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zurück u. machten das dort schon vorhandene slawische Kleinbürgertum kräftig wachsen. Daraus ergab sich einegewisser Gegensatz, denn große Schwierigkeit /oder: ergaben sich schwierige Verhältnisse/, denn Die Stadt war aber im übrigen deutsch,oder wenigstens von Deutschen kolonisiert... war in der Hauptsache deutsch, ja ....ja sSie lag sogar an der Spitzein einer größeren deutschen Sprachinsel , u waru fühlte sich nicht völlig von Fremden umgeben, wenn sieauchwenn auch auf deren äußerster Spitze, und wußte sie sich seit dem 13. Jahrdt. Jahrhundert in die stolzen Erinnerungen deutscher Geschichte verflochten. Man konnte in denihrenArchiven u in den deutschen Schulen dieser Stadtder Stadt erfahren, daß hierhierorts schon diesenortslernen, daß hierorts schon der Türkenprediger Kapistran Kapistran
wider die Hussiten gepredigt habe, zu einer Zeit, wo gute Österreicher noch in Neapel geboren werden konnten; daß die Erbverbrüderung zwischen den Häusern Habsburg u Ungarn, die 1364 den Grund zur österr. ungar. Monarchie gelegt hat, nirgends anders abgeschlossen worden sei als hier; daß die Schweden im 30j. jährig Krieg diese tapfere Stadt einen ganzen Sommer lang belagert hatten, ohne sie erobern zu können, und noch weniger hatten das die Preussen im 7jähr. jährig Krieg vermocht. Sicher erfuhr man das alles nicht ebenso in den tschechischen Schulen der Stadt Natürlich war dadurch die Stadt ebenso auch in die stolzen hussitischen Erinnerungen der Tschechen verflochten und in die selbständigen geschichtlichen der Ungarn. , möglicherweise sogar auch in die der Neapolitaner, Schweden und Preussen., und es fehlte in den nichtdeutschen SchulenKreisenSchulen der Stadt keineswegs an Hinweisen darauf , daß diese Stadt nicht deutsch sei, und daß die Deutschen ein Diebsvolk seien, das sich sogar fremde Vergangenheiten aneigne.ja es wurde sogar selbst der nichtdeutsche Unterricht in diesem Sinne erteilt.Eigentlich kommt es davon, daß die Geschichtsbücher von 49%gen geschrieben werden. Es gab viele solche Städte in Kakaniengehörte zur Schulpolitik Kakaniens,war merkwürdig, daß das nicht gehindert wurde, und es gab dort viele solche Städte. Sie sahen alle auch einander ähnlich aber so gehörte es zur weisen Mäßigung Kakaniens. Es gab dort viele solche Städte, und alle sahen sie auch ähnlich aus. Am höchsten Punkt thronte ein Gefängnis, am zweithöchsten eine Bischofsresidenz, und ringsherum, gut auf die Stadt verteilt, fanden sich ungefähr noch 10 Klöster und Kasernen. War das geordnet, was man auch "die Staatsnotwendigkeiten" nannte, so überspannte man im übrigen nicht die Einheitlichkeit und Einigkeit nicht, denn Kakanien war von einem in großen historischen Erfahrungen erworbenen Mißtrauen gegen alles Entweder=Oder beseelt und hatte wohl immer geahnt, daß das Weltende nahe ist, wenn es einmal soweit kommt, daß/Kkn.

Abkürzung im Nachlass: Kknien | Kknier | kk; Bezeichnung für die österreichisch-ungarische Monarchie im ›Mann ohne Eigenschaften‹ [siehe Kapitel I/8]

hatte immer eine Ahnung davon, daß es noch viel mehr Gegensätze in der Welt gebe, als die, an denen es schließlich zugrunde gegangen ist, u daß ../ ein Gegensatz durchgreifend ausgetragen werden sollmüsse. Sein Regierungsgrundsatz war das Sowohl=als=auch aber noch liebereiner, oder, noch lieber mit weisester Mäßigung das Weder=noch. Man vertrat in Kknien.

Abkürzung im Nachlass: Kknien | Kknier | kk; Bezeichnung für die österreichisch-ungarische Monarchie im ›Mann ohne Eigenschaften‹ [siehe Kapitel I/8]

(darum also (auch) die Auffassung, daß es nicht gutvorsichtig sei, wenn die einfachen Leute, die es nicht nötig haben, zuviel lernen.,undMman legte auch keinen Wert darauf, daß es ihnen wirtschaftlich unbescheiden gut gehe.Steckt etwas Tüchtiges in einem Menschen, so wird es sich schon zeigen, und Widerstände sind geeignet, Männer zu erziehn; anderseits kann man beruhigt, einem, der schon viel hat, noch etwas geben: Es war also ein Stück altösterreichischer Überlieferung, daß man den Menschen nur mit Bedacht das Vorwärtskommen erleichterte, wenn siedie nicht schon aus den Kreisen stammten, zu deren Privileg es gehörteDagegen läßt sich gernohne Gefahr einem, der schon viel hat, noch etwas geben. Man gab gerne denen, die schon etwasviel hatten, weil es da keine Gefahr mehr hatmit sich bringt, und überließ den andern setzte sichvoraus, wenn in den andern etwas Tüchtiges stecke, so werde es sich wohlselbst zeigen, denn Widerstände sind geeignet, Männer zu erziehn. Und so gut bewahrheitete es sich auch: beiunter den Gegnern wurden Männer erzogen, und unter dendie Deutschen bekamen, weil Besitz und Bildung in B. B
deutsch waren, mit Staates Hilfe immer mehr

/D i. Forts. von Weltprosperität in Ld-Kapitel. s. Schm. M – K – II S 3./
Legende
ABC: Streichung ABC: HinzufügungABC: Textvariante : Abkürzung, BegriffserklärungABC: Autorenkommentar
Beschreibung einer kakanischen Stadt
Stufe
12
Anzahl
12 MS
Inhalt
Text: Nationen (Gn bei U u Ag)
Typ
Entwurfsfragment
Entwurfsfragmente sind für die spätere Produktionsphase des "Mann ohne Eigenschaften" typisch (1933-1942). Es handelt sich um Zeugnisse der Umschreibprozeduren, in der Regel in Form unvollständiger Kapitelentwürfe, die keinen fixen Kapiteltitel und keine fixe Kapitelnummer haben; sie sind stark korrigiert und mit Notizen versehen.
Zeit
13. Juni 1933 - 5. Juli 1933
Datierungsmethode: indirekt, implizit
Referenz
Aus dem Bereich "Schauen"
  • I/8/3
  • I/8/4
  • I/8/5 (aktuelles Dokument)
  • I/8/6
  • I/8/7
  • I/8/8
  • I/8/9
  • I/8/10
  • I/8/11
  • I/8/12
  • I/8/13
  • I/8/14
Aus dem Bereich "Lesen"
  • [01]
  • [02]
  • [03]
  • [04]
  • [05]
  • [06]
  • [07]
  • [08]
  • [09]
  • [10]
  • [11]
  • [12]
Datierung
13. Juni 1933 - 5. Juli 1933
Datierungsmethode: indirekt, implizit
Objektbeschreibung
Angaben zum Blatt: Kanzleidoppelblatt cremefarben
Maße: 209x329mm
Typ des Blatts
Entwurfsfragment
Tinte schwarz
Entwurfsfragmente sind für die spätere Produktionsphase des "Mann ohne Eigenschaften" typisch (1933-1942). Es handelt sich um Zeugnisse der Umschreibprozeduren, in der Regel in Form unvollständiger Kapitelentwürfe, die keinen fixen Kapiteltitel und keine fixe Kapitelnummer haben; sie sind stark korrigiert und mit Notizen versehen.
Bezug
Der Mann ohne Eigenschaften
Fortsetzung 1933-1936 | Parallelaktion | Beschreibung einer kakanischen Stadt | Stufe 12
Siglen
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zurück u. machten das dort schon vorhandene slawische Kleinbürgertum kräftig wachsen. Daraus ergab sich einegewisser Gegensatz, denn große Schwierigkeit /oder: ergaben sich schwierige Verhältnisse/, denn Die Stadt war aber im übrigen deutsch,oder wenigstens von Deutschen kolonisiert... war in der Hauptsache deutsch, ja ....ja sSie lag sogar an der Spitzein einer größeren deutschen Sprachinsel , u waru fühlte sich nicht völlig von Fremden umgeben, wenn sieauchwenn auch auf deren äußerster Spitze, und wußte sie sich seit dem 13. Jahrdt. Jahrhundert in die stolzen Erinnerungen deutscher Geschichte verflochten. Man konnte in denihrenArchiven u in den deutschen Schulen dieser Stadtder Stadt erfahren, daß hierhierorts schon diesenortslernen, daß hierorts schon der Türkenprediger Kapistran Kapistran
wider die Hussiten gepredigt habe, zu einer Zeit, wo gute Österreicher noch in Neapel geboren werden konnten; daß die Erbverbrüderung zwischen den Häusern Habsburg u Ungarn, die 1364 den Grund zur österr. ungar. Monarchie gelegt hat, nirgends anders abgeschlossen worden sei als hier; daß die Schweden im 30j. jährig Krieg diese tapfere Stadt einen ganzen Sommer lang belagert hatten, ohne sie erobern zu können, und noch weniger hatten das die Preussen im 7jähr. jährig Krieg vermocht. Sicher erfuhr man das alles nicht ebenso in den tschechischen Schulen der Stadt Natürlich war dadurch die Stadt ebenso auch in die stolzen hussitischen Erinnerungen der Tschechen verflochten und in die selbständigen geschichtlichen der Ungarn. , möglicherweise sogar auch in die der Neapolitaner, Schweden und Preussen., und es fehlte in den nichtdeutschen SchulenKreisenSchulen der Stadt keineswegs an Hinweisen darauf , daß diese Stadt nicht deutsch sei, und daß die Deutschen ein Diebsvolk seien, das sich sogar fremde Vergangenheiten aneigne.ja es wurde sogar selbst der nichtdeutsche Unterricht in diesem Sinne erteilt.Eigentlich kommt es davon, daß die Geschichtsbücher von 49%gen geschrieben werden. Es gab viele solche Städte in Kakaniengehörte zur Schulpolitik Kakaniens,war merkwürdig, daß das nicht gehindert wurde, und es gab dort viele solche Städte. Sie sahen alle auch einander ähnlich aber so gehörte es zur weisen Mäßigung Kakaniens. Es gab dort viele solche Städte, und alle sahen sie auch ähnlich aus. Am höchsten Punkt thronte ein Gefängnis, am zweithöchsten eine Bischofsresidenz, und ringsherum, gut auf die Stadt verteilt, fanden sich ungefähr noch 10 Klöster und Kasernen. War das geordnet, was man auch "die Staatsnotwendigkeiten" nannte, so überspannte man im übrigen nicht die Einheitlichkeit und Einigkeit nicht, denn Kakanien war von einem in großen historischen Erfahrungen erworbenen Mißtrauen gegen alles Entweder=Oder beseelt und hatte wohl immer geahnt, daß das Weltende nahe ist, wenn es einmal soweit kommt, daß/Kkn.

Abkürzung im Nachlass: Kknien | Kknier | kk; Bezeichnung für die österreichisch-ungarische Monarchie im ›Mann ohne Eigenschaften‹ [siehe Kapitel I/8]

hatte immer eine Ahnung davon, daß es noch viel mehr Gegensätze in der Welt gebe, als die, an denen es schließlich zugrunde gegangen ist, u daß ../ ein Gegensatz durchgreifend ausgetragen werden sollmüsse. Sein Regierungsgrundsatz war das Sowohl=als=auch aber noch liebereiner, oder, noch lieber mit weisester Mäßigung das Weder=noch. Man vertrat in Kknien.

Abkürzung im Nachlass: Kknien | Kknier | kk; Bezeichnung für die österreichisch-ungarische Monarchie im ›Mann ohne Eigenschaften‹ [siehe Kapitel I/8]

(darum also (auch) die Auffassung, daß es nicht gutvorsichtig sei, wenn die einfachen Leute, die es nicht nötig haben, zuviel lernen.,undMman legte auch keinen Wert darauf, daß es ihnen wirtschaftlich unbescheiden gut gehe.Steckt etwas Tüchtiges in einem Menschen, so wird es sich schon zeigen, und Widerstände sind geeignet, Männer zu erziehn; anderseits kann man beruhigt, einem, der schon viel hat, noch etwas geben: Es war also ein Stück altösterreichischer Überlieferung, daß man den Menschen nur mit Bedacht das Vorwärtskommen erleichterte, wenn siedie nicht schon aus den Kreisen stammten, zu deren Privileg es gehörteDagegen läßt sich gernohne Gefahr einem, der schon viel hat, noch etwas geben. Man gab gerne denen, die schon etwasviel hatten, weil es da keine Gefahr mehr hatmit sich bringt, und überließ den andern setzte sichvoraus, wenn in den andern etwas Tüchtiges stecke, so werde es sich wohlselbst zeigen, denn Widerstände sind geeignet, Männer zu erziehn. Und so gut bewahrheitete es sich auch: beiunter den Gegnern wurden Männer erzogen, und unter dendie Deutschen bekamen, weil Besitz und Bildung in B. B
deutsch waren, mit Staates Hilfe immer mehr

/D i. Forts. von Weltprosperität in Ld-Kapitel. s. Schm. M – K – II S 3./
Legende
ABC: Streichung ABC: HinzufügungABC: Textvariante : Abkürzung, BegriffserklärungABC: Autorenkommentar
Beschreibung einer kakanischen Stadt
Stufe
12
Anzahl
12 MS
Inhalt
Text: Nationen (Gn bei U u Ag)
Typ
Entwurfsfragment
Entwurfsfragmente sind für die spätere Produktionsphase des "Mann ohne Eigenschaften" typisch (1933-1942). Es handelt sich um Zeugnisse der Umschreibprozeduren, in der Regel in Form unvollständiger Kapitelentwürfe, die keinen fixen Kapiteltitel und keine fixe Kapitelnummer haben; sie sind stark korrigiert und mit Notizen versehen.
Zeit
13. Juni 1933 - 5. Juli 1933
Datierungsmethode: indirekt, implizit
Referenz
Aus dem Bereich "Schauen"
  • I/8/3
  • I/8/4
  • I/8/5 (aktuelles Dokument)
  • I/8/6
  • I/8/7
  • I/8/8
  • I/8/9
  • I/8/10
  • I/8/11
  • I/8/12
  • I/8/13
  • I/8/14
Aus dem Bereich "Lesen"
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Datierung
13. Juni 1933 - 5. Juli 1933
Datierungsmethode: indirekt, implizit
Objektbeschreibung
Angaben zum Blatt: Kanzleidoppelblatt cremefarben
Maße: 209x329mm
Typ des Blatts
Entwurfsfragment
Tinte schwarz
Entwurfsfragmente sind für die spätere Produktionsphase des "Mann ohne Eigenschaften" typisch (1933-1942). Es handelt sich um Zeugnisse der Umschreibprozeduren, in der Regel in Form unvollständiger Kapitelentwürfe, die keinen fixen Kapiteltitel und keine fixe Kapitelnummer haben; sie sind stark korrigiert und mit Notizen versehen.
Bezug
Der Mann ohne Eigenschaften
Fortsetzung 1933-1936 | Parallelaktion | Beschreibung einer kakanischen Stadt | Stufe 12
Siglen

Signatur: Cod. Ser. n. 15068

29 Blatt, 67 Seiten, 4 Konvolute

Die Mappe enthält Materialien zur Fortsetzung des ›Mann ohne Eigenschaften‹ nach der Teilveröffentlichung des Zweiten Buchs von 1932. Musil konzentrierte diese Fortsetzung in einer Entwurfsfolge mit der ›Sigle H‹ = ›Handschrift‹ (Fortsetzungshandschrift, Zweite Fassung, H 3 = Mappe I/7). Das daraus stammende Konvolut ›H 401-435‹ ist zusammen mit weiteren ersten Entwürfen von 1933 in die Mappe VII/9 gelangt. Eine Neufassung des Manuskripts (H 425-445) von 1934 aber bildet den Schwerpunkt des vorliegenden ›alten blauen Faszikels‹, in den auch das aktuelle Kapitelverzeichnis der Romanfortführung eingelegt wurde. Dazu kommen drei weitere unfertige Kapitelentwürfe von 1933/1934 aus älteren Kapitelprojekten zur Parallelaktions- und Rahmenerzählung, noch in keine endgültige Kapitelsukzession gereiht. Teils liefern die Entwürfe Vorstufen der Druckfahnenkapitel von Ende 1937, teils bleiben sie außerhalb des später angestrebten Erzählkontinuums.

Zitiervorschlag

Robert Musil, Altes blaues Faszikel (a. bl. Fa.) : Mappe I/8, ediert von Walter Fanta, in: Musil Online, hrsg. v. RMI/KLA und ÖNB, Klagenfurt und Wien 2021, Version 0.1, März 2022. URL: https://edition.onb.ac.at/musil/o:mus.sn15068-01-08/methods/sdef:TEI/get?mode=p_6

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