täglich, hat noch nie jemand er-
lebt

Eine Frau stellte mir ihren neuen
Freund vor: "S. nicht identifiziert
ist ein großer Fla- -
nierer neur, wie du! Er ist ein
Zyniker, wie du, noch mehr sogar!"

Ein Kind, das einen Er-
wachsenen im Spiel gewinnen
lassen will, voll Mitleid

Ich bin nicht jähzornig, was ja
eine schmeichelhafte Untugend
wäre, sondern einfach nur unbe-
herrscht

Eines Tages sollte ich, beim Baden
an einem See, zum Auto meines
Onkels❬1❭ gehen, um was herauszu-
holen. In meinem Ungeschick
brach ich beim Aufsperren den
Schlüssel ab. Meine Mutter❬2❭
sagte, als ich beschämt zurückkam,
wie stolz zum Onkel, da sehe
man, welche Kraft ich in den
Händen hätte (immer sprach
sie von meinen kräftigen Händen!)

Die Erinnerung, wie wir, lauter erwachse-
ne Männer, bei einem Mittagessen
8
täglich, hat noch nie jemand erlebt​
Eine Frau stellte mir ihren neuen Freund vor: "S. nicht identifiziert
ist ein großer Fla- neur, wie du! Er ist ein Zyniker, wie du, noch mehr sogar!"​
Ein Kind, das einen Erwachsenen im Spiel gewinnen lassen will, voll Mitleid​
Ich bin nicht jähzornig, was ja eine schmeichelhafte Untugend wäre, sondern einfach nur unbe- herrscht
Eines Tages sollte ich, beim Baden an einem See, zum Auto meines Onkels❬1❭ gehen, um was herauszuholen. In meinem Ungeschick brach ich beim Aufsperren den Schlüssel ab. Meine Mutter❬2❭ sagte, als ich beschämt zurückkam, wie stolz zum Onkel, da sehe man, welche Kraft ich in den Händen hätte (immer sprach sie von meinen kräftigen Händen!)​
Die Erinnerung, wie wir, lauter erwachsene Männer, bei einem Mittagessen ​
❬1❭Wahrscheinlich ist hier Georg Siutz Siutz, Georg
gemeint, der einzige von ursprünglich drei Brüdern von Handkes Mutter, der lebend aus dem Krieg zurückgekommen ist.
❬2❭Wahrscheinlich ist hier Maria Handke Handke, Maria
gemeint.


täglich, hat noch nie jemand er-
lebt

Eine Frau stellte mir ihren neuen
Freund vor: "S. nicht identifiziert
ist ein großer Fla- -
nierer neur, wie du! Er ist ein
Zyniker, wie du, noch mehr sogar!"

Ein Kind, das einen Er-
wachsenen im Spiel gewinnen
lassen will, voll Mitleid

Ich bin nicht jähzornig, was ja
eine schmeichelhafte Untugend
wäre, sondern einfach nur unbe-
herrscht

Eines Tages sollte ich, beim Baden
an einem See, zum Auto meines
Onkels❬1❭ gehen, um was herauszu-
holen. In meinem Ungeschick
brach ich beim Aufsperren den
Schlüssel ab. Meine Mutter❬2❭
sagte, als ich beschämt zurückkam,
wie stolz zum Onkel, da sehe
man, welche Kraft ich in den
Händen hätte (immer sprach
sie von meinen kräftigen Händen!)

Die Erinnerung, wie wir, lauter erwachse-
ne Männer, bei einem Mittagessen
8
täglich, hat noch nie jemand erlebt​
Eine Frau stellte mir ihren neuen Freund vor: "S. nicht identifiziert
ist ein großer Fla- neur, wie du! Er ist ein Zyniker, wie du, noch mehr sogar!"​
Ein Kind, das einen Erwachsenen im Spiel gewinnen lassen will, voll Mitleid​
Ich bin nicht jähzornig, was ja eine schmeichelhafte Untugend wäre, sondern einfach nur unbe- herrscht
Eines Tages sollte ich, beim Baden an einem See, zum Auto meines Onkels❬1❭ gehen, um was herauszuholen. In meinem Ungeschick brach ich beim Aufsperren den Schlüssel ab. Meine Mutter❬2❭ sagte, als ich beschämt zurückkam, wie stolz zum Onkel, da sehe man, welche Kraft ich in den Händen hätte (immer sprach sie von meinen kräftigen Händen!)​
Die Erinnerung, wie wir, lauter erwachsene Männer, bei einem Mittagessen ​
❬1❭Wahrscheinlich ist hier Georg Siutz Siutz, Georg
gemeint, der einzige von ursprünglich drei Brüdern von Handkes Mutter, der lebend aus dem Krieg zurückgekommen ist.
❬2❭Wahrscheinlich ist hier Maria Handke Handke, Maria
gemeint.
Zitiervorschlag

Handke, Peter: Notizbuch 15.03.1976-16.04.1976 (NB 003). Hg. von Anna Estermann und Katharina Pektor. In: Ders.: Notizbücher. Digitale Edition. Hg. von Katharina Pektor, Ulrich von Bülow und Bernhard Fetz. Deutsches Literaturarchiv Marbach und Österreichische Nationalbibliothek, Wien: Release 14.06.2024. Seite 10. URL: https://edition.onb.ac.at/fedora/objects/o:hnb.nb.197603-197604/methods/sdef:TEI/get?mode=p_10. Online abgerufen: 18.06.2024.

Transkription und Übersetzung fremdsprachiger oder stenographierter Textstellen

Ioannis Fykias (Altgriechisch), Ana Grigalashvili (Georgisch), Angelika Kolesnikow (Russisch), Anna Montané Forasté (Spanisch), Helmut Moysich (Italienisch, Französisch), Martin Springinklee (Steno), Dominik Srienc (Slowenisch) und Dorothea Weber (Latein).

Lizenzhinweis

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