nur interessiert, sondern auch liebevoll gelesen.

Nm.Pol. kam. Maja hat vorgestern ihr Kind, ein dunkles Mädchen, bekommen. Ihre Wohnung ist jetzt in der Starchant-Siedlung. Auch die Frau mit dem Kind wird bald hinzuziehen, im Spital braucht sie nicht lang zu bleiben

Pol. brachte das Belegexemplar des Wienbuchs für Paul. Er demonstrierte mir schlechte , wie er sie jetzt bei verschiedenen Gelegenheiten /im Radio und in den NW/ kritisiert, um sich mit der Zeit eine Bibliothek aus Rezensionsexemplaren zu schaffen. Er zeigte mir seine Wohnung. Es regnete am Nachmittag.

Abends dachte ich über meine Haltung im Büro nach und Richtlinien:

Was ich neulich mit Bezug auf den Kampf gegen die Vorgesetzten niedergeschrieben habe: dass ich den Kampf aufgegeben habe, weil ich die Situation weder für die anderen noch für mich ändern kann, gilt auch für meinen Kampf gegen die Kollegin Huber. Ich lebe seit langer Zeit nicht mehr in gespanntem Verhältnis mit ihr; ich gehe längst nicht mehr mit meinem ganzen Wesen in die Gespräche /das ist das Geheimnis meiner Immunität/; ihre Ansichten und die Gestaltung ihres Lebens sind schliesslich ihre eigene Sache. Was mich immer noch daran ärgert, sammle ich in den Behälter, den ich mir im Sinne der Rationalisierung des Aergers gebaut habe: auch aus ihm hoffe ich für die grössere Gemeinschaft gültige Ergebnisse schöpfen zu können.

/Uebrigens: Seit sie im praktischen Leben meinen Zorn und meine Geduld kennt, unterdrückt sie mich nicht mehr. Und das ist für die Gesundheit gut; denn wir sind an die gleiche Galeere geschmiedet./

Ich habe noch nie, wie man schlampig sagt, "ein Mädchen gehabt". Auch in den früheren Jahren nicht. Aber es ist ein Unterschied: ob man in einer solchen leeren Zeit unbeeinflusst gelassen wird oder ob man von dem zersetzenden Gespräch von Leuten, die der Liebe zynisch gegenüberstehen, innerlich gestört wird. Huber ist eine solche Zerstörerin und hat zu einem grossen Teil meinen heutigen Zustand geprägt. Verzicht auf folgt die starke Verhaltenheit meines Ausdruckes, ja meiner Gefühle in den letzten Jahren.


Bauer seit Montag zurück, Huber seit Freitag im Urlaub.

Stand wieder zeitig auf, um einiges ins Tagebuch eintragen zu können.

Weniger Arbeit im Büro. Erledigte meine Rückstände. Die Druckerei schickte mir die Bürstenabzüge meiner Karteikarten, ich gab sie frei. Abends kam Hitchman aus Zürich.

Ich sah mir im Flötzersteig-Kino den schwedischen Film an: "Gefahren der Liebe". Er will Spielfilm und Aufklärungsfilm zugleich sein. Er ist in Wahrheit keines von beiden. Er ist nicht genügend lehrreich, und die Handlung ist sehr schütter.


Di 7 7 53:

Früh aufgestanden, konnte manches ins Tagebuch eintragen. Sehr sonnig.

In der Früh las ich in der Zeitung von der jährlichen Preisausschreibung eines deutschen Verlages für Romane junger Autoren. DM 20.000.-- schon bei Annahme, Garantie einer Auflage von 100.000 Exemplaren. Diese Nachricht machte mir einen wirren Kopf.

Im Büro bleibt es ruhiger als während der vorigen Wochen. Abends zu Fritsch, das letztemal, bevor sie übersiedeln.

Fritsch las aus seinem Roman, dann besprachen wir ihn, dann hörten wir /alle drei/ den carmina burana und den Catulli carmina von Orff zu; die carmina burana, "synthetische Volkslieder", wie ich sie im Spass nenne, sind einfach und nie langweilig; Sie gehen , dynamisch und idyllisch zugleich, in das Gefühl.

Fritschs Frau war hübsch, in einem einfachen und lieben Sommerkleid.


Mi 8 7 53:

Früh im Bett Eintragungen.

Heisser Tag. Ich wäre lieber zu Hause geblieben. Aber ich sah mir wenigstens, während ich ins Büro fuhr, die sommerliche Vorstadt und Stadt rings um die Strassenbahn-Strecke an.

Vormittag wenig zu tun, obwohl Hitchman im Büro ist und Huber fehlt.

Bekam beim Kiosk endlich die seit zwei Wochen fällige Nummer der "Schau". Von meinen Glossen ist keine drin.

Eigentlich begreife ich nicht, dass es unter meinen Arbeiten solche gibt, die Hakel gefallen. Er ist ein solches physikalisch unmögliches System aus morgenländischem Lebensgefühl und abendländischer Ueberbildung, dass kein Abendländer und kein Morgenländer sich mit ihm verstehen könnte, ausser auf der unechten Grundlage der Unterwerfung, geschweige denn ihm genügen könnte. Dabei ist Hakel manchmal, wenn ich mich um ihn wenig bemühe, zu mir unglaublich lieb.

Ein Exemplar der Badischen Nachrichten kam, in dem die publ. besprochen stehen. G. Kirchhoff hat ein bisschen verdreht, was ich ihm seinerzeit zur Information über die publ. geschrieben habe.


Heiss. Ich habe fast nichts zu tun gehabt, obwohl Hitchman vormittags wieder ins Büro gekommen ist. Die anderen haben heute genug zu tun, ich bin dieses Mal die Ausnahme.

Nachmittags verdüsterte sich das Wetter. Ich machte abends Dienst /hatte mit Marchsteiner getauscht, weil sie sich für heute verabredet hatte/.

Um 17,30 kam Hitchman wieder. Er diktierte mir ein ziemlich langes Fernschreiben. Um 19 Uhr durfte ich, ziemlich müde, heim.

Tante bei uns draussen. Von Stuttgart ist ein Brief für mich gekommen: die freundliche Ablehnung meiner Gedichte. Tante übernachtete bei uns.


Wieder früh auf.

Beria ist abgesetzt und aus der KP ausgestossen worden. /Nachmittags hörte ich, dass er auch schon verhaftet worden ist./

Im Büro wieder wenig zu tun.

Ich durfte schon um 16 Uhr heimgehen, als "Vergütung" für den gestrigen späten Dienstschluss.

Jandl schrieb mir wieder einen Brief, sehr herzig.

Paprikaschnaps: weil die käuflichen derzeit schlecht sind, setzten wir selber einen an.

Gutes Abendessen.


Set gestern stark abgekühlt. Schrieb den Antwortbrief an Stuttgart.

Büro.

Roček ist ein kalt blitzender Jüngling, wesensverwandt mit Weissenborn. Ueber seinem Schreibtisch hängt ein Blatt Papier: "Ich will!".

Die Reinheit solcher Jünglinge ist penetrant und wächst der Hure entgegen.

Nachmittag: Brief nach Freiburg geschrieben, Tagebuch nachgetragen. Abends Schratten-berger Wein; er ist dieses Jahr süsser als die Jahre vorher.


Früh, als ich aus dem Küchenfenster sah, notierte ich:


Dieses Wochenende konnte ich einiges zu Hause aufarbeiten. Früh hatte ich noch Zeit zu ein paar abschliessenden Ordnungen.

Die Kurzgeschichte um die beiden, die Journalisten werden wollen, könnte ich doch fortsetzen.

Huber diese Woche wieder im Büro. Sie hat ihren Urlaub unterbrochen. Meine Untersuchung von unlängst über unser Verhältnis erscheint mir heute nicht umfassend genug. Ich nehme mir vor, sie zu revidieren.

Abends schon wieder wolkig und abgekühlt.


Wohnten wieder auf C 4 18, dort war es aber viel schöner, als es dort je gewesen war. Farbiger Spaziergang durch Steinhof, auch unwirklich schön. Ging, laube ich, mit R. Mi., einem Freund aus der Schulzeit; das Gespräch war unbefriedigend, darüber war ich traurig. Wir trennten uns, ich lud ihn für ein nächstes Mal ein. Ich fragte ihn, ob er kommen wolle, oder ob ich zu ihm kommen soll. Er sagte, zuerst hatte er wollen, dass ich ihn aufsuche, dann aber habe ihm Steinhof gut gefallen. Ich sagte: "Das Land liegt so schön." /Wir kamen aus dem bunten Wald und sahen auf Hütteldorf, das farbig un gegen-über lag./

Später ging ich zum Tor der C 4.

Mama und ich freuten uns an der neuen Wohnung sehr.

Ein junger gelbbrauner Hund war auch da.

II. Ich kam aus dem neuen Krieg zurück. Aus einem Haus hörte ich ein Gespräch über Kompensationsgeschäfte; es waren Geschäfte mit Opium.

Abends kam ich vor das Haus einer jungen verheirateten Frau. Ich erzählte ihr von den letzten beiden Kriegen: Im neuen war ich im Feld gewesen, im zweiten Weltkrieg war ich noch zu jung gewesen, aber fast hätte man mich auch damals schon verlangt. Sie sagte, wie ges ist, dass nicht einmal die Jüngsten verschont worden waren.

Die junge Frau hatte eine Besorgung. Sie ging mit mir die reisigfarbene Strasse entlang. Seitlich leuchteten die goldgrünen Bäume, später lagen sie dunkelgrün. Wir sprachen freundlich. Unterwegs fasste ein Knabe ihre Hand und sagte grell: "Grüss dich, Herzerl!" Ich hatte den Eindruck, dass er sie als Hure verspotten wollte, weil sie an diesem Abend mit mir ging. Sie sagte mir, dass sie ihn strafen würde, wenn sie zurückkäme. Ich fragte sie:

"Wie lange können wir noch mitsammen gehen?"

Sie sagte: "Ich gehe nach Dublin." /Dublin war am Ende der langen, immer geradeaus führenden, Strasse./

Ich fragte sie später: "Bist du glücklich?"

Sie sagte: "Nein."


Gegen Morgen träumte ich.

Die Träume enthielten Farben und Gfühle.

Bemühte mich, einige Erinnerungen an sie niederzuschreiben. Das fiel mir sehr schwer. Unterwegs dachte ich über den Inhalt de Traums und seine Verwertung nach.

Gefühle, die ich lange nicht mehr erlebt habe, sind mir im Traum wieder nahegekommen. Das zeigt, dass man nicht seicht geworden ist; man kann sich aber im Lauf des Lebens weit von den Tiefen entfernen; wahrscheinlich sie sogar hinter den Horizont verlieren.

Es ist schwierig, Gefühle mit Worten wiederzugeben. Soll man den Gefühlsinhalt einer Situation abstrakt verzeichnen oder soll man sich auf die Schilderung des sachlichen Teiles der Situation beschränken? Kann man darauf vertrauen, dass das Gefühl in die Bilder, in die Worte, in den Klang eingehen und durch die sachliche Schilderung hindurchscheinen wird?

Und kann man darauf vertrauen, dass aus dem sachlichen Teil der Situation die genügende Voraussetzung für das Entstehen einer der des Autors gleich-artigen psychischen Situation genommen werden kann?

Diese beiden rettden Möglichkeiten /die eine Gefühls-tränkbarkeit von neutralen Trägern, etwa Worten; die zweite sachliche Hinleitbarkeit auf ein Gefühl voraus./ ergänzen einander: die zweite Methode legt den Ort für das Gefühl fest, die erte ent-wickelt es und intensiviert es.

Die "Bekanntschaften", die in den Städten geschlossen werden und dort die Liebe ersetzen, der Idyll zu.

Im Büro fast nichts zu tun.

Abends haben uns Fini und Theodor Pobisch überraschend eingeladen, den Abschied von ihnen zu feiern. Zuerst bei Westermayer, dann in Bernklaus Garten getrunken und gegessen . 23 Uhr heimgekommen.


Regnerischer Morgen. Müde. Vormittags noch wenig ge-arbeitet. Mittags kam die Kartei. Ich freute mich über sie wie ein Kind. Begann gleich, die Karten anzulegen. Den Nachmittag über beschäf-tigte ich mich zum grössten Teil mit dieser Aufgabe. Abends wurde es wieder nicht sehr spät.

Daheim den selbstangesetzten Paprikaschnaps filtriert. Das dauerte sehr lange; Mama ärgerte sich, ich führte während-dessen meine Aufzeichnungen weiter.


Früh auf. Tagebuch. Hellblauer Morgen.

"ARGA" ist pleite gegangen. Die Firma, bei der ich angestellt bin, hat dadurch 1 Million Schilling verloren.

Abends sehr viel Arbeit im Büro. Daheim Brief von Demus, ich soll Paul CelanGedichte für eine Anthologie schicken. Ich freute mich, auch weil ich gedacht hatte, dass Celan mich nicht leiden kann.

Es sind jetzt immer angenehme Abende zu Haus.


Wieder sonniger Morgen.

Brief an Celan geschrieben. Morgen habe ich bürofrei. Die Kinder haben Ferien.

Befasste mich den Tag über hauptsächlich mit meiner Kartei.

Abends den Brief für Celan fertiggemacht.


Linzerstrasse: Wäsche.

In der starken Vormittaghitze schürte ein Gasarbeiter das Feuer unter einem Teerkessel. Erst nachmittag hat er frei, sagt er.

Ich kaufte mir bei Westermeier, dem Mann mit der guten Kühl-anlage, eine Flasche Sodawasser. Zu Haus trank ich sie mit Genuss.

Erprobten pommes frites; sie gelangen Mama sehr gut.

Arbeitete für mich. Keine Post kam.

Nachmittag mit Kein in den Garten . Er hatte ein gutes Gedicht, wir suchten dafür einen schönen endgültigen Titel. Er half mir bei meiner Kurzgeschichte.

Die erste Seite gefällt ihm sehr gut; vielleicht werde ich die folgende Seite umarbeiten und die Geschichte doch fertig-schreiben.

Jetzt kommt Kein erst wieder in vier Wochen.

Arbeitete noch ein wenig an Aphorismen.

Abends statt Bier wieder Sodawasser. Wahrscheinlich ist es mir nützlicher, nichts Alkoholisches zu trinken.


Regentag. Blieb länger als sonst im Bett, wollte ursprünglich überhaupt drinbleiben, hatte aber dann Arbeiten für die Uebersiedlung.

Den Rest des Vormittags für mich ge-arbeitet.

Nachmittag: Die Rückstände habe ich aufgearbeitet, dann habe ich mich für den Rest des Tags niedergelegt.

Regen und Sturm.


Der gestrige Regen hat die Luft abgekühlt. Der Morgen aber ist sonnig /man möchte heute noch frei haben/, und die Luft wird bald warm.

Huber hat ihre zweite Urlaubwoche genommen.

Mässige Arbeit. Schöner Abend. Spaziergang um die Steinhofer Mauer.


Früh fing ich eine längere Geschichte zu schreiben an. Guter Laune.

Im Büro genug Arbeit.

Kaufte mir ein paar Kleinigkeiten für daheim.

Den Abend angenehm verbracht. Sodawasser. /zischend und kalt, in eisblauer Flasche./


früh auf, um an der Geschichte weiter-zuschreiben.

Die Sonne scheinte am Morgen aus ganz klarem Himmel. Schon der . Mir fiel schmerzend ein, dass dies der meines 24. Jahrs ist.

Karten an Jirgal und Steinwendner.

Im Büro wurde ich mit der Auftragkartei fertig.


Sehr heisser Morgen.

An der Geschichte früh nur Korrekturen angebracht.

Büro: Grosseinkauf Direktor Stegers im USIA-Geschäft. Sehr heisser Tag.

Nachmittag: Witzmann nicht im Büro. Lange Mittagspause. Dann, um halb drei, wurden wir nach Hause geschickt. Ich hatte grosse Freude, fuhr gleich heim; wir wussten aber mit dem freien Nachmittag nichts anzufangen, denn Mama war müde, und mein Schwung war bald bei.

trotzdem: Diese Sommertage sind so schön.


Früh im Bett wieder geschrie-ben. Im Büro sehr wenig zu tun. Angenehmer Abend.


Ich hatte geträumt, dass ich an BriggisHaus vorbeifahre. Sie ruft mich, aber ich komme nicht zu ihr, obwohl ich sie liebe, /denn ich glaube nicht, dass ihre Liebe jetzt schon genügend stark ist/.

Etwas später schickt sie mir einige kleine Photographien; eine davon zeigt Briggi an der Seite ihres Mannes in der Kirche, in der sie getraut wird, eine andere zeigt das Paar ins Schlafzimmer schreitend, wo das Bett bereitsteht.

Während ich die Bilder betrachte, verfliesst Briggis Gestalt mit der Gestalt Susis, die vor einigen Monaten wirklich geheiratet hat.

Zwischen Fenster und einem Vorhang aus Glas verfängt sich eine bissige Katze. Ich halte ihr eine Stoffkatze entgegen, in deren Bild auf dem Glas sich die bissige Katze verbeisst. Ich steigere ihre Wut, als ich ihr eine Pfote der Stoffkatze gegen den Rachen strecke; sie klappt den Rachen zu und it ohnmächtig vor Zorn, als ich die Pfote der Stoffkatze unverletzt zurückziehe.

Ich spaziere in Paris und sehe Kaffeehäuser mit gelb-orange-gestreiften Lapionen in den Auslagen. Weiter komme ich vor ein Haus, in das ich dann eintrete. Ich gehe mehrere Stufen hinunter in einen Keller. Dort laufen an einer Leinwand zwei farbige Tonfilme. Die Bildflächen sind klein, und eine von ihnen zeigt Szenen einer Explosion.

Das Zentrum der Explosion wirft braune und schwarze Teilchen in die farbige Umgebung, die sie in kurzer Zeit völlig verdunkeln.

Früh wieder geschrieben.

Wenig Arbeit im Büro.

Gestern und heute sehr heiss. Heute wolkenlos.

In der strahlenden Mittaghitze in den Garten gegangen. Dort im Schatten gesessen und geschrieben. Schmerzhaft deutliche Sehnsucht nach dem Mädchen.

Nach privaten Notizen machte ich mich wieder über die längere Geschichte. Mama holte mich abends ab.

Morgen gehen wir mit Tante und Paul fort.

M. und T. hatten Maja getroffen, die ihr Kind zum ersten Mal spazieren führte. Es heisst: Aglaja.

Abends sang ich, während Mama Obst einkochte, zu Ehren meiner eunde ein Liedchen:


Spaziergang auf den Satzberg.

Unsere Besucher blieben den ganzen Tag bei uns. Schönes heisses Sommerwetter. Nach Mittag ging ich in den Garten und schreb an der längeren Geschichte.


Früh wieder geschrieben. Der zeitige Morgen zeigte einen leicht bewölkten Himmel. Bei diesem Wetter müsste man wandern.

Bald wurde es wieder wolkenlos und strahlend heiss.

Im Büro mehr zu tun.

Begann an meiner längeren Geschichte zu weifeln.

Abends regnete es. Kretschmer räumten das Kabinett vollständig. end Huber ist wieder im Büro.


Konnte länger im Bett bleiben. Gab mich meinen Gedanken hin. Las m meine bisherigen "Kurzgeschichten".

Im Büro beginnt eine grosse Arbeit für mich.

Abends fing mich Polakovics ab und schleppte mich zu sich, seiner Frau und Aglaja. Das Kind sieht hergenommen aus. Maja gibt wenig Milch.

Polakovics las mir aus dem Material der "Neuen Wege" vor.

Er sagte sich, seine Frau und Aglaja für Samstag achmittag bei mir an; wir werden in den Garten gehen.

Später Abend zuhaus.


ist abgekühlt. Ich hatte früh viel zu tun. Geschichten nicht weiterschreiben.

Um zehn Uhr verliess uns Machwitz.

Für den Restder Woche bleiben wir allein. Ich machte mich über meine umfassende Arbeit, die Kollegen hatten weniger zu tun. Punkt fünf Uhr schickte uns Witzmann heim.

Freundlicher Abend. Den Küchenofen ins Kabinett versetzt.


Nachts schweres Gewitter. Schlief unruhig, träumte wirr /aber wieder farbig; daran erinnerte ich mich morgens genau/.


Ein Gang mit cremefarbenen Seitentüren. Teils Fabrik, teils Wohnräume eines Ingenieurs und dreier Mädchen. Am nde des Ganges standen die Namen der Zimmerbewohner angeschrieben. Ich merkte mir die Reihenfolge mit Hilfe der Anfangsbuchstaben, die ich zu mnemotechnischen Gruppen zusammenfügte; eine dieser Gruppen hiess "FETT". Die drei Mädchen hatten Namen mit E., F. und F.

Es gab auch ein Fenster, aus dem eines der drei Mädchen,: ein besonders hübsches, hinaussah. Ich ging mehrere Male vorüber und fing ihren heissen Blick. Sogleich aber wurde mir ihre Geschichte erzählt:

Sie hatte, als sie noch wenig erfahren war, einen Mann geliebt, der mit ihr nur gespielt und der sie bald verlassen hatte.
/Es erschien die Zahl "12"./
/In einer grünen Netztasche lagen Aepfel./
Als sich ihr nach leeren Jahren eine neue Gelegenheit bot, habe sie zugegriffen, diesmal alles leicht nehmend und mit raffinierten Mitteln ausge-rüstet.
/Die Zahl "24"./
/Wenige Pfirsiche wurden auf die Aepfel gelegt./
Mir tat leid, dass ich das Mädchen in ihrem Luder-Stadium kennenlernte, und ich löste den Traum auf.

Unregelmässige Arbeit im Büro.

Abends kam ich in das Gewitter. Auf dem Stephans-platz wurden wir bis auf die Haut nass. Stromstörung auf der 46-er Strecke.

Traf den Magnetophonmann.

Trotz dem Wetter um Bier für Mama und Sodawasser für mich zu Westermeier gegangen.

Fiel dann gleich ins Bett.

Nachts hörten Radio; eine sehr schwache Austauschsendung mit Paris und das unheimliche Hörspiel "Der Autostopper", das mir Polakovics vor langer Zeit erzählt hatte.


Wieder unregelmässige Arbeit.

Abends erzählte mir Christl, aufgeeckter als sonst, dass sie geheiratet hat. Ich freute mich für sie und zeigte ihr diese Freude auch.

Letzter Julitag.


Trübes, kühles Wetter. Früh nur Eintragungen. Büro wenig Arbeit.

Nachmittags schrieb ich, was bisher von der längeren Erzählung, ins Reine. Polakovics kam mit Maja und Aglaja.

Ihnen gefiel mein Garten. Wegen des Wetters blieben wir nicht lang dort. Ueber die "Simmen der Gegenwart " gesprchen.

Im Kabinett stillte Maja ihr Kind.

/Hätte ich diese Idylle vorausdenken können?/

Leider habe ich Povics nichts zu bieten, seit er sich angeschlossen hat.

Hakel hat Polakovics' Charakter in der unserer gemeinsamen Arbeit ei den "Neuen Wegen" kennengelert hatte, gelöscht.

Abends noch alles für die morgige Fahrt vorbereitet.


Um halb acht nach Mönichkirchen abgefahren. Angenehme Plätze im Autobus. Schon bis halb neun /Wiener Neustadt/ kam ich ganz auf meine Rechnung; sah alles, was eine Ebenenfahrt bieten kann.

Auch die Orte südlich von Wien reizvoll: modern und alt, gepflegt und verwahrlost, städtisch und ländlich. Die Gärten am Wege. Gegen halb neun bedeckte sich der Himmel mit langsam ziehenden kleinen grauen Wolken. In Wiener Neustadt hielt der Autobus für ene Minute, und ich konnte einenSatz aufschreiben, den ich unterwegs erarbeitet hatte.

Nach Wiener Neustadt begann Föhrenwald.

Kleine Orte, schon in hügeliger Gegend.

Viele Häuser werden gebaut, voll von frischen Ziegeln.

Aspang. Dort hielten wir länger. Hauptplatz einer Provinzstadt. Die Kirchenbesucher standen bei-einander und sprachen. Bürschchen, schon städtisch gekleidet und frisiert, schlenderten umher.

Letzte halbe Stunde vor Mönichkirchen. Der Wg wird steil und schlecht. /Die Strasse wird ausgebaut; heute am Snntag stehen Motoren und Bagger still am Strassenrand oder auf einer Hälfte der Strasse./ Serpentinen. Als wir weiter oben sind, wird die Strasse wieder gut, aber wir fahren in Kälte und Nebel hinein. Wir bereiten die Regenmäntel vor.

Von der Einfahrt nach Mönichkirchen sehen wir nichts. Nur ein paar Nadelbäume, bevor sich der Nebel schliesst. Wir steigen aus und gehen die Strasse entlang, biegen dann zu einem Kirchlein, das gerade ausläutet. Dann gehen wir hinauf auf die Schwaig, wo es klar sein soll. nterwegs finden wir Schwämme nahe . Feuchte Wiese. Die Nebel bleiben hinter uns zurück. Wieder im Wald. Dann liegt vor uns die Alm.

Mittag-gegessen auf einem Gasthof. Eine langweilige Gesellschaft in der Nähe plauderte, ein Mädchen schnitt Pilze. Vom Sessellift kamen Sportschlurfs und Hosenmädchen. Manche kamen in Autos oder auf Motorrädern herauf. Immer wieder hörte man das Sonntagsjodeln der Städter oder das Schlurf-Geschrei /darunter immer noch: "he babariba!"/.

Wir spazierten nach Mittag auf der Alm und gingen um halb drei den Weg zurück; suchten Schwämme und Beeren. In der Nähe fuhr der Sessellift. Wir sahen ihm zu, wie er die Menschen auf die Alm und hinunter in die Stadt beförderte. Ueber den Wäldern sassen die Menschen hoch, die gelben reifen Felder streiften sie fast. Reizvll sah ein Mädchen aus, schwarz bekleidet, blond, sehr jung, wie sie langsam über die Landschaften schebte, zuvorletzt über das gelbe Feld nahe der Stdt, aus dem sie dann hochstieg und knapp danach hinter dnk. Weiter n diser Richtung lag die Steiermark, und etwas östlicher glänzte ein Fenster aus dem Burgenland.

affeehaus auf der Hauptstrasse; moderner als das durchschnittliche Café in Wien; besitzt die Apprate und die leichte Aufgefrischtheit des . Herinnen sass, wenn man von uns absieht, "gepflegtes" Publikum. /Eine alte Dame, die Patence legte ein untersetzter gutgekleideter Herr, der in würdiger Weise bemalte Gattinnen und ein glattes Bürschchen, das von den Kellnerinnen umschwänzelt wurde und auf seine kurzen Fragen lange Antworten erhielt./ Von hier aus dachte ich an Cysarz und grüsste ihn.

Wir sahen uns den Ort Mönichkirchen an. Ueber die nahe Demarkationslinie, Steiermark, gingen wir nicht. Die Kontrolle soll aufgehobenn, aber die Posten stehen noch umher, und diehranken sind noch nicht niedergerissen worden.

Ein schmaler Weg, seitlich Himbeersträucher. Kletterten den Hang hinauf, kamen in eine abgemähte Wiese, schlichen an ihrem Rand weiter. Ueberquerten die Wiese, schlüpften durch Stachel-draht und erreichten so eine höhergelegene Strasse. Kühe weideten, ein Bub hütete sie. Eine Kuh verlief sich über die Strasse. Nahe lag ein Bauernhof.

Ein kleinerer Bub mit Schulbüchern unter dem Arm rannte aus der schweren Tür des Hauses. Paul, der ihm begegnete, fragte, ob es bei ihnen Most gibt. Der Bub sagte in reinem Deutsch: "Nein." Paul fragte ihn: "Weisst du, wo's einen Most gibt?" Der Bub sagte noch einmal: "Nein." und rannte dann weiter.

Die Villenstrasse. Schwarzbraunes Holz auf weissen Steinen.

Noch eine Stunde Zeit bis zur Abfahrt des Autobus. Belebung auf der Hauptstrasse von Mönichkirchen. Spaziergang der Krankenkassen-urlauber. Verkümmerte Frauen und erstaubte Männer; Arbeiterinnen und Stenotypistinnen, die hee lachen und Freunde haben, und sehr bald verblühen und allein bleiben. Manche suchen sich hier an einen Mann anzuschliessen /eine u mit grüner Bluse und kurzer weisser Leinenhose, aus der prall die Schenkel treten, findet mehrere, umgibt sich mit ihnen/. Manche spazieren allein.

Im Gasthausgarten, wo wir die letzte Zeit verbringen, laufen jenseits des Zauns Hühner. Wir füttern sie zuerst, dann fällt uns eine Katze auf, ganz jung, die mitten unter den Hühnern sitzt. Ich stecke ihr durch den Zaun ein Stückchen Salami zu. Ein Huhn entreisst es ihr und hackt sie mit dem Schnabel ins Gesich. Das wiederholt sich. Die Katze wagt sich nicht mehr an den Zaun, wo die Hühner versammelt gackern und flattern. Sie liegt blinzelnd und zusammengekrümmt auf dem Boden, weit hinter den Hühnern. Ich versuche es mit einem Fernwurf.

Aber die Hühner stellen sich sofort um und hacken ihr auch diesen Bissen aus dem Mund. Ein Hahn geht über sie hinweg. Ich, wenn ich Katze wäre, würde mir zunächst Respekt verschaffen; ich habe doch nagelscharfe Krallen, gute Zähne und einen heimtückischen Sprung. Das ganze Hühnervolk spränge auseinander.

Die Katze liess sich nicht überreden. Ich führte noch einen Brennesselstab in den Kampf ein /mit einem geknickten Stab fing ich ein Brennesselblatt; damit ätzte ich die Hühner, während ich die Katze zu füttern versuchte/. Auch diese Wunderwaffe half im grossen ganzen nicht. Die Kämme zuckten manchmal, aber ich konnte gegen die Ueberzahl der Gegner nicht siegreich bleiben. Wir stiegen in den Autobus,ohne der Katze viel genützt zu haben.

18 Uhr Abfahrt. Es ergriff mich, die Landschaften von heute frhabends wiederzusehen. Liess kaum für ein paar Sekunden die Strassenränder aus den Augen und die Gärten und Feldstreifen, die an der Strasse lagen. Millionen Gräser, Wiesenblumen, Feldblumen. Die einzelnen Fleckchen, jedes schon in tieferer Dunkelheit.

Wiener Neustadt, abendliche Strassen; eine Strasse lang Grosstadt. Grellbeleuchteter Gasthausgarten.

Dann die Ebenefahrt nach Wien. Wilder Abschied von dem Land. Der Blick hin und her gerissen zwischen dem Gras, schon ganz dunkel über der Strasse, und der Weite, in der man schon die Stadt spürt.

Stärker und stärker drängen die schonunglos leidenschaftlichen und die schonunglos genauen Gedaken, noch während sie beide ihre Ergebnisse suchen, nach der Vereinigung ihrer Ergebnisse.

Immer scher die Fragen, denn die Zeit läuft ab: Ausdruck. Wie hat man gelebt? Und das Mädchen. Die Reize der Stadt? Was ist das Wesen des Dorfes? Wenn wir die Stadt verschmähen, ist das: Untreue? Könnte man die Stadt wohnlich machen? Einen Abend in der Stadt zu sein; Sehnsucht des Landkindes; Einfahrt in die beleuchteten Strassen; dann ein Haus in der Stadt, für eine Nacht; sucht man das immer Neue? Oder sucht man das Bziehungsreiche? Wäre, wenn man gemeinschaftlich lebte, jeder Ort gleich erfüllt? Ist man allein, ist man nie allein? Kontakt auch ohne hysische Nähe. Warum dann die Unerfülltheit? Das Mädchen. inden

Das Mädchen: der Reiz und die Liebe. Die Gedanken Das Verfliessen der unkörperlichen Begriffe, wenn nicht gerade die Wirklichkeit wirkt, die hinter ihnen steht.

Auch wenn man Liebe erlebt hat, kann es später unmöglich werden, sie anders als abstrakt ins Gedächtnis zu rufen, oder mit der Hilfe von Dingen, die an sie geknüpft waren, ie sie aber enthalten; ungerufen kommt das Erlebnis freilich öfters zurück; nicht nur im Traum; Gedichte sind da Katalysatoren.

Was, wnn nicht das Gedicht, kann das Erlebnis als solches vermitteln, also punktförmig und ohne es aus den Voraussetzungen auszubrüten? Freilich: wie spezifisch? Aber die subjektiven Erlebnisse dürften den Menschen gemeinsam sein, so sehr die Koppelung mit den realen Grundlagen auch die Unwiederholbarkeit der Erlebnisse vermuten lässt.

Die Gesamtheit von Beziehungen zu einem Mädchen ist noch nicht die Liebe; die Liebe ist jene unzusammengesetzte psychische Qualität, die allen Zeiten und Menschen gemeinsam sein dürfte, die aber unlös-bar assoziiert ist der "Wel" /also der spezifischen Gesamtheit/ des einzelnen Liebesfalles. Bis ins Innerste erregender Widerspruch: ihre Ewigkeit und ihre Einmaligkeit.

Verrät man die Liebe an die Erotik? Oder verrät man den Augenblick an die Idee?

Einfahrt in die Stadt ... Benzingeruch, Bahnen. Beleuchtete Auslagescheiben; schon Mädchen, glänzend angezogen, und Männer der Stadt: Liebespaare der Stadt.

Ich hasse sie, weil sie ihre Schalheit als Stärke empfinden. Was haben sie aus der Schönheit gemacht.

Es ist warm in Wien. Mit "Liebe" locken sie einander ins Leere.

Wieder auf den gewohnten Strassenbahnen gefahren. Aber wie in einer anderen Stadt. Heimgekommen wie weit vom Morgen entfernt!

Artmann war nachmittags "bei mir" gewesen, hat eine halbe Stunde mit Mama geplaudert. War in Deutschland, Paris und so fort. Prahlte für sich und auch für mich. /Ich wäre in Paris bekannt ...../Esther ist in die Schweiz zurückgefahren und wird vielleicht nach Wien kommen. Artmann aber scheint es lieb zu sein, wenn diese Beziehung bricht. Esther ist schizophren.


Erzählte Briggi von meiner gestrigen Fahrt; Briggi aber geht es schlecht. Sie sagte mir nicht, warum.

Bin stadtmüde. Es ist auch in Wien jetzt kühl. Büro: fast nichts zu tun. Man spricht von der Auflassung der Firma.


Abends bekam ich das Heft "Frde an Büchern". Einen alten Besen repariert. Polakovics kam und brachte mir eine Kinokarte für morgen.


"Fahrraddiebe” ein ausgezeichneter Film.

Vor dem Künstlerhaus-Kino traf ich ausser den zwei auch die zwei Hakel und deren Liebkind, die Haushofer. War von ihr entzückt; hatte mir Marili nach ihrem Photo anders vorgestellt. Sie ist die junge Frau eines Arztes in Steyr.

Mit vom Kino gefahren. Begleitete die beiden bis vors Wasserwerk. Seit sie Hakels Jünger geworden sind, während ich ohne Meister geblieben bin, sehen sie mich als einen an, der nicht weiss, wohin er gehört. Mich stimmt traurig, dass ich sie dadurch verloren habe.

Mittwoch Abend: Zwei Hefte des "Karlsruher Boten" wurden mir gesandt. Donnerstag Früh gelesen: nichts wert.


Regen.

Früh Briggi getroffen. Gelockerter als am Montag mit ihr gesprochen.

Siführt kein Tagebuch mehr, denn sie will zu ihrer Vergangenheit keine Beziehung haben.

Neue Funktion: Ich bin "des zufriedenen Mädchens Gedächtnis"; denn sie hat vieles aus dem Jahr schon vergessen.

Einige monumentale Gedichtzeilen:


Kühlere Tage.

Generalstreik in Frankreich. Lebensmittelaktion der Amerikaner für Ostberlin, Reaktion der ostdeutschen Regierung.

Sehr viel Arbeit im Büro.


Blauer Himmel. Nun wieder sehr warm.

Früh auf, Eintragungen.

Viel Arbeit im Büro.

Nachmittag brachte ich den Photoapparat in Ordnung. Ka erst spät zum Schreiben.


Im Bett lange geschrieben. Trüber Himmel. Das Meinl-Plakat ans Gesellschaftsgebäude geklebt und dort photographiert. Will "drei gute Plakate dieses Jahres" aufnehmen und die Negative der "Schau" schicken.

Spaziergang mit Mama um die Steinhofer Mauer. Trafen unterwegs Maja uud Aglaja und begleiteten sie ein Stückchen auf ihrem Auslauf; wir zeigten ihnen die Savoyenstrasse, die für sie praktisch ist; ich photographierte Aglaja in ihrem Wagen.

Während des Spaziergangs mit Mama machten Mama und ich noch je eine Aufnahme. /Der Tag war sehr geeignet./

Nachmittag: Trickaufnahme im Kabinett, fortge-setzt im Garten, weiteres Bild aus dem Garten; dann lief ich, bis über die Jausenzeit, auf die Linzerstrasse und die Hütteldorferstrasse und jagte dort die übrigen zwei von den drei guten Plakaten dieses Jahres.

Müde heim. Westermeier. Geschrieben. /Nur die laufenden Eintragungen./

Ich sehe schon mehrere Sonntage lang eine kleine unentwegte Radfahrerin;

sie ist offenbar die Tochter der Buffet-Frau, die vor dem Eingang von Steinhof verkauft

sie und ihre Mutter sind zu uns sehr freundlich. Das Mädchen scheint erst diesen Sommer hierher mitgenommen worden zu sein, oder sie ist erst diesen Sommer beachtlich geworden.


Letzte Arbeitwoche. /Am beginnt mein Urlaub./ Genug zu tun.

Die beiden Chefs fuhren fort, wir wurden nach-mittags zeitiger als sonst heimgeschickt.

Solange die Sonne hochstand, strahlte sie heiss; aber schon am Nachmittag war es in der Wohnung kühl. Am Abend dann um die Steinhofer Mauer; auf dem Rückweg war es auch draussen schon recht frisch.


Viel Arbei. Trotzdem wieder früher nach Hause. Gestern Abend und heute früh hatte ich den Brief an Rüdiger, den Herausgeber des "Karlsruher Boten", und dann abgesandt.

Abend: Eintragungen. Kam erst heute dazu, die "Freude an Büchern" zu lesen.

Streik in Frankreich hält an.


Die Zensur wurde von den Russen aufgehoben. Unregelmässige Arbeit im Büro.

Die Photos vom vergangenen Wochenende sind fertig: die Plakate sind ganz gut gelungen, von den übrigen ich nur drei behalten.


Vorletzter Bürotag. Begann das ahen meines Urlaubs zu spüren.

Abends ging ich wieder den Gründen für mein Verstummen nach. Zu einer Heilung reichen die einzelnen Erkenntnisse nicht aus. Ich hätte es dringend nötig, mich zu sammeln.


Noch viel Arbeit. Uebergab meine Funktionen für die nächsten sechzehn Tage den Zurück-bleibenden. Nachmittag schickte uns der Doktor schon zeitig nach Hause.

Ich begann meinen Urlaub mit einem Besuch bei Hakel. Wollte ihm eigentlich nur die Plakat-photos hinbringen; er nahm sie nicht an, weil sie vo mir als das reine Lob gedacht waren und er keine Reklame für Reklamefirmen oder be-reklamte Firmen machen will. Aber er hielt mich auf und predigte mir gegen die assoziative, dann auch gegen die objektivistisch-impressio-nistische Art zu dichten. Er stellte "Stimme" gegen "Stimmung" und liess für den Bereich der Lyrik nur die "Stimme" gelten. Gegen seine Intelligenz und seine so tiefverwurzelte wie dickichtige Weltanschauung konnte ich nicht aufkommen; ich blieb, ihn und mich in Fragestellend, zurück; quälte mich, als ich allein war, um die Entscheidung; die Messer umso wilder gebrauchend, je stumpfer sie wurden.


Früh auf. Vor dem Reisebüro in der Stadt stehen die Autobusse für Frankreich- und Spanien-Nordafrika-Fahrten. Menschen in Khaki-Hemden und kurzen Leinen-hosen. Schwere Koffer werden verstaut. Verwandte stehen um die Autobusse umher. Manche in den Wagen, darunter sehr verbrauchte Städterinnen, beginnen es sich schon bequem zu machen. Ihre Fahrt dauert drei Wochen. Während dieser Zeit wird der Autobus ihre Wohnung sein.

Um halb acht unser Autobus für die bescheidenere Fahrt ins Burgenland. Sein Zil war nicht angeschrie-ben; wir klein. Die Durchgänge zu den Sitzplätzen waren eng. Er war aber rauchblau durchsichtig eingedeckt und er roch noch nach all den frischen Materialien. Vor allem die Bespannung der sehr bequemen Sitze roch stark.

Ausfahrt aus Wien durch andere Strassen als neulich. Die Strecke nach Wiener Neustadt dann dieselbe wie damals. Zuerst sehr dunstig, nach Wiener Neustadt dann blendend klarer Himmel. Abgebogen zur Leitha und zum Rosaliengebirge. Klein Wolkersdorf, dann durch die Berge nach Schleinz. Blühende Gäten. er wieder Wälder. Staubige Strassenränder: die Büsche und d Kräuter wie mit Kalk bespritzt. Nach Neustift. Rosalienkapelle. Dort erstmals gehalten /30 Minuten/. Zwei Aufnahmen gemacht. Sehr kleine Kinder spielten vor einem Hof. Sie wollten uns ihr Spiel erklären, wir verstanden sie aber nicht. Weitergefahren nach Forchtenstein. Aus de Schiess-Scharten Ausblick über die Hügel und in das Tal. Nach der Besichtigung der Burg / für mich sind diese Zeugnisse aus der Vergangenheit weniger eindruckvoll als die Zeugnisse des gegenwärtigen Lebens: die Häuser und Gärten unten / weitergefahren. Forchtenau, Mattersburg; ein eingebauter Radio-Apparat störte uns drinnen und die Vorbeigehenden draussen mit Wiener Liedern. Die Musik hörte während der ganzen Autobusfahrt dann nicht mehr auf. Wir fuhren, die Wiener Pest mitschleppend, zwischen den weiss und gelb gemalten Häusern, zwischen den Baumreihen und den Feldern, die zwischen Dorf und Dorf wuchsen, hindurch; die Menschen standen am Weg und schauten uns nach. Man gewöhnte sich auch rasch an die Musik. Walbersdorf, Pöttelsdorf, Zemendorf, Stöttera, Antau. Dann das erwartete Vula-Prodersdorf. Abgezweigt nach Siegendorf, plötzlich Eisenstadt zu, aber wieder umgelenkt nach Trauersdorf und St. Margarethen, das ja als Durchfahrtsort nach Rust vorgesehen war. Sandsteinbrüche, eine Hügelstrasse, dann vor uns der Neusiedlersee: schmaler Streifen, über ihm war es wieder etwas dunstig weisse Segel.

In Rust hielten wir um 13 Uhr für lang.

Wir assen Mittag. Viele Wiener und Grazer waren mit Autos gekommen, Kaufleute, Familien und ch Schlurfs.

Motorboote brachten die Besucher durch den Ruster Kanal an den Neusiedler See. Wir gingen etwa zwanzig Minuten entlang dem Kanal zu Fuss an den See und setzten uns aufs Dach der Badehütte. Badezeug hatten wir nicht mitgenommen; wir sonnten uns und schauten auf die Ruderboote und die Segelboote, die oft von Kindern / einem Knaben und einem Mädchen/ geschickt gelenkt wurden.

Auch hier photographierte ich.

Nach längerer Zeit, die wir hier verbracht hatten, gingen wir wieder nach Rust hinein. Kurzer Aufent-halt in dem Ruster Gasthaus-Vorgarten; Ruster Rotwein, sehr gut; aber ich trank nur einen Schluck, sonst durchwegs Sodawasser. Mein Durst war sehr gross. Eine Zigeunerkapelle spielte dort, in gelben an den Aermeln geschlossnen Hemden und roten bestickten Jacken; die Gesichter lb und ginell; mich ebenso wenig wie andere lebender Sehenswürdigkeiten.

Rust: die Strassen und Plätze durchstreift.

Stadt der Störche. Von ihnen machte ich drei photographische Aufnahmen. Alle Häuser freundlich, gelb gefärbt oder weiss gekalkt. Vor den Häusern sitzen au Bänken die Eiwohner, reden und schweigen. Weil l Weinkenner und Weingeniesser ist, suchten wir für ihn einen Hof aus, in dem Wein ausgeschenkt wurde. Dort unterhielten uns zwei Korneuburger Werft-Arbeiter; einer von ihnen sang, mit künstlerischer Unverschämtheit, Lieder und Parodien zur Gitarre; der andere warf ab und zu Dummheiten und Frechheiten ein; die beiden, die nur die Exponenten einer ganzen Gruppe von jungen Ausflüglern waren, machten das so gut, dass man auch als Gegner der Wiener Weinseligkeit und mancher einzelner Lieder nichts Schlechtes an der Vorstellung finden konnte, die sie sich zu ihrem eigenen Vergnügen und zum Vergnügen aller machten; das Vergnügen kostete übrigens nichts. Einen Pfarrer, der sehr freundlich an der Gesellschaft teilnahm, ekelten sie ungerechterweise hinaus; zu recht scharfen Liedern lächelte er noch oder aplaudierte sogar /diesen Pfarrerapplaus unter dem Lampion und hinter den Radaubrüdern photographierte ich/; dann aber wurden die Lieder immer gröber, sodass er seiner Berufs-Ehre zuliebe das Lokal verlassen musste; ihn selbst hätten auch diese Lieder sicher nicht verletzt.

Nahm Gänse auf, die in der Mitte der Strasse auf mich zuwatschelten; ich bedauerte, dass alle Bilder des Films schon verschossen waren, denn es gab - gerade am spätern Nachmittag - viele schöne Einzelheiten der Landschaft: rote Blumen beleuchtet, gegen den chattigen Garten; im Hintergrund der weiss besegelte See. Die Gräserstreifen, erst durch das schräge Licht jetzt abgehoben. Die Ebene wurde erst jetzt photographier-bar.

Wir stiegen um halb sechs in den Autobus und fuhren gegen Eisenstadt.

Oggau, eine Rosalia-Kapelle, Gschiess, nahe St. Jörgen, Eisenstadt. Dort drei . Kalvarien-bergkirche, herber Eisenstädter Wein; der Wirt erzählte uns, wie die anderen Wirte den Wen nach dem Publikumsgeschmack aufzuckern, chemisch zurichten und ausserdem pantschen. Er stimmte mit Paul überein, dass ein echter "Weinbeisser" immer natur-belassenen Wein trinken wird.

Spazierten die letzten Minuten, bevor der Autobus abfuhr, in ein paar Strassen von Wiener Neustadt.

Ich hatte de Wunsch, Kornelia Kollwenz aufzusuchen oder ihr durch jemand zu lassen als Zeugnis meines Besuchs in dieser Stadt. Aber kein Wunder ereignete sich, und wir fuhren, nun schon ohne Unterbrechung, die letzte Strecke nach Wien.

Klein-Höflein, Müllendorf, Hornstein.

Wimpassing und Wampersdorf an de Leitha. Ich mag die Städte, die an den Ufern eines Flusses liegen. Kleine Brücken von einem Stadtteil zum andern. Parks sind dort, und Stufen in den Fluss, in dem Kinder baden können; mit einem Mädchen dort am Abend zu sein.

Schon spät. Weigelsdorf, Ebreichsdorf erinnerten mich an drei Literaten. In Ebreichsdorf aber war es für kurze Zeit wie in einer schönen Stadt. Ein Mädchen spazierte hübsch auf der Strasse; ich freute mich an der konkreten Welt; /ich will nicht und kann nicht von ihr abs Gefühle einzu-engen und nur die mitzuteilen./

Kamen plötzlich in das Gebiet von Wien. Fuhren diesmal auf einer Nebenstrasse ein. Es dauerte noch länger als eine halbe Stunde, bis wir in der Stadt waren. Die Nebenstrasse war sehr schön. Dunkle Ortschaften unterbrachen immer wieder das freie Land. Später schon die beuchteten Vorortstrassen. Letzte Strecke wie Heimfahrt von Mönichkirchen.

Auf dem Karlsplatz stiegen wir aus. Mit der Strassenbahn /es war warm/ heimgefahren.

Mama erzählte, dass Polakovics dagewesen war; er hat sehr herzlich mit ihr über mich gesprochen. Ich hatte darüber grosse Freude.


Früh Eintragungen.

Zu Polakovics gegangen, den ich vormittags für den Garten abholen sollte. Er war aber von einem Weg noch nicht heimgekommen. Ich unterhielt mich mit seiner Frau. Sie war heute wieder frisch und interessiert. Las drei Stücke die sie geschrieben hatten, und die mir gefielen. Ich erwartete Polakovics nicht, sondern ging vorzeitig heim, da ich Kein zuhause vermutete. Er war aber auch nicht gekommen. Vormittags und am frühen Nachmittag die Eintragungen beendet.

Um vier Uhr kam Polakovics mit seiner Frau und seinem Kind. Er lud mich ein, "meine Einsamkeit aufzugeben" und in Hakels Kreis einzutreten. Anstrengende Diskussion, teils im Garten, teils in Polakovics' Wohnung.

Seit heute Abend sprechen wir alle (außer Aglaja) einander mit "du" an.


Früh Arbeiten fürs Haus.

Ich versuchte, Mayröcker einen Brief zu schreiben. Die gestrien Probleme belaste-ten mich aber zu sehr.

Nachmittag mit Mama um die Steinhofer Mauer.

Am Abend Wermutwein. Ich trank auch ein bißchen.

Notiz: Mehr und mehr danach arbeiten:

Deutlichkeit ist wichtiger als Schönheit.


Früh nur wenig für zuhause gearbeitet. Heute kam viel Post. Krolow bat mich um Sachen für den Südwest-funk. Mich freut, daß ich ihm sympathisch bin. Auch, daß Geld kommt. Schickte Krolow gleich ein paar Gedichte.Kein schrieb mir, warum er Sonntag nicht kommen konnte, und sagte sich für Samstag an.

Belegexemplare der "Schau".

Ich schrieb, heute wieder mit viel mehr Beziehung, Mayröcker ein Brieferl und schickte es ab.

Nachmittag in den Garten zum Kampf gegen meine Unklarheit gezogen. Von eins bis sieben saß ich an der Maschine und analysierte. Abends sehr aufgelockert.


Vormittags bei Polakovics'. Aglajas Bad. Befaßten uns mit dem der "Neuen Wege". Sprachen über die Erlebensfähigkeit des Durchschnittsmenschen. Polakovics bezweifelt, daß die Menschen gleich erlebensfähig sind. Ich hingegen glaube, daß nur die Fähigkeit, die Ursache des Erlebnisses zu erkennen, und die Ausdrucksfähigkeit, nicht aber die Erlebensfähigkeit, bei den einzelnen Menschen verschieden stark sind.

Vergleichen Übtzungen aus den Werkstätten guter und schlechter er.


Nurmehr Eintragungen.

Mossadeq gestürzt, Rußland erprobte eine Wasserstoff-Bombe, Unruhen in Marokko, Hilfe für die Opfer des Erdbebens in Griechenland.

Abends lockerte ich mich wieder sehr.

Wir schauten aus dem Fenster.


Ein Tag, in der Stimmung ähnlich den freien Samstagen, die ich während meines Arbeitjahres einmal in vier Wochen genieße. Die Sonne strahlte heiß, es war schön, wenig Menschen gingen auf der Straße. Ich hatte eine Besorgung vor mir und schrieb Notizen.


Jandl ist von seiner fruchtlosen Reise zurückgekommen. Nächste Woche werde ich ihn zu mir einladen. Kaufte auf der Linzerstrasse Dauerwurst dafür, und der Paprikaschnaps steht bei mir zuhaus auch schon bereit. Ich freue mich darauf, dass ich ihn wieder sehe.

Nachmittag und Samstag Vormittag: Kleinigkeiten geschrieben.


Von Früh an Regen. Nachmittag mit Kein zu Polakovics. Kein war zwei Wochen in Italien gewesen. Er erzählte mir kurz aber interessant von den Italienern, die er kennen gelernt hatte.

Bei Polakovics: spürbare, wenn auch sachte, Annäherung der Standpunkte. Ein interessanter Artikel von Sapper über die ERZÄHLUNG.

Darüber und über andere fast-wesentliche Fragen gesprochen. Vor allem aber freute mich, wie freundlich Kein und Polakovics waren. Den Humor, der dazu nötig ist, besitzen siebeide.

Nach der Zusammenkunft verbrachte ich zuhause einen zufriedenen bend.


9 Uhr wieder bei Polakovics. Aglaja muss jetzt Spreizwindeln tragen. Sie trägt sie mit Geduld. Sie ist überhaupt sehr diszipliniert. Ihr Gesicht schaut jetzt nicht verweint aus wie am Anfang. Fritz und Maja machen sich schon Gedanken darüber, ob sie ein schönes Mädchen werden wird, und was kriegen wird.

Photographierte ein paarmal. Weil Maja mit Nylonschürze und Tüchlein sehr anziehend wirkte, und Polaksen gut beisammen war, arran-gierte ich die beiden um den Korb mit Aglaja und photographierte das ganze System. Sie schauten auf das Kind und nicht in den Apparat; es ist ich, dass solche Aufnahmen den Photographen vergessen lassen und darch echter wirken.

Lasen hauptsächlich aus . Mich packten besonders die russischen /Jessenin/. Hofmannsthal und George ergreifen auch: durch ihre Deutlichkeit, aber ihre Welt ist unbe-tretbar; nur durch ein Guckloch deutlich zu beschauen. Mit Jessenin /wie mit Villon und mit dem frühen liot/ kann man durchs Land gehn.

Gutes leider unfertiges Gedicht von Maja: Dorf-Friedhof.

Pol. zwei Hefte

Nachmittag: zu Haus, angenehm. Las in alten Tagebüchern // und fand, dass ich mehr Worte als Inhalte aufgegeben habe.


Wenn die Sonne nicht scheint, ist es schon kühl.

Am Tag ist es noch sommerlich.

Früh: Einkauf auf der Linzerstrasse.

Brief von Friederike Mayröcker. Ich beantwortete ihn gleich. Hätte ihr gern nützlicher geschrieben.

Die Fotos vom Neusiedler See sind verpatzt.

Die Strafe für meinen Dünkel mit der "deutschen Optik" und dem 21/10°-Film. Alles trotz Momentbelichtung über-exponiert.

Nachmittag: Spaziergang /M./ Wientalstrasse.

Sonne scheinte stark. Der Tag war schön.

Abends wünschte ich onders heftig ein Mädchen herbei.

Morgens:


Weissenborn hat seine ältere Freundin geheiratet. Eintragungen. Tante ist ihrem Dienst in der ÖPEX vollkommen erschöpft; sie wird krankgeschrieben werden. Letzte Arbeit der Handwerker in unserer Wohnung /Fenster-Aktion der Anstalt Steinhof/.

Nachmittags kam Jandl. Er erzählte von inem selbstherrlichen Emigranten: Adler und von anderen englischen Erscheinungen. Das Wetter war trüb. Wir spazierten nicht sondern blben zu Hause sitzen.

Ueber die wahre Ursprünglichkeit und die falsche /eklektische!/ Originalität gesprochen. Ueber die Schwerverständlichkeit von Gedichten als Folge ihrer Unexaktheit. Ueber die Auseinandersetzung des Künstlers mit der Zeit /einerseits/ und mit der Kunst /anderseits/. Spaltung des heutigen Künstlers in einen Produzenten und einen Kunstpädagogen. Was dem einen wohltut, schadet dem anderen:

Der gute Autor muss vom Kunstbetrieb unberührt sein. Der Kunstpädagoge muss im Kunstbetrieb orientiert sein. Der gute Autor soll nicht lesen, soll nicht diskutieren, soll Literaten verkehren.

Der Kunstpädagoge soll viel lesen, von früh bis abends diskutieren, soll keine Berührung und keine Auseinander-setzung versäumen.

Ich bin seit längerer Zeit in die Theorie abgetrieben.

Ueber die Auseinandersetzung mit der Kunst als sekundäre Erscheinung im Leben des Künstlers.

Das Bedürfnis, in einer bestimmten Wese zu schaffen, als primäre Bestimmende für einen neuen Stil; die Kollision mit dem vorangegangenen Stil ist erst eine Folge aus der primären künstlerischen Haltung.


Vormittag Einkauf Linzerstrasse.

Nachmittags bei Polakovics:

Ueber Orffs "carmina burana" gestritten, über die Beschreibbarkeit des musikalischen Eindrucks, zwei Prosastücke von Kassner, über das us-sich-Heraustreten und sich-selbst-Beobachten im Gedcht gesprochen.

Ueber die Erlaubtheit der unvorbereiteten Formulierung im Gedicht gestritten;

Altmann; das ; der künstlerische Wortsalat als unvollständige Psyco-Selbstanalyse; über den Schwindel mit dem unkontrollierbaren Gedankengang; über die Entstehung einer literarischen Mode mit Hilfe der Schmocks. Die surrealistische Mode, die "abendländische" Mode. Ueber den konventionelle Dreck, der als der modernistische Dreck. Ueber Altmanns Anfänge gesprochen. Vergleich mit Rilkes Anfängn. Rilkes Entwicklung und Hofmannsthals Vollkommenheit. Rilkes Krankheit. ilkesGedichten. Substanz und Form bei Rilke. Nachfolge grösstenteils von der Form her. Wirkung Rilkes auf den pubertativen Menschen.

/Das Gespräch wurde sehr interessant, und wir nahmen uns vor, es samstags fortzusetzen. Streiften in einem Nebengespräch noch Hakels Deutung des "Prozesses" als tuberkulöse Infektion, mein Verhältnis zu Hakel und einige Reaktons-typen meines ./


Nur noch vier Urlaubstage. Der Urlaub brachte mir viel Gutes. Ich hätte ihn freilich besser nützen können. Lang noch nicht genug habe ich mich gesammelt und meine Kontakte verwesentlicht.

Nachrichten aus der "Furche" über die Wirkungen der Wasserstoffatombombe und über den Rachedurst unte den vertriebenen Schlesiern liessen mi meine privaten Probleme viel kleiner sehen. Meine Gedanken mündeten in den grossen Gedanken der Menschen: kann r den Frieden tun?

Kleinere Arbeiten, fürs Haus und für mich. Trüb, sehr kühl. Nachmittag P-Mappen weiter gesichtet.

Abends sahen wir gut gestimmt aus dem Fenster. Drei ganz junge Radfahrerinnen strichen draussen herum. Zwölfjährige bis vierzehnjährige Mädchen /wenn ich Gelegenheit habe, ein Stückchen aus ihrem Leben zu beobachten,/ regen mich auf: ich finde mich plötzlich in ihrem Alter, in ihrem Zustand, mit ihrer Erwartung und ahne ihre Zukünfte.

Idee für eine Kurzgeschichte.


Jandl, Spaziergang Wientalstrasse, durch das Dörferl gegangen, dort gesessen bei Apfelsaft und unsere Eliot-Uebersetzungen /Waste Land/ verglichen und revidiert. Vorher mehrere Stationen: Kinder, die im Wienfluss fischen. Lastautos: zwischen dem Fahrer und seinem Begleiter sitzt eine Frau; wie wird ihr Vormittag in Wien gestalten?

Das Erleben eines Motorradfahrers, nehmen wir an: von Linz nach Wien. Die Kinder, die nur einen Grasfleck vor sich haben und die der Eisenbahn nachdenken. Man muss jedes Pflänzchen und jede Minute von Lastauto-fahrern in ihrem vollen Wert als "Leben" und "Natur" erfühlen und lieben können.

Zwei Mädchen: eine ziegelrot, eine rauchblau gekleidet, in der Fensterhöhle eines Ziegelbaus. Ueber den "Zweck" der Kunst disputiert. Nicht aus der Gemeinschaft gelöst sondern verwesentlicht soll der Kuntempfänger durch das Kunstwerk werden. - Ueber den epischen Charakter der "konkreten Lyrik". - Ueber die Konsolidierung der in Jugend unruhigen Dichter. Ueber die Ordnung und die Ethik als Mitbestimmende des Gedichts.

Nachmittag in den Garten ein paar Aepfel ernten gegangen, dann /halb drei Uhr/ ins Bett gelegt, um an der urzgeschichte zu schreiben.

Ueber die Konventionalisierung und Kommerziali-sierung der Erotik nachgedacht.


Lang im Bett geblieben. Kurzgeschichte weitergeschrieben. Dann auf die Linzerstrasse um die Wäsche gegangen. Bis halb vier Uhr an der Kurzgeschichte gearbeitet. Provisorisch abgeschlossen nahm ich sie zu Polakovics mit.

Aglajas Spreizhemmung ist schon beseitigt. Polakovics'Arbeit für das Gedicht-Preisaus-schreiben der RAVAG ist weiter gediehen.

Die erste kritische ArbeitPolakovics', in der trotz aller Schärfe mehr gesagt als geschimpft wird. Die Stellungnahme zu den einzelnen ist überzeugend.

Maja war sehr müde.

In der ersten Hälfte des Nachmittags schauten wir an: wir verglichen von Zeitgenossen verschiedener Epochen.

In der zweiten Hälfte des Nachmittags sprachen wir über meine Kurzgeschichte. Ich erkannte, ich ihr Problem deutlicher anzeigen muss; sonst leite ich die Lesr unfreiwillig fehl. Ausserdem gefällt mir die Form noch nicht.

Abends dachte ich an das nahe Urlaubsende; ich war aber nicht betrübt.


Unregelmässiges Wetter. Eintragungen, ziemlich früh auf, Garten. Kleine Schreib-arbeiten für mich.

Tante fährt Dienstag für vierzehn Tage nach Mönichkirchen zu ihrer Erholung. Sie lud uns für kommenden Sonntg zu einem Besuch dorthin ein. Ich war davon begeistert; Mama fährt zum ersten Mal seit vielen Jahren aus Wien.

Nachmittags, besonders als ich allein wr, versuchte ich mich wieder an der Kurz-geschichte. Ob ich mit dem, was ich erreicht habe, einen guten Anfang gefunden habe, überseh ich noch nicht.

Geldordnung.


Traum: Die blauen Fahrzeuge der Russen sind versunken. Aber die drei blauen Autos der Ukraine waren neutral und bestehen noch. Papa fährt nachts mit einem und nimmt mich mit. Wir halten in der Stadt. Dort habe ich zwei Aufträge: beim Bäcker und beim Schneider. - Ich bitte die Schneiderin, mir die Halsweite zu messen. Ob ich ein Hemd bestellen soll, habe ich plötzlich vergessen. Solange sie kein Geschäft mit mir macht, wird die Schneiderin zu mir unfreundlich bleiben. Ich suche einen Telephonautomaten. Vor einer Fabrik finde ich einen; dort tehen aber viel Leute und warten. Ich schliesse mich einigen an, die zu einem anderen Automaten laufen. Auch dort dauert es mir noch zu lange, und ich laufe zu einem dritten. Ich rufe an; auf derselben Leitung aber wird ein nderes Gespräch geführt; dieses Gespräch, erst unübersichtlich und versponnen, klärt sich zu einem Gespräch mit Polakovics; der hat Fünfhundert-Schilling-Scheine zu entwerfen.

Ihn reizt ein verzerrtes Gesicht aus der Mythologie: eine Hälfte des Mundes läuft parallel der Wangen-Kontur, die andere Hälfte steht waagrecht, starr. Die Scheine sind violett gefärbt. Ich kritisiere die Verzerrung, Polakovics aber grinst und sagt: Diese Linie kann man mit dem Zirkel ziehen! Das ist schön!

Das Gespräch hat gedrängten Charakter, weil ich noch das Telephongespräch wegen meines Hemdes zu führen habe, zur Schneiderin zurückkehren muss, den zweiten Auftrag beim Bäcker auszuführen habe, dann erst in das blaue Auto wieder einsteigen kann, wo Papa schon sehr lange wartet. Gleichzeitig das Gefühl grosser Freiheit, die mir bevorsteht, wenn ich wieder im Auto sitzen werde, und von viel Zeit in der grossen Stadt.

Früh im Bett noch Eintragungen.

Die Sonne scheint.

Erster Bürotag nach dem Urlaub.

Abend: Zsolnay-Anfrage um gute aus meinem Autorenkreis.

Garten,

Fenster, Lust an Beobachtungen.


Früh angenehm; versuchte wieder, an der Kurzgeschichte weiterzuarbeiten.

Auch heute uf der Strassenbahn Freude an achtungen /junge Frau, irritiert, Erstseinwollen obwohl im Grunde lustig; hell ......./.

Im Büro durchschnittliche Arbeit. Steger ist noch bis fort /Witzmann ist statt ihm Bürochef/, Dr. L. fährt morgen für eine Woche ins Ausland, ist aber auch heute schon nicht mehr in unser Büro gekommen. Machwitz und Witzmann schickten uns um 16 Uhr nach Hause.

Korrespondenz wegen der Zsolnay-Anfrage.

Garten. Mit Mama zu Westermeer um Bier.

Polakovics und Bisinger kamen abends Polakovics suchte für Hakel, Bisinger mir sagen, dass er voItalien zurück ist.


Früh Eintragungen. Heisse Tage. Beob. gesch.

Im Büro viel Arbeit, besonders Nachmittag, als ich . /Die anderen wurden nachhause geschickt; ich hatte Dienst./ Nachher noch /zum erstenmal nach langer Zeit/ zur Post. Daheim lebhafter Abend.


Schon mittags nach Hause geschickt worden. Die Beobachtung fertiggeschrieben. Garten.

Mama hat ein Zahngeschwür. Sie wird wahrscheinlich nicht nach Mönichkirchen mitfahren können.

Einer der heissesten Tage dieses Jahres.


Schlechtes Wetter wurde vorhergesagt. Aber der Himmel ist nur schwach bewölkt, und es ist wieder ein heisser Tag.

Frh die zweite Beobachtung aufzuschreiben begonnen.

Nachmittags wieder zeitig heim. Grosse Ernte im Garten.

Abends alte Bestände gesichtet. CN4 weggeschmissen.


Bürofrei.

Einkauf Linzerstrasse. Früh bewölkt, dann war aber das Schlechtwetter wieder vorüber. Strahlend und heiss. Bei Westermeier gerastet.

Die Beobachtung heute reingeschrieben. Jetzt habe ich acht "Begegnungen" fertig". Bis 50 sind es immer noch viel.

Ebnerkarte kam. Korrespondenzen.

Bevor ich zu Polakoics ging, las ich noch ein paar Hemingway-Geschichten.

Polakovics: Ueber Hemingway, die Ichbezogenheit von Kunstwerken, über George gesprochen. Verglichen George und Rilke. Ueber die Einheitlichkeit Trakls. Suchten die sexuellen Bezgenheiten bei Trakl. Ueber Baudelaire und Wildgans.

Vor meinem Weggehen sprachen wir über die "Neuen Wege". Ueber die "erbauliche" Formulierung, die der guten Tendenz schadet, als Kennzeichen der heutigen Linie in den "Neuen Wegen".


Mit Mama nach Mönichkirchen. Schönes Wetter, schöne Fahrt. Besuchten Tante im Hotel. Gingen nachmittags hinüber "in die Steiermark" /die Demarkationslinie ist seit dem letzten Mal aufgegeben worden/. Waldspaziergänge. Tante erzählte, sie hat eine Frau kennengelernt, mit der se auch öfters zusammen ist; diese Frau spricht viel über die "Neuen Wege", über Weigel, Artmann, die jungen Leute; sie ist die Mutter der Liselotte Matiasek!

Café, aber draussen. Kuhweide. Am späteren Nachmittag kalt. Möchte gern in Mönichkirchen bleiben. Mit der fixen Idee, den Ort nicht zu letzten Mal gesehen zu haben, verabschiedeten wir uns. Auch Mama wäre von einem Leben hier begeistert.

Freundliche Rückfahrt, nicht mit dem schmerzlichen Gefühl der Einmaligkeit wie vor fünf Wochen.

Zwei ganz unge Katzen im Autobus. Ziegelhäuser im Abend-Rot. Längerer Halt in Wiener Neustadt. Dort schissen sich die Katzen an und verstanken den Autobus. Die Kinder, die sich eineinalb Stunden mit ihnen befasst hatten, gaben sie auch jetzt nicht ganz auf, nur drückten sie sie nicht mehr an ihre Wangen. Die blühende Frau mit dem Kuhgesicht, die auf der Hinfahrt vor mir gesessen war und jetzt weiter vorne und drüben sass, reichte ihrer Familie, die ein Viertel des Autobusses einnahm, ein Taschentuch mit Eau de Cologne herum.

In Wien, wo die Herbstmesse begonnen hatte, gab es viel Leute auf den Strassen und auf den Strassenbahnen Nicht so besinnliche Rückfahrt wie das letzte Mal.


Stadtfaul. Normale Bürozeit. Auch in Wien jetzt kühl. Garten. Alt Geschichten durchgeplaudert.


Früh geschrieben.

Adenauer hat bei den deutschen Wahlen gesiegt. Abends viel Post.


Abends auf der UniCysarz-Vortrag.

Unheimliche Dynamik verbunden mit höchster Präzision.


Es bleibt kalt. Heute ach Regen.

Früh Korrespondenz.

Krank, nur auf einen Sprung im Büro.

Jirgal war so freundlich, mir die Destillationen zu schicken. Diese und ein alter Jahrgang der Zeitschrift "HEUTE", d von Huber neulich kam, beschäftigten mich abwechselnd an diesem Tag, an dem ich mich grösstenteils ausruhte.

Dachte viel an ein Mädchen.

Wermutwein, gemütlicher Vormittag, Nachmittag und Abend.


Wieder ins Büro. Irrsinnige Arbeit.


Auch heute ormittag scheusslich viel Arbeit, noch dazu Aerger. Nachmittag kamen Tante /von Mönichkirchen zurück/ und Kein. Mit Kein über die Destillationen gesprochen, er zeigte mir eine wieder gute Kurzgeschichte, dann redeten wir über meine jüngste und meine früheren Kurzgeschichten, über die Hakelsche Handwerks-Theorie von der Kunst. Angeregter und anregender Nachmittag.

Abends gemütlich


Früh ein bisschen Hemingway. Wollten zuerst, weil ein prachtvoller Morgen war, ins Wiental ausfliegen, es wurde aber zu spät und es wurde auch sehr windig. So nur Garten, den Ofen wieder umgesetzt /weil bald das Heizen beginnt/, und dann wegen der Rückkehr zu den "Neuen Wegen" zu Polakovics gegangen.

Nachmittag begann ich einen Artikel für - eigentlich gegen - die "Neuen Wege" zu schreiben.


Vorherbstlich.

Immer noch viel, aber geordnetere Arbeit.

Abends eine , die ich abonnieren soll, und die letzten Photos: alle schlecht.


Wieder schwerere, unübersichtliche Arbeit.

Abends zu Tante. Mama von dort nur abgeholt. Müde mit ihr heim.


Früh Traum von Marjorie. In kleinen Gassen entschwunden. Zwei kleine Hunde fingen mich, als ich sie auf einem entlegenen Platz suchte. Die Hunde hängten sich an meine Schenkel und zwickten mich mit ihren Zähnen. Einer der beiden Hunde war gemütvoll und heulte jedesmal mit, wenn ich "Marjorie" heulte, aber der ndere war streng, liess nie ab zu zwicken und befahl auch dem anderen Hund, wieder bissig zu sein. Endlich kamen Menschen. Einer von ihnen übergab mir "ein zeitgemässes ", für den Fall, dass ich mit ihnen zu reden wünsche. Ich blätterte darin und las: "Folter", "Schrepfen", "Feuerschwerhörigkeit". Im dem letzten Titel fand ich ein heisses Instrument, sehr schwer, aber von der Spitzigkeit einer Nadel; über das Instrument wurde gesagt: "auch wer vorher alles aushält, hupft bei dieser aus der Pieke ..." Ich erwachte aber bald, weil es draussen schon sehr hell war.

Früh Lust auf den Artikel. Klarer Vorherbstmorgen. Zermürbend langweiliges Büro.

Abends JirgalsEtüden.


Viel Arbeit. Mayröckerbrief.


Wieder viel Arbeit. Warm. Abends kleinere Schreiberei.


Die drei Frauen unseres Büros haben sich von einem Arzt untersuchen lassen; alle drei sind mit ihrer Nervenkraft am Ende.

"Kontinente", eine neue Zeitschrift mit Weigel, kam.

Nachmittags über Neurasthenie gelesen: einmal in einem nicht-analytischen ; Artikel für die "Neuen Wege" witer-geschrieben. Schöner Abend.


Vormittag Artikel weiter.

Nachmittag zu Polakovics. Laaber war dort mit einem Italienbericht. Anregend über ihn gesprochen.


Früh Artikel. Trüb. Tante wieder kranker. Hitchman in Wien.

Post kam. Abends Korrespondenz.


Früh Schreiberei.


Im Bett der Friederike Mayröcker geschrieben.

Auf der Morgenfahrt Briggi getroffen. Sie hat jetzt eine innerlich gesunde Zeit.

Tante auf einen Sprung ins Büro: Bleibt diese Woche noch fort. Bessere Stimmung. Alle zu ihr sehr freund-lich.

Hitchman kam wieder. Heute machte ich statt Huber Spätdienst.

Abends Schreiberei.


Machwitz fährt morgen auf Urlaub. Langer Abenddienst.


Trübes Wetter.


Erster Tag im Büro ohne Dr. Machwitz.

Ziemlich viel zu tun. Trotzdem in der Mittagpause meine Reinschrift begonnen und abends Schlag Fünf nach Hause gegangen.

Angenehmer Abend, Spaziergang um die Steinhofer Mauer. Ein Heft der "Neuen Wege" kam.


Viel mehr Arbeit als gestern. Bis halb sechs dringebliebe wei Seiten Reinschrift nd Klärung des bisher Geschriebenen in meinen Gedanken.

Wieder ein schöner bend.


Nachsommertage.

Früh Sonja getroffen.


nm. Kein


vm. Jandl. Artikel weitergeschrieben.

Abends paziergang Steinhofer Mauer. Alles fremdartig, alle Geräusche scharf wie aus dem Laboratorium, sonst Beleuchtete Fenster und Gitter im Vordergrund sehen "sehr genau" aus ("Fen-ster", "Git-ter"). Panorama mit Hundegebell. Fühlte mich hingezogen zum Phantasieren, das ich sehr lange schon zu gunsten de strengen Arbeitens aufgegeben hatte.


Viel Arbeit. Rückstände häufen sich.


Wild gearbeitet. Rückstände nicht ab.

Abends mit Briggi gegangen. (Die Straßenbahn entlang.) Zuhause Most.


Konnte die Rückstände aufarbeiten.

Angenehmer Abend.


Viel Arbeit. Treffe morgens immer Briggi.


Morgen, zu meiner Über-raschung, Wachaufahrt mit Tante und Paul.

am Artikel weiterzuschreiben versucht, nichts zusammen-gebracht.


Wachaufahrt.

Bis auf ein hübsches kleines und ein bebrilltes junges Mädchen nur ältere Leute im Autobus. Vor uns ein Paar: der Mann mit einem Zettel voll historischer Notizen (Gründung von Melk ) in sorgfältiger Schrift; die Frau mit rötlich aufgefärbtem Haar schmiegt sich in seine Jahreszahlen. Sie ist so geborgen; bald packt sie ihr Restaurant aus der Tasche. Vier schnarrende Kröten rechts: mit gewalttätigem Humor und Steireranzügen. Am fürchterlichsten ihre Führerin. Offenbar eine Geschäftsfrau. Alle vier haben graue Köpfe voll Kämme.

Nebel bis St. Pölten.

Während der Nebelfahrt über den Riederberg dachte ich an Friederike Mayröcker. Der Autobus ist in sich gekehrt, weil er durch dicken Nebel fährt.

Vertrieben der Nebel mit einer Besichtigung von Melk und seinem Stift. Gute helle Farben der Deckengemälde (im Gegensatz zu den scheußlichen Ahnenbildern) und reizvolle Perspektive.

Anziehende Bibliothek. Viel schöner natürlich Melk von oben (der Nebel hatte sich zerstreut): das Donau-armerl: Sandbänke, Kähne, das Städtchen, Mann mit Hund durch Fluß, Espresso mit vielen kleinen Sonnenschirmen, Autobusse. Auch unten dann schön mit Blumen gelb, orange und violett.

Langes Warten auf Rollfähre. Zigeuner. Einschiffung. Treiben mit der Donauströmung. Drüben gegessen. Weiterfahrt nach Spitz. Freundlichstes Stück. Donau, hohe Hügel, Weintrassen, kleine schmalgassige Städtchen, Strecken neb der Bahn.

Weißenkirchen, Dürnstein, Loiben. Der dortige Trachtezug hatte, als wir ankamen, schon stattgefunden. Wir sahen nur einen Loibner Sandhaufen und eine Wachauerin in Tracht aber ohne Goldhaube. Stift Göttweig. Im Stiftkeller. Mehrere Weine gekostet. Nebenan eine Dulliöhgesellschaft, viel weniger originell als die von Ruszt.

Heimfahrt nach Wien. Noch fast zwei Stunden. und freie Vordersicht hatten, und abends das Land seitlich den Scheinwerfern sehr im Dukel lag, sahen wir auf der Rückfahrt hauptsächlich Straßen.

In Hietzing wurde ich abgesetzt. Ein junges hübsches Wesen, aber Mutter eines Kindes, im Zehner-wagen auf der Plattform neben mir. Als sie ausstieg, war ich erst richtig im kalten, montagvorbe-reiteenWien.


Dr. Machwitz wieder im Büro. Leichtere Arbeit.

Früh am Artikel wieder zu schreiben begonnen.


Früh Artikel. Herbstlich.

Erstmals im Mantel gegangen. Guter Laune. Briggi getroffen.

Nachmittag frei!

Mayröcker geschrieben, ins Bett gegangen.


früh am Artikel gearbeitet: kondensiert. Arbeit im Büro nimmt ab.

Abends bei Wiesflecker. Ordentliches Gespräch über den Kommunismus.


früh mit Briggi gesprochen.

Arbeit im Büro nimmt weiter ab. Trostloses Wetter.

Abends nach Hause geflüchtet.


Schöner Herbstmorgen. Kalt.

Versuchte, mit dem Artikel weiterzukommen.

Früh mit Briggi, Schik und dem anderen Chemiker gefahren. Die Experimente, die Broda mit radioaktiven Isotopen zur Erforschung der Photosynthese macht, hätten mich, wenn ich Chemiker geblieben wäre, interessiert.

Gegen Mittag wurde es wieder trüb. Im Büro war wenig zu tun. Hätte gern freigehabt und am Artikel gearbeitet; ich wäre dafür in der richtigen Stimmung gewesen.

Freundlicher Abend.


Früh endlich tikel weitergekommen.

Mit Schik-Karli und dem Chemiker gefahren, geplaudert. Im Büro lebhaft. Mittags einen Gutschein für zwei Freikarten in der Scala eingelöst /, durch Wiesflecker/.

Angenehmer Nachmittag. Briefmarkensendung von Doppler bearbeitet, dann ein eigenes Doublettenheft zusammenzu-stellen begonnen; möchte gern eine grössere Menge davon verkaufen.

Guter Abend.

Tante war gestern bei Primar Bruha: Nervenuntersuchung. Bruha war sehr freundlich zu ihr, fand ihren Zustand ernst.


prachtvoller Herbsttag.

Mit Kein um die Steinhofer Mauer spaziert, ihn ziemlich schlecht unterhalten.

Nachmittag quälte ich mich weiter mit dem Artikel.


früh mit dem Artikel weitergekommen. Schöner Tagbeginn. Mittags riefen mich Rocek und Jandl an. Rocek wird ab Ende Februar acht Abende im Volksheim Margareten für Lesungen je eines jungen Autors zur Verfügung gestelt erhalten. Eine bot er mir an. Ich nahm diesmal an, um ihn, mit Rücksicht auf seine Freundlichkeit, nicht vor den Kopf zu stossen.

Jandl lud mich für anschliessend an den Sonntag-besuch zu Lorcas "Doa Rosita" ein, die ich zufällig so gern hatte sehen wollen.

Für Abend hatte ich durch Wiesflecker Karten für eine Vorführung des rumänischen Volkskunstensembles bekommen. Mit Tante dorthin gegangen. /Scala./

Vorher Ausstellungen über "gesundes Leben" und "die neue Form" im Künstlerhaus angeschaut, weil zwischen Büroschluss und Scala-Beginn noch viel Zeit verblieb. Die neuen Formen in der Innen-architektur machten auf mich einen starken Eindruck.

Nicht mehr die kubistische und mechanistische Tendenz sondern Neigung zu funktionell optimalen und anmutigen Kurven.

Dann Auslagen betrachtet, geschmacklose auf der Favoritenstrasse.

Die Vorfhrung in der Scala dauerte über drei Stunden. Viele sehr reizvolle Stücke wurden gesungen und getanzt. Am besten gefielen mir die meisten der Tänze und das Hirtenlied, das jeden Menschen ansprach, obwohl es in fremder Sprache gesungen wurde.

Am Schluss zehn Minuten fortdauernder Applaus, der dann rhythmisch wurde und in den dann "pace"-Rufe einfielen. Die Mädchen und die Burschen auf der Bühne applaudierten ihrerseits dem Publikum. Sie lösten Blumensträusse, die ihnen auf die Bühne gebracht wurden, auf und warfen Blumen unter die Zuhörer.

Mitternachts nach Hause gekommen.


Wenig Arbeit im Büro. Angenehmer Abend.


Wieder recht wenig Arbeit im Büro. Erledigte endlich die Gedichtsendung nach Stuttgart.

Heute Abend kommen die Heimkehrer in Oesterreich an. In den letzten Tagen grosser Wirbel um Triest.

Abends Spaziergang um die Steinhofer Mauer.


Nach dem Büro bei Roček die kommende Lesung besprochen. Nahm fünf benden für meine Freunde in Anspruch.

Roček trauert stark um Hertha Kräftner; seine Trauer mischt sich mit Verbissenheit, wenn er zu sehen glaubt, dass andere mit dem toten Mädchen Geschäfte machen.


Viel Arbeit im Büro.


Nachmittag am Artikel erfolgreich weiter. Frühlinghaft.


Artikel.

Nachmittag bei Jandl, dann Lorca. Dieses Stück wird mir jetzt für lange Zeit ein Zentrum sein.


Früh am Artikel weitergeschrieben Mit Arbeit ausgefüllter Bürotag.

Paul wird operiert werden müssen.

Abends viel Post, angenehmer Spaziergang um die Steinhofer Mauer.


Sehr warme Tage. Früh Artikel. In die Stadt gefahren, mit Mama auf der einen Seite und mit Briggi auf der anderen Seite.

Büro: lebhaft. Abends Brieferl von der Friederike Mayröcker. Schickte mir eine sehr gute "Nausikaa". "Sturm". In letzter Zeit ihn öfter gesoffen.


Abends zu Polakovics. Wir dachten über Titel für die Lesungen im Volksheim nach. Er sagte mir die Mitwirkung von Kiessling und den drei Jungen zu.Maja wusch und bügelte inzwischen Wäsche.

Die nächsten Tage hetzte ich mich sehr. Donnerstag die Gruppen für die Lesung und die Titel für die Gruppen zusammengestellt, die Auf-stellung Roček ins Kastl geworfen. Bis Montag Abend muss ich den Artikel für die Novembernummer der "Neuen Wege" fertig haben. Freitag fuhr Mama allein auf den Grinzinger Friedhof zu meinen Grosseltern, um mir den Samstag Nachmittag frei zu halten. Samstag legte ich mich ins Bett und schrieb lang am Artikel, schrieb nicht viel aber klärte viel. Sonntag kam Vormittag Kein. Er riet mir manches für den Artikel, und mir half die Uebereinstimmung zwischen ihm und mir viel. Nachmittags machte ich mich mit gutem Mut über den Schluss des Artikels her. Als ich die Rein-schrift fertig hatte, ging ich mit Mama um die Steinhofer Mauer spazieren und zweigte dann ab: zu Polakovics. Den Artikel lasen wir nicht mitsammen. Wir besprachen /schimpften haupt-sächlich/ neu erschienene Bücher: etwa die "Glaskugel" vom Zand, die im Radio und im "Kleinen Volksblatt" besonders gute erfahren hatte. Aus den "Versen aus Aquafredda" von Fink gefielen mir /zum ersten Mal, dass mir etwas von Fink gefiel/ die starken wahnsinnigen Schilf-lieder. Ihre Sprache ist gelöst und präzis.


Dienstag, am , besuchte ich Roček. Wir besprachen die Lesung im Volksheim, dann spielte er mir auf dem schlechten Plattenspieler gute Stücke vor. Moldau, Tschaikowskyj, zwei Wagner-Lieder /die kannte ich nicht/. Am wird er mit mir zu Kftners Grab gehen. Kahr hat ihm übrigens erzählt, dass KudrnofskiKräftner mit einem Hochfrequenzapparat besucht habe und ihr suggeriert habe, sie werde sich bald umbringen.


Mittwoch, am , nach dem Büro fand in Mariahilf die Besprechung der Lehrer-lesung statt, an der Polakovics, Jandl und als Aussenseiter ich mitwirken werden. Wir trafen uns in der Wohnung einer Musikerin.

Es wurde gemütlich. Wir trafen zunächst die Auswahl aus dem -Bestand. Polakovics und ich lasen probeweise. Jandl fiel plötzlich die Bescheidenheit an, ihm kamen meine Sachen besser als seine vor. Polakovics wird von sich nur wenig lesen. Angeregtes Gespräch über die kommende Lesung auf dem Heimweg. Sonntag treffen wir uns, um das Programm zusammen-zustellen, bei Polakovics.

Der Artikel wurde ohne Aenderungen angenommen.

Im Büro mussten wir in diesen Tagen wieder viel arbeiten. Dr. Lindner kaufte für sein Zimmer im Büro einen Perserteppich um S 21.00.-- Sparmassnahmen, breite Diskussionen um die Verbilligung unserer Postspesen; zur Handelskammer dürfen die Angestellten unse- nicht mehr mit dem Autobus fahren.


morgen überraschenderweise bürofrei. Allerseelenwetter. Abends zu Baumrucks Verwandten in Breitensee, um über Papa vielleicht etwas zu erfahren. Nur die Frau des Schuldirektors Schenner war zu Haus. Sie wusste wenig, Baumruck hat seit seiner Heimkehr noch wenig erzählt; aber er wird uns bald besuchen.

Angenehmer Abend.


Frei. Herrlicher Tag. Vormittags machte ich notwendig gewordene Ordnung. Nachmittags legte ich mich ins Bett, arbeitete ein wenig an den alten P-Mappen und ruhte vor allem aus. Abends Lust zu theoretischer Arbeit.


Geschäftiger Morgen und lebhafter Vormittag. Mit Jandl bei Polakovics. Aglaja sieht schon recht stabil aus. Wir machten das Programm fürdie Lehrerlesung, ich las die Korrektur-fahnen meines Artikels.

Nachmittags ausgeruht, den Baumgartner Friedhof, unserer Tradition gemäss, aufgesucht und den Bericht über die letzten dreizehn Tage ins Tagebuch eingetragen. Es ist schon kalt draussen. Den Mantel gewechselt.


Mönichkirchen ist weit ort von hier, und jetzt ist es dort auch kalt. Ich möchte gern mit jemandem sprechen. Nicht den ganzen Tag /der eben erst begonnen hat/ im Büro bleiben.

Unfreundliches Wetter. Herbst. Alle Eile hilft nicht, die Stundenzahl ist mir vorgeschrieben.

Das Konkrete wird gern abstrakt ausgelegt. Die Unzufriedenheit oder Erregung als existentielles Gejammer. Wenn ich den "Rauch" lobe, so lobe ich den wirklichen Rauch, damit ihn der andere Mensch ebenso voll erkennen und lieben soll.


Nach dem schweren Bürotag erwartete mich in der SingerstrasseMama, um mir zu sagen, dass man uns eine Wohnung im 19. Bezirk angeboten habe. Mama ist begeistert und will, wenn die Wohnung nur halbwegs gut ist, annehmen. Wir fuhren zu Tante, die morgen mit ihr zusammen die Wohnung anschauen soll. /Ich kann nicht, ich habe im Büro eine eng befristete Arbeit zu leisten./


Die Wohnung liegt in Sievering. Es ist eine Wohnung in einem Neubau der Gemeinde Wien. Wir als erste Bewohner. Nur Zimmer und Küche, aber Klosett mit Waschbecken in der Wohnung, Abwasch und Gasherd. Freundlicher Eindruck.

Am Abend Besprechung der Lehrerlesung in Mariahilf. Die Musikerin, in deren Wohnung wir uns wieder trafen, hat viel von einem Schweinchen an sich.

Erste Novemberwoche: sehr viel Arbeit im Büro.

Daheim denken wir jetzt nur an die Uebersiedlung. Alle Zusammen-künfte in der nächsten Zeit schon abgesagt.


Nach dem Dienst die neue Wohnung zum ersten Mal angeschaut. Nachmittag geplant.


für die Uebersiedlung gearbeitet und geplant.


abends in sehr angeregter Stimmung. Wir richten uns die Wohnung auf dem Papier schon ein.

Wieder sehr viel Arbeit.


Von Polakovics Abschied genommen. Kaum dass sie bis vor Steinhof gezogen sind, rennen wir ihnen nach Sievering davon. Gute alte deutsche gelesen.


Keine Zeit, um die von der Arbeit zerstreute Innenwelt wieder zu sammeln; keine Zeit für Gefühle.

Sobald Dr. Lindner kommt, werden Tante und Frl. Huber eine ausserordentliche Zuwendung für alle Angestellten fordern, als Entschädigung für die besonders harte Arbeit in den letzten Wochen.

Abends Ladung ins Wohnungsamt bekommen. Martini.


Früh Wohnungsamt, Mietvertrag unterschrieben.

Anstatt der ausserordentlichen Zuwendung: im Büro musste Tante überraschend Kündigungsbriefe für Frau Marchsteiner und Frau Hegyi schreiben, die wegen des "schlechten Geschäftsganges" entlassen werden. Sie wissen noch nichts davon. Alle, die davon wissen, besonders Tante, sind empört über diese Gemeinheit des Dr. Lindner.

Abends für die Uebersiedlung gearbeitet.


Früh fuhr Mama mit Tante in die neue Wohnung. Ich traf Briggi und erzählte ihr von unserer Uebersiedlung. Seit gestern kalt.

Abends freundliche Lesung. /Mit Jandl und Polakovics./ Bemerkte die Hypertrophie des "Mädchens" in meinen Gedichten.


Trotz den Protesten aller: Marchsteiner wurde mittags entlassen. Frau Hegyi bleibt. Photomontage für die Kommunisten: Rechnung des Teppichhändlers, Kündigungsbrief "wegen schlechten Geschäftsganges".

Nachmittag: Tante kam und erzählte, dass Paul in der Fabrik nur noch Kurzarbeit habe und mindestens um den halben Lohn gekürzt werde. 150 Arbeiter wurden von der ELIN überhaupt entlassen.

Tante hätte Gelegenheit gehabt, eine Wohnung im Gemeindebau, zwei Stiegen von uns entfernt, zu beziehen. Jetzt ist es natürlich nichts damit. Auch mit ihrer vorzeitigen Pensionierung ist's jetzt nichts, und ihr Zustand ist elend.

Für die Arbeitnehmer gibt es nur zwei Modifikationen des Seins: die Sklaverei und den Tod.

Für die Uebersiedlung gearbeitet. Bücherordnung begonnen.


Bücherordnung.

Pfeiffer gestorben. Schwindsucht. Hat sich, sein Leben lang, nur abgejagt. /Angestellter der Anstalt./


Vormittag Transport zu Tante und zu Frau Neubauer, die unser Speisezimmer abnimmt. /n der neuen Wohnung haben wir für die altdeutschen Möbel keinen Platz. Wir haben sie Frau Neubauer geschenkt. Ich bin froh darüber./ Dieser Möbelstil stbt aus. Kaum jemand will solche Stücke auch nur geschenkt.


Die Lampen abmontiert. Es ist Mama gelungen, die Kohle um S 720.-- zu verkaufen. /In der neuen Wohnung werden wir nämlich keinen Holz- und Kohlenofen heizen, nur Petroleum- und einen elekrischen Ofen./


Mama meldete den Gasanschluss an, ich fuhr mit Tante abends nach Sievering:

Seit gestern friert es.


abends Post von Friederike Mayröcker und dem Kaleidoskop.


Vierzehn Jahre, die wir in Penzing verbracht haben. Wie wird nun unser Leben in Sievering werden?

Ich weiss nicht, ob man wie Friederike Mayröcker den Wunsch: Gedichte schreiben zu können, vor alle anderen Wünsche setzen darf. /Aber wahrscheinlich soll diese Reihung der Wünsche nur die wahre Reihung verhüllen./

Mama fuhr zeitig am Morgen in die Wohnung; dort wird heute der Gasmesser eröffnet.

Abends "hulat". Besuchten ein letztes Mal Tante Fini und schrieben einige Briefe an Steinhofer Bekannte aus den ersten Jahren.


Nach dem Büro wuschen Tante und ich die Wohnung auf. Von der Arbeit schon ein bisschen müde.

Jetzt meldet sich Mathes: schickte Geld für drei Hefte der "publikationen" und ein Heft des "ophir" /!/, und jetzt meldet sich Steinwendner wegen der der Strafkolonie von Kafka.


Letzter Tag in der alten Wohnung.

Verbrachten ihn mit den verbliebenen Arbeiten, auch schrieb ich Tagebuch nach.

Mein Brief an Friederike Mayröcker /die mir ein trauriges Lied geschickt hat/ ging, als letzte Post aus der alten Wohnung, ab.


Am Vorabend unserer Uebersiedlung bin ich noch über die Stiegen einiger Gebäude von Steinhof gehuscht und habe unsere Abschiedbriefe fünf Familien in deren Kästchen geworfen.

Heute hat Tantebürofrei. Morgens, als es draussen noch grau war, die letzten Sachen für die Uebersiedlung vorbereitet /die Betten zusammengelegt, das Bettzeug gepackt und die Küchenmöbel verschnürt .../.

Zum letzten Mal /auch die Vorhänge sind schon herunter/ die Morgenstrassenbahn halten vorbeifahren gesehen, mit den Büroleuten von Steinhof und mit ersten Schulkindern.

Letztes Mal die Krenekmädchen gesehen.

Tante, dann die Uebersiedlungsmänner gekommen. Angst, weil die Pferdewagen klein waren. Ich musste um zehn nach acht mit dem Dabeisein aufhören, musste ins Büro fahren. Versuchte, den letzten Weg von Steinhof fort bewusst zu gehen und zu fahren. Aber der Kopf war mit Aktuellem zu voll. /Nie mehr Steinhof, nie mehr Spiegelgrund - //Postgebäude, BriggisWohnhaus ...//, nie mehr Flötzersteig //Brücke, Sender von Steinhof, Probieranstalt ///Heimwege um Mitternacht von Lesungen und Zusammenkünften, als keine Strassenbahn mehr fuhr///, der übersichtliche Abhang zum Wilhelminen-spital ///jetzt sind auch die Spaziergänge mit Kein aus/// das Wilhelminenspital, der Joachimsthaler Platz. Dort zum letzten Mal die Morgenleute angeschaut. Im 46-er von einem Schaffner Abschied genommen, den ich vor kurzer Zeit kennengelernt habe. Wie mädchenlos die letzten Penzinger Jahre waren. Diese Gedanken hirnte ich aber nur, fühlte sie nicht aus./

Ich kam am Abend schon in die neue Wohnung. Dort hatten es Mama und Tante relativ wohnlich eingerichtet. Für die ersten Ordnungen hatte ich den morgigen Tag vom Büro frei bekommen. Die Uebersiedlung wurde von den Steinhofer Arbeitern sehr gut durchgeführt. Kein Schaden. Mit den S 200.-- waren sie sehr zufrieden.


Freier Tag. Früh in der Gegend herumgefahren, mit Mama, meldeten uns beim Hausinspektor und bei der Polizei an. Wurden dumm herumgeschickt, lernten aber dabei ein bisschen Döbling kennen.

Daheim erste Post auf dem Boden: eine Karte von Weigel, mit Glückwunsch zur neuen Adresse, mitunterschrieben von Doderer und v. Winter. Freute mich sehr.

Auch ein Heft des "Atoll".

Nachmittags Holzkiste in den Keller geschleppt und dort eingerichtet. Dadurch wurden wir schon überraschend viele Pakete aus der Wohnung los.


Früh, in aller Eile und Dürftigkeit, Weigel geschrieben.

Büro.

Abends Mama nicht zu Haus /Spaziergang/. Dann sehr gemütlich.


Unangenehmer Tag im Büro.

Unter anderem: Mein Karteisystem muß geändert werden.

Heute ist die Zimmerbeleuchtung montiert worden.

Schöner Abend zu Hause.


Strenger Frost. Die Wohnung ist (nur vom Elektroofen geheizt) sehr kalt.

Früh begleitete mich Mama zur Straßenbahn und ging dann einkaufen. Das Leben hat sich, gegenüber jenem Steinhof, geändert.

In einer hübschen Wohnung, von der Einrichtungs-arbeit und dem Bürodienst müde, aus meinem Kreis nun ganz entfernt, bin ich an den Abenden, die mir zu leben verbleiben, gleichsam "ebenshungrig". Ich klammere mich sogar schonan ein Fetzchen Radiomusik.

Ich kann nicht sagen, daß ich unglücklich bin. Den Schatten, der über meinem Leben liegt, wirft das Gefühl der schlecht genützten Zeit. Keine Arbeit und keine Liebe.


Aerger: Der Tischler erstellte den Voranschlag für die Stellagen: er rechnet für sie S 2700.-- Natürlich nichts damit. Wucher.

Das erwartete Linoleum wurde nicht geliefert.


Immer noch kein Ofen für die Wohnung, ausser dem Elektroofen, der schwach wärmt. Nach dem Büro Petroleum gekauft, aber die "Ida" funktioniert nicht.

Linoleum kam.

Viel in den Keller getragen.


Letzte Koffer ausgepackt. Zimmerkredenz in die endgültige Lage geschoben und eingeräumt. Leider ist am Sonntag keine Kellerarbeit erlaubt. Vorzimmerstllage provisorisch aufgerichtet.


Warm. Abendspaziergang durch Gässchen. Bekam, weil ich heute Namenstag hatte, ein rororoBändchen Sartre. Abends im Bett erstmals wieder gelesen. Die Stimmung am Abend ist bei uns immer sehr gut. Ich freue mich am Tag auf den Abend. Schade, dass ich nicht nur halbtägig arbeiten muss.


Früh im Bett Sartre. Tante kam, brachte überraschend den neuen Petroleumofen. Beim Anzünden flammte das Oel einen Meter hoch auf und konnte nicht mehr gebändigt werden. Unten im Ofen stieg das Oel höher; diese Oelreserve brannte noch nicht. Der Ofen selbst stand auf Packpapier in der Küche. Wir waren kreideblass und löschten den Brand mit Wasser. Es zischte sehr, aber es gelang; obwohl ich im Luftschutz gelernt hatte, dass man Petroleumfeuer mit Wasser nicht löschen kann.

Bestimmt war nur ein ungeschickter Handgriff von Tantean der "Katastrophe" schuld, aber wir versuchten, schon wegen der Möglichkeit einer solchen Katastrophe, den Flammenwerfer gegen einen altmodischen Petroleumofen im Geschäft einzu-tauschen.

Auch draussen warm.

Hitchman wieder in Wien.


Machwitz-Aerger im Büro.

Abends eine Stunde vergeblich versucht, einen Docht in den alten Petroleumofen einzuziehen.


Früh Weg um die I-Karte.

Abends schrieb ich mich in die Städtische Biblio-thek ein. Entlieh einen Dos Passos und einen Faulkner. Der Bibiothekar kennt Gerhard Fritsch.


Wenn ich mich erinnere: an die Zeit, in der ich auch während der Büroarbeit viele innere Bilder gesehen habe. Da bin ich vor einer Faktura gesessen, müde an einem langen Nachmittag im Buchhaltungs-zimmer, und habe plötzlich eine Mühle vor mir gesehen: das Innere einer Mühle; nahe dem Eingang. Unsinnig weite Räume und ein niederer Verkaufstisch aus rohem Holz. Dieses Bild ist (annähernd) gleich geblieben, durch alle Wiederholungen hindurch ... Solche Bilder freuen und quälen, in gleichem Maß.

Nach meiner Mönichkirchner Fahrt habe ich öfters Mönichkirchen im inneren Bild gesehen, oder Szenen von der Fahrt dorthin oder von der Rückfahrt am Abend.

Stadtflucht.


Die Zimmerleitung montiert.


Der alte Petroleumbrenner ist heute repariert worden. Er brennt. Mama besorgte mehrere Sachen fr die Wohnung. Versuchten eine Wandbespannung aus Nylon über den Herd und die Abwasch, sie gefiel uns aber nicht, und wir beschlossen, die Wände unbespannt zu lassen und hinter den Herd nur beim Kochen eine feuerfeste Platte zu stellen.


Bürofrei. Wäsche geholt. 2 bestellte Dostojewski-Romane, um nur 36 Schilling zusammen, kamen. Friseur. Den Keller fertig eingerichtet. Den grossen Spiegel zum Zerschneiden getragen. Nachmittag das Zimmer wieder ein wenig wohnlicher gestellt. Tante kam. Tagebuch der letzten zwei Wochen nachzutragen begonnen. Abends heisser Wein /erster Wein in unserer neuen Wohnung/. Neblig und nässlich.


Linoleum in Küche und Waschraum gelegt.

Nachmittag, ohne ein bisschen wegzudenken, den halben Dos Passos-Roman gelesen, zum grössten Teil Mama laut vorgelesen.

Abends Tagebuch zu Ende nachgetragen.


Abends nach längerer Zeit wieder Gewissens-erforschung.


Früh Dos Passos weiterge-lesen. einigen Abstand gegen-wärtigen Vegetieren gewonnen.

Abends im Vorstadtkino: "Hokuspokus". Ein gut gebauter Film von Curt Goetz. Auch die Schauspieler


Besprechung mit Witzmann. (Ein wenig gegen Machwitz.) Jeden Abend und jeden Morgen fahre ich mit anderen Menschen in der Straßenbahn.

An diesen Dezembertagen: nichts Nennenswertes.



Besprechung mit Dr. Lindner.


Im Büro mehr geplaudert als gearbeitet. Jetzt, bevor ich weggehe, mag mich anscheinend auch Huber leiden.

Abends Post: die "Neuen Wege". Zwei Artikel; der von Traude ziemlich plump, beide Artikel an der Sache vorbeiredend. Amüsant ist, daß der eine Artikel wirklich "die ver-dächtige Unordnung" hieß, wie ich es mir auf der Heimfahrt prophezeit hatte.


Las auch den Artikel der Danneberg über die Generation 1945 in den "NW" und hatte einen angenehmen Morgen ohne Ärger. Ich hätte die Polakovicse ganz unbe-schränkt gern, wenn sie nicht ihre Posen hätten: er seine grimmige "Männlichkeit", sie ihre Routine und ihre Glycerin-Tränen. Beide, wie die ganze Hakelschule, machen in Edelmut und Gemeinschaftlichkeit. In der Unaufgeschlossenheit sind sie beide beispielhaft. (Übrigens ist die nicht konstant sondern hängt von irgendwelchen Launen ab.)

Einstweilen werde ich nicht antworten sondern die Antworten der Leute abwarten, die für mich sind. Immerhin mehrere Gedankengänge aufbewahrt. Wenig Arbeit im Büro.

Keller-Ordnung. Tante kam. aufgearbeitet. Mama trank Wein. .

Gestern Abend war ich niedergeschlagen deswegen, weil anscheinend niemand die Stimmungs-Änderung in den "Neuen Wegen" merkt. Die Unmittelbarkeit ist dahin. Einige frischere Stückchen wiegen die Ladung Geschichte nicht auf, die auf den übrigen Stücken lastet. Vor allem: keine Hoffnung auf einen Durchbruch mehr. Verösterreichert! Die Basis, auf der ich stehe, ist so klein.aneben die Abgründe Formalismus und des Traditionalismus.


Bis halb elf im Bett gelegen. Die "Wendemarke" gelesen. Faulkners unübersichtlicher Stil ist mir weniger angenehm zu lesen als Hemingway's oder auch Dos Passos' klare Stile.

Aber der Roman (den ich im Laufe des Sonntags und des Montagmorgens fertiggelesen habe) bleibt einem im Gedächtnis. Das ist den unwiederholbaren Gestalten und Charakteren zu danken, die diesen Roman gelebt haben.


Abends Kino "Auf den Straßen von Paris". Die Rahmen-handlung ist originell. Leider hat man die Möglichkeiten, die sie bietet, fast nicht ausgenützt. Die Spielhandlung selbst ist uneinheitlich und dünn. Der Hildegard Knef hat man fast keine Gelegenheit zu spielen gegeben.


"Fahrraddiebe" anschaut, diesmal mit Mama.

Der Film hat auch auf sie stark


Abends die vier Spiegel abgeholt. 150.-


Nachmittags in der Welser (Schönborngasse). Herr Nepp (der Buchhalter) und Frau Viciany (die Buchhaltung-Angestellte führten mich in den Betrieb und in die Buchhaltung ein.

anz andere Stimmung als in der ÖPEX, kameradschaftlich, Nepp nicht zu vergleichen mit Machwitz und Witzmann, Viciany nicht zu vergleichen mit uber. Die Buchungs-maschine in ihrer Moderne freut mich, besonders freut mich, daß sie für mich noch zwei Zählwerke einge-baut kriegt. Auch eine Wand wird für mich versetzt. Ich werde im Zimmer mit Frau Viciany arbeiten. Im Nebenzimmer wird Herr Nepp sein. Mittagspause gibt es im Buchhaltungszimmer noch Kaffee. Nach meiner Rückkehr aus Wels muß ich zunächst Buchhaltung lernen. Wenn ich so weit vorge-schritten sein werde, daß ich die Arbeiten Frau Viciany leiste kann, (zur Vorbildung und damit ich ihre Arbeit in ihrem Urlaub mitmachen könne), werde ich von der Finanzbuchhaltung weggeführt, und mit mir zusammen wird eine Betriebsbuchhaltung für die Welser Papierfabrikwachsen. (Bisher hat es eine solche in diesem Betrieb nicht gegeben.

Also arbeite ich oe einen Vorgänger in diesem Fach in diese Bis dahin, und bis ich dann Betriebskontrolle, Rationalisierung und Kalkulation werde ausüben können, wird aber noch viel Zeit vergehen.

Ein eigentümliches Gefühl: Nach mehreren Jahren wieder neu beginnen, wieder lernen und sehen; befürchtet hae, bis zu ner Pensionierung im Trott d dahinschreiten zu müssen.


Die Stellagen wurden geliefert, 775.- (Küche, Vorzimmer.)


Spiegel und Toilettebrett wurden montiert.

Tante kam. Vorzimmer-stellage einzuräumen begonnen.


Zimmervorhang. Vorzimmer-stellage fertig. Vorzimmer Wandbespannung.


Weltsch besuchte Maa. Kleiderablage wurde montiert.


Amtsweg (eigentlich umsonst). Abends erstmals Geschenk von Dr. Lindner. (Wurde für mich


in unserer Wohnung abgegeben. War sehr überrascht.)

Abends versuchte ich für Mayröcker und mich eine Niederschrift.


Abschied vom Büro.

Besinnlicher Abend zu Haus.


Vormittags Wege.

Baudelaire kam, gelesen.

Wenn man Kinder mit solchem Lesestoff erzöge -?

Heiliger Abend. Mama war erfreut über das Eau de Cologne. Ich über zwei Bücher: Daumier und Warsinsky, die ich von Paul bekommen hatte.


"Mein hat einen Rosenmund und wer ihn küßt, der wird gesund o du, o du, o du -

o du tralálalàlalátraa - lálalalalá ....." aus dem Radio (nach mancher anderer - schaler - Musik und nach eifrigem städtischem Geplapper).

Dazu die Fahrt im Autobus. Wechselnde Richtungen und Geschwindigkeiten, in die Abenddämmerung hinein. Der Motor mit seinem unentwegten Geräusch, das manchmal zusammenstimmt, manchmal sie stört. Das gibt einem ein Gefühl: Fröstelnd, unaussprecar. Anklänge, Gedanken:

Jetzt wieder Heimkehr in die Stadt. Nur das Lied mit mir verbunden, gegen das übrige im Autobus, das der Stadt und mindestens ihrem Treiben, ihrem Lebensgefühl, zustrebt.

Sich lammern an das, Zeugnis von der tieferen Welt ablegt. Bald sind die Kontakte mit dem Tieferen wieder gestört; ber die der Tiefe haben einen Zusammenhang untereinander, als lebte man ein kontinuierliches Untere-Leben unter dem Alltäglichen, und wisse es nur nicht immer. Glückgefühl ber Angst vor der Verschwendung der Jahre. Auflehnung gegen die Anpreisung des äußerlich genützten Lebens. Unzufriedenheit mit: der eigenen Erkenntnis-unschärfe, Flüchtigkeit des Gefühls und Ausdrucks-schwäche.

Gedanke: Der Komponist dieses Lieds. Gestorben. Alle gestorben, die in dieses Lied bezogen sein konnten. Der Augenblick, da dieses Lied wesentlich gegolten hat, ist dahin und nie zurück und wird nie von jemand werden können. Aber das Lied bleibt. Wie grausam sozial die Wirklichkeit auch mit dem Tiefsten des Individuums umspringt. Welcher Trost, welches Niederschmettern.


Machte mich über Daier, blieb den ganzen Abend bei ihm.


Weihnachtstag. Früh Kirche und Sieveringer Spaziergang. (Jeder für sich allein.)

Bis zwei Uhr die Kimmerische Fahrt gelesen. Ein starkes, zugleich unbefriedigendes Buch. Die "Untrüglichen" klangen, , so deutlich aus.

Viel geplaudert.


Ich träumte /noch in der alten Wohnung/ von einer wahnsinnigen Tat: Ein Mann und eine Frau hatten sich an den Beinen einander anschmieden lassen. Es verband sie eine breite und starke glänzendgelbe Metallklammer. Eine illustrierte Zeitschrift bildete das Paar, mit einem bösen Kommentar, ab.


Vormittag: Arbeiten im Haus. Mittag: Ein paar Notizen auszu-arbeiten versucht.

Nachmittag: Tante und Paul kamen. Nachher: Koffer gepackt und "hulat" (Wein, lustige Gespräche. Ich kritzelte dumme Zeichnungen. Lang wachgeblieben.

Elf Uhr nachts: Carmina burana.


Früh Idiot gelesen.

Vormittag fertig gepackt. Der Himmel verhängte sich tief. Weicher Schnee fiel. Noch gar kein "Reise-Fieber".


Nachmittag aus der Wohnung gegangen. Verbrachten den Nachmittag noch bei Tante. Ich übernachtete dort. Am Montagmorgen dann von dort aus zur Bahn gefahren.

6,25 D-Zug nach Wels. Fahrt, in das Morgengrauen hinein, bei tristem Wetter. 9,08 in Wels angekommen. Wurde von Herrn Nepp abgeholt und gleich in die Fabrik gebracht, wo mich Herr Hummer aus der Materialabteilung dann herumführte.


Laden...

Früh wieder Briggi getroffen, aber mit Fritz, was meine Unterhaltung mit beiden verhinderte.

Früh war der Himmel mit Wolken bedeckt, aber später scheinte warm die Sonne.

Gegen Mittag wurde es wieder trüb.

Letzte Tage vor der Hinrichtung der Rosenbergs. Es besteht noch die Möglichkeit ihrer Begnadigung.

Abends kleine Korrespondenz erledigt.


Offener Aufruhr in Ost-Berlin. Früh mit Schik-Karli gefahren, die Lage diskutiert.

Heißer Tag.

Abends Eisenreich-Brief.

Bier. Garten.


Früh: Aufstand in Ost-Berlinniedergeschlagen. Belagerungs-zustand. Alle Macht in den Händen der russischen Militär-Regierung.

Kleine Korrespondenzen.

Fast unerträglich viel Arbeit im Büro.

Abends bezogen wir das Kabinett, das nunmehr uns zur Verfügung gestellt wurde, zunächst als Rumpelkammer. Begannen mit der Bücherordnung für die Übersiedlung.

Hinrichtung der Rosenbergs aufgeschoben.


Vergeltung in Ost-Berlin. Erstes Todesurteil nach dem Standrecht.

Briggi und einen bisher mir unbekannten Musiker vom Spiegelgrund getroffen. Über die carmina burana gesprochen.

Werner Bažata in der Stadt getroffen.

Für den zweiten Versuch, den Rommel-Film in Wien aufzuführen, ist eine Menge Polizei - zum Schutz der Aufführung - vorbereitet.

Im Büro wieder viel gearbeitet. neben meinen gewohnten Arbeiten; die Hitze vormittags , wenn ich eine Banane esse; hastig, unter dem Tisch versteckt, aber mit kon-zentriertem Genuß.)

Abends einige Koffer in das Rumpelkabinett getragen und Schlösser repariert.

Erinnerte mich, der Begegnung mit Bažata zur Folge, an Susi, die jetzt schon lang ver-heiratet ist. Wie deutlich hab ich noch das Jahr

"Ich kenn mich nicht aus."

Es ist allerdings nicht gesagt, daß sie sich jetzt universal auskennt.


Früh Karte an Eisenreich geschrieben. Tagebuch.

Rosenberg sind hingerichtet worden.

Über die Ost-Berliner Aufständischen und die Rosenbergs sind die Wellen hinweggegangen.

Vormittags auf die Linzerstraße gegangen. Jandl-Brief geschrieben.

Kein kam nachmittags. Im Garten geplaudert.

Abends las ich in slovakischen .

Morgen ist Sonnenwende. In den Gärten werden Feste vorbereitet.


Vormittags auf der Wiese gelegen, einen Mann kennengelernt, der von vielen Reisen erzählte. Zuvor hatte ich ein kleines Gedicht

Nachmittags Reduktion und Bestand-Aufnahme der ältesten P-Mappe.


Früh in der gelesen: 65 Uranschächte zerstört. 100.000 Streikende in Ostdeutschland. 12 neue Erschiessungen.

Abends Manuskript-Kopie von Polakovics zurück-geholt. Keine Misstimmung mehr.

Seine Frau erwartet in den nächsten Tagen das Kind. erden in die Starchantsiedlung ziehen.

Weitergefahren zu Roček in die Schanzstrasse /gleich hinter Artmann/. ček ist ein pathetischer Jüngling. Aber man darf gegen die Ergebnisse dieses Lebensalters nicht ungerecht sein. Man darf sich von de Uebergewicht an abstrakten Wrtern und von der natürlichen Rhetorik und Klangsuche nicht ab-schrecken lassen und muss die potentielle Gestalt des künftigen Dichters aufspüren.

Ich bin froh darüber, dass mir olakovics und Maja nicht mehr bös sind.


Abends zu Fritsch. Ich brachte Bier mit, von unterwegs. Seine Frau wurde von ihrer Hauptmietin ins Theater gezwungen, so musste Fritsch allein für den kleinen Michael sorgen an diesem Abend. Die Fütterung gelang schlecht. Regen und Gewitter. Das Bier war nicht besonders kühl.

Fritsch plant jetzt auch eine Auslese unter seinen Gedichten und die Zusammenstellung eines Bändchens. Ich riet ihm sehr zur Chronologie. Ich hörte mit Freude manche seiner früheren Gedichte. Auf das Bändchen, oder auch die Zwischensumme schon, freue ich mich.

Fritsch fühlt sich verlockt, ein Gedicht zu schreiben, weit ausholend, in dem er möglichst viel von dem mitteilen kann, was er seit langer Zeit aufgenommen hat.

Mein "Medea"-Fragment mag er sehr.


Abends kam der von Eisenreich angekünigte Brief vom Rowohlt-Verlag. e Sache sehr rasch antreiben.

Andauernd unruhiges Wetter. Blauer Himmel mit scharf abgegrenzten schwarzen Wolken. Scheint die Sonne, so ist es schwül, knapp nach den Gewittern ist es kalt.


Das Büro ist mir zuwider. Obwohl ich keine Schwierigkeiten vor mir habe, obwohl ich nichts befürchte. Aber dieses Totschlagen der Zeit, diese Verschwendung der Kräfte.


Wir merkten im Büro nichts vom Hagel, der nieder-gegangen sein soll. Vielleicht hat es auch nur in der Vorstadt gehagelt. Dort griff man jedenfalls Händevoll Eis von den Fensterbrettern.

Neulich wieder Sonja getroffen. Also ist der Spruch ungültig: Sonja trifft man nur zweimal.

Abends die Sendung für den Verlag fertiggemacht. Gestern um die Steinhofer Mauer gegangen. Der erste Sommer in meinem Leben, in dem ich Leuchtkäfer sehe. Gleich habe ich auch einen zu mir genommen und mit mir getragen. Wir tranken bei Westermayer Bier, der Leuchtkäfer sass auf unserem Tisch und strahlte sein grünes starkes Licht aus. Der Abend war kühl.

Freitag früh hatte ich Briggi getroffen. Ich hatte ihr die Sache mit dem Rowohlt-Verlag erzählt. Ich hatte ihr auch gesagt: es scheint so, als komme mir alles ins Haus. Sie hatte darauf gesagt: passiven Leuten geht es oft so.

Abends zwei Bücher gekauft /Stimmen der Gegenwart , Perspektiven, Heft 3/.


Vormittags Büro. Weniger Arbeit.

Versuchsweise einen Paprikaschnaps gekauft. Aber auch sein Geschmack ist mit einem Fremdgeschmack verunreinigt. Wir müssen einen Paprikaschnaps selbst ansetzen. /Es muss unbedingt Paprikaschnaps da sein für den Empfang von Jandl./

Heute vormittags ging mein Manuskript an den Rowohlt-Verlag ab.

Zwei Episoden, berichtet aus Ostdeutschland: Beim Sturm von 50.000 Arbeitern auf ein Gefängnis wurden Sowjetsoldaten mit kochendem Teer begossen. Eine Volkspolizistn schoss zwei Kinder nieder und wurde daraufhin von der Menschenmenge zertrampelt.

Nachmittags Ribiselernte bei Weltsch.

Ich blieb zuhaus und machte Ordnungen.

Dann ging ich, nur für eine Stunde, in den Garten.

Den Bestand der P-Mappen weiter aufgenommen.

Bei trübem Wetter kamen Tante und Paul.

Vormittags hätte ich Gelegenheit gehabt, mich an ein kleines aber durchtriebenes Mädchen heranzu-machen. Sie blieb sehr in meiner Nähe und lenkte meine Aufmerksamkeit auf sich. Weil ich den Eindruck hatte, dass sie mir kaum ein liebes Mädchen werden könnte, verzichtete ich darauf, die seltene Gelegenheit zu nützen.


Es ist traurig, dass das Wetter so hässlich bleibt. Sonst wäre ich fortgegangen, so blieb ich zuhaus, arbeitete ein wenig für die Uebersiedlung, schrieb Tagebuch und stellte mir vor, es sei wirklich Sommer, wenn die Sonne manchmal durch die Wolken scheinte. - Mit einem Heimkehrertransport kommt am Josef Baumruck aus Russland zurück.

Er wird uns von Papa erzählen, da er lang mit ihm in Borowsk war.


Nachmittag Vorarbeiten für die Uebersiedlung. /Gern gearbeitet./


Endlich blauer Himmel. Heiss. Früh konnte ich ein bisschen lesen. Konsum.

Es würde mir sehr viel bedeuten, wenn Rowohlt meine Gedichte brächte.

Ungern ins Büro gegangen. Karl Schik getroffen.

ämpfe mit den Behörden und private Reibereien im Büro. /Huber ist auf Marchsteiner eifersüchtig, weil Dr. MachwitzMarchsteiner wniger Arbeit gibt./

Abends ruhige Stunden zuhause und beim Spaziergang u die Steinhofer Mauer.


Letzter Junitag ...

Früh länger im Bett geblieben. Ich begann, Gides "Falsch-münzer" zu lesen.

Im Bro die Nachricht: wenn Dr. Lindner Direktor Steger auffordert, gemeinsam mit ihm die Verantwortung für die rechtswidrig durchgeführten Gechäfte zu tragen, wird Steger aus der Firma austreten. Tante sagt, dass das dann auch ihr Ende sein wird, da sie gegen die Intrigen von Machwitz und Witzmann nur durch die Sympathie von Steger gestützt wird.


Ich dachte nach über das schrecklich Peinliche der Dichterlesungen. Zwanzig Leute, in wurstiger Stimmung, dem Autor so fern wie nur möglich, hören an, was er auf dem Podium ihnen vor-tobt.

Gedichte müssen entweder in ein abstraktes Publikum gebracht werden /durch das Radio, durch das Buch/, sodass kein Zuhörer dadurch gestört wird, dass er die lächerliche Zusammen-setzung der Gesamthörerschaft erkennt, oder sie müssen von einem Vertreter des Autors gelesen werden, sodass nicht der Eindruck entsteht, der Autor selbst lege seine ganze Hoffnung in das Ver-ständnis seitens dieses Pensionisten oder jener schöngeistigen älteren Dame in der zweiten Reihe /seine Augen funkeln sie, weil sie irgend jemanden anfunkeln müssen, an/;

Gedichte dürfen nur in Ausnahmefällen vo Autor vorgelesen werden, in denen der Augenblick dazu einlädt.

Vielleicht ist es auch gut, Gedichte während eines gemeinsamen Spazierganges zu sagen.


Solche Nachrichten werden gleich wieder unaktuell. Nachmittags schon ist alles wieder in Frieden, die Leute vom Amt waren höflich, und Dr. Lindner wie Steger zeigen sich in guter Laune.

Wieder trübes Wetter. Am Nachmittag geschwitzt vor Hitze und rbeit.

Daheim aber angenehm. Zur guten Stimmung hinzu noch gebackene Leber, eine Flasche kaltes Bier und etwas Wein.

Ich dachte nach über das schrecklich Peinliche der Dichterlesungen.

Konkrete Formulierungen zu diesem Thema misslangen /obwohl ich mich mehrere Tage lang e/.


Morgens 5 Uhr aufgestanden; so konnte ich noch eine Stunde André Gide lesen.

Auf der Strassenbahn Briggi getroffen, hätte Lust gehabt, mit ihr wesentlich zu sprechen, solche Gespräche sind aber auf der Strassenbahn schwer zu machen.

Büro: das Neueste: Dr. Machwitz ärgert sich darüber, dass ich über 17 Uhr hinaus abends im Büro bleibe. /Als ob ich es zum Vergnügen täte./ Vormittags nahm mich Machwitz nicht dran; ich konnte also Rückstände von gestern aufarbeiten.


früh wieder die Falschmünzer weitergelesen. Büro: Dr. Machwitz sagt, er deckt uns nicht, wenn wir pünklich um 17 Uhr nachhause gehen, wie er es gestern vorgeschlagen hat.

Dr. L. sagt, wir haben so wenig zu tun, dass er ruhig zwei Leute entbehren könnte.

Abends mit Tanteheimgekommen, Paul kam auch; wenig los.


Früh, obwohl wenig Zeit, noch etwas weiter gelesen.

Meine Art, nämlich: ruhig zu bleiben angesichts der Reibereien im Büro, ist die ökonomischeste. Die Aufstand-stimmung der anderen fand wieder einmal keine Verwendung; Dr. L. war, ohne dass wir es wussten, nachdem er sein Kuckucksei gelegt hatte, nach Wels gefahren. In vierzehn Tagen, wenn er zurückekommen sein wird, wird der Plan, bei ihm gegen seine Bemerkungen zu protestieren, vielleicht vergessen sein, vielleicht ausgeführt werden aber unaktuell geworden sein. An iner Art gleitet alles ab. Wenn nicht in der Mitte spiesst, sondern am Rand angreift, entwinden sie sich.

Solange man sich nicht gegen eine tatsächliche Bedrohung zu wehren hat, und vor allem, solange man nicht die Möglichkeit hat, seine Anstellung aufzu-geben, sind Diskussionen mit den Unter-nehmern, diesem Getier, nutzlos und nur zermürbend.

Ja, gäbe es ein Mittel, ihrem Regime und dem grösseren Regime, das sie stützt, ein Ende zu machen. Aber die Parteien sind längst arbeiterfremd geworden, und die Arbeiter sind einsam.

Kopplungsgeschäfte jetzt fast erledigt. Heisser Tag.

Abends wieder Bier.


Früh aufgestanden. André Gide weiter gelesen. Heisser Tag.

Nachmittags Kein. Er gab mir vier seiner Prosastücke zu lesen; sie gefallen mir sehr gut, sie sind sehr rein.

Ich zeigte ihm Notizen zur Psychologie des Surrealismus, las ihm Niederschriften mehrerer Träume aus dem vor, und wir kamen in angeregte Unter-haltung. Wenn ich mit ihm arbeiten könnte.


während der Gespräche mit Kein die folgenden Notizen in die Maschine geschrieben, teils nach seinem Diktat, teils mit eigenen Formulierungen, wie man es aus den einzelnen Abschnitten erkennen kann.

Kein erzählt, als Knabe habe er manchmal im Halbschlaf einen Hund bellen gehört, oder ihm ist vorgekommen, er sei auf einem Randstein ausgeglitten. Das habe ihn erschreckt.

hat ganz ähnlich im Halbschlaf geträumt, dass ich über eine Wiese gehe und plötzlich ist eine Vertiefung im Boden und ich stolpere. Dann bin ich jedesmal sofort erwacht, habe noch gespürt, dass ich die Bewegung auch in Wirklichkeit ausgeführt habe, und habe mich dann erschreckt und gleichzeitig gergert gefühlt.

Die meisten Menschen, sagt Kein, fühlen sich in bestimmten Zeiträumen, die sie gar nicht erlt haben können, vertraut. Keins Zeitraum ist zwischen und in New York oder in einer grossen amerikanischen Stadt.

Ein anderer hat Kein erzählt, dass er sich im Wien um die Jahrhundertwende uhause fühlt.

Mir kommt das Literatenr vergangener Zeiten Wiens ähnlich vertraut vor, habe zum Beispiel gerne in GrillparzersAufzeichnungen über solche Dinge nachgelesen, habe auch gerne von de KaffeehausWiens um die Zeit Altenbergs, Bahrs gehört.

Vergleichet aber auch mein Fragment "Was will der Knabe am Schaltbrett sehn ...?"

Man kann im Traum oft beobachten, dass man gleichzeitig Zuschau- an der Handlung beteiligt ist.

Ein alpenländischer Literaturkritiker, im wachen Leben wenig witzig veranlagt, träumte folgenden surrealistischen Witz:

"Ein Mann ohne Kopf kommt zu einem Friseur und der Friseur sagt ganz entsetzt: Ja wie soll ich Ihnen denn da die Haare schneiden? - Und drauf sagt der Mann: Aber regen Sie sich nicht auf, ich möcht mich doch nur rasieren lassen."

u meine seinerzeitigen Halbschlafwahrnehmung: "so schneckenschwer" habe ich folgende Erklärung: Es gab ein Gedicht der sehr konservativen H. F. Horst in den "Neuen Wegen", mit einer Stelle darin: "... so lerchenleicht ..." /übrigens durch einen Druckfehler entstellt: /. Wahrscheinlich ist eine Verspottung der Horst in meine Traumwahrnehmung mit eingebaut: "so schneckenschwer ist in Wahrheit die 'Leichtigkeit' einer solchen durch formale Gezwungenheit eingengten Autorin."

Es ist anzunehmen, dass nicht eine Kontinuität des Gedankenflusses besteht, sondern dass verschiedene Gruppierungen im Denkbarkeitsbereich liegen, von denen die eine oder die andere gelegentlich genug gewichtig werden, um ans Bewusstsein durchzubrechen und auch einen bestehenden Gedankenfluss zu unterbrechen.


Aufstand in Polen.

Ueber das Eintreffen des Heimkehrer-transportes, der vorigen Sonntag für den angekündigt worden war, ist noch immer nichts bekannt.

Rakosi ist nicht mehr Ministerpräsident Ungarns.

Gestern abends und heute früh Gides "Falschmünzer" fertig gelesen.

Dann Vorarbeiten für die Uebersiedlung fortgesetzt. Das schöne Wetter ist unbeständig. Schon gestern nachmittags trübte es ein. Heute ist der Himmel ganz bedeckt. Je nach dem Wind, dem Wohnraum und der subjektiven Verfassung scheint es kühl oder schwül zu sein.

Ordnungen in meinen Sachen gemacht.

Roček meldete sich für kommenden Sonntag an. Dann wird er für mehrere Wochen nach Rom fahren.

Mit Mama spazieren: Steinhofer Mauer, Gartenwege am Satzberg, das Wetter wurde gleich sehr schön und hielt so an.

Das Sonnenlicht steigert Landschaft und Leben: den gelben Steinbruch, den Laubwald mit seinem Gelb und Hellgrün, die Sommerblumen in den Gärten /wie mittaglich die ganzen Tage sind!/, Menschengruppen in Gärten: in Liegestühlen und auf Hockern um einen Tisch gelagert, einer geht im nassen Gras und giesst Blumen, ein Mädchen muss die Stiegen auf-waschen, viele Hunde laufen in den Gärten umher und Nachbarhunde bellen einander an.

In einer Baumkrone über dem Weg sägt ein Mann; ein anderer auf dem Boden ordnet die abgesägten Stücke.

Setzten uns zu Westermayer und tranken je ein Krügel Bier. Westermayer hat seinen "Vorgarten" erweitert, das heisst, n Buffet noch mehr Tischchen und Hocker gestellt; umzäunt ist dieser Vorgarten nicht; er Strasse, die um die Steinofer Mauer führt; vormittags gehen viele Ausflügler diese Strasse, mittags nur einzelne Menschen aus den Schrebergärten.

Von den aus sehen wir das südliche Panorama von Wien; blassblau die Ebenen und die kaum dringenden Berge hinter den Fabriken von Meidling, dann die Gehege und die weiss-lila Häuser des Südwestens von Wien über St. Veit bis nach Hütteldorf und in den Wiener Wald.

Um Zeit , nahm ich mir versuchsweise vor:

Die "Falschmünzer" sind ein grossartiges Buch. Ich ziehe Gide dem Hemingway vor. Gide ist vielfältiger und durch seine psychologische Polyphonie wahrer. Kein Vergleich auch mit dem , armen Sartre. Ich habe die "Falschmünzer" nicht nur interessiert, sondern auch liebevoll gelesen.

Nm.Pol. kam. Maja hat vorgestern ihr Kind, ein dunkles Mädchen, bekommen. Ihre Wohnung ist jetzt in der Starchant-Siedlung. Auch die Frau mit dem Kind wird bald hinzuziehen, im Spital braucht sie nicht lang zu bleiben

Pol. brachte das Belegexemplar des Wienbuchs für Paul. Er demonstrierte mir schlechte , wie er sie jetzt bei verschiedenen Gelegenheiten /im Radio und in den NW/ kritisiert, um sich mit der Zeit eine Bibliothek aus Rezensionsexemplaren zu schaffen. Er zeigte mir seine Wohnung. Es regnete am Nachmittag.

Abends dachte ich über meine Haltung im Büro nach und Richtlinien:

Was ich neulich mit Bezug auf den Kampf gegen die Vorgesetzten niedergeschrieben habe: dass ich den Kampf aufgegeben habe, weil ich die Situation weder für die anderen noch für mich ändern kann, gilt auch für meinen Kampf gegen die Kollegin Huber. Ich lebe seit langer Zeit nicht mehr in gespanntem Verhältnis mit ihr; ich gehe längst nicht mehr mit meinem ganzen Wesen in die Gespräche /das ist das Geheimnis meiner Immunität/; ihre Ansichten und die Gestaltung ihres Lebens sind schliesslich ihre eigene Sache. Was mich immer noch daran ärgert, sammle ich in den Behälter, den ich mir im Sinne der Rationalisierung des Aergers gebaut habe: auch aus ihm hoffe ich für die grössere Gemeinschaft gültige Ergebnisse schöpfen zu können.

/Uebrigens: Seit sie im praktischen Leben meinen Zorn und meine Geduld kennt, unterdrückt sie mich nicht mehr. Und das ist für die Gesundheit gut; denn wir sind an die gleiche Galeere geschmiedet./

Ich habe noch nie, wie man schlampig sagt, "ein Mädchen gehabt". Auch in den früheren Jahren nicht. Aber es ist ein Unterschied: ob man in einer solchen leeren Zeit unbeeinflusst gelassen wird oder ob man von dem zersetzenden Gespräch von Leuten, die der Liebe zynisch gegenüberstehen, innerlich gestört wird. Huber ist eine solche Zerstörerin und hat zu einem grossen Teil meinen heutigen Zustand geprägt. Verzicht auf folgt die starke Verhaltenheit meines Ausdruckes, ja meiner Gefühle in den letzten Jahren.


Bauer seit Montag zurück, Huber seit Freitag im Urlaub.

Stand wieder zeitig auf, um einiges ins Tagebuch eintragen zu können.

Weniger Arbeit im Büro. Erledigte meine Rückstände. Die Druckerei schickte mir die Bürstenabzüge meiner Karteikarten, ich gab sie frei. Abends kam Hitchman aus Zürich.

Ich sah mir im Flötzersteig-Kino den schwedischen Film an: "Gefahren der Liebe". Er will Spielfilm und Aufklärungsfilm zugleich sein. Er ist in Wahrheit keines von beiden. Er ist nicht genügend lehrreich, und die Handlung ist sehr schütter.


Di 7 7 53:

Früh aufgestanden, konnte manches ins Tagebuch eintragen. Sehr sonnig.

In der Früh las ich in der Zeitung von der jährlichen Preisausschreibung eines deutschen Verlages für Romane junger Autoren. DM 20.000.-- schon bei Annahme, Garantie einer Auflage von 100.000 Exemplaren. Diese Nachricht machte mir einen wirren Kopf.

Im Büro bleibt es ruhiger als während der vorigen Wochen. Abends zu Fritsch, das letztemal, bevor sie übersiedeln.

Fritsch las aus seinem Roman, dann besprachen wir ihn, dann hörten wir /alle drei/ den carmina burana und den Catulli carmina von Orff zu; die carmina burana, "synthetische Volkslieder", wie ich sie im Spass nenne, sind einfach und nie langweilig; Sie gehen , dynamisch und idyllisch zugleich, in das Gefühl.

Fritschs Frau war hübsch, in einem einfachen und lieben Sommerkleid.


Mi 8 7 53:

Früh im Bett Eintragungen.

Heisser Tag. Ich wäre lieber zu Hause geblieben. Aber ich sah mir wenigstens, während ich ins Büro fuhr, die sommerliche Vorstadt und Stadt rings um die Strassenbahn-Strecke an.

Vormittag wenig zu tun, obwohl Hitchman im Büro ist und Huber fehlt.

Bekam beim Kiosk endlich die seit zwei Wochen fällige Nummer der "Schau". Von meinen Glossen ist keine drin.

Eigentlich begreife ich nicht, dass es unter meinen Arbeiten solche gibt, die Hakel gefallen. Er ist ein solches physikalisch unmögliches System aus morgenländischem Lebensgefühl und abendländischer Ueberbildung, dass kein Abendländer und kein Morgenländer sich mit ihm verstehen könnte, ausser auf der unechten Grundlage der Unterwerfung, geschweige denn ihm genügen könnte. Dabei ist Hakel manchmal, wenn ich mich um ihn wenig bemühe, zu mir unglaublich lieb.

Ein Exemplar der Badischen Nachrichten kam, in dem die publ. besprochen stehen. G. Kirchhoff hat ein bisschen verdreht, was ich ihm seinerzeit zur Information über die publ. geschrieben habe.


Heiss. Ich habe fast nichts zu tun gehabt, obwohl Hitchman vormittags wieder ins Büro gekommen ist. Die anderen haben heute genug zu tun, ich bin dieses Mal die Ausnahme.

Nachmittags verdüsterte sich das Wetter. Ich machte abends Dienst /hatte mit Marchsteiner getauscht, weil sie sich für heute verabredet hatte/.

Um 17,30 kam Hitchman wieder. Er diktierte mir ein ziemlich langes Fernschreiben. Um 19 Uhr durfte ich, ziemlich müde, heim.

Tante bei uns draussen. Von Stuttgart ist ein Brief für mich gekommen: die freundliche Ablehnung meiner Gedichte. Tante übernachtete bei uns.


Wieder früh auf.

Beria ist abgesetzt und aus der KP ausgestossen worden. /Nachmittags hörte ich, dass er auch schon verhaftet worden ist./

Im Büro wieder wenig zu tun.

Ich durfte schon um 16 Uhr heimgehen, als "Vergütung" für den gestrigen späten Dienstschluss.

Jandl schrieb mir wieder einen Brief, sehr herzig.

Paprikaschnaps: weil die käuflichen derzeit schlecht sind, setzten wir selber einen an.

Gutes Abendessen.


Set gestern stark abgekühlt. Schrieb den Antwortbrief an Stuttgart.

Büro.

Roček ist ein kalt blitzender Jüngling, wesensverwandt mit Weissenborn. Ueber seinem Schreibtisch hängt ein Blatt Papier: "Ich will!".

Die Reinheit solcher Jünglinge ist penetrant und wächst der Hure entgegen.

Nachmittag: Brief nach Freiburg geschrieben, Tagebuch nachgetragen. Abends Schratten-berger Wein; er ist dieses Jahr süsser als die Jahre vorher.


Früh, als ich aus dem Küchenfenster sah, notierte ich:


Dieses Wochenende konnte ich einiges zu Hause aufarbeiten. Früh hatte ich noch Zeit zu ein paar abschliessenden Ordnungen.

Die Kurzgeschichte um die beiden, die Journalisten werden wollen, könnte ich doch fortsetzen.

Huber diese Woche wieder im Büro. Sie hat ihren Urlaub unterbrochen. Meine Untersuchung von unlängst über unser Verhältnis erscheint mir heute nicht umfassend genug. Ich nehme mir vor, sie zu revidieren.

Abends schon wieder wolkig und abgekühlt.


Wohnten wieder auf C 4 18, dort war es aber viel schöner, als es dort je gewesen war. Farbiger Spaziergang durch Steinhof, auch unwirklich schön. Ging, laube ich, mit R. Mi., einem Freund aus der Schulzeit; das Gespräch war unbefriedigend, darüber war ich traurig. Wir trennten uns, ich lud ihn für ein nächstes Mal ein. Ich fragte ihn, ob er kommen wolle, oder ob ich zu ihm kommen soll. Er sagte, zuerst hatte er wollen, dass ich ihn aufsuche, dann aber habe ihm Steinhof gut gefallen. Ich sagte: "Das Land liegt so schön." /Wir kamen aus dem bunten Wald und sahen auf Hütteldorf, das farbig un gegen-über lag./

Später ging ich zum Tor der C 4.

Mama und ich freuten uns an der neuen Wohnung sehr.

Ein junger gelbbrauner Hund war auch da.

II. Ich kam aus dem neuen Krieg zurück. Aus einem Haus hörte ich ein Gespräch über Kompensationsgeschäfte; es waren Geschäfte mit Opium.

Abends kam ich vor das Haus einer jungen verheirateten Frau. Ich erzählte ihr von den letzten beiden Kriegen: Im neuen war ich im Feld gewesen, im zweiten Weltkrieg war ich noch zu jung gewesen, aber fast hätte man mich auch damals schon verlangt. Sie sagte, wie ges ist, dass nicht einmal die Jüngsten verschont worden waren.

Die junge Frau hatte eine Besorgung. Sie ging mit mir die reisigfarbene Strasse entlang. Seitlich leuchteten die goldgrünen Bäume, später lagen sie dunkelgrün. Wir sprachen freundlich. Unterwegs fasste ein Knabe ihre Hand und sagte grell: "Grüss dich, Herzerl!" Ich hatte den Eindruck, dass er sie als Hure verspotten wollte, weil sie an diesem Abend mit mir ging. Sie sagte mir, dass sie ihn strafen würde, wenn sie zurückkäme. Ich fragte sie:

"Wie lange können wir noch mitsammen gehen?"

Sie sagte: "Ich gehe nach Dublin." /Dublin war am Ende der langen, immer geradeaus führenden, Strasse./

Ich fragte sie später: "Bist du glücklich?"

Sie sagte: "Nein."


Gegen Morgen träumte ich.

Die Träume enthielten Farben und Gfühle.

Bemühte mich, einige Erinnerungen an sie niederzuschreiben. Das fiel mir sehr schwer. Unterwegs dachte ich über den Inhalt de Traums und seine Verwertung nach.

Gefühle, die ich lange nicht mehr erlebt habe, sind mir im Traum wieder nahegekommen. Das zeigt, dass man nicht seicht geworden ist; man kann sich aber im Lauf des Lebens weit von den Tiefen entfernen; wahrscheinlich sie sogar hinter den Horizont verlieren.

Es ist schwierig, Gefühle mit Worten wiederzugeben. Soll man den Gefühlsinhalt einer Situation abstrakt verzeichnen oder soll man sich auf die Schilderung des sachlichen Teiles der Situation beschränken? Kann man darauf vertrauen, dass das Gefühl in die Bilder, in die Worte, in den Klang eingehen und durch die sachliche Schilderung hindurchscheinen wird?

Und kann man darauf vertrauen, dass aus dem sachlichen Teil der Situation die genügende Voraussetzung für das Entstehen einer der des Autors gleich-artigen psychischen Situation genommen werden kann?

Diese beiden rettden Möglichkeiten /die eine Gefühls-tränkbarkeit von neutralen Trägern, etwa Worten; die zweite sachliche Hinleitbarkeit auf ein Gefühl voraus./ ergänzen einander: die zweite Methode legt den Ort für das Gefühl fest, die erte ent-wickelt es und intensiviert es.

Die "Bekanntschaften", die in den Städten geschlossen werden und dort die Liebe ersetzen, der Idyll zu.

Im Büro fast nichts zu tun.

Abends haben uns Fini und Theodor Pobisch überraschend eingeladen, den Abschied von ihnen zu feiern. Zuerst bei Westermayer, dann in Bernklaus Garten getrunken und gegessen . 23 Uhr heimgekommen.


Regnerischer Morgen. Müde. Vormittags noch wenig ge-arbeitet. Mittags kam die Kartei. Ich freute mich über sie wie ein Kind. Begann gleich, die Karten anzulegen. Den Nachmittag über beschäf-tigte ich mich zum grössten Teil mit dieser Aufgabe. Abends wurde es wieder nicht sehr spät.

Daheim den selbstangesetzten Paprikaschnaps filtriert. Das dauerte sehr lange; Mama ärgerte sich, ich führte während-dessen meine Aufzeichnungen weiter.


Früh auf. Tagebuch. Hellblauer Morgen.

"ARGA" ist pleite gegangen. Die Firma, bei der ich angestellt bin, hat dadurch 1 Million Schilling verloren.

Abends sehr viel Arbeit im Büro. Daheim Brief von Demus, ich soll Paul CelanGedichte für eine Anthologie schicken. Ich freute mich, auch weil ich gedacht hatte, dass Celan mich nicht leiden kann.

Es sind jetzt immer angenehme Abende zu Haus.


Wieder sonniger Morgen.

Brief an Celan geschrieben. Morgen habe ich bürofrei. Die Kinder haben Ferien.

Befasste mich den Tag über hauptsächlich mit meiner Kartei.

Abends den Brief für Celan fertiggemacht.


Linzerstrasse: Wäsche.

In der starken Vormittaghitze schürte ein Gasarbeiter das Feuer unter einem Teerkessel. Erst nachmittag hat er frei, sagt er.

Ich kaufte mir bei Westermeier, dem Mann mit der guten Kühl-anlage, eine Flasche Sodawasser. Zu Haus trank ich sie mit Genuss.

Erprobten pommes frites; sie gelangen Mama sehr gut.

Arbeitete für mich. Keine Post kam.

Nachmittag mit Kein in den Garten . Er hatte ein gutes Gedicht, wir suchten dafür einen schönen endgültigen Titel. Er half mir bei meiner Kurzgeschichte.

Die erste Seite gefällt ihm sehr gut; vielleicht werde ich die folgende Seite umarbeiten und die Geschichte doch fertig-schreiben.

Jetzt kommt Kein erst wieder in vier Wochen.

Arbeitete noch ein wenig an Aphorismen.

Abends statt Bier wieder Sodawasser. Wahrscheinlich ist es mir nützlicher, nichts Alkoholisches zu trinken.


Regentag. Blieb länger als sonst im Bett, wollte ursprünglich überhaupt drinbleiben, hatte aber dann Arbeiten für die Uebersiedlung.

Den Rest des Vormittags für mich ge-arbeitet.

Nachmittag: Die Rückstände habe ich aufgearbeitet, dann habe ich mich für den Rest des Tags niedergelegt.

Regen und Sturm.


Der gestrige Regen hat die Luft abgekühlt. Der Morgen aber ist sonnig /man möchte heute noch frei haben/, und die Luft wird bald warm.

Huber hat ihre zweite Urlaubwoche genommen.

Mässige Arbeit. Schöner Abend. Spaziergang um die Steinhofer Mauer.


Früh fing ich eine längere Geschichte zu schreiben an. Guter Laune.

Im Büro genug Arbeit.

Kaufte mir ein paar Kleinigkeiten für daheim.

Den Abend angenehm verbracht. Sodawasser. /zischend und kalt, in eisblauer Flasche./


früh auf, um an der Geschichte weiter-zuschreiben.

Die Sonne scheinte am Morgen aus ganz klarem Himmel. Schon der . Mir fiel schmerzend ein, dass dies der meines 24. Jahrs ist.

Karten an Jirgal und Steinwendner.

Im Büro wurde ich mit der Auftragkartei fertig.


Sehr heisser Morgen.

An der Geschichte früh nur Korrekturen angebracht.

Büro: Grosseinkauf Direktor Stegers im USIA-Geschäft. Sehr heisser Tag.

Nachmittag: Witzmann nicht im Büro. Lange Mittagspause. Dann, um halb drei, wurden wir nach Hause geschickt. Ich hatte grosse Freude, fuhr gleich heim; wir wussten aber mit dem freien Nachmittag nichts anzufangen, denn Mama war müde, und mein Schwung war bald bei.

trotzdem: Diese Sommertage sind so schön.


Früh im Bett wieder geschrie-ben. Im Büro sehr wenig zu tun. Angenehmer Abend.


Ich hatte geträumt, dass ich an BriggisHaus vorbeifahre. Sie ruft mich, aber ich komme nicht zu ihr, obwohl ich sie liebe, /denn ich glaube nicht, dass ihre Liebe jetzt schon genügend stark ist/.

Etwas später schickt sie mir einige kleine Photographien; eine davon zeigt Briggi an der Seite ihres Mannes in der Kirche, in der sie getraut wird, eine andere zeigt das Paar ins Schlafzimmer schreitend, wo das Bett bereitsteht.

Während ich die Bilder betrachte, verfliesst Briggis Gestalt mit der Gestalt Susis, die vor einigen Monaten wirklich geheiratet hat.

Zwischen Fenster und einem Vorhang aus Glas verfängt sich eine bissige Katze. Ich halte ihr eine Stoffkatze entgegen, in deren Bild auf dem Glas sich die bissige Katze verbeisst. Ich steigere ihre Wut, als ich ihr eine Pfote der Stoffkatze gegen den Rachen strecke; sie klappt den Rachen zu und it ohnmächtig vor Zorn, als ich die Pfote der Stoffkatze unverletzt zurückziehe.

Ich spaziere in Paris und sehe Kaffeehäuser mit gelb-orange-gestreiften Lapionen in den Auslagen. Weiter komme ich vor ein Haus, in das ich dann eintrete. Ich gehe mehrere Stufen hinunter in einen Keller. Dort laufen an einer Leinwand zwei farbige Tonfilme. Die Bildflächen sind klein, und eine von ihnen zeigt Szenen einer Explosion.

Das Zentrum der Explosion wirft braune und schwarze Teilchen in die farbige Umgebung, die sie in kurzer Zeit völlig verdunkeln.

Früh wieder geschrieben.

Wenig Arbeit im Büro.

Gestern und heute sehr heiss. Heute wolkenlos.

In der strahlenden Mittaghitze in den Garten gegangen. Dort im Schatten gesessen und geschrieben. Schmerzhaft deutliche Sehnsucht nach dem Mädchen.

Nach privaten Notizen machte ich mich wieder über die längere Geschichte. Mama holte mich abends ab.

Morgen gehen wir mit Tante und Paul fort.

M. und T. hatten Maja getroffen, die ihr Kind zum ersten Mal spazieren führte. Es heisst: Aglaja.

Abends sang ich, während Mama Obst einkochte, zu Ehren meiner eunde ein Liedchen:


Spaziergang auf den Satzberg.

Unsere Besucher blieben den ganzen Tag bei uns. Schönes heisses Sommerwetter. Nach Mittag ging ich in den Garten und schreb an der längeren Geschichte.


Früh wieder geschrieben. Der zeitige Morgen zeigte einen leicht bewölkten Himmel. Bei diesem Wetter müsste man wandern.

Bald wurde es wieder wolkenlos und strahlend heiss.

Im Büro mehr zu tun.

Begann an meiner längeren Geschichte zu weifeln.

Abends regnete es. Kretschmer räumten das Kabinett vollständig. end Huber ist wieder im Büro.


Konnte länger im Bett bleiben. Gab mich meinen Gedanken hin. Las m meine bisherigen "Kurzgeschichten".

Im Büro beginnt eine grosse Arbeit für mich.

Abends fing mich Polakovics ab und schleppte mich zu sich, seiner Frau und Aglaja. Das Kind sieht hergenommen aus. Maja gibt wenig Milch.

Polakovics las mir aus dem Material der "Neuen Wege" vor.

Er sagte sich, seine Frau und Aglaja für Samstag achmittag bei mir an; wir werden in den Garten gehen.

Später Abend zuhaus.


ist abgekühlt. Ich hatte früh viel zu tun. Geschichten nicht weiterschreiben.

Um zehn Uhr verliess uns Machwitz.

Für den Restder Woche bleiben wir allein. Ich machte mich über meine umfassende Arbeit, die Kollegen hatten weniger zu tun. Punkt fünf Uhr schickte uns Witzmann heim.

Freundlicher Abend. Den Küchenofen ins Kabinett versetzt.


Nachts schweres Gewitter. Schlief unruhig, träumte wirr /aber wieder farbig; daran erinnerte ich mich morgens genau/.


Ein Gang mit cremefarbenen Seitentüren. Teils Fabrik, teils Wohnräume eines Ingenieurs und dreier Mädchen. Am nde des Ganges standen die Namen der Zimmerbewohner angeschrieben. Ich merkte mir die Reihenfolge mit Hilfe der Anfangsbuchstaben, die ich zu mnemotechnischen Gruppen zusammenfügte; eine dieser Gruppen hiess "FETT". Die drei Mädchen hatten Namen mit E., F. und F.

Es gab auch ein Fenster, aus dem eines der drei Mädchen,: ein besonders hübsches, hinaussah. Ich ging mehrere Male vorüber und fing ihren heissen Blick. Sogleich aber wurde mir ihre Geschichte erzählt:

Sie hatte, als sie noch wenig erfahren war, einen Mann geliebt, der mit ihr nur gespielt und der sie bald verlassen hatte.
/Es erschien die Zahl "12"./
/In einer grünen Netztasche lagen Aepfel./
Als sich ihr nach leeren Jahren eine neue Gelegenheit bot, habe sie zugegriffen, diesmal alles leicht nehmend und mit raffinierten Mitteln ausge-rüstet.
/Die Zahl "24"./
/Wenige Pfirsiche wurden auf die Aepfel gelegt./
Mir tat leid, dass ich das Mädchen in ihrem Luder-Stadium kennenlernte, und ich löste den Traum auf.

Unregelmässige Arbeit im Büro.

Abends kam ich in das Gewitter. Auf dem Stephans-platz wurden wir bis auf die Haut nass. Stromstörung auf der 46-er Strecke.

Traf den Magnetophonmann.

Trotz dem Wetter um Bier für Mama und Sodawasser für mich zu Westermeier gegangen.

Fiel dann gleich ins Bett.

Nachts hörten Radio; eine sehr schwache Austauschsendung mit Paris und das unheimliche Hörspiel "Der Autostopper", das mir Polakovics vor langer Zeit erzählt hatte.


Wieder unregelmässige Arbeit.

Abends erzählte mir Christl, aufgeeckter als sonst, dass sie geheiratet hat. Ich freute mich für sie und zeigte ihr diese Freude auch.

Letzter Julitag.


Trübes, kühles Wetter. Früh nur Eintragungen. Büro wenig Arbeit.

Nachmittags schrieb ich, was bisher von der längeren Erzählung, ins Reine. Polakovics kam mit Maja und Aglaja.

Ihnen gefiel mein Garten. Wegen des Wetters blieben wir nicht lang dort. Ueber die "Simmen der Gegenwart " gesprchen.

Im Kabinett stillte Maja ihr Kind.

/Hätte ich diese Idylle vorausdenken können?/

Leider habe ich Povics nichts zu bieten, seit er sich angeschlossen hat.

Hakel hat Polakovics' Charakter in der unserer gemeinsamen Arbeit ei den "Neuen Wegen" kennengelert hatte, gelöscht.

Abends noch alles für die morgige Fahrt vorbereitet.


Um halb acht nach Mönichkirchen abgefahren. Angenehme Plätze im Autobus. Schon bis halb neun /Wiener Neustadt/ kam ich ganz auf meine Rechnung; sah alles, was eine Ebenenfahrt bieten kann.

Auch die Orte südlich von Wien reizvoll: modern und alt, gepflegt und verwahrlost, städtisch und ländlich. Die Gärten am Wege. Gegen halb neun bedeckte sich der Himmel mit langsam ziehenden kleinen grauen Wolken. In Wiener Neustadt hielt der Autobus für ene Minute, und ich konnte einenSatz aufschreiben, den ich unterwegs erarbeitet hatte.

Nach Wiener Neustadt begann Föhrenwald.

Kleine Orte, schon in hügeliger Gegend.

Viele Häuser werden gebaut, voll von frischen Ziegeln.

Aspang. Dort hielten wir länger. Hauptplatz einer Provinzstadt. Die Kirchenbesucher standen bei-einander und sprachen. Bürschchen, schon städtisch gekleidet und frisiert, schlenderten umher.

Letzte halbe Stunde vor Mönichkirchen. Der Wg wird steil und schlecht. /Die Strasse wird ausgebaut; heute am Snntag stehen Motoren und Bagger still am Strassenrand oder auf einer Hälfte der Strasse./ Serpentinen. Als wir weiter oben sind, wird die Strasse wieder gut, aber wir fahren in Kälte und Nebel hinein. Wir bereiten die Regenmäntel vor.

Von der Einfahrt nach Mönichkirchen sehen wir nichts. Nur ein paar Nadelbäume, bevor sich der Nebel schliesst. Wir steigen aus und gehen die Strasse entlang, biegen dann zu einem Kirchlein, das gerade ausläutet. Dann gehen wir hinauf auf die Schwaig, wo es klar sein soll. nterwegs finden wir Schwämme nahe . Feuchte Wiese. Die Nebel bleiben hinter uns zurück. Wieder im Wald. Dann liegt vor uns die Alm.

Mittag-gegessen auf einem Gasthof. Eine langweilige Gesellschaft in der Nähe plauderte, ein Mädchen schnitt Pilze. Vom Sessellift kamen Sportschlurfs und Hosenmädchen. Manche kamen in Autos oder auf Motorrädern herauf. Immer wieder hörte man das Sonntagsjodeln der Städter oder das Schlurf-Geschrei /darunter immer noch: "he babariba!"/.

Wir spazierten nach Mittag auf der Alm und gingen um halb drei den Weg zurück; suchten Schwämme und Beeren. In der Nähe fuhr der Sessellift. Wir sahen ihm zu, wie er die Menschen auf die Alm und hinunter in die Stadt beförderte. Ueber den Wäldern sassen die Menschen hoch, die gelben reifen Felder streiften sie fast. Reizvll sah ein Mädchen aus, schwarz bekleidet, blond, sehr jung, wie sie langsam über die Landschaften schebte, zuvorletzt über das gelbe Feld nahe der Stdt, aus dem sie dann hochstieg und knapp danach hinter dnk. Weiter n diser Richtung lag die Steiermark, und etwas östlicher glänzte ein Fenster aus dem Burgenland.

affeehaus auf der Hauptstrasse; moderner als das durchschnittliche Café in Wien; besitzt die Apprate und die leichte Aufgefrischtheit des . Herinnen sass, wenn man von uns absieht, "gepflegtes" Publikum. /Eine alte Dame, die Patence legte ein untersetzter gutgekleideter Herr, der in würdiger Weise bemalte Gattinnen und ein glattes Bürschchen, das von den Kellnerinnen umschwänzelt wurde und auf seine kurzen Fragen lange Antworten erhielt./ Von hier aus dachte ich an Cysarz und grüsste ihn.

Wir sahen uns den Ort Mönichkirchen an. Ueber die nahe Demarkationslinie, Steiermark, gingen wir nicht. Die Kontrolle soll aufgehobenn, aber die Posten stehen noch umher, und diehranken sind noch nicht niedergerissen worden.

Ein schmaler Weg, seitlich Himbeersträucher. Kletterten den Hang hinauf, kamen in eine abgemähte Wiese, schlichen an ihrem Rand weiter. Ueberquerten die Wiese, schlüpften durch Stachel-draht und erreichten so eine höhergelegene Strasse. Kühe weideten, ein Bub hütete sie. Eine Kuh verlief sich über die Strasse. Nahe lag ein Bauernhof.

Ein kleinerer Bub mit Schulbüchern unter dem Arm rannte aus der schweren Tür des Hauses. Paul, der ihm begegnete, fragte, ob es bei ihnen Most gibt. Der Bub sagte in reinem Deutsch: "Nein." Paul fragte ihn: "Weisst du, wo's einen Most gibt?" Der Bub sagte noch einmal: "Nein." und rannte dann weiter.

Die Villenstrasse. Schwarzbraunes Holz auf weissen Steinen.

Noch eine Stunde Zeit bis zur Abfahrt des Autobus. Belebung auf der Hauptstrasse von Mönichkirchen. Spaziergang der Krankenkassen-urlauber. Verkümmerte Frauen und erstaubte Männer; Arbeiterinnen und Stenotypistinnen, die hee lachen und Freunde haben, und sehr bald verblühen und allein bleiben. Manche suchen sich hier an einen Mann anzuschliessen /eine u mit grüner Bluse und kurzer weisser Leinenhose, aus der prall die Schenkel treten, findet mehrere, umgibt sich mit ihnen/. Manche spazieren allein.

Im Gasthausgarten, wo wir die letzte Zeit verbringen, laufen jenseits des Zauns Hühner. Wir füttern sie zuerst, dann fällt uns eine Katze auf, ganz jung, die mitten unter den Hühnern sitzt. Ich stecke ihr durch den Zaun ein Stückchen Salami zu. Ein Huhn entreisst es ihr und hackt sie mit dem Schnabel ins Gesich. Das wiederholt sich. Die Katze wagt sich nicht mehr an den Zaun, wo die Hühner versammelt gackern und flattern. Sie liegt blinzelnd und zusammengekrümmt auf dem Boden, weit hinter den Hühnern. Ich versuche es mit einem Fernwurf.

Aber die Hühner stellen sich sofort um und hacken ihr auch diesen Bissen aus dem Mund. Ein Hahn geht über sie hinweg. Ich, wenn ich Katze wäre, würde mir zunächst Respekt verschaffen; ich habe doch nagelscharfe Krallen, gute Zähne und einen heimtückischen Sprung. Das ganze Hühnervolk spränge auseinander.

Die Katze liess sich nicht überreden. Ich führte noch einen Brennesselstab in den Kampf ein /mit einem geknickten Stab fing ich ein Brennesselblatt; damit ätzte ich die Hühner, während ich die Katze zu füttern versuchte/. Auch diese Wunderwaffe half im grossen ganzen nicht. Die Kämme zuckten manchmal, aber ich konnte gegen die Ueberzahl der Gegner nicht siegreich bleiben. Wir stiegen in den Autobus,ohne der Katze viel genützt zu haben.

18 Uhr Abfahrt. Es ergriff mich, die Landschaften von heute frhabends wiederzusehen. Liess kaum für ein paar Sekunden die Strassenränder aus den Augen und die Gärten und Feldstreifen, die an der Strasse lagen. Millionen Gräser, Wiesenblumen, Feldblumen. Die einzelnen Fleckchen, jedes schon in tieferer Dunkelheit.

Wiener Neustadt, abendliche Strassen; eine Strasse lang Grosstadt. Grellbeleuchteter Gasthausgarten.

Dann die Ebenefahrt nach Wien. Wilder Abschied von dem Land. Der Blick hin und her gerissen zwischen dem Gras, schon ganz dunkel über der Strasse, und der Weite, in der man schon die Stadt spürt.

Stärker und stärker drängen die schonunglos leidenschaftlichen und die schonunglos genauen Gedaken, noch während sie beide ihre Ergebnisse suchen, nach der Vereinigung ihrer Ergebnisse.

Immer scher die Fragen, denn die Zeit läuft ab: Ausdruck. Wie hat man gelebt? Und das Mädchen. Die Reize der Stadt? Was ist das Wesen des Dorfes? Wenn wir die Stadt verschmähen, ist das: Untreue? Könnte man die Stadt wohnlich machen? Einen Abend in der Stadt zu sein; Sehnsucht des Landkindes; Einfahrt in die beleuchteten Strassen; dann ein Haus in der Stadt, für eine Nacht; sucht man das immer Neue? Oder sucht man das Bziehungsreiche? Wäre, wenn man gemeinschaftlich lebte, jeder Ort gleich erfüllt? Ist man allein, ist man nie allein? Kontakt auch ohne hysische Nähe. Warum dann die Unerfülltheit? Das Mädchen. inden

Das Mädchen: der Reiz und die Liebe. Die Gedanken Das Verfliessen der unkörperlichen Begriffe, wenn nicht gerade die Wirklichkeit wirkt, die hinter ihnen steht.

Auch wenn man Liebe erlebt hat, kann es später unmöglich werden, sie anders als abstrakt ins Gedächtnis zu rufen, oder mit der Hilfe von Dingen, die an sie geknüpft waren, ie sie aber enthalten; ungerufen kommt das Erlebnis freilich öfters zurück; nicht nur im Traum; Gedichte sind da Katalysatoren.

Was, wnn nicht das Gedicht, kann das Erlebnis als solches vermitteln, also punktförmig und ohne es aus den Voraussetzungen auszubrüten? Freilich: wie spezifisch? Aber die subjektiven Erlebnisse dürften den Menschen gemeinsam sein, so sehr die Koppelung mit den realen Grundlagen auch die Unwiederholbarkeit der Erlebnisse vermuten lässt.

Die Gesamtheit von Beziehungen zu einem Mädchen ist noch nicht die Liebe; die Liebe ist jene unzusammengesetzte psychische Qualität, die allen Zeiten und Menschen gemeinsam sein dürfte, die aber unlös-bar assoziiert ist der "Wel" /also der spezifischen Gesamtheit/ des einzelnen Liebesfalles. Bis ins Innerste erregender Widerspruch: ihre Ewigkeit und ihre Einmaligkeit.

Verrät man die Liebe an die Erotik? Oder verrät man den Augenblick an die Idee?

Einfahrt in die Stadt ... Benzingeruch, Bahnen. Beleuchtete Auslagescheiben; schon Mädchen, glänzend angezogen, und Männer der Stadt: Liebespaare der Stadt.

Ich hasse sie, weil sie ihre Schalheit als Stärke empfinden. Was haben sie aus der Schönheit gemacht.

Es ist warm in Wien. Mit "Liebe" locken sie einander ins Leere.

Wieder auf den gewohnten Strassenbahnen gefahren. Aber wie in einer anderen Stadt. Heimgekommen wie weit vom Morgen entfernt!

Artmann war nachmittags "bei mir" gewesen, hat eine halbe Stunde mit Mama geplaudert. War in Deutschland, Paris und so fort. Prahlte für sich und auch für mich. /Ich wäre in Paris bekannt ...../Esther ist in die Schweiz zurückgefahren und wird vielleicht nach Wien kommen. Artmann aber scheint es lieb zu sein, wenn diese Beziehung bricht. Esther ist schizophren.


Erzählte Briggi von meiner gestrigen Fahrt; Briggi aber geht es schlecht. Sie sagte mir nicht, warum.

Bin stadtmüde. Es ist auch in Wien jetzt kühl. Büro: fast nichts zu tun. Man spricht von der Auflassung der Firma.


Abends bekam ich das Heft "Frde an Büchern". Einen alten Besen repariert. Polakovics kam und brachte mir eine Kinokarte für morgen.


"Fahrraddiebe” ein ausgezeichneter Film.

Vor dem Künstlerhaus-Kino traf ich ausser den zwei auch die zwei Hakel und deren Liebkind, die Haushofer. War von ihr entzückt; hatte mir Marili nach ihrem Photo anders vorgestellt. Sie ist die junge Frau eines Arztes in Steyr.

Mit vom Kino gefahren. Begleitete die beiden bis vors Wasserwerk. Seit sie Hakels Jünger geworden sind, während ich ohne Meister geblieben bin, sehen sie mich als einen an, der nicht weiss, wohin er gehört. Mich stimmt traurig, dass ich sie dadurch verloren habe.

Mittwoch Abend: Zwei Hefte des "Karlsruher Boten" wurden mir gesandt. Donnerstag Früh gelesen: nichts wert.


Regen.

Früh Briggi getroffen. Gelockerter als am Montag mit ihr gesprochen.

Siführt kein Tagebuch mehr, denn sie will zu ihrer Vergangenheit keine Beziehung haben.

Neue Funktion: Ich bin "des zufriedenen Mädchens Gedächtnis"; denn sie hat vieles aus dem Jahr schon vergessen.

Einige monumentale Gedichtzeilen:


Kühlere Tage.

Generalstreik in Frankreich. Lebensmittelaktion der Amerikaner für Ostberlin, Reaktion der ostdeutschen Regierung.

Sehr viel Arbeit im Büro.


Blauer Himmel. Nun wieder sehr warm.

Früh auf, Eintragungen.

Viel Arbeit im Büro.

Nachmittag brachte ich den Photoapparat in Ordnung. Ka erst spät zum Schreiben.


Im Bett lange geschrieben. Trüber Himmel. Das Meinl-Plakat ans Gesellschaftsgebäude geklebt und dort photographiert. Will "drei gute Plakate dieses Jahres" aufnehmen und die Negative der "Schau" schicken.

Spaziergang mit Mama um die Steinhofer Mauer. Trafen unterwegs Maja uud Aglaja und begleiteten sie ein Stückchen auf ihrem Auslauf; wir zeigten ihnen die Savoyenstrasse, die für sie praktisch ist; ich photographierte Aglaja in ihrem Wagen.

Während des Spaziergangs mit Mama machten Mama und ich noch je eine Aufnahme. /Der Tag war sehr geeignet./

Nachmittag: Trickaufnahme im Kabinett, fortge-setzt im Garten, weiteres Bild aus dem Garten; dann lief ich, bis über die Jausenzeit, auf die Linzerstrasse und die Hütteldorferstrasse und jagte dort die übrigen zwei von den drei guten Plakaten dieses Jahres.

Müde heim. Westermeier. Geschrieben. /Nur die laufenden Eintragungen./

Ich sehe schon mehrere Sonntage lang eine kleine unentwegte Radfahrerin;

sie ist offenbar die Tochter der Buffet-Frau, die vor dem Eingang von Steinhof verkauft

sie und ihre Mutter sind zu uns sehr freundlich. Das Mädchen scheint erst diesen Sommer hierher mitgenommen worden zu sein, oder sie ist erst diesen Sommer beachtlich geworden.


Letzte Arbeitwoche. /Am beginnt mein Urlaub./ Genug zu tun.

Die beiden Chefs fuhren fort, wir wurden nach-mittags zeitiger als sonst heimgeschickt.

Solange die Sonne hochstand, strahlte sie heiss; aber schon am Nachmittag war es in der Wohnung kühl. Am Abend dann um die Steinhofer Mauer; auf dem Rückweg war es auch draussen schon recht frisch.


Viel Arbei. Trotzdem wieder früher nach Hause. Gestern Abend und heute früh hatte ich den Brief an Rüdiger, den Herausgeber des "Karlsruher Boten", und dann abgesandt.

Abend: Eintragungen. Kam erst heute dazu, die "Freude an Büchern" zu lesen.

Streik in Frankreich hält an.


Die Zensur wurde von den Russen aufgehoben. Unregelmässige Arbeit im Büro.

Die Photos vom vergangenen Wochenende sind fertig: die Plakate sind ganz gut gelungen, von den übrigen ich nur drei behalten.


Vorletzter Bürotag. Begann das ahen meines Urlaubs zu spüren.

Abends ging ich wieder den Gründen für mein Verstummen nach. Zu einer Heilung reichen die einzelnen Erkenntnisse nicht aus. Ich hätte es dringend nötig, mich zu sammeln.


Noch viel Arbeit. Uebergab meine Funktionen für die nächsten sechzehn Tage den Zurück-bleibenden. Nachmittag schickte uns der Doktor schon zeitig nach Hause.

Ich begann meinen Urlaub mit einem Besuch bei Hakel. Wollte ihm eigentlich nur die Plakat-photos hinbringen; er nahm sie nicht an, weil sie vo mir als das reine Lob gedacht waren und er keine Reklame für Reklamefirmen oder be-reklamte Firmen machen will. Aber er hielt mich auf und predigte mir gegen die assoziative, dann auch gegen die objektivistisch-impressio-nistische Art zu dichten. Er stellte "Stimme" gegen "Stimmung" und liess für den Bereich der Lyrik nur die "Stimme" gelten. Gegen seine Intelligenz und seine so tiefverwurzelte wie dickichtige Weltanschauung konnte ich nicht aufkommen; ich blieb, ihn und mich in Fragestellend, zurück; quälte mich, als ich allein war, um die Entscheidung; die Messer umso wilder gebrauchend, je stumpfer sie wurden.


Früh auf. Vor dem Reisebüro in der Stadt stehen die Autobusse für Frankreich- und Spanien-Nordafrika-Fahrten. Menschen in Khaki-Hemden und kurzen Leinen-hosen. Schwere Koffer werden verstaut. Verwandte stehen um die Autobusse umher. Manche in den Wagen, darunter sehr verbrauchte Städterinnen, beginnen es sich schon bequem zu machen. Ihre Fahrt dauert drei Wochen. Während dieser Zeit wird der Autobus ihre Wohnung sein.

Um halb acht unser Autobus für die bescheidenere Fahrt ins Burgenland. Sein Zil war nicht angeschrie-ben; wir klein. Die Durchgänge zu den Sitzplätzen waren eng. Er war aber rauchblau durchsichtig eingedeckt und er roch noch nach all den frischen Materialien. Vor allem die Bespannung der sehr bequemen Sitze roch stark.

Ausfahrt aus Wien durch andere Strassen als neulich. Die Strecke nach Wiener Neustadt dann dieselbe wie damals. Zuerst sehr dunstig, nach Wiener Neustadt dann blendend klarer Himmel. Abgebogen zur Leitha und zum Rosaliengebirge. Klein Wolkersdorf, dann durch die Berge nach Schleinz. Blühende Gäten. er wieder Wälder. Staubige Strassenränder: die Büsche und d Kräuter wie mit Kalk bespritzt. Nach Neustift. Rosalienkapelle. Dort erstmals gehalten /30 Minuten/. Zwei Aufnahmen gemacht. Sehr kleine Kinder spielten vor einem Hof. Sie wollten uns ihr Spiel erklären, wir verstanden sie aber nicht. Weitergefahren nach Forchtenstein. Aus de Schiess-Scharten Ausblick über die Hügel und in das Tal. Nach der Besichtigung der Burg / für mich sind diese Zeugnisse aus der Vergangenheit weniger eindruckvoll als die Zeugnisse des gegenwärtigen Lebens: die Häuser und Gärten unten / weitergefahren. Forchtenau, Mattersburg; ein eingebauter Radio-Apparat störte uns drinnen und die Vorbeigehenden draussen mit Wiener Liedern. Die Musik hörte während der ganzen Autobusfahrt dann nicht mehr auf. Wir fuhren, die Wiener Pest mitschleppend, zwischen den weiss und gelb gemalten Häusern, zwischen den Baumreihen und den Feldern, die zwischen Dorf und Dorf wuchsen, hindurch; die Menschen standen am Weg und schauten uns nach. Man gewöhnte sich auch rasch an die Musik. Walbersdorf, Pöttelsdorf, Zemendorf, Stöttera, Antau. Dann das erwartete Vula-Prodersdorf. Abgezweigt nach Siegendorf, plötzlich Eisenstadt zu, aber wieder umgelenkt nach Trauersdorf und St. Margarethen, das ja als Durchfahrtsort nach Rust vorgesehen war. Sandsteinbrüche, eine Hügelstrasse, dann vor uns der Neusiedlersee: schmaler Streifen, über ihm war es wieder etwas dunstig weisse Segel.

In Rust hielten wir um 13 Uhr für lang.

Wir assen Mittag. Viele Wiener und Grazer waren mit Autos gekommen, Kaufleute, Familien und ch Schlurfs.

Motorboote brachten die Besucher durch den Ruster Kanal an den Neusiedler See. Wir gingen etwa zwanzig Minuten entlang dem Kanal zu Fuss an den See und setzten uns aufs Dach der Badehütte. Badezeug hatten wir nicht mitgenommen; wir sonnten uns und schauten auf die Ruderboote und die Segelboote, die oft von Kindern / einem Knaben und einem Mädchen/ geschickt gelenkt wurden.

Auch hier photographierte ich.

Nach längerer Zeit, die wir hier verbracht hatten, gingen wir wieder nach Rust hinein. Kurzer Aufent-halt in dem Ruster Gasthaus-Vorgarten; Ruster Rotwein, sehr gut; aber ich trank nur einen Schluck, sonst durchwegs Sodawasser. Mein Durst war sehr gross. Eine Zigeunerkapelle spielte dort, in gelben an den Aermeln geschlossnen Hemden und roten bestickten Jacken; die Gesichter lb und ginell; mich ebenso wenig wie andere lebender Sehenswürdigkeiten.

Rust: die Strassen und Plätze durchstreift.

Stadt der Störche. Von ihnen machte ich drei photographische Aufnahmen. Alle Häuser freundlich, gelb gefärbt oder weiss gekalkt. Vor den Häusern sitzen au Bänken die Eiwohner, reden und schweigen. Weil l Weinkenner und Weingeniesser ist, suchten wir für ihn einen Hof aus, in dem Wein ausgeschenkt wurde. Dort unterhielten uns zwei Korneuburger Werft-Arbeiter; einer von ihnen sang, mit künstlerischer Unverschämtheit, Lieder und Parodien zur Gitarre; der andere warf ab und zu Dummheiten und Frechheiten ein; die beiden, die nur die Exponenten einer ganzen Gruppe von jungen Ausflüglern waren, machten das so gut, dass man auch als Gegner der Wiener Weinseligkeit und mancher einzelner Lieder nichts Schlechtes an der Vorstellung finden konnte, die sie sich zu ihrem eigenen Vergnügen und zum Vergnügen aller machten; das Vergnügen kostete übrigens nichts. Einen Pfarrer, der sehr freundlich an der Gesellschaft teilnahm, ekelten sie ungerechterweise hinaus; zu recht scharfen Liedern lächelte er noch oder aplaudierte sogar /diesen Pfarrerapplaus unter dem Lampion und hinter den Radaubrüdern photographierte ich/; dann aber wurden die Lieder immer gröber, sodass er seiner Berufs-Ehre zuliebe das Lokal verlassen musste; ihn selbst hätten auch diese Lieder sicher nicht verletzt.

Nahm Gänse auf, die in der Mitte der Strasse auf mich zuwatschelten; ich bedauerte, dass alle Bilder des Films schon verschossen waren, denn es gab - gerade am spätern Nachmittag - viele schöne Einzelheiten der Landschaft: rote Blumen beleuchtet, gegen den chattigen Garten; im Hintergrund der weiss besegelte See. Die Gräserstreifen, erst durch das schräge Licht jetzt abgehoben. Die Ebene wurde erst jetzt photographier-bar.

Wir stiegen um halb sechs in den Autobus und fuhren gegen Eisenstadt.

Oggau, eine Rosalia-Kapelle, Gschiess, nahe St. Jörgen, Eisenstadt. Dort drei . Kalvarien-bergkirche, herber Eisenstädter Wein; der Wirt erzählte uns, wie die anderen Wirte den Wen nach dem Publikumsgeschmack aufzuckern, chemisch zurichten und ausserdem pantschen. Er stimmte mit Paul überein, dass ein echter "Weinbeisser" immer natur-belassenen Wein trinken wird.

Spazierten die letzten Minuten, bevor der Autobus abfuhr, in ein paar Strassen von Wiener Neustadt.

Ich hatte de Wunsch, Kornelia Kollwenz aufzusuchen oder ihr durch jemand zu lassen als Zeugnis meines Besuchs in dieser Stadt. Aber kein Wunder ereignete sich, und wir fuhren, nun schon ohne Unterbrechung, die letzte Strecke nach Wien.

Klein-Höflein, Müllendorf, Hornstein.

Wimpassing und Wampersdorf an de Leitha. Ich mag die Städte, die an den Ufern eines Flusses liegen. Kleine Brücken von einem Stadtteil zum andern. Parks sind dort, und Stufen in den Fluss, in dem Kinder baden können; mit einem Mädchen dort am Abend zu sein.

Schon spät. Weigelsdorf, Ebreichsdorf erinnerten mich an drei Literaten. In Ebreichsdorf aber war es für kurze Zeit wie in einer schönen Stadt. Ein Mädchen spazierte hübsch auf der Strasse; ich freute mich an der konkreten Welt; /ich will nicht und kann nicht von ihr abs Gefühle einzu-engen und nur die mitzuteilen./

Kamen plötzlich in das Gebiet von Wien. Fuhren diesmal auf einer Nebenstrasse ein. Es dauerte noch länger als eine halbe Stunde, bis wir in der Stadt waren. Die Nebenstrasse war sehr schön. Dunkle Ortschaften unterbrachen immer wieder das freie Land. Später schon die beuchteten Vorortstrassen. Letzte Strecke wie Heimfahrt von Mönichkirchen.

Auf dem Karlsplatz stiegen wir aus. Mit der Strassenbahn /es war warm/ heimgefahren.

Mama erzählte, dass Polakovics dagewesen war; er hat sehr herzlich mit ihr über mich gesprochen. Ich hatte darüber grosse Freude.


Früh Eintragungen.

Zu Polakovics gegangen, den ich vormittags für den Garten abholen sollte. Er war aber von einem Weg noch nicht heimgekommen. Ich unterhielt mich mit seiner Frau. Sie war heute wieder frisch und interessiert. Las drei Stücke die sie geschrieben hatten, und die mir gefielen. Ich erwartete Polakovics nicht, sondern ging vorzeitig heim, da ich Kein zuhause vermutete. Er war aber auch nicht gekommen. Vormittags und am frühen Nachmittag die Eintragungen beendet.

Um vier Uhr kam Polakovics mit seiner Frau und seinem Kind. Er lud mich ein, "meine Einsamkeit aufzugeben" und in Hakels Kreis einzutreten. Anstrengende Diskussion, teils im Garten, teils in Polakovics' Wohnung.

Seit heute Abend sprechen wir alle (außer Aglaja) einander mit "du" an.


Früh Arbeiten fürs Haus.

Ich versuchte, Mayröcker einen Brief zu schreiben. Die gestrien Probleme belaste-ten mich aber zu sehr.

Nachmittag mit Mama um die Steinhofer Mauer.

Am Abend Wermutwein. Ich trank auch ein bißchen.

Notiz: Mehr und mehr danach arbeiten:

Deutlichkeit ist wichtiger als Schönheit.


Früh nur wenig für zuhause gearbeitet. Heute kam viel Post. Krolow bat mich um Sachen für den Südwest-funk. Mich freut, daß ich ihm sympathisch bin. Auch, daß Geld kommt. Schickte Krolow gleich ein paar Gedichte.Kein schrieb mir, warum er Sonntag nicht kommen konnte, und sagte sich für Samstag an.

Belegexemplare der "Schau".

Ich schrieb, heute wieder mit viel mehr Beziehung, Mayröcker ein Brieferl und schickte es ab.

Nachmittag in den Garten zum Kampf gegen meine Unklarheit gezogen. Von eins bis sieben saß ich an der Maschine und analysierte. Abends sehr aufgelockert.


Vormittags bei Polakovics'. Aglajas Bad. Befaßten uns mit dem der "Neuen Wege". Sprachen über die Erlebensfähigkeit des Durchschnittsmenschen. Polakovics bezweifelt, daß die Menschen gleich erlebensfähig sind. Ich hingegen glaube, daß nur die Fähigkeit, die Ursache des Erlebnisses zu erkennen, und die Ausdrucksfähigkeit, nicht aber die Erlebensfähigkeit, bei den einzelnen Menschen verschieden stark sind.

Vergleichen Übtzungen aus den Werkstätten guter und schlechter er.


Nurmehr Eintragungen.

Mossadeq gestürzt, Rußland erprobte eine Wasserstoff-Bombe, Unruhen in Marokko, Hilfe für die Opfer des Erdbebens in Griechenland.

Abends lockerte ich mich wieder sehr.

Wir schauten aus dem Fenster.


Ein Tag, in der Stimmung ähnlich den freien Samstagen, die ich während meines Arbeitjahres einmal in vier Wochen genieße. Die Sonne strahlte heiß, es war schön, wenig Menschen gingen auf der Straße. Ich hatte eine Besorgung vor mir und schrieb Notizen.


Jandl ist von seiner fruchtlosen Reise zurückgekommen. Nächste Woche werde ich ihn zu mir einladen. Kaufte auf der Linzerstrasse Dauerwurst dafür, und der Paprikaschnaps steht bei mir zuhaus auch schon bereit. Ich freue mich darauf, dass ich ihn wieder sehe.

Nachmittag und Samstag Vormittag: Kleinigkeiten geschrieben.


Von Früh an Regen. Nachmittag mit Kein zu Polakovics. Kein war zwei Wochen in Italien gewesen. Er erzählte mir kurz aber interessant von den Italienern, die er kennen gelernt hatte.

Bei Polakovics: spürbare, wenn auch sachte, Annäherung der Standpunkte. Ein interessanter Artikel von Sapper über die ERZÄHLUNG.

Darüber und über andere fast-wesentliche Fragen gesprochen. Vor allem aber freute mich, wie freundlich Kein und Polakovics waren. Den Humor, der dazu nötig ist, besitzen siebeide.

Nach der Zusammenkunft verbrachte ich zuhause einen zufriedenen bend.


9 Uhr wieder bei Polakovics. Aglaja muss jetzt Spreizwindeln tragen. Sie trägt sie mit Geduld. Sie ist überhaupt sehr diszipliniert. Ihr Gesicht schaut jetzt nicht verweint aus wie am Anfang. Fritz und Maja machen sich schon Gedanken darüber, ob sie ein schönes Mädchen werden wird, und was kriegen wird.

Photographierte ein paarmal. Weil Maja mit Nylonschürze und Tüchlein sehr anziehend wirkte, und Polaksen gut beisammen war, arran-gierte ich die beiden um den Korb mit Aglaja und photographierte das ganze System. Sie schauten auf das Kind und nicht in den Apparat; es ist ich, dass solche Aufnahmen den Photographen vergessen lassen und darch echter wirken.

Lasen hauptsächlich aus . Mich packten besonders die russischen /Jessenin/. Hofmannsthal und George ergreifen auch: durch ihre Deutlichkeit, aber ihre Welt ist unbe-tretbar; nur durch ein Guckloch deutlich zu beschauen. Mit Jessenin /wie mit Villon und mit dem frühen liot/ kann man durchs Land gehn.

Gutes leider unfertiges Gedicht von Maja: Dorf-Friedhof.

Pol. zwei Hefte

Nachmittag: zu Haus, angenehm. Las in alten Tagebüchern // und fand, dass ich mehr Worte als Inhalte aufgegeben habe.


Wenn die Sonne nicht scheint, ist es schon kühl.

Am Tag ist es noch sommerlich.

Früh: Einkauf auf der Linzerstrasse.

Brief von Friederike Mayröcker. Ich beantwortete ihn gleich. Hätte ihr gern nützlicher geschrieben.

Die Fotos vom Neusiedler See sind verpatzt.

Die Strafe für meinen Dünkel mit der "deutschen Optik" und dem 21/10°-Film. Alles trotz Momentbelichtung über-exponiert.

Nachmittag: Spaziergang /M./ Wientalstrasse.

Sonne scheinte stark. Der Tag war schön.

Abends wünschte ich onders heftig ein Mädchen herbei.

Morgens:


Weissenborn hat seine ältere Freundin geheiratet. Eintragungen. Tante ist ihrem Dienst in der ÖPEX vollkommen erschöpft; sie wird krankgeschrieben werden. Letzte Arbeit der Handwerker in unserer Wohnung /Fenster-Aktion der Anstalt Steinhof/.

Nachmittags kam Jandl. Er erzählte von inem selbstherrlichen Emigranten: Adler und von anderen englischen Erscheinungen. Das Wetter war trüb. Wir spazierten nicht sondern blben zu Hause sitzen.

Ueber die wahre Ursprünglichkeit und die falsche /eklektische!/ Originalität gesprochen. Ueber die Schwerverständlichkeit von Gedichten als Folge ihrer Unexaktheit. Ueber die Auseinandersetzung des Künstlers mit der Zeit /einerseits/ und mit der Kunst /anderseits/. Spaltung des heutigen Künstlers in einen Produzenten und einen Kunstpädagogen. Was dem einen wohltut, schadet dem anderen:

Der gute Autor muss vom Kunstbetrieb unberührt sein. Der Kunstpädagoge muss im Kunstbetrieb orientiert sein. Der gute Autor soll nicht lesen, soll nicht diskutieren, soll Literaten verkehren.

Der Kunstpädagoge soll viel lesen, von früh bis abends diskutieren, soll keine Berührung und keine Auseinander-setzung versäumen.

Ich bin seit längerer Zeit in die Theorie abgetrieben.

Ueber die Auseinandersetzung mit der Kunst als sekundäre Erscheinung im Leben des Künstlers.

Das Bedürfnis, in einer bestimmten Wese zu schaffen, als primäre Bestimmende für einen neuen Stil; die Kollision mit dem vorangegangenen Stil ist erst eine Folge aus der primären künstlerischen Haltung.


Vormittag Einkauf Linzerstrasse.

Nachmittags bei Polakovics:

Ueber Orffs "carmina burana" gestritten, über die Beschreibbarkeit des musikalischen Eindrucks, zwei Prosastücke von Kassner, über das us-sich-Heraustreten und sich-selbst-Beobachten im Gedcht gesprochen.

Ueber die Erlaubtheit der unvorbereiteten Formulierung im Gedicht gestritten;

Altmann; das ; der künstlerische Wortsalat als unvollständige Psyco-Selbstanalyse; über den Schwindel mit dem unkontrollierbaren Gedankengang; über die Entstehung einer literarischen Mode mit Hilfe der Schmocks. Die surrealistische Mode, die "abendländische" Mode. Ueber den konventionelle Dreck, der als der modernistische Dreck. Ueber Altmanns Anfänge gesprochen. Vergleich mit Rilkes Anfängn. Rilkes Entwicklung und Hofmannsthals Vollkommenheit. Rilkes Krankheit. ilkesGedichten. Substanz und Form bei Rilke. Nachfolge grösstenteils von der Form her. Wirkung Rilkes auf den pubertativen Menschen.

/Das Gespräch wurde sehr interessant, und wir nahmen uns vor, es samstags fortzusetzen. Streiften in einem Nebengespräch noch Hakels Deutung des "Prozesses" als tuberkulöse Infektion, mein Verhältnis zu Hakel und einige Reaktons-typen meines ./


Nur noch vier Urlaubstage. Der Urlaub brachte mir viel Gutes. Ich hätte ihn freilich besser nützen können. Lang noch nicht genug habe ich mich gesammelt und meine Kontakte verwesentlicht.

Nachrichten aus der "Furche" über die Wirkungen der Wasserstoffatombombe und über den Rachedurst unte den vertriebenen Schlesiern liessen mi meine privaten Probleme viel kleiner sehen. Meine Gedanken mündeten in den grossen Gedanken der Menschen: kann r den Frieden tun?

Kleinere Arbeiten, fürs Haus und für mich. Trüb, sehr kühl. Nachmittag P-Mappen weiter gesichtet.

Abends sahen wir gut gestimmt aus dem Fenster. Drei ganz junge Radfahrerinnen strichen draussen herum. Zwölfjährige bis vierzehnjährige Mädchen /wenn ich Gelegenheit habe, ein Stückchen aus ihrem Leben zu beobachten,/ regen mich auf: ich finde mich plötzlich in ihrem Alter, in ihrem Zustand, mit ihrer Erwartung und ahne ihre Zukünfte.

Idee für eine Kurzgeschichte.


Jandl, Spaziergang Wientalstrasse, durch das Dörferl gegangen, dort gesessen bei Apfelsaft und unsere Eliot-Uebersetzungen /Waste Land/ verglichen und revidiert. Vorher mehrere Stationen: Kinder, die im Wienfluss fischen. Lastautos: zwischen dem Fahrer und seinem Begleiter sitzt eine Frau; wie wird ihr Vormittag in Wien gestalten?

Das Erleben eines Motorradfahrers, nehmen wir an: von Linz nach Wien. Die Kinder, die nur einen Grasfleck vor sich haben und die der Eisenbahn nachdenken. Man muss jedes Pflänzchen und jede Minute von Lastauto-fahrern in ihrem vollen Wert als "Leben" und "Natur" erfühlen und lieben können.

Zwei Mädchen: eine ziegelrot, eine rauchblau gekleidet, in der Fensterhöhle eines Ziegelbaus. Ueber den "Zweck" der Kunst disputiert. Nicht aus der Gemeinschaft gelöst sondern verwesentlicht soll der Kuntempfänger durch das Kunstwerk werden. - Ueber den epischen Charakter der "konkreten Lyrik". - Ueber die Konsolidierung der in Jugend unruhigen Dichter. Ueber die Ordnung und die Ethik als Mitbestimmende des Gedichts.

Nachmittag in den Garten ein paar Aepfel ernten gegangen, dann /halb drei Uhr/ ins Bett gelegt, um an der urzgeschichte zu schreiben.

Ueber die Konventionalisierung und Kommerziali-sierung der Erotik nachgedacht.


Lang im Bett geblieben. Kurzgeschichte weitergeschrieben. Dann auf die Linzerstrasse um die Wäsche gegangen. Bis halb vier Uhr an der Kurzgeschichte gearbeitet. Provisorisch abgeschlossen nahm ich sie zu Polakovics mit.

Aglajas Spreizhemmung ist schon beseitigt. Polakovics'Arbeit für das Gedicht-Preisaus-schreiben der RAVAG ist weiter gediehen.

Die erste kritische ArbeitPolakovics', in der trotz aller Schärfe mehr gesagt als geschimpft wird. Die Stellungnahme zu den einzelnen ist überzeugend.

Maja war sehr müde.

In der ersten Hälfte des Nachmittags schauten wir an: wir verglichen von Zeitgenossen verschiedener Epochen.

In der zweiten Hälfte des Nachmittags sprachen wir über meine Kurzgeschichte. Ich erkannte, ich ihr Problem deutlicher anzeigen muss; sonst leite ich die Lesr unfreiwillig fehl. Ausserdem gefällt mir die Form noch nicht.

Abends dachte ich an das nahe Urlaubsende; ich war aber nicht betrübt.


Unregelmässiges Wetter. Eintragungen, ziemlich früh auf, Garten. Kleine Schreib-arbeiten für mich.

Tante fährt Dienstag für vierzehn Tage nach Mönichkirchen zu ihrer Erholung. Sie lud uns für kommenden Sonntg zu einem Besuch dorthin ein. Ich war davon begeistert; Mama fährt zum ersten Mal seit vielen Jahren aus Wien.

Nachmittags, besonders als ich allein wr, versuchte ich mich wieder an der Kurz-geschichte. Ob ich mit dem, was ich erreicht habe, einen guten Anfang gefunden habe, überseh ich noch nicht.

Geldordnung.


Traum: Die blauen Fahrzeuge der Russen sind versunken. Aber die drei blauen Autos der Ukraine waren neutral und bestehen noch. Papa fährt nachts mit einem und nimmt mich mit. Wir halten in der Stadt. Dort habe ich zwei Aufträge: beim Bäcker und beim Schneider. - Ich bitte die Schneiderin, mir die Halsweite zu messen. Ob ich ein Hemd bestellen soll, habe ich plötzlich vergessen. Solange sie kein Geschäft mit mir macht, wird die Schneiderin zu mir unfreundlich bleiben. Ich suche einen Telephonautomaten. Vor einer Fabrik finde ich einen; dort tehen aber viel Leute und warten. Ich schliesse mich einigen an, die zu einem anderen Automaten laufen. Auch dort dauert es mir noch zu lange, und ich laufe zu einem dritten. Ich rufe an; auf derselben Leitung aber wird ein nderes Gespräch geführt; dieses Gespräch, erst unübersichtlich und versponnen, klärt sich zu einem Gespräch mit Polakovics; der hat Fünfhundert-Schilling-Scheine zu entwerfen.

Ihn reizt ein verzerrtes Gesicht aus der Mythologie: eine Hälfte des Mundes läuft parallel der Wangen-Kontur, die andere Hälfte steht waagrecht, starr. Die Scheine sind violett gefärbt. Ich kritisiere die Verzerrung, Polakovics aber grinst und sagt: Diese Linie kann man mit dem Zirkel ziehen! Das ist schön!

Das Gespräch hat gedrängten Charakter, weil ich noch das Telephongespräch wegen meines Hemdes zu führen habe, zur Schneiderin zurückkehren muss, den zweiten Auftrag beim Bäcker auszuführen habe, dann erst in das blaue Auto wieder einsteigen kann, wo Papa schon sehr lange wartet. Gleichzeitig das Gefühl grosser Freiheit, die mir bevorsteht, wenn ich wieder im Auto sitzen werde, und von viel Zeit in der grossen Stadt.

Früh im Bett noch Eintragungen.

Die Sonne scheint.

Erster Bürotag nach dem Urlaub.

Abend: Zsolnay-Anfrage um gute aus meinem Autorenkreis.

Garten,

Fenster, Lust an Beobachtungen.


Früh angenehm; versuchte wieder, an der Kurzgeschichte weiterzuarbeiten.

Auch heute uf der Strassenbahn Freude an achtungen /junge Frau, irritiert, Erstseinwollen obwohl im Grunde lustig; hell ......./.

Im Büro durchschnittliche Arbeit. Steger ist noch bis fort /Witzmann ist statt ihm Bürochef/, Dr. L. fährt morgen für eine Woche ins Ausland, ist aber auch heute schon nicht mehr in unser Büro gekommen. Machwitz und Witzmann schickten uns um 16 Uhr nach Hause.

Korrespondenz wegen der Zsolnay-Anfrage.

Garten. Mit Mama zu Westermeer um Bier.

Polakovics und Bisinger kamen abends Polakovics suchte für Hakel, Bisinger mir sagen, dass er voItalien zurück ist.


Früh Eintragungen. Heisse Tage. Beob. gesch.

Im Büro viel Arbeit, besonders Nachmittag, als ich . /Die anderen wurden nachhause geschickt; ich hatte Dienst./ Nachher noch /zum erstenmal nach langer Zeit/ zur Post. Daheim lebhafter Abend.


Schon mittags nach Hause geschickt worden. Die Beobachtung fertiggeschrieben. Garten.

Mama hat ein Zahngeschwür. Sie wird wahrscheinlich nicht nach Mönichkirchen mitfahren können.

Einer der heissesten Tage dieses Jahres.


Schlechtes Wetter wurde vorhergesagt. Aber der Himmel ist nur schwach bewölkt, und es ist wieder ein heisser Tag.

Frh die zweite Beobachtung aufzuschreiben begonnen.

Nachmittags wieder zeitig heim. Grosse Ernte im Garten.

Abends alte Bestände gesichtet. CN4 weggeschmissen.


Bürofrei.

Einkauf Linzerstrasse. Früh bewölkt, dann war aber das Schlechtwetter wieder vorüber. Strahlend und heiss. Bei Westermeier gerastet.

Die Beobachtung heute reingeschrieben. Jetzt habe ich acht "Begegnungen" fertig". Bis 50 sind es immer noch viel.

Ebnerkarte kam. Korrespondenzen.

Bevor ich zu Polakoics ging, las ich noch ein paar Hemingway-Geschichten.

Polakovics: Ueber Hemingway, die Ichbezogenheit von Kunstwerken, über George gesprochen. Verglichen George und Rilke. Ueber die Einheitlichkeit Trakls. Suchten die sexuellen Bezgenheiten bei Trakl. Ueber Baudelaire und Wildgans.

Vor meinem Weggehen sprachen wir über die "Neuen Wege". Ueber die "erbauliche" Formulierung, die der guten Tendenz schadet, als Kennzeichen der heutigen Linie in den "Neuen Wegen".


Mit Mama nach Mönichkirchen. Schönes Wetter, schöne Fahrt. Besuchten Tante im Hotel. Gingen nachmittags hinüber "in die Steiermark" /die Demarkationslinie ist seit dem letzten Mal aufgegeben worden/. Waldspaziergänge. Tante erzählte, sie hat eine Frau kennengelernt, mit der se auch öfters zusammen ist; diese Frau spricht viel über die "Neuen Wege", über Weigel, Artmann, die jungen Leute; sie ist die Mutter der Liselotte Matiasek!

Café, aber draussen. Kuhweide. Am späteren Nachmittag kalt. Möchte gern in Mönichkirchen bleiben. Mit der fixen Idee, den Ort nicht zu letzten Mal gesehen zu haben, verabschiedeten wir uns. Auch Mama wäre von einem Leben hier begeistert.

Freundliche Rückfahrt, nicht mit dem schmerzlichen Gefühl der Einmaligkeit wie vor fünf Wochen.

Zwei ganz unge Katzen im Autobus. Ziegelhäuser im Abend-Rot. Längerer Halt in Wiener Neustadt. Dort schissen sich die Katzen an und verstanken den Autobus. Die Kinder, die sich eineinalb Stunden mit ihnen befasst hatten, gaben sie auch jetzt nicht ganz auf, nur drückten sie sie nicht mehr an ihre Wangen. Die blühende Frau mit dem Kuhgesicht, die auf der Hinfahrt vor mir gesessen war und jetzt weiter vorne und drüben sass, reichte ihrer Familie, die ein Viertel des Autobusses einnahm, ein Taschentuch mit Eau de Cologne herum.

In Wien, wo die Herbstmesse begonnen hatte, gab es viel Leute auf den Strassen und auf den Strassenbahnen Nicht so besinnliche Rückfahrt wie das letzte Mal.


Stadtfaul. Normale Bürozeit. Auch in Wien jetzt kühl. Garten. Alt Geschichten durchgeplaudert.


Früh geschrieben.

Adenauer hat bei den deutschen Wahlen gesiegt. Abends viel Post.


Abends auf der UniCysarz-Vortrag.

Unheimliche Dynamik verbunden mit höchster Präzision.


Es bleibt kalt. Heute ach Regen.

Früh Korrespondenz.

Krank, nur auf einen Sprung im Büro.

Jirgal war so freundlich, mir die Destillationen zu schicken. Diese und ein alter Jahrgang der Zeitschrift "HEUTE", d von Huber neulich kam, beschäftigten mich abwechselnd an diesem Tag, an dem ich mich grösstenteils ausruhte.

Dachte viel an ein Mädchen.

Wermutwein, gemütlicher Vormittag, Nachmittag und Abend.


Wieder ins Büro. Irrsinnige Arbeit.


Auch heute ormittag scheusslich viel Arbeit, noch dazu Aerger. Nachmittag kamen Tante /von Mönichkirchen zurück/ und Kein. Mit Kein über die Destillationen gesprochen, er zeigte mir eine wieder gute Kurzgeschichte, dann redeten wir über meine jüngste und meine früheren Kurzgeschichten, über die Hakelsche Handwerks-Theorie von der Kunst. Angeregter und anregender Nachmittag.

Abends gemütlich


Früh ein bisschen Hemingway. Wollten zuerst, weil ein prachtvoller Morgen war, ins Wiental ausfliegen, es wurde aber zu spät und es wurde auch sehr windig. So nur Garten, den Ofen wieder umgesetzt /weil bald das Heizen beginnt/, und dann wegen der Rückkehr zu den "Neuen Wegen" zu Polakovics gegangen.

Nachmittag begann ich einen Artikel für - eigentlich gegen - die "Neuen Wege" zu schreiben.


Vorherbstlich.

Immer noch viel, aber geordnetere Arbeit.

Abends eine , die ich abonnieren soll, und die letzten Photos: alle schlecht.


Wieder schwerere, unübersichtliche Arbeit.

Abends zu Tante. Mama von dort nur abgeholt. Müde mit ihr heim.


Früh Traum von Marjorie. In kleinen Gassen entschwunden. Zwei kleine Hunde fingen mich, als ich sie auf einem entlegenen Platz suchte. Die Hunde hängten sich an meine Schenkel und zwickten mich mit ihren Zähnen. Einer der beiden Hunde war gemütvoll und heulte jedesmal mit, wenn ich "Marjorie" heulte, aber der ndere war streng, liess nie ab zu zwicken und befahl auch dem anderen Hund, wieder bissig zu sein. Endlich kamen Menschen. Einer von ihnen übergab mir "ein zeitgemässes ", für den Fall, dass ich mit ihnen zu reden wünsche. Ich blätterte darin und las: "Folter", "Schrepfen", "Feuerschwerhörigkeit". Im dem letzten Titel fand ich ein heisses Instrument, sehr schwer, aber von der Spitzigkeit einer Nadel; über das Instrument wurde gesagt: "auch wer vorher alles aushält, hupft bei dieser aus der Pieke ..." Ich erwachte aber bald, weil es draussen schon sehr hell war.

Früh Lust auf den Artikel. Klarer Vorherbstmorgen. Zermürbend langweiliges Büro.

Abends JirgalsEtüden.


Viel Arbeit. Mayröckerbrief.


Wieder viel Arbeit. Warm. Abends kleinere Schreiberei.


Die drei Frauen unseres Büros haben sich von einem Arzt untersuchen lassen; alle drei sind mit ihrer Nervenkraft am Ende.

"Kontinente", eine neue Zeitschrift mit Weigel, kam.

Nachmittags über Neurasthenie gelesen: einmal in einem nicht-analytischen ; Artikel für die "Neuen Wege" witer-geschrieben. Schöner Abend.


Vormittag Artikel weiter.

Nachmittag zu Polakovics. Laaber war dort mit einem Italienbericht. Anregend über ihn gesprochen.


Früh Artikel. Trüb. Tante wieder kranker. Hitchman in Wien.

Post kam. Abends Korrespondenz.


Früh Schreiberei.


Im Bett der Friederike Mayröcker geschrieben.

Auf der Morgenfahrt Briggi getroffen. Sie hat jetzt eine innerlich gesunde Zeit.

Tante auf einen Sprung ins Büro: Bleibt diese Woche noch fort. Bessere Stimmung. Alle zu ihr sehr freund-lich.

Hitchman kam wieder. Heute machte ich statt Huber Spätdienst.

Abends Schreiberei.


Machwitz fährt morgen auf Urlaub. Langer Abenddienst.


Trübes Wetter.


Erster Tag im Büro ohne Dr. Machwitz.

Ziemlich viel zu tun. Trotzdem in der Mittagpause meine Reinschrift begonnen und abends Schlag Fünf nach Hause gegangen.

Angenehmer Abend, Spaziergang um die Steinhofer Mauer. Ein Heft der "Neuen Wege" kam.


Viel mehr Arbeit als gestern. Bis halb sechs dringebliebe wei Seiten Reinschrift nd Klärung des bisher Geschriebenen in meinen Gedanken.

Wieder ein schöner bend.


Nachsommertage.

Früh Sonja getroffen.


nm. Kein


vm. Jandl. Artikel weitergeschrieben.

Abends paziergang Steinhofer Mauer. Alles fremdartig, alle Geräusche scharf wie aus dem Laboratorium, sonst Beleuchtete Fenster und Gitter im Vordergrund sehen "sehr genau" aus ("Fen-ster", "Git-ter"). Panorama mit Hundegebell. Fühlte mich hingezogen zum Phantasieren, das ich sehr lange schon zu gunsten de strengen Arbeitens aufgegeben hatte.


Viel Arbeit. Rückstände häufen sich.


Wild gearbeitet. Rückstände nicht ab.

Abends mit Briggi gegangen. (Die Straßenbahn entlang.) Zuhause Most.


Konnte die Rückstände aufarbeiten.

Angenehmer Abend.


Viel Arbeit. Treffe morgens immer Briggi.


Morgen, zu meiner Über-raschung, Wachaufahrt mit Tante und Paul.

am Artikel weiterzuschreiben versucht, nichts zusammen-gebracht.


Wachaufahrt.

Bis auf ein hübsches kleines und ein bebrilltes junges Mädchen nur ältere Leute im Autobus. Vor uns ein Paar: der Mann mit einem Zettel voll historischer Notizen (Gründung von Melk ) in sorgfältiger Schrift; die Frau mit rötlich aufgefärbtem Haar schmiegt sich in seine Jahreszahlen. Sie ist so geborgen; bald packt sie ihr Restaurant aus der Tasche. Vier schnarrende Kröten rechts: mit gewalttätigem Humor und Steireranzügen. Am fürchterlichsten ihre Führerin. Offenbar eine Geschäftsfrau. Alle vier haben graue Köpfe voll Kämme.

Nebel bis St. Pölten.

Während der Nebelfahrt über den Riederberg dachte ich an Friederike Mayröcker. Der Autobus ist in sich gekehrt, weil er durch dicken Nebel fährt.

Vertrieben der Nebel mit einer Besichtigung von Melk und seinem Stift. Gute helle Farben der Deckengemälde (im Gegensatz zu den scheußlichen Ahnenbildern) und reizvolle Perspektive.

Anziehende Bibliothek. Viel schöner natürlich Melk von oben (der Nebel hatte sich zerstreut): das Donau-armerl: Sandbänke, Kähne, das Städtchen, Mann mit Hund durch Fluß, Espresso mit vielen kleinen Sonnenschirmen, Autobusse. Auch unten dann schön mit Blumen gelb, orange und violett.

Langes Warten auf Rollfähre. Zigeuner. Einschiffung. Treiben mit der Donauströmung. Drüben gegessen. Weiterfahrt nach Spitz. Freundlichstes Stück. Donau, hohe Hügel, Weintrassen, kleine schmalgassige Städtchen, Strecken neb der Bahn.

Weißenkirchen, Dürnstein, Loiben. Der dortige Trachtezug hatte, als wir ankamen, schon stattgefunden. Wir sahen nur einen Loibner Sandhaufen und eine Wachauerin in Tracht aber ohne Goldhaube. Stift Göttweig. Im Stiftkeller. Mehrere Weine gekostet. Nebenan eine Dulliöhgesellschaft, viel weniger originell als die von Ruszt.

Heimfahrt nach Wien. Noch fast zwei Stunden. und freie Vordersicht hatten, und abends das Land seitlich den Scheinwerfern sehr im Dukel lag, sahen wir auf der Rückfahrt hauptsächlich Straßen.

In Hietzing wurde ich abgesetzt. Ein junges hübsches Wesen, aber Mutter eines Kindes, im Zehner-wagen auf der Plattform neben mir. Als sie ausstieg, war ich erst richtig im kalten, montagvorbe-reiteenWien.


Dr. Machwitz wieder im Büro. Leichtere Arbeit.

Früh am Artikel wieder zu schreiben begonnen.


Früh Artikel. Herbstlich.

Erstmals im Mantel gegangen. Guter Laune. Briggi getroffen.

Nachmittag frei!

Mayröcker geschrieben, ins Bett gegangen.


früh am Artikel gearbeitet: kondensiert. Arbeit im Büro nimmt ab.

Abends bei Wiesflecker. Ordentliches Gespräch über den Kommunismus.


früh mit Briggi gesprochen.

Arbeit im Büro nimmt weiter ab. Trostloses Wetter.

Abends nach Hause geflüchtet.


Schöner Herbstmorgen. Kalt.

Versuchte, mit dem Artikel weiterzukommen.

Früh mit Briggi, Schik und dem anderen Chemiker gefahren. Die Experimente, die Broda mit radioaktiven Isotopen zur Erforschung der Photosynthese macht, hätten mich, wenn ich Chemiker geblieben wäre, interessiert.

Gegen Mittag wurde es wieder trüb. Im Büro war wenig zu tun. Hätte gern freigehabt und am Artikel gearbeitet; ich wäre dafür in der richtigen Stimmung gewesen.

Freundlicher Abend.


Früh endlich tikel weitergekommen.

Mit Schik-Karli und dem Chemiker gefahren, geplaudert. Im Büro lebhaft. Mittags einen Gutschein für zwei Freikarten in der Scala eingelöst /, durch Wiesflecker/.

Angenehmer Nachmittag. Briefmarkensendung von Doppler bearbeitet, dann ein eigenes Doublettenheft zusammenzu-stellen begonnen; möchte gern eine grössere Menge davon verkaufen.

Guter Abend.

Tante war gestern bei Primar Bruha: Nervenuntersuchung. Bruha war sehr freundlich zu ihr, fand ihren Zustand ernst.


prachtvoller Herbsttag.

Mit Kein um die Steinhofer Mauer spaziert, ihn ziemlich schlecht unterhalten.

Nachmittag quälte ich mich weiter mit dem Artikel.


früh mit dem Artikel weitergekommen. Schöner Tagbeginn. Mittags riefen mich Rocek und Jandl an. Rocek wird ab Ende Februar acht Abende im Volksheim Margareten für Lesungen je eines jungen Autors zur Verfügung gestelt erhalten. Eine bot er mir an. Ich nahm diesmal an, um ihn, mit Rücksicht auf seine Freundlichkeit, nicht vor den Kopf zu stossen.

Jandl lud mich für anschliessend an den Sonntag-besuch zu Lorcas "Doa Rosita" ein, die ich zufällig so gern hatte sehen wollen.

Für Abend hatte ich durch Wiesflecker Karten für eine Vorführung des rumänischen Volkskunstensembles bekommen. Mit Tante dorthin gegangen. /Scala./

Vorher Ausstellungen über "gesundes Leben" und "die neue Form" im Künstlerhaus angeschaut, weil zwischen Büroschluss und Scala-Beginn noch viel Zeit verblieb. Die neuen Formen in der Innen-architektur machten auf mich einen starken Eindruck.

Nicht mehr die kubistische und mechanistische Tendenz sondern Neigung zu funktionell optimalen und anmutigen Kurven.

Dann Auslagen betrachtet, geschmacklose auf der Favoritenstrasse.

Die Vorfhrung in der Scala dauerte über drei Stunden. Viele sehr reizvolle Stücke wurden gesungen und getanzt. Am besten gefielen mir die meisten der Tänze und das Hirtenlied, das jeden Menschen ansprach, obwohl es in fremder Sprache gesungen wurde.

Am Schluss zehn Minuten fortdauernder Applaus, der dann rhythmisch wurde und in den dann "pace"-Rufe einfielen. Die Mädchen und die Burschen auf der Bühne applaudierten ihrerseits dem Publikum. Sie lösten Blumensträusse, die ihnen auf die Bühne gebracht wurden, auf und warfen Blumen unter die Zuhörer.

Mitternachts nach Hause gekommen.


Wenig Arbeit im Büro. Angenehmer Abend.


Wieder recht wenig Arbeit im Büro. Erledigte endlich die Gedichtsendung nach Stuttgart.

Heute Abend kommen die Heimkehrer in Oesterreich an. In den letzten Tagen grosser Wirbel um Triest.

Abends Spaziergang um die Steinhofer Mauer.


Nach dem Büro bei Roček die kommende Lesung besprochen. Nahm fünf benden für meine Freunde in Anspruch.

Roček trauert stark um Hertha Kräftner; seine Trauer mischt sich mit Verbissenheit, wenn er zu sehen glaubt, dass andere mit dem toten Mädchen Geschäfte machen.


Viel Arbeit im Büro.


Nachmittag am Artikel erfolgreich weiter. Frühlinghaft.


Artikel.

Nachmittag bei Jandl, dann Lorca. Dieses Stück wird mir jetzt für lange Zeit ein Zentrum sein.


Früh am Artikel weitergeschrieben Mit Arbeit ausgefüllter Bürotag.

Paul wird operiert werden müssen.

Abends viel Post, angenehmer Spaziergang um die Steinhofer Mauer.


Sehr warme Tage. Früh Artikel. In die Stadt gefahren, mit Mama auf der einen Seite und mit Briggi auf der anderen Seite.

Büro: lebhaft. Abends Brieferl von der Friederike Mayröcker. Schickte mir eine sehr gute "Nausikaa". "Sturm". In letzter Zeit ihn öfter gesoffen.


Abends zu Polakovics. Wir dachten über Titel für die Lesungen im Volksheim nach. Er sagte mir die Mitwirkung von Kiessling und den drei Jungen zu.Maja wusch und bügelte inzwischen Wäsche.

Die nächsten Tage hetzte ich mich sehr. Donnerstag die Gruppen für die Lesung und die Titel für die Gruppen zusammengestellt, die Auf-stellung Roček ins Kastl geworfen. Bis Montag Abend muss ich den Artikel für die Novembernummer der "Neuen Wege" fertig haben. Freitag fuhr Mama allein auf den Grinzinger Friedhof zu meinen Grosseltern, um mir den Samstag Nachmittag frei zu halten. Samstag legte ich mich ins Bett und schrieb lang am Artikel, schrieb nicht viel aber klärte viel. Sonntag kam Vormittag Kein. Er riet mir manches für den Artikel, und mir half die Uebereinstimmung zwischen ihm und mir viel. Nachmittags machte ich mich mit gutem Mut über den Schluss des Artikels her. Als ich die Rein-schrift fertig hatte, ging ich mit Mama um die Steinhofer Mauer spazieren und zweigte dann ab: zu Polakovics. Den Artikel lasen wir nicht mitsammen. Wir besprachen /schimpften haupt-sächlich/ neu erschienene Bücher: etwa die "Glaskugel" vom Zand, die im Radio und im "Kleinen Volksblatt" besonders gute erfahren hatte. Aus den "Versen aus Aquafredda" von Fink gefielen mir /zum ersten Mal, dass mir etwas von Fink gefiel/ die starken wahnsinnigen Schilf-lieder. Ihre Sprache ist gelöst und präzis.


Dienstag, am , besuchte ich Roček. Wir besprachen die Lesung im Volksheim, dann spielte er mir auf dem schlechten Plattenspieler gute Stücke vor. Moldau, Tschaikowskyj, zwei Wagner-Lieder /die kannte ich nicht/. Am wird er mit mir zu Kftners Grab gehen. Kahr hat ihm übrigens erzählt, dass KudrnofskiKräftner mit einem Hochfrequenzapparat besucht habe und ihr suggeriert habe, sie werde sich bald umbringen.


Mittwoch, am , nach dem Büro fand in Mariahilf die Besprechung der Lehrer-lesung statt, an der Polakovics, Jandl und als Aussenseiter ich mitwirken werden. Wir trafen uns in der Wohnung einer Musikerin.

Es wurde gemütlich. Wir trafen zunächst die Auswahl aus dem -Bestand. Polakovics und ich lasen probeweise. Jandl fiel plötzlich die Bescheidenheit an, ihm kamen meine Sachen besser als seine vor. Polakovics wird von sich nur wenig lesen. Angeregtes Gespräch über die kommende Lesung auf dem Heimweg. Sonntag treffen wir uns, um das Programm zusammen-zustellen, bei Polakovics.

Der Artikel wurde ohne Aenderungen angenommen.

Im Büro mussten wir in diesen Tagen wieder viel arbeiten. Dr. Lindner kaufte für sein Zimmer im Büro einen Perserteppich um S 21.00.-- Sparmassnahmen, breite Diskussionen um die Verbilligung unserer Postspesen; zur Handelskammer dürfen die Angestellten unse- nicht mehr mit dem Autobus fahren.


morgen überraschenderweise bürofrei. Allerseelenwetter. Abends zu Baumrucks Verwandten in Breitensee, um über Papa vielleicht etwas zu erfahren. Nur die Frau des Schuldirektors Schenner war zu Haus. Sie wusste wenig, Baumruck hat seit seiner Heimkehr noch wenig erzählt; aber er wird uns bald besuchen.

Angenehmer Abend.


Frei. Herrlicher Tag. Vormittags machte ich notwendig gewordene Ordnung. Nachmittags legte ich mich ins Bett, arbeitete ein wenig an den alten P-Mappen und ruhte vor allem aus. Abends Lust zu theoretischer Arbeit.


Geschäftiger Morgen und lebhafter Vormittag. Mit Jandl bei Polakovics. Aglaja sieht schon recht stabil aus. Wir machten das Programm fürdie Lehrerlesung, ich las die Korrektur-fahnen meines Artikels.

Nachmittags ausgeruht, den Baumgartner Friedhof, unserer Tradition gemäss, aufgesucht und den Bericht über die letzten dreizehn Tage ins Tagebuch eingetragen. Es ist schon kalt draussen. Den Mantel gewechselt.


Mönichkirchen ist weit ort von hier, und jetzt ist es dort auch kalt. Ich möchte gern mit jemandem sprechen. Nicht den ganzen Tag /der eben erst begonnen hat/ im Büro bleiben.

Unfreundliches Wetter. Herbst. Alle Eile hilft nicht, die Stundenzahl ist mir vorgeschrieben.

Das Konkrete wird gern abstrakt ausgelegt. Die Unzufriedenheit oder Erregung als existentielles Gejammer. Wenn ich den "Rauch" lobe, so lobe ich den wirklichen Rauch, damit ihn der andere Mensch ebenso voll erkennen und lieben soll.


Nach dem schweren Bürotag erwartete mich in der SingerstrasseMama, um mir zu sagen, dass man uns eine Wohnung im 19. Bezirk angeboten habe. Mama ist begeistert und will, wenn die Wohnung nur halbwegs gut ist, annehmen. Wir fuhren zu Tante, die morgen mit ihr zusammen die Wohnung anschauen soll. /Ich kann nicht, ich habe im Büro eine eng befristete Arbeit zu leisten./


Die Wohnung liegt in Sievering. Es ist eine Wohnung in einem Neubau der Gemeinde Wien. Wir als erste Bewohner. Nur Zimmer und Küche, aber Klosett mit Waschbecken in der Wohnung, Abwasch und Gasherd. Freundlicher Eindruck.

Am Abend Besprechung der Lehrerlesung in Mariahilf. Die Musikerin, in deren Wohnung wir uns wieder trafen, hat viel von einem Schweinchen an sich.

Erste Novemberwoche: sehr viel Arbeit im Büro.

Daheim denken wir jetzt nur an die Uebersiedlung. Alle Zusammen-künfte in der nächsten Zeit schon abgesagt.


Nach dem Dienst die neue Wohnung zum ersten Mal angeschaut. Nachmittag geplant.


für die Uebersiedlung gearbeitet und geplant.


abends in sehr angeregter Stimmung. Wir richten uns die Wohnung auf dem Papier schon ein.

Wieder sehr viel Arbeit.


Von Polakovics Abschied genommen. Kaum dass sie bis vor Steinhof gezogen sind, rennen wir ihnen nach Sievering davon. Gute alte deutsche gelesen.


Keine Zeit, um die von der Arbeit zerstreute Innenwelt wieder zu sammeln; keine Zeit für Gefühle.

Sobald Dr. Lindner kommt, werden Tante und Frl. Huber eine ausserordentliche Zuwendung für alle Angestellten fordern, als Entschädigung für die besonders harte Arbeit in den letzten Wochen.

Abends Ladung ins Wohnungsamt bekommen. Martini.


Früh Wohnungsamt, Mietvertrag unterschrieben.

Anstatt der ausserordentlichen Zuwendung: im Büro musste Tante überraschend Kündigungsbriefe für Frau Marchsteiner und Frau Hegyi schreiben, die wegen des "schlechten Geschäftsganges" entlassen werden. Sie wissen noch nichts davon. Alle, die davon wissen, besonders Tante, sind empört über diese Gemeinheit des Dr. Lindner.

Abends für die Uebersiedlung gearbeitet.


Früh fuhr Mama mit Tante in die neue Wohnung. Ich traf Briggi und erzählte ihr von unserer Uebersiedlung. Seit gestern kalt.

Abends freundliche Lesung. /Mit Jandl und Polakovics./ Bemerkte die Hypertrophie des "Mädchens" in meinen Gedichten.


Trotz den Protesten aller: Marchsteiner wurde mittags entlassen. Frau Hegyi bleibt. Photomontage für die Kommunisten: Rechnung des Teppichhändlers, Kündigungsbrief "wegen schlechten Geschäftsganges".

Nachmittag: Tante kam und erzählte, dass Paul in der Fabrik nur noch Kurzarbeit habe und mindestens um den halben Lohn gekürzt werde. 150 Arbeiter wurden von der ELIN überhaupt entlassen.

Tante hätte Gelegenheit gehabt, eine Wohnung im Gemeindebau, zwei Stiegen von uns entfernt, zu beziehen. Jetzt ist es natürlich nichts damit. Auch mit ihrer vorzeitigen Pensionierung ist's jetzt nichts, und ihr Zustand ist elend.

Für die Arbeitnehmer gibt es nur zwei Modifikationen des Seins: die Sklaverei und den Tod.

Für die Uebersiedlung gearbeitet. Bücherordnung begonnen.


Bücherordnung.

Pfeiffer gestorben. Schwindsucht. Hat sich, sein Leben lang, nur abgejagt. /Angestellter der Anstalt./


Vormittag Transport zu Tante und zu Frau Neubauer, die unser Speisezimmer abnimmt. /n der neuen Wohnung haben wir für die altdeutschen Möbel keinen Platz. Wir haben sie Frau Neubauer geschenkt. Ich bin froh darüber./ Dieser Möbelstil stbt aus. Kaum jemand will solche Stücke auch nur geschenkt.


Die Lampen abmontiert. Es ist Mama gelungen, die Kohle um S 720.-- zu verkaufen. /In der neuen Wohnung werden wir nämlich keinen Holz- und Kohlenofen heizen, nur Petroleum- und einen elekrischen Ofen./


Mama meldete den Gasanschluss an, ich fuhr mit Tante abends nach Sievering:

Seit gestern friert es.


abends Post von Friederike Mayröcker und dem Kaleidoskop.


Vierzehn Jahre, die wir in Penzing verbracht haben. Wie wird nun unser Leben in Sievering werden?

Ich weiss nicht, ob man wie Friederike Mayröcker den Wunsch: Gedichte schreiben zu können, vor alle anderen Wünsche setzen darf. /Aber wahrscheinlich soll diese Reihung der Wünsche nur die wahre Reihung verhüllen./

Mama fuhr zeitig am Morgen in die Wohnung; dort wird heute der Gasmesser eröffnet.

Abends "hulat". Besuchten ein letztes Mal Tante Fini und schrieben einige Briefe an Steinhofer Bekannte aus den ersten Jahren.


Nach dem Büro wuschen Tante und ich die Wohnung auf. Von der Arbeit schon ein bisschen müde.

Jetzt meldet sich Mathes: schickte Geld für drei Hefte der "publikationen" und ein Heft des "ophir" /!/, und jetzt meldet sich Steinwendner wegen der der Strafkolonie von Kafka.


Letzter Tag in der alten Wohnung.

Verbrachten ihn mit den verbliebenen Arbeiten, auch schrieb ich Tagebuch nach.

Mein Brief an Friederike Mayröcker /die mir ein trauriges Lied geschickt hat/ ging, als letzte Post aus der alten Wohnung, ab.


Am Vorabend unserer Uebersiedlung bin ich noch über die Stiegen einiger Gebäude von Steinhof gehuscht und habe unsere Abschiedbriefe fünf Familien in deren Kästchen geworfen.

Heute hat Tantebürofrei. Morgens, als es draussen noch grau war, die letzten Sachen für die Uebersiedlung vorbereitet /die Betten zusammengelegt, das Bettzeug gepackt und die Küchenmöbel verschnürt .../.

Zum letzten Mal /auch die Vorhänge sind schon herunter/ die Morgenstrassenbahn halten vorbeifahren gesehen, mit den Büroleuten von Steinhof und mit ersten Schulkindern.

Letztes Mal die Krenekmädchen gesehen.

Tante, dann die Uebersiedlungsmänner gekommen. Angst, weil die Pferdewagen klein waren. Ich musste um zehn nach acht mit dem Dabeisein aufhören, musste ins Büro fahren. Versuchte, den letzten Weg von Steinhof fort bewusst zu gehen und zu fahren. Aber der Kopf war mit Aktuellem zu voll. /Nie mehr Steinhof, nie mehr Spiegelgrund - //Postgebäude, BriggisWohnhaus ...//, nie mehr Flötzersteig //Brücke, Sender von Steinhof, Probieranstalt ///Heimwege um Mitternacht von Lesungen und Zusammenkünften, als keine Strassenbahn mehr fuhr///, der übersichtliche Abhang zum Wilhelminen-spital ///jetzt sind auch die Spaziergänge mit Kein aus/// das Wilhelminenspital, der Joachimsthaler Platz. Dort zum letzten Mal die Morgenleute angeschaut. Im 46-er von einem Schaffner Abschied genommen, den ich vor kurzer Zeit kennengelernt habe. Wie mädchenlos die letzten Penzinger Jahre waren. Diese Gedanken hirnte ich aber nur, fühlte sie nicht aus./

Ich kam am Abend schon in die neue Wohnung. Dort hatten es Mama und Tante relativ wohnlich eingerichtet. Für die ersten Ordnungen hatte ich den morgigen Tag vom Büro frei bekommen. Die Uebersiedlung wurde von den Steinhofer Arbeitern sehr gut durchgeführt. Kein Schaden. Mit den S 200.-- waren sie sehr zufrieden.


Freier Tag. Früh in der Gegend herumgefahren, mit Mama, meldeten uns beim Hausinspektor und bei der Polizei an. Wurden dumm herumgeschickt, lernten aber dabei ein bisschen Döbling kennen.

Daheim erste Post auf dem Boden: eine Karte von Weigel, mit Glückwunsch zur neuen Adresse, mitunterschrieben von Doderer und v. Winter. Freute mich sehr.

Auch ein Heft des "Atoll".

Nachmittags Holzkiste in den Keller geschleppt und dort eingerichtet. Dadurch wurden wir schon überraschend viele Pakete aus der Wohnung los.


Früh, in aller Eile und Dürftigkeit, Weigel geschrieben.

Büro.

Abends Mama nicht zu Haus /Spaziergang/. Dann sehr gemütlich.


Unangenehmer Tag im Büro.

Unter anderem: Mein Karteisystem muß geändert werden.

Heute ist die Zimmerbeleuchtung montiert worden.

Schöner Abend zu Hause.


Strenger Frost. Die Wohnung ist (nur vom Elektroofen geheizt) sehr kalt.

Früh begleitete mich Mama zur Straßenbahn und ging dann einkaufen. Das Leben hat sich, gegenüber jenem Steinhof, geändert.

In einer hübschen Wohnung, von der Einrichtungs-arbeit und dem Bürodienst müde, aus meinem Kreis nun ganz entfernt, bin ich an den Abenden, die mir zu leben verbleiben, gleichsam "ebenshungrig". Ich klammere mich sogar schonan ein Fetzchen Radiomusik.

Ich kann nicht sagen, daß ich unglücklich bin. Den Schatten, der über meinem Leben liegt, wirft das Gefühl der schlecht genützten Zeit. Keine Arbeit und keine Liebe.


Aerger: Der Tischler erstellte den Voranschlag für die Stellagen: er rechnet für sie S 2700.-- Natürlich nichts damit. Wucher.

Das erwartete Linoleum wurde nicht geliefert.


Immer noch kein Ofen für die Wohnung, ausser dem Elektroofen, der schwach wärmt. Nach dem Büro Petroleum gekauft, aber die "Ida" funktioniert nicht.

Linoleum kam.

Viel in den Keller getragen.


Letzte Koffer ausgepackt. Zimmerkredenz in die endgültige Lage geschoben und eingeräumt. Leider ist am Sonntag keine Kellerarbeit erlaubt. Vorzimmerstllage provisorisch aufgerichtet.


Warm. Abendspaziergang durch Gässchen. Bekam, weil ich heute Namenstag hatte, ein rororoBändchen Sartre. Abends im Bett erstmals wieder gelesen. Die Stimmung am Abend ist bei uns immer sehr gut. Ich freue mich am Tag auf den Abend. Schade, dass ich nicht nur halbtägig arbeiten muss.


Früh im Bett Sartre. Tante kam, brachte überraschend den neuen Petroleumofen. Beim Anzünden flammte das Oel einen Meter hoch auf und konnte nicht mehr gebändigt werden. Unten im Ofen stieg das Oel höher; diese Oelreserve brannte noch nicht. Der Ofen selbst stand auf Packpapier in der Küche. Wir waren kreideblass und löschten den Brand mit Wasser. Es zischte sehr, aber es gelang; obwohl ich im Luftschutz gelernt hatte, dass man Petroleumfeuer mit Wasser nicht löschen kann.

Bestimmt war nur ein ungeschickter Handgriff von Tantean der "Katastrophe" schuld, aber wir versuchten, schon wegen der Möglichkeit einer solchen Katastrophe, den Flammenwerfer gegen einen altmodischen Petroleumofen im Geschäft einzu-tauschen.

Auch draussen warm.

Hitchman wieder in Wien.


Machwitz-Aerger im Büro.

Abends eine Stunde vergeblich versucht, einen Docht in den alten Petroleumofen einzuziehen.


Früh Weg um die I-Karte.

Abends schrieb ich mich in die Städtische Biblio-thek ein. Entlieh einen Dos Passos und einen Faulkner. Der Bibiothekar kennt Gerhard Fritsch.


Wenn ich mich erinnere: an die Zeit, in der ich auch während der Büroarbeit viele innere Bilder gesehen habe. Da bin ich vor einer Faktura gesessen, müde an einem langen Nachmittag im Buchhaltungs-zimmer, und habe plötzlich eine Mühle vor mir gesehen: das Innere einer Mühle; nahe dem Eingang. Unsinnig weite Räume und ein niederer Verkaufstisch aus rohem Holz. Dieses Bild ist (annähernd) gleich geblieben, durch alle Wiederholungen hindurch ... Solche Bilder freuen und quälen, in gleichem Maß.

Nach meiner Mönichkirchner Fahrt habe ich öfters Mönichkirchen im inneren Bild gesehen, oder Szenen von der Fahrt dorthin oder von der Rückfahrt am Abend.

Stadtflucht.


Die Zimmerleitung montiert.


Der alte Petroleumbrenner ist heute repariert worden. Er brennt. Mama besorgte mehrere Sachen fr die Wohnung. Versuchten eine Wandbespannung aus Nylon über den Herd und die Abwasch, sie gefiel uns aber nicht, und wir beschlossen, die Wände unbespannt zu lassen und hinter den Herd nur beim Kochen eine feuerfeste Platte zu stellen.


Bürofrei. Wäsche geholt. 2 bestellte Dostojewski-Romane, um nur 36 Schilling zusammen, kamen. Friseur. Den Keller fertig eingerichtet. Den grossen Spiegel zum Zerschneiden getragen. Nachmittag das Zimmer wieder ein wenig wohnlicher gestellt. Tante kam. Tagebuch der letzten zwei Wochen nachzutragen begonnen. Abends heisser Wein /erster Wein in unserer neuen Wohnung/. Neblig und nässlich.


Linoleum in Küche und Waschraum gelegt.

Nachmittag, ohne ein bisschen wegzudenken, den halben Dos Passos-Roman gelesen, zum grössten Teil Mama laut vorgelesen.

Abends Tagebuch zu Ende nachgetragen.


Abends nach längerer Zeit wieder Gewissens-erforschung.


Früh Dos Passos weiterge-lesen. einigen Abstand gegen-wärtigen Vegetieren gewonnen.

Abends im Vorstadtkino: "Hokuspokus". Ein gut gebauter Film von Curt Goetz. Auch die Schauspieler


Besprechung mit Witzmann. (Ein wenig gegen Machwitz.) Jeden Abend und jeden Morgen fahre ich mit anderen Menschen in der Straßenbahn.

An diesen Dezembertagen: nichts Nennenswertes.



Besprechung mit Dr. Lindner.


Im Büro mehr geplaudert als gearbeitet. Jetzt, bevor ich weggehe, mag mich anscheinend auch Huber leiden.

Abends Post: die "Neuen Wege". Zwei Artikel; der von Traude ziemlich plump, beide Artikel an der Sache vorbeiredend. Amüsant ist, daß der eine Artikel wirklich "die ver-dächtige Unordnung" hieß, wie ich es mir auf der Heimfahrt prophezeit hatte.


Las auch den Artikel der Danneberg über die Generation 1945 in den "NW" und hatte einen angenehmen Morgen ohne Ärger. Ich hätte die Polakovicse ganz unbe-schränkt gern, wenn sie nicht ihre Posen hätten: er seine grimmige "Männlichkeit", sie ihre Routine und ihre Glycerin-Tränen. Beide, wie die ganze Hakelschule, machen in Edelmut und Gemeinschaftlichkeit. In der Unaufgeschlossenheit sind sie beide beispielhaft. (Übrigens ist die nicht konstant sondern hängt von irgendwelchen Launen ab.)

Einstweilen werde ich nicht antworten sondern die Antworten der Leute abwarten, die für mich sind. Immerhin mehrere Gedankengänge aufbewahrt. Wenig Arbeit im Büro.

Keller-Ordnung. Tante kam. aufgearbeitet. Mama trank Wein. .

Gestern Abend war ich niedergeschlagen deswegen, weil anscheinend niemand die Stimmungs-Änderung in den "Neuen Wegen" merkt. Die Unmittelbarkeit ist dahin. Einige frischere Stückchen wiegen die Ladung Geschichte nicht auf, die auf den übrigen Stücken lastet. Vor allem: keine Hoffnung auf einen Durchbruch mehr. Verösterreichert! Die Basis, auf der ich stehe, ist so klein.aneben die Abgründe Formalismus und des Traditionalismus.


Bis halb elf im Bett gelegen. Die "Wendemarke" gelesen. Faulkners unübersichtlicher Stil ist mir weniger angenehm zu lesen als Hemingway's oder auch Dos Passos' klare Stile.

Aber der Roman (den ich im Laufe des Sonntags und des Montagmorgens fertiggelesen habe) bleibt einem im Gedächtnis. Das ist den unwiederholbaren Gestalten und Charakteren zu danken, die diesen Roman gelebt haben.


Abends Kino "Auf den Straßen von Paris". Die Rahmen-handlung ist originell. Leider hat man die Möglichkeiten, die sie bietet, fast nicht ausgenützt. Die Spielhandlung selbst ist uneinheitlich und dünn. Der Hildegard Knef hat man fast keine Gelegenheit zu spielen gegeben.


"Fahrraddiebe" anschaut, diesmal mit Mama.

Der Film hat auch auf sie stark


Abends die vier Spiegel abgeholt. 150.-


Nachmittags in der Welser (Schönborngasse). Herr Nepp (der Buchhalter) und Frau Viciany (die Buchhaltung-Angestellte führten mich in den Betrieb und in die Buchhaltung ein.

anz andere Stimmung als in der ÖPEX, kameradschaftlich, Nepp nicht zu vergleichen mit Machwitz und Witzmann, Viciany nicht zu vergleichen mit uber. Die Buchungs-maschine in ihrer Moderne freut mich, besonders freut mich, daß sie für mich noch zwei Zählwerke einge-baut kriegt. Auch eine Wand wird für mich versetzt. Ich werde im Zimmer mit Frau Viciany arbeiten. Im Nebenzimmer wird Herr Nepp sein. Mittagspause gibt es im Buchhaltungszimmer noch Kaffee. Nach meiner Rückkehr aus Wels muß ich zunächst Buchhaltung lernen. Wenn ich so weit vorge-schritten sein werde, daß ich die Arbeiten Frau Viciany leiste kann, (zur Vorbildung und damit ich ihre Arbeit in ihrem Urlaub mitmachen könne), werde ich von der Finanzbuchhaltung weggeführt, und mit mir zusammen wird eine Betriebsbuchhaltung für die Welser Papierfabrikwachsen. (Bisher hat es eine solche in diesem Betrieb nicht gegeben.

Also arbeite ich oe einen Vorgänger in diesem Fach in diese Bis dahin, und bis ich dann Betriebskontrolle, Rationalisierung und Kalkulation werde ausüben können, wird aber noch viel Zeit vergehen.

Ein eigentümliches Gefühl: Nach mehreren Jahren wieder neu beginnen, wieder lernen und sehen; befürchtet hae, bis zu ner Pensionierung im Trott d dahinschreiten zu müssen.


Die Stellagen wurden geliefert, 775.- (Küche, Vorzimmer.)


Spiegel und Toilettebrett wurden montiert.

Tante kam. Vorzimmer-stellage einzuräumen begonnen.


Zimmervorhang. Vorzimmer-stellage fertig. Vorzimmer Wandbespannung.


Weltsch besuchte Maa. Kleiderablage wurde montiert.


Amtsweg (eigentlich umsonst). Abends erstmals Geschenk von Dr. Lindner. (Wurde für mich


in unserer Wohnung abgegeben. War sehr überrascht.)

Abends versuchte ich für Mayröcker und mich eine Niederschrift.


Abschied vom Büro.

Besinnlicher Abend zu Haus.


Vormittags Wege.

Baudelaire kam, gelesen.

Wenn man Kinder mit solchem Lesestoff erzöge -?

Heiliger Abend. Mama war erfreut über das Eau de Cologne. Ich über zwei Bücher: Daumier und Warsinsky, die ich von Paul bekommen hatte.


"Mein hat einen Rosenmund und wer ihn küßt, der wird gesund o du, o du, o du -

o du tralálalàlalátraa - lálalalalá ....." aus dem Radio (nach mancher anderer - schaler - Musik und nach eifrigem städtischem Geplapper).

Dazu die Fahrt im Autobus. Wechselnde Richtungen und Geschwindigkeiten, in die Abenddämmerung hinein. Der Motor mit seinem unentwegten Geräusch, das manchmal zusammenstimmt, manchmal sie stört. Das gibt einem ein Gefühl: Fröstelnd, unaussprecar. Anklänge, Gedanken:

Jetzt wieder Heimkehr in die Stadt. Nur das Lied mit mir verbunden, gegen das übrige im Autobus, das der Stadt und mindestens ihrem Treiben, ihrem Lebensgefühl, zustrebt.

Sich lammern an das, Zeugnis von der tieferen Welt ablegt. Bald sind die Kontakte mit dem Tieferen wieder gestört; ber die der Tiefe haben einen Zusammenhang untereinander, als lebte man ein kontinuierliches Untere-Leben unter dem Alltäglichen, und wisse es nur nicht immer. Glückgefühl ber Angst vor der Verschwendung der Jahre. Auflehnung gegen die Anpreisung des äußerlich genützten Lebens. Unzufriedenheit mit: der eigenen Erkenntnis-unschärfe, Flüchtigkeit des Gefühls und Ausdrucks-schwäche.

Gedanke: Der Komponist dieses Lieds. Gestorben. Alle gestorben, die in dieses Lied bezogen sein konnten. Der Augenblick, da dieses Lied wesentlich gegolten hat, ist dahin und nie zurück und wird nie von jemand werden können. Aber das Lied bleibt. Wie grausam sozial die Wirklichkeit auch mit dem Tiefsten des Individuums umspringt. Welcher Trost, welches Niederschmettern.


Machte mich über Daier, blieb den ganzen Abend bei ihm.


Weihnachtstag. Früh Kirche und Sieveringer Spaziergang. (Jeder für sich allein.)

Bis zwei Uhr die Kimmerische Fahrt gelesen. Ein starkes, zugleich unbefriedigendes Buch. Die "Untrüglichen" klangen, , so deutlich aus.

Viel geplaudert.


Ich träumte /noch in der alten Wohnung/ von einer wahnsinnigen Tat: Ein Mann und eine Frau hatten sich an den Beinen einander anschmieden lassen. Es verband sie eine breite und starke glänzendgelbe Metallklammer. Eine illustrierte Zeitschrift bildete das Paar, mit einem bösen Kommentar, ab.


Vormittag: Arbeiten im Haus. Mittag: Ein paar Notizen auszu-arbeiten versucht.

Nachmittag: Tante und Paul kamen. Nachher: Koffer gepackt und "hulat" (Wein, lustige Gespräche. Ich kritzelte dumme Zeichnungen. Lang wachgeblieben.

Elf Uhr nachts: Carmina burana.


Früh Idiot gelesen.

Vormittag fertig gepackt. Der Himmel verhängte sich tief. Weicher Schnee fiel. Noch gar kein "Reise-Fieber".


Nachmittag aus der Wohnung gegangen. Verbrachten den Nachmittag noch bei Tante. Ich übernachtete dort. Am Montagmorgen dann von dort aus zur Bahn gefahren.

6,25 D-Zug nach Wels. Fahrt, in das Morgengrauen hinein, bei tristem Wetter. 9,08 in Wels angekommen. Wurde von Herrn Nepp abgeholt und gleich in die Fabrik gebracht, wo mich Herr Hummer aus der Materialabteilung dann herumführte.


Zitiervorschlag

Okopenko, Andreas: Tagebuch 16.06.1953–28.12.1953. Digitale Edition, hrsg. von Roland Innerhofer, Bernhard Fetz, Christian Zolles, Laura Tezarek, Arno Herberth, Desiree Hebenstreit, Holger Englerth, Österreichische Nationalbibliothek und Universität Wien. Wien: Version 1.1, 15.1.2019. URL: https://edition.onb.ac.at/okopenko/o:oko.tb-19530616-19531228/methods/sdef:TEI/get?mode=p_67

Lizenzhinweis

Die Transkriptionen der Tagebücher sind unter CC BY-SA 4.0 verfügbar. Weitere Informationen entnehmen Sie den Lizenzangaben.

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