Sonntag 25.1.90

Lieber Freund! Ganz genau kann ich es nicht angeben, wie lange ich Ihnen nicht geschrieben habe. Ich weiß nur, daß, jetzt in der Zeit meiner kürzesten Briefe, ich bald dazuschauen muß, sonst wächst m[ir] das Mitzutheilende wirklich über den Kopf. Hätte ich nicht so oft Ihre Schrift gesehen, nicht so oft Ihr sicheres Aug – auch in schwerer Zeit – bewundert; nicht so oft Ihre Ratschläge befolgt oder wenigstens nach allen Seiten erwogen: vielleicht hätte es mich noch mehr getrieben, mich Ihnen mitzutheilen; so war aber scheinbar und thatsächlich ein reger Verkehr vorhanden. – Ich habe in den letzten 3 Monaten eine höchst merkwürdige Zeit verlebt; ärgerlich und hochgestimmt zu gleicher Zeit; trübsinnig und heiter; verbittert und innerlichst befriedigt; ärgerlich über die Wiener Verwaltungsorgane, die unsere Angelegenheit [me]hr als billig verschleppten; ich sagte mir oft: gehen alle Geschäfte der Wiener Gemeinde diesen elenden Schneckengang, dann ist Wien (und Österreich mit ihm) wert, daß es zu Grunde gehe. Kein Contract, keine Papiere, keine Bücher; nur Worte, Worte, Worte und nicht einmal die immer. Bei Tage nach einander Telegramme und dann wieder Allvaters berühmtes Schweigen; dazu Schmähungen von antisemitischen Organen und geldgierigen Buchhändlern und Arbeit, daß die Haare dampften. – Dabei aber wirklich höchstes Glück. Ich sage Ihnen, lieber Freund, es gibt nichts schöneres, als so aus dem Vollen zu arbeiten, die großen Maßen zu ordnen und zu gliedern, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu [son]dern und über das Kleine nicht so sehr hinwegsehen zu dürfen als es dem Großen und Wichtigen unterzuordnen. Sie wissen, wie sehr ich Detailarbeit schätze und liebe: daher darfs ich sagen: daß doch nur die Darstellung die Krone aller und jeder wissenschaftlichen Beschäftigung ist, wo Sie mit der Kunst in Berührung tritt, in diese übergeht. Glauben Sie mir, daß ich oft bei meinem Grillparzer an Ihren Wieland denke und mir sage: es wäre Jammerschad !, [we]nn Sie Ihre sicherlich einzig dastehende Kenntnis dieses Mannes nur zu Einzelstudien oder Briefpublicationen verwerteten; Sie müßen uns den ganzen Mann schildern und bleibt irgendwo eine Lücke: wo ist eine solche nicht? Ich arbeite nicht leichtsinnig, und nicht leicht. Im Gegentheil. Aber ich sage mir: es ist unmöglich alle Einzeluntersuchungen selbst zu machen; ich weiß, daß über jedes Werk meines Dichters noch ein Buch wird geschrieben werden; die Ziele dieser Einzeluntersuchungen stecke ich ab und vielfach n[eh]me ich die Resultate voraus. Mein Buch wird daher auch ein ganz andres werden als der Schiller Minors und ich hoffe nicht ganz zu meinem Nachtheil wird der Vergleich ausfallen. Freilich ein solcher Herrscher über Speciallitteratur kann ich nicht sein, weil sie für Gr. noch nicht existirt; aber etwas mehr hoffe ich den Leser mitzureißen und weniger doctrinär hoffe ich zu sein. Gebe ich die namenlose Breite überdies zu und sehe ich von den mancherlei stilistischen [M]onstren wie der ausgezogene alte Adam und die immer wiederkehrenden Geburtswehen der neuen Zeit ab: dann bleibt mir wirklich nur Bewunderung über für ! die eiserne Consequenz und Sicherheit, mit der er unsere Methode handhabt. Aber breit ist es wirklich: ich habe das bon mot gemacht: daß man ein Jahr lang Urlaub nehmen müße, um das fertige Werk zu lesen. – Überdies an Minors Charakter beginne ich zu zweifeln. Nicht nur daß er von mir verlangte: ich solle das Werk anzeigen in der Gymn. Z.schr. mit dem Beisatz: ‚Du brauchst es nicht aus Freundschaft zu loben, Du brauchst es [nu]r zu loben‘; sondern er motivirte diese Forderung mit dem mir höchst wertvollen Bekenntnisse: „Wenn wir so fortfahren einander zu schaden ...“. Also er hat mir bisher zu schaden versucht und wird darin auch fortfahren, wenn ich ihn nicht vor aller Welt lobe: so darf man wol diese Construction auffassen. Ich bin mir nicht bewußt, ihm geschadet zu haben und kann daher in dieser löblichen Beschäftigung auch nicht fortfahren. Leider habe ich ihn in [W]ien diesmal nicht gesehen. Auch dort aber sind mir Proben seiner Charaktertüchtigkeit und Überzeugungstreue entgegengetreten: in dem Briefe an den Bürgermeister, in welchem er s. Nichterscheinen bei der Sitzung des Raimund-Denkmal-Comittees! entschuldigte: erklärte er sich mit den Beschlüssen der Majorität für einverstanden. Bei der Grillparzergesellschaft wurde er einfach fahnenflüchtig, nachdem er seinen Namen zu dem wüstesten Dilettantismus hergeliehen hatte. Freilich so unpolitisch als ich war er nicht, der ich die Gesellschaft in offener Sitzung mit wenig Glück bekämpft und mich dann noch dazu von den Wiener Ztgn todt schweigen lassen mußte. Ich hoffe, dieses mein öffentliches Auftreten in Wien war mein erstes und letztes. Man muß dort – oder vielleicht überall? – zu einer Clique gehören, wenn man etwas ausrichten will. Meine Geduld war aber schon zu Ende. Gemeinderäthen und [de]m Bürgermeister, Magistratsbeamten und Bibliothekaren: allen sagte ich Wahrheiten & Grobheiten und ließ mich durch das ehrwürdige Waschweibsgesicht des ästhetischen Hofraths nicht einmal abhalten, anderer Meinungen zu sein als er.
Zu alledem habe ich nur mehr wenig persönliches hinzuzufügen. Ich laße mich für den Sommer von den Vorlesungen dispensiren, halte aber Seminar u. bleibe am Orte, wo ich ja besser und ruhiger arbeite als an jedem andern Orte; ich hoffe, Excellenz geht mir auf den ‚vaterländischen‘ Leim, den ich auf meinem Gesuche ausgestrichen habe. Nur so [h]offe ich meinen Löwen bezwingen zu können; denn noch immer wächst das papierene Gebäude um mich an: Briefe und Akten wollen kein Ende nehmen. Mit der Gesundheit gehts mir bis jetzt merkwürdig gut (nur die Influenzatage waren bös; Vater und Magd lagen auch; nichts zu essen, schlechte Bedienung etc. etc.) und wird dann erst besser gehen, wenn der fatale Uz überm Berg ist. Die Correcturen waren eine Höllenarbeit; die Druckerei nachlässig über die Maßen; vieles, von dem, was Sie in 2. u. 3. Correctur tadelten, hatte ich schon in 1. angestrichen. Der Anfang macht mir noch ein paar Tage Mühe, weil eine Stiluntersuchung nöthig ist, um unter 2 Sterbegedichten das richtige herauszufinden; dann mache ich die Einleitung fertig. Einige Tage wirds noch dauern. Verzweifeln Sie nicht!
Was ich aus Ihrem Hause die Zeit her hörte, war wenig; aber um so trauriger. Aber glau[be]n Sie mirs: ich weiß heute noch nicht was Ihrem Kinde fehlte; jeder der schrieb setzte es echt professorenmäßig als bekannt voraus. Ich habe ähnliches im allernächsten Freundeskreise mitgemacht und kann mir denken, wie ganz anders es an der Seele rütteln mag, wenns das eigene Kind ist. Die arme, arme Mutter! Mögen die Befürchtungen sich als irrig erwiesen haben und das Kindchen nun genesen sein. Ich wünsche dies aus vollster Seele. Sie haben sich Ihr Glück so lange erkämpfen müßen: daß nun die bittern Tropfen in der Süßigkeit Ihnen [hä]tten erspart bleiben sollen. Auch sonst soll viel Krankheit in Graz gewesen sein. Aber meine Berichte sind höchst spärlich. – Gedankt habe ich Ihnen noch nicht für den Aufsatz über HSachs aus dem neuen Band der VJS, der ehrenwerte Localforschung enthält und für die von Ihnen so pietätvoll geförderte nachgelassene Schrift ihres Schülers. Sie nimmt sich besser aus als ich nach der Diss. gemeint habe und kommt doch zu ganz hübschen Resultaten. Die abfällige Äußerung über meinen Text habe ich mir zum Theil verdient; nemlich ein Theil der Versehen,! ist darauf zurückzuführen, daß statt der echten Ausgabe (die [mi]r Kürschner geschickt hatte) ohne mein Wissen ein Nachdruck in die Druckerei gegeben wurde, was ich erst zu spät bemerkte. Auch führt man in solchen Samml. einen steten Kampf mit den Correctoren. Ganz ohne Schuld bin ich freilich nicht. – Zum Schluß eine Bitte: Können Sie für das 1. Heft des IV Bandes (das wohl Anfang 91) erscheinen wird einen (speciellen) Grillparzer Aufsatz brauchen; ich will ins Grillparzer Jahrbuch nicht schreiben und möchte dies auf diese Weise bekunden. Allerdings plant man in Wien eine ‚Zeitschrift für d. Geschichte d. [d]. Lit. in Öst.‘, bei der man auf mich in erster [R]eihe rechnet. Aber ob bis dahin schon etwas davon wird erscheinen können, möchte ich bezweifeln.
Und nun, lieber Freund, lassen Sie den Faden des Briefwechsels nicht wieder abreißen und grüßen Sie mir Ihre liebe Frau vielmals. Auch Schönbach wo möglich.
Treu und dankbar
Ihr aufrichtiger AS

Sonntag 25.1.90

Lieber Freund! Ganz genau kann ich es nicht angeben, wie lange ich Ihnen nicht geschrieben habe. Ich weiß nur, daß, jetzt in der Zeit meiner kürzesten Briefe, ich bald dazuschauen muß, sonst wächst m[ir] das Mitzutheilende wirklich über den Kopf. Hätte ich nicht so oft Ihre Schrift gesehen, nicht so oft Ihr sicheres Aug – auch in schwerer Zeit – bewundert; nicht so oft Ihre Ratschläge befolgt oder wenigstens nach allen Seiten erwogen: vielleicht hätte es mich noch mehr getrieben, mich Ihnen mitzutheilen; so war aber scheinbar und thatsächlich ein reger Verkehr vorhanden. – Ich habe in den letzten 3 Monaten eine höchst merkwürdige Zeit verlebt; ärgerlich und hochgestimmt zu gleicher Zeit; trübsinnig und heiter; verbittert und innerlichst befriedigt; ärgerlich über die Wiener Verwaltungsorgane, die unsere Angelegenheit [me]hr als billig verschleppten; ich sagte mir oft: gehen alle Geschäfte der Wiener Gemeinde diesen elenden Schneckengang, dann ist Wien (und Österreich mit ihm) wert, daß es zu Grunde gehe. Kein Contract, keine Papiere, keine Bücher; nur Worte, Worte, Worte und nicht einmal die immer. Bei Tage nach einander Telegramme und dann wieder Allvaters berühmtes Schweigen; dazu Schmähungen von antisemitischen Organen und geldgierigen Buchhändlern und Arbeit, daß die Haare dampften. – Dabei aber wirklich höchstes Glück. Ich sage Ihnen, lieber Freund, es gibt nichts schöneres, als so aus dem Vollen zu arbeiten, die großen Maßen zu ordnen und zu gliedern, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu [son]dern und über das Kleine nicht so sehr hinwegsehen zu dürfen als es dem Großen und Wichtigen unterzuordnen. Sie wissen, wie sehr ich Detailarbeit schätze und liebe: daher darfs ich sagen: daß doch nur die Darstellung die Krone aller und jeder wissenschaftlichen Beschäftigung ist, wo Sie mit der Kunst in Berührung tritt, in diese übergeht. Glauben Sie mir, daß ich oft bei meinem Grillparzer an Ihren Wieland denke und mir sage: es wäre Jammerschad !, [we]nn Sie Ihre sicherlich einzig dastehende Kenntnis dieses Mannes nur zu Einzelstudien oder Briefpublicationen verwerteten; Sie müßen uns den ganzen Mann schildern und bleibt irgendwo eine Lücke: wo ist eine solche nicht? Ich arbeite nicht leichtsinnig, und nicht leicht. Im Gegentheil. Aber ich sage mir: es ist unmöglich alle Einzeluntersuchungen selbst zu machen; ich weiß, daß über jedes Werk meines Dichters noch ein Buch wird geschrieben werden; die Ziele dieser Einzeluntersuchungen stecke ich ab und vielfach n[eh]me ich die Resultate voraus. Mein Buch wird daher auch ein ganz andres werden als der Schiller Minors und ich hoffe nicht ganz zu meinem Nachtheil wird der Vergleich ausfallen. Freilich ein solcher Herrscher über Speciallitteratur kann ich nicht sein, weil sie für Gr. noch nicht existirt; aber etwas mehr hoffe ich den Leser mitzureißen und weniger doctrinär hoffe ich zu sein. Gebe ich die namenlose Breite überdies zu und sehe ich von den mancherlei stilistischen [M]onstren wie der ausgezogene alte Adam und die immer wiederkehrenden Geburtswehen der neuen Zeit ab: dann bleibt mir wirklich nur Bewunderung über für ! die eiserne Consequenz und Sicherheit, mit der er unsere Methode handhabt. Aber breit ist es wirklich: ich habe das bon mot gemacht: daß man ein Jahr lang Urlaub nehmen müße, um das fertige Werk zu lesen. – Überdies an Minors Charakter beginne ich zu zweifeln. Nicht nur daß er von mir verlangte: ich solle das Werk anzeigen in der Gymn. Z.schr. mit dem Beisatz: ‚Du brauchst es nicht aus Freundschaft zu loben, Du brauchst es [nu]r zu loben‘; sondern er motivirte diese Forderung mit dem mir höchst wertvollen Bekenntnisse: „Wenn wir so fortfahren einander zu schaden ...“. Also er hat mir bisher zu schaden versucht und wird darin auch fortfahren, wenn ich ihn nicht vor aller Welt lobe: so darf man wol diese Construction auffassen. Ich bin mir nicht bewußt, ihm geschadet zu haben und kann daher in dieser löblichen Beschäftigung auch nicht fortfahren. Leider habe ich ihn in [W]ien diesmal nicht gesehen. Auch dort aber sind mir Proben seiner Charaktertüchtigkeit und Überzeugungstreue entgegengetreten: in dem Briefe an den Bürgermeister, in welchem er s. Nichterscheinen bei der Sitzung des Raimund-Denkmal-Comittees! entschuldigte: erklärte er sich mit den Beschlüssen der Majorität für einverstanden. Bei der Grillparzergesellschaft wurde er einfach fahnenflüchtig, nachdem er seinen Namen zu dem wüstesten Dilettantismus hergeliehen hatte. Freilich so unpolitisch als ich war er nicht, der ich die Gesellschaft in offener Sitzung mit wenig Glück bekämpft und mich dann noch dazu von den Wiener Ztgn todt schweigen lassen mußte. Ich hoffe, dieses mein öffentliches Auftreten in Wien war mein erstes und letztes. Man muß dort – oder vielleicht überall? – zu einer Clique gehören, wenn man etwas ausrichten will. Meine Geduld war aber schon zu Ende. Gemeinderäthen und [de]m Bürgermeister, Magistratsbeamten und Bibliothekaren: allen sagte ich Wahrheiten & Grobheiten und ließ mich durch das ehrwürdige Waschweibsgesicht des ästhetischen Hofraths nicht einmal abhalten, anderer Meinungen zu sein als er.
Zu alledem habe ich nur mehr wenig persönliches hinzuzufügen. Ich laße mich für den Sommer von den Vorlesungen dispensiren, halte aber Seminar u. bleibe am Orte, wo ich ja besser und ruhiger arbeite als an jedem andern Orte; ich hoffe, Excellenz geht mir auf den ‚vaterländischen‘ Leim, den ich auf meinem Gesuche ausgestrichen habe. Nur so [h]offe ich meinen Löwen bezwingen zu können; denn noch immer wächst das papierene Gebäude um mich an: Briefe und Akten wollen kein Ende nehmen. Mit der Gesundheit gehts mir bis jetzt merkwürdig gut (nur die Influenzatage waren bös; Vater und Magd lagen auch; nichts zu essen, schlechte Bedienung etc. etc.) und wird dann erst besser gehen, wenn der fatale Uz überm Berg ist. Die Correcturen waren eine Höllenarbeit; die Druckerei nachlässig über die Maßen; vieles, von dem, was Sie in 2. u. 3. Correctur tadelten, hatte ich schon in 1. angestrichen. Der Anfang macht mir noch ein paar Tage Mühe, weil eine Stiluntersuchung nöthig ist, um unter 2 Sterbegedichten das richtige herauszufinden; dann mache ich die Einleitung fertig. Einige Tage wirds noch dauern. Verzweifeln Sie nicht!
Was ich aus Ihrem Hause die Zeit her hörte, war wenig; aber um so trauriger. Aber glau[be]n Sie mirs: ich weiß heute noch nicht was Ihrem Kinde fehlte; jeder der schrieb setzte es echt professorenmäßig als bekannt voraus. Ich habe ähnliches im allernächsten Freundeskreise mitgemacht und kann mir denken, wie ganz anders es an der Seele rütteln mag, wenns das eigene Kind ist. Die arme, arme Mutter! Mögen die Befürchtungen sich als irrig erwiesen haben und das Kindchen nun genesen sein. Ich wünsche dies aus vollster Seele. Sie haben sich Ihr Glück so lange erkämpfen müßen: daß nun die bittern Tropfen in der Süßigkeit Ihnen [hä]tten erspart bleiben sollen. Auch sonst soll viel Krankheit in Graz gewesen sein. Aber meine Berichte sind höchst spärlich. – Gedankt habe ich Ihnen noch nicht für den Aufsatz über HSachs aus dem neuen Band der VJS, der ehrenwerte Localforschung enthält und für die von Ihnen so pietätvoll geförderte nachgelassene Schrift ihres Schülers. Sie nimmt sich besser aus als ich nach der Diss. gemeint habe und kommt doch zu ganz hübschen Resultaten. Die abfällige Äußerung über meinen Text habe ich mir zum Theil verdient; nemlich ein Theil der Versehen,! ist darauf zurückzuführen, daß statt der echten Ausgabe (die [mi]r Kürschner geschickt hatte) ohne mein Wissen ein Nachdruck in die Druckerei gegeben wurde, was ich erst zu spät bemerkte. Auch führt man in solchen Samml. einen steten Kampf mit den Correctoren. Ganz ohne Schuld bin ich freilich nicht. – Zum Schluß eine Bitte: Können Sie für das 1. Heft des IV Bandes (das wohl Anfang 91) erscheinen wird einen (speciellen) Grillparzer Aufsatz brauchen; ich will ins Grillparzer Jahrbuch nicht schreiben und möchte dies auf diese Weise bekunden. Allerdings plant man in Wien eine ‚Zeitschrift für d. Geschichte d. [d]. Lit. in Öst.‘, bei der man auf mich in erster [R]eihe rechnet. Aber ob bis dahin schon etwas davon wird erscheinen können, möchte ich bezweifeln.
Und nun, lieber Freund, lassen Sie den Faden des Briefwechsels nicht wieder abreißen und grüßen Sie mir Ihre liebe Frau vielmals. Auch Schönbach wo möglich.
Treu und dankbar
Ihr aufrichtiger AS

Glauben Sie mir, daß ich oft bei meinem Grillparzer an Ihren Wieland denke und mir sage: es wäre Jammerschad !, [we]nn Sie Ihre sicherlich einzig dastehende Kenntnis dieses Mannes nur zu Einzelstudien oder Briefpublicationen verwerteten; Sie müßen uns den ganzen Mann schildern und bleibt irgendwo eine Lücke: wo ist eine solche nicht?

Sauer hoffte, seine umfangreichen Forschungen zu Grillparzer nicht nur in kleinen Artikeln zu verwerten und wünschte Seuffert dasselbe für Wieland.

Glauben Sie mir, daß ich oft bei meinem Grillparzer an Ihren Wieland denke und mir sage: es wäre Jammerschad !, [we]nn Sie Ihre sicherlich einzig dastehende Kenntnis dieses Mannes nur zu Einzelstudien oder Briefpublicationen verwerteten; Sie müßen uns den ganzen Mann schildern und bleibt irgendwo eine Lücke: wo ist eine solche nicht?

Sauer hoffte, seine umfangreichen Forschungen zu Grillparzer nicht nur in kleinen Artikeln zu verwerten und wünschte Seuffert dasselbe für Wieland.

Briefdaten

Schreibort:
Empfangsort: Graz
Archiv: Österreichische Nationalbibliothek
Zustand: archivarisch einwandfreier Zustand, allerdings kleinräumige Textverluste durch nachträgliche Lochung
Signatur: Autogr. 422/1-174
Umfang: 8 Seite(n)

Status

Transkription mehrfach geprüft, Text teilweise getaggt

Zitiervorschlag

Brief ID-8523 [Druckausgabe Nr. 98]. In: Der Briefwechsel zwischen August Sauer und Bernhard Seuffert 1880 bis 1926. Digitale Edition. Hrsg. von Bernhard Fetz, Hans-Harald Müller, Marcel Illetschko, Mirko Nottscheid und Desiree Hebenstreit. Wien: Österreichische Nationalbibliothek, Version 2.0, 2.7.2020. URL: https://edition.onb.ac.at/sauer-seuffert/o:bss.8523/methods/sdef:TEI/get

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