stille

Die weibliche Advokatin machte
Mienen der Anteilnahme und war
dabei völlig teilnahmslos; läu-
tete das Telefon, nahm sie mitten
ihren Teilnahmsbezeigungen sofort
den Hörer ab, wie zufrieden über
die Unterbrechung; zwischen ihr und
der Klientin stand auf dem Tisch
ein mächtiger Blumenstrauß, und
beide beugten sich immer wieder
zur Seite, um einander überhaupt
zu sehen. S❬D❭as Zimmer war kahl,
nur ein Tisch, der überladen war;
die Fensterscheiben waren be-
schlagen. Die Advokatin nahm
immer wieder ihr kleines Gesetz-
buch des bürgerl. Rechts zur Hand
und blätterte darin als in ihrer
Amtsinsignie, ohne etwas zu
lesen. Es war ein Selbstmord-
raum

Wie ? 24.3. Dieses Buch (Jenseits
der Liebe
Jenseits der Liebe
) ist so hektisch geschrieben,
als ob der Autor dauernd etwas
vertuschen wollte (wieder das Bild, wie
wir als Kinder mit Plakaten auf der Brust rannten,
die sofort zu Boden fielen, wenn wir stehenblieben)
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stille​
Die weibliche Advokatin machte Mienen der Anteilnahme und war dabei völlig teilnahmslos; läutete das Telefon, nahm sie mitten ihren Teilnahmsbezeigungen sofort den Hörer ab, wie zufrieden über die Unterbrechung; zwischen ihr und der Klientin stand auf dem Tisch ein mächtiger Blumenstrauß, und beide beugten sich immer wieder zur Seite, um einander überhaupt zu sehen. Das Zimmer war kahl, nur ein Tisch, der überladen war; die Fensterscheiben waren beschlagen. Die Advokatin nahm immer wieder ihr kleines Gesetzbuch des bürgerl. Rechts zur Hand und blätterte darin als in ihrer Amtsinsignie, ohne etwas zu lesen. Es war ein Selbstmordraum​
24.3.
Dieses Buch (Jenseits der Liebe Jenseits der Liebe
) ist so hektisch geschrieben, als ob der Autor dauernd etwas vertuschen wollte (wieder das Bild, wie wir als Kinder mit Plakaten auf der Brust rannten, die sofort zu Boden fielen, wenn wir stehenblieben)​

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stille

Die weibliche Advokatin machte
Mienen der Anteilnahme und war
dabei völlig teilnahmslos; läu-
tete das Telefon, nahm sie mitten
ihren Teilnahmsbezeigungen sofort
den Hörer ab, wie zufrieden über
die Unterbrechung; zwischen ihr und
der Klientin stand auf dem Tisch
ein mächtiger Blumenstrauß, und
beide beugten sich immer wieder
zur Seite, um einander überhaupt
zu sehen. S❬D❭as Zimmer war kahl,
nur ein Tisch, der überladen war;
die Fensterscheiben waren be-
schlagen. Die Advokatin nahm
immer wieder ihr kleines Gesetz-
buch des bürgerl. Rechts zur Hand
und blätterte darin als in ihrer
Amtsinsignie, ohne etwas zu
lesen. Es war ein Selbstmord-
raum

Wie ? 24.3. Dieses Buch (Jenseits
der Liebe
Jenseits der Liebe
) ist so hektisch geschrieben,
als ob der Autor dauernd etwas
vertuschen wollte (wieder das Bild, wie
wir als Kinder mit Plakaten auf der Brust rannten,
die sofort zu Boden fielen, wenn wir stehenblieben)
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Die weibliche Advokatin machte Mienen der Anteilnahme und war dabei völlig teilnahmslos; läutete das Telefon, nahm sie mitten ihren Teilnahmsbezeigungen sofort den Hörer ab, wie zufrieden über die Unterbrechung; zwischen ihr und der Klientin stand auf dem Tisch ein mächtiger Blumenstrauß, und beide beugten sich immer wieder zur Seite, um einander überhaupt zu sehen. Das Zimmer war kahl, nur ein Tisch, der überladen war; die Fensterscheiben waren beschlagen. Die Advokatin nahm immer wieder ihr kleines Gesetzbuch des bürgerl. Rechts zur Hand und blätterte darin als in ihrer Amtsinsignie, ohne etwas zu lesen. Es war ein Selbstmordraum​
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Zitiervorschlag

Handke, Peter: Notizbuch 15.03.1976-16.04.1976 (NB 003). Hg. von Anna Estermann und Katharina Pektor. In: Ders.: Notizbücher. Digitale Edition. Hg. von Katharina Pektor, Ulrich von Bülow und Bernhard Fetz. Deutsches Literaturarchiv Marbach und Österreichische Nationalbibliothek, Wien: Release 14.06.2024. Seite 38. URL: https://edition.onb.ac.at/fedora/objects/o:hnb.nb.197603-197604/methods/sdef:TEI/get?mode=p_38. Online abgerufen: 18.06.2024.

Transkription und Übersetzung fremdsprachiger oder stenographierter Textstellen

Ioannis Fykias (Altgriechisch), Ana Grigalashvili (Georgisch), Angelika Kolesnikow (Russisch), Anna Montané Forasté (Spanisch), Helmut Moysich (Italienisch, Französisch), Martin Springinklee (Steno), Dominik Srienc (Slowenisch) und Dorothea Weber (Latein).

Lizenzhinweis

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