Die täglichen Scherben (jedenfalls das tägliche
Scherbengeräusch)

Der Himmel zwischen den verschie¬denen Stämmen
einer dicken Buche

Am❭ andern Ufer des Sees Aufspri¬tzen ❬?❭ von
Wasser, wo Kinder an einer Rutsche
spielen

der sich nähernde Regen, der einen
Hügelrücken nach dem andern verschwinden
läßt; von der Oberfläche des Sees weiter-
denken, wie von einer Anlaufbahn
(jetzt ist der See auch leer-
geworden, nur starkes Wind-
flimmern)

Einen fremden
Raum aushalten,
unbeweglich

Eine Buche, die sich
fast ins Seewasser
kniet; toter Fisch zwischen Seerosen

Das Pfarrhaus; der Pfarrgarten; die Frau mit dem
Kopftuch im Pfarrgarten, Salat setzend; das blinde
Fenster am Pfarrhaus

"milostai polna"❬1❭voll der Gnade; betende Weiber,
und quietschende Sakristeitüren

"Wer erwartet noch etwas von mir?"Sveta
Marija❬2❭ – "Zdrava Marija"❬3❭ (Gegrüßet!)

Goldene Heiligenscheine leuchten in der düsteren
Kirche; am Spätnachmittag die nördlichen Berge
wieder sichtbar, mit Schnee jetzt; "mati bo❬žja❭"❬4❭

Margeriten und Asparagus, von Pfeilern hän-
gend, vor dem Altar; ein kleines Mädchen
mit sehr langen Zöpfen; "Wo ist meine Mitte,
in jedem meiner Glieder, jetzt hier?"
116
Die täglichen Scherben (jedenfalls das tägliche Scherbengeräusch) ​
Der Himmel zwischen den verschie¬denen Stämmen einer dicken Buche ​
Am andern Ufer des Sees Aufspri¬tzen von Wasser, wo Kinder an einer Rutsche spielen ​
der sich nähernde Regen, der einen Hügelrücken nach dem andern verschwinden läßt; von der Oberfläche des Sees weiterdenken, wie von einer Anlaufbahn (jetzt ist der See auch leergeworden, nur starkes Windflimmern) ​
Einen fremden Raum aushalten, unbeweglich ​
Eine Buche, die sich fast ins Seewasser kniet; toter Fisch zwischen Seerosen ​
Das Pfarrhaus; der Pfarrgarten; die Frau mit dem Kopftuch im Pfarrgarten, Salat setzend; das blinde Fenster am Pfarrhaus ​
"milosti polna"❬1❭voll der Gnade; betende Weiber, und quietschende Sakristeitüren ​
"Wer erwartet noch etwas von mir?"Sveta Marija❬2❭ – "Zdrava Marija"❬3❭ (Gegrüßet!) ​
Goldene Heiligenscheine leuchten in der düsteren Kirche; am Spätnachmittag die nördlichen Berge wieder sichtbar, mit Schnee jetzt; "mati božja"❬4❭
Margeriten und Asparagus, von Pfeilern hängend, vor dem Altar; ein kleines Mädchen mit sehr langen Zöpfen; "Wo ist meine Mitte, in jedem meiner Glieder, jetzt hier?" ​
❬1❭Übersetzung: "voll der Gnade" (Editor*innen)
❬2❭Übersetzung: "Heilige Maria" (Dominik Srienc)
❬3❭Übersetzung: "Ave Maria" (Dominik Srienc)
❬4❭Übersetzung: "Mutter Gottes wird" (Dominik Srienc)

Zeichnungen

❬a❭Z22/NB 015: Haferähre; mittlere eh. Zeichnung (Fineliner: rot, Füllfeder: schwarz), mit Beschriftung und korrespondierender Notiz: "Geruch einer Weizenähre [: scharfdünner Geruch einer Haferähre]"(ES. 117).


Die täglichen Scherben (jedenfalls das tägliche
Scherbengeräusch)

Der Himmel zwischen den verschie¬denen Stämmen
einer dicken Buche

Am❭ andern Ufer des Sees Aufspri¬tzen ❬?❭ von
Wasser, wo Kinder an einer Rutsche
spielen

der sich nähernde Regen, der einen
Hügelrücken nach dem andern verschwinden
läßt; von der Oberfläche des Sees weiter-
denken, wie von einer Anlaufbahn
(jetzt ist der See auch leer-
geworden, nur starkes Wind-
flimmern)

Einen fremden
Raum aushalten,
unbeweglich

Eine Buche, die sich
fast ins Seewasser
kniet; toter Fisch zwischen Seerosen

Das Pfarrhaus; der Pfarrgarten; die Frau mit dem
Kopftuch im Pfarrgarten, Salat setzend; das blinde
Fenster am Pfarrhaus

"milostai polna"❬1❭voll der Gnade; betende Weiber,
und quietschende Sakristeitüren

"Wer erwartet noch etwas von mir?"Sveta
Marija❬2❭ – "Zdrava Marija"❬3❭ (Gegrüßet!)

Goldene Heiligenscheine leuchten in der düsteren
Kirche; am Spätnachmittag die nördlichen Berge
wieder sichtbar, mit Schnee jetzt; "mati bo❬žja❭"❬4❭

Margeriten und Asparagus, von Pfeilern hän-
gend, vor dem Altar; ein kleines Mädchen
mit sehr langen Zöpfen; "Wo ist meine Mitte,
in jedem meiner Glieder, jetzt hier?"
116
Die täglichen Scherben (jedenfalls das tägliche Scherbengeräusch) ​
Der Himmel zwischen den verschie¬denen Stämmen einer dicken Buche ​
Am andern Ufer des Sees Aufspri¬tzen von Wasser, wo Kinder an einer Rutsche spielen ​
der sich nähernde Regen, der einen Hügelrücken nach dem andern verschwinden läßt; von der Oberfläche des Sees weiterdenken, wie von einer Anlaufbahn (jetzt ist der See auch leergeworden, nur starkes Windflimmern) ​
Einen fremden Raum aushalten, unbeweglich ​
Eine Buche, die sich fast ins Seewasser kniet; toter Fisch zwischen Seerosen ​
Das Pfarrhaus; der Pfarrgarten; die Frau mit dem Kopftuch im Pfarrgarten, Salat setzend; das blinde Fenster am Pfarrhaus ​
"milosti polna"❬1❭voll der Gnade; betende Weiber, und quietschende Sakristeitüren ​
"Wer erwartet noch etwas von mir?"Sveta Marija❬2❭ – "Zdrava Marija"❬3❭ (Gegrüßet!) ​
Goldene Heiligenscheine leuchten in der düsteren Kirche; am Spätnachmittag die nördlichen Berge wieder sichtbar, mit Schnee jetzt; "mati božja"❬4❭
Margeriten und Asparagus, von Pfeilern hängend, vor dem Altar; ein kleines Mädchen mit sehr langen Zöpfen; "Wo ist meine Mitte, in jedem meiner Glieder, jetzt hier?" ​
❬1❭Übersetzung: "voll der Gnade" (Editor*innen)
❬2❭Übersetzung: "Heilige Maria" (Dominik Srienc)
❬3❭Übersetzung: "Ave Maria" (Dominik Srienc)
❬4❭Übersetzung: "Mutter Gottes wird" (Dominik Srienc)

Zeichnungen

❬a❭Z22/NB 015: Haferähre; mittlere eh. Zeichnung (Fineliner: rot, Füllfeder: schwarz), mit Beschriftung und korrespondierender Notiz: "Geruch einer Weizenähre [: scharfdünner Geruch einer Haferähre]"(ES. 117).
Zitiervorschlag

Handke, Peter: Notizbuch 24.04.1978-26.08.1978 (NB 015). Hg. von Anna Estermann, Vanessa Hannesschläger und Katharina Pektor. In: Ders.: Notizbücher. Digitale Edition. Hg. von Ulrich von Bülow, Bernhard Fetz und Katharina Pektor. Deutsches Literaturarchiv Marbach und Österreichische Nationalbibliothek, Wien: Release 02.05.2023. Seite 118. URL: https://edition.onb.ac.at/fedora/objects/o:hnb.nb.197804-197808/methods/sdef:TEI/get?mode=p_118. Online abgerufen: 28.11.2023.

Lizenzhinweis

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